Chirú - Murgia, Michela
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Als Eleonora und Chirú einander zum ersten Mal begegnen, ist sie achtunddreißig und er achtzehn Jahre alt. Nichts scheint die beiden zu verbinden. Und doch nimmt die bekannte Theaterschauspielerin den schlaksigen Musikstudenten als Schüler an, um seinen Weg für eine Weile zu begleiten. Sie führt ihn in ihre schillernde Künstlerwelt ein. Aber was ist diese lebensgewandte Frau für den Jungen - Lehrerin, Mutter, Geliebte? Von allem etwas und nichts davon ganz. Wie "Accabadora" beginnt auch dieser Roman Murgias in Sardinien, führt seine Protagonisten dann aber durch ganz Europa. Michela Murgia…mehr

Produktbeschreibung
Als Eleonora und Chirú einander zum ersten Mal begegnen, ist sie achtunddreißig und er achtzehn Jahre alt. Nichts scheint die beiden zu verbinden. Und doch nimmt die bekannte Theaterschauspielerin den schlaksigen Musikstudenten als Schüler an, um seinen Weg für eine Weile zu begleiten. Sie führt ihn in ihre schillernde Künstlerwelt ein.
Aber was ist diese lebensgewandte Frau für den Jungen - Lehrerin, Mutter, Geliebte? Von allem etwas und nichts davon ganz. Wie "Accabadora" beginnt auch dieser Roman Murgias in Sardinien, führt seine Protagonisten dann aber durch ganz Europa. Michela Murgia erweist sich erneut als sensible Erzählerin - sie entwirft kraftvolle, autonome Charaktere, die sie meisterlich durch die Untiefen menschlicher Beziehungen führt.
  • Produktdetails
  • Quartbuch
  • Verlag: Wagenbach
  • Seitenzahl: 197
  • Erscheinungstermin: 10. März 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 141mm x 22mm
  • Gewicht: 364g
  • ISBN-13: 9783803132871
  • ISBN-10: 3803132878
  • Artikelnr.: 47331175
Autorenporträt
Michela Murgia wurde 1972 in Cabras (Sardinien) geboren. Bei Wagenbach erschienen der SALTO-Band »Elf Wege über eine Insel« sowie im Taschenbuch »Camilla im Callcenterland« und »Murmelbrüder«. Ihr Erfolgsroman »Accabadora« wurde in 25 Sprachen übersetzt und auf Deutsch bereits über 150.000 Mal verkauft.
Rezensionen
Besprechung von 18.03.2017
Lasst perlende Arpeggien ertönen

Subtile Erotik: Michela Murgias sardischer Roman "Chirú" erzählt von der verrückten Liebe einer Geigenlehrerin zu ihrem Schüler.

Romane können Lebensstationen ihrer Verfasser markieren und sich dabei aus der Ferne Botschaften senden, in etwa so, wie früher Telegramme von Bahnhof zu Bahnhof geschickt wurden, über die Telegraphendrähte am Gleisrand. In ihrem raffiniert-archaischen Romanerstling "Accabadora" hatte die sardische Autorin Michela Murgia die Entwicklung ihrer Heldin mit folgenden Worten enden lassen: "Viele von den Dingen, die sie glaubte an dem Ufer zurückgelassen zu haben, von dem damals das Schiff nach Genua abgelegt hatte, kamen eins nach dem anderen zu ihr zurück, wie Treibholz, das nach einer Sturmflut an den Strand gespült wird." Echoartig sendet ihr neuer Roman "Chirú" nun seinen Anfangssatz zurück: "Chirú kam zu mir wie die Holzstücke an den Strand, geschliffen und verbogen, als Überrest eines langen Treibens."

Menschen und Erinnerungen als Treibholz, dem Wollen und Wirken der Gezeiten ausgeliefert: Den maritimen Bilderfundus bringen beide Romane zu voller Geltung. Die abermalige Verwendung der Metapher betont jedoch auch eine Veränderung: Während "Accabadora" das Heranreifen des Mädchens Maria in der Obhut einer Sterbehelferin nach altem sardischen Brauch beschrieb, steht Eleonora, die Erzählerin von "Chirú", mit Ende dreißig im vollen modernen Leben. Die Schauspielerin feiert internationale Erfolge und genießt in Cagliari, der größten Stadt Sardiniens, eine selbstbestimmte urbane Existenz. Sie wird ihrerseits Erzieherin von Chirú, einem siebzehnjährigen Geigenschüler, dessen Entwicklung sie begleitet.

Chirú bittet sie selbst darum. Keck tritt er in Eleonoras Leben, und mit ihm wird der Leser in diese Welt eingeführt, diejenige einer geschmackvollen, gutgekleideten und wählerischen Frau, die das soziale Treiben durchschaut. Glücklicher ist sie darüber nicht geworden, wie Chirú pointiert festhält: "Du bist unglücklich mit Klasse, sagen wir es so." Grund der Melancholie ist allerdings nicht nur eine illusionsfreie Sicht auf die Gesellschaft, sie nährt sich mehr noch aus familiären Verstrickungen, von denen Eleonora sich befreien musste: Den herrschsüchtigen Vater, der ihre Kindheit und Jugend zur Hölle gemacht hat, konnte sie, kaum volljährig, ins Gefängnis bringen; mehr als Andeutungen erhalten wir nicht. Detailliert werden hingegen eisige Kindheitserinnerungen geschildert, die, wie der Roman als Ganzes, schillern. Zum Beispiel die Jahrmarktsszene: Der achtjährigen Eleonora wird der Kauf eines begehrten Spielzeugs verweigert, und sie begreift plötzlich die Natur des "Getriebes von Belohnung und Strafe", welches der Vater konstruiert hat; es ist das Ende ihrer Kindheit und der Beginn des Misstrauens. Ist die archetypische Schroffheit der Szene ein Beispiel für edle Einfalt und stille Größe oder belegt sie eher einen leichten Hang zum Kitsch? Am Anfang des Romans neigt man zur ersten, am Ende eher zur zweiten Antwort.

Klarer ist der Fall in den Gesellschaftsschilderungen: Die Initiation in den Kulturbetrieb ist von gnadenlos-komischer Klarsicht. Man erinnert sich mit Genuss daran, dass Murgia in "Camilla im Callcenterland" ihre Erfahrungen als Staubsaugerverkäuferin zu einer bitterkomischen Satire verarbeitet hat und dabei viel Sinn für abgründige Dialoge gezeigt hatte. In "Chirú" wird etwa die Party eines römischen Produzenten mit fein-saurer Ironie geschildert. Das Ereignis ist eine "genauestens auf ihre fröhliche Wirkung hin kalkulierte Karawanserei aus Farben und Musik": "Während wir weiter hineingingen, wies ich ihn diskret auf die Flut von Presseleuten auf der Suche nach Kontakten hin, von Kritikern, Zulieferern verschiedener Presseerzeugnisse, und vor allem auf die Dutzende kräftiger, junger Männerkörper, zweifelhafte Talente mit unzweifelhaften Deltamuskeln, die wahllos und in alle Richtungen ihre Verführungskraft verströmten." Zu diesem Anlass lehrt Eleonora Chirú, die "Liturgie der Verstellung" zu durchschauen und Kleidung wie ein Buch zu lesen, das die soziale Stellung des Trägers preisgibt. Die Balzacsche Konstellation - die soziale Initiation eines jungen, ehrgeizigen Epheben durch eine ältere Mentorin - liefert die schwunghaftesten Szenen des Romans.

Sie werden treffend gezeichnet, stehen aber nicht im Zentrum des Romans. Weit wichtiger, weit heikler auch ist die Beziehung, die sich zwischen Lehrerin und Schüler entspinnt. Das Begehren ist von Anfang an massiv präsent. Schon die ersten Beschreibungen nimmt Eleonora liebenden Auges vor: "Sein längliches und noch unfertiges Gesicht unterschied sich nicht sehr von denen Tausender anderer Jugendlicher, die ich im Leben gesehen hatte: ein Schmelztiegel von im Werden begriffenen Gegensätzen, auf dem der Funke einer Identität aufleuchtete, die zwischen dem ,schon' und dem ,noch nicht' balancierte." Was erst wenig schmeichelhaft klingt, wird bald erotisch präziser: "Die dunklen Augen, das einzig Schöne, das sich an ihm bereits manifestiert hatte, waren groß und lebhaft, und sie bewegten sich ständig mit einer schamlosen Neugier, ohne jegliche Affektiertheit." Es ist die subtile Erotik des Versprechens. Eleonora verrät sogleich ihre Empfänglichkeit dafür, als ihr die Koseform Chirú entschlüpft. Die Anziehung wächst stetig, obwohl der junge Mann bald beweist, dass er geschickt und mitunter skrupellos manipuliert.

Brisant wird die Beziehung, als Eleonora im Rahmen einer Europa-Tournee nach Stockholm kommt und sich in Martin de Lorraine, den dortigen Operndirektor, verliebt: einen feinen, kultivierten Mann, dessen Ironie ein aufrichtiges Interesse kaum verbirgt. Die Zweier- wird zur brisanten Dreierkonstellation: Eleonora zögert ein Wiedersehen mit ihrem Zögling hinaus, und als Chirú sie schließlich am Ende der Tournee in Florenz wiedersieht, verliert der pädagogische Eros sein Adjektiv: Es kommt zu Vereinigung und Bruch. Der Epilog schildert ein Wiedersehen auf Distanz vier Jahre später: Lehrerin und Schüler haben eine neue Rolle gefunden, die Anziehung schwelt unter der Asche weiter.

Romane wie "Chirú", die eine radikale Innensicht wählen, stehen und fallen mit der Person, die ihre Geschichte erzählt. Den Leser muss sie nicht nur durch Konsequenz bestechen, sondern in ihm auch eine besondere Emotion erzeugen, nämlich Sympathie oder Faszination - und sei es dadurch, dass sie selbst fasziniert ist wie Eleonora von Chirú. Das ist nur die eine Hälfte: Auch die Entwicklung des Charakters, die auf dieser Emotion aufbaut, muss den Leser mitnehmen. In "Chirú" gibt es zwei Phasen: Über weite Strecken taucht der Leser gern in Eleonoras Welt ein, lässt sich durch die Abgründe der Vergangenheit schrecken und von der Latenz des jungen Torsos betören. Am Ende allerdings wird überdeutlich, dass ihr Romeo "ein verängstigter und erschütterter Achtzehnjähriger, nichts weiter" ist: Sie sieht es, bleibt aber in ihren Emotionen gefangen. Für das Wiedersehen vier Jahre später gilt das noch mehr: Die Sentimentalität der Heldin fließt aus den Zeilen wie schmelzendes Eis aus der Waffel, obwohl die Situation wenig Anlass dazu bietet.

Aber das ist vielleicht nur eine falsche Note am Schluss. Denn Michela Murgia belegt abermals dass sie packende Geschichten erzählt, einen Sinn für aberwitzige oder doppelbödige Dialoge hat und es versteht, ihre Leser für sardische Charaktere von universellen Maßen einzunehmen. "Chirú" ist ein schöner, abgründiger Roman, der melancholisch der "flüchtigen Grazie" der Jugend und den Gefahren ihres Sirenengesangs nachspürt.

NIKLAS BENDER

Michela Murgia: "Chirú".

Roman.

Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2017. 208 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 22.08.2017
Und die Mutter,
die hat Zähne
Michela Murgias Erziehungsroman „Chirú“
Schwärmerische Schüler-Lehrer-Geschichten sind ein bisschen aus der Mode gekommen, der Typus des idealistischen Erziehers wurde durch den lösungsorientierten Coach ersetzt, selbst zwischen Eltern und Kindern gilt Gleichberechtigung. Die sardische Schriftstellerin Michela Murgia, 1972 in Cabras geboren, kümmert das nicht. In allen ihren Büchern interessiert sie sich für Rituale des Übergangs und der Bindungen an Personen, die diese Prozesse begleiten.
In ihrem neuen Roman „Chirú“ sucht sich ein knapp volljähriger Geigenschüler aus dem Konservatorium eine zwanzig Jahre ältere Lehrerin aus, die Schauspielerin und Ich-Erzählerin Eleonora, und zwar einfach so, weil sie ihm imponiert. Sie wisse viele Dinge, die er noch lernen müsse. Es ist die Chuzpe, die Eleonara an diesem Jungen betört und sie dazu bringt, ihn zu ihrem Schüler zu machen, obwohl sie diese Funktion eigentlich nie mehr übernehmen wollte. Aber der Titelheld Chirú trifft etwas in ihr. Er habe denselben „Geruch von Fäulnis“ an sich, den sie auch von sich kenne, heißt es gleich auf der ersten Seite.
Treten die beiden in eine Art Orden ein, legen sie ein Gelübde ab? Tatsächlich beschwört Michela Murgia das emphatische Potenzial der klassischen Schüler-Lehrer-Beziehung, die sich aber in ihrem Roman vollkommen losgelöst von einer Ausbildung und ihrem institutionellen Rahmen entwickelt. Auch eine geheimnisvolle erotische Komponente schwingt mit, die aber ebenso verschwommen bleibt wie das ganze Unterfangen. Die elegante, sinnliche, kinderlose Eleonora ist so etwas wie eine Zen-Meisterin, eine Mischung aus fürsorglicher Mutter, koketter älterer Freundin und knallharter Mentorin, die das Potenzial des Jungen erkennt und das Beste aus ihrem Schützling hervorlocken will.
Nach dem Muster eines klassischen Bildungsromans erteilt sie ihm 18 Lektionen. Sie führt den jungen Mann in ihre Kreise ein, besucht sein Zwischenprüfungskonzert, nimmt ihn mit auf Partys in Rom, erklärt ihm die Finessen angemessener Kleidung und zeigt ihm, wie er sich den Habitus zulegen kann, den er braucht, um bei den richtigen Leuten zu landen. Außerdem konfrontiert sie ihn immer wieder mit seinen Widersprüchen und allem, was er an sich selbst nicht sehen will.
Ihr Schüler erweist sich als gelehrig und sagt der glamourösen Schauspielerin schon bald auf den Kopf zu, was wiederum sie im Innersten umtreibt: Sie sei unglücklich, dies aber mit Klasse. Chirú kann also auch austeilen, und seine Lehrerin ist entzückt von seiner aggressiven Unbeholfenheit. Eleonora entpuppt sich mehr und mehr als militante Küchentisch-Psychoanalytikerin, Hobby-Deuterin und wilde Interpretin jeder Seelenfalte. Jede Geste wird mit Bedeutung aufgeladen, die Sache verkehrt sich beinahe zu einer mystischen Erfahrung.
Es ist einigermaßen bizarr, wie sich Eleonora mit ihrem Ex-Freund Fabrizio, der ebenfalls so etwas wie ein Lehrer für sie war, regelmäßig über den neuen Schüler austauscht, ihn in jeden seiner Fortschritte einweiht und um Rat fragt. Fabrizio ist also so etwas wie der Supervisor. Ohne die Begriffe zu nennen, werden Elemente einer Psychoanalyse wie Übertragung und Gegenübertragung durchexerziert. Was aber auf der Couch zur Behandlung gehört, mündet hier immer wieder in allzu vorhersehbare Wendungen.
Und je mehr Eleonora sich in ihre Rolle als Erzieherin hineinsteigert, desto pathetischer überhöht sie diese Rolle: „Seine Verblüffung war für mich wie ein Rauschmittel, und sie hervorzurufen erlaubte mir, aus dem Fluss seiner lebendigen, klaren Intelligenz zu schöpfen, die noch im Werden begriffen war und voller Energie. … Chirú war von einer Reinheit, die mir anvertraut worden war, damit ich sie verletzte.“
Ihre Turiner Freundin fragt Eleonora eines Abends, wie viel es sie koste, mit ihren Schützlingen – es gab vor Chirú bereits drei andere – nicht ins Bett zu gehen. Gar nicht viel, erwidert Eleonora, sie verzichte darauf, werde aber mit denselben Gefühlen belohnt. Alles kreise ohnehin um das Begehren, und es sei auch keine Lösung. dem mit Mütterlichkeit zu begegnen. „Der Wille zu einer absoluten Mutterschaft hätte ihn zu meinem ewigen Sohn gemacht, ihn mit den versteckten Zähnen eines rationalen Uterus zerfleischt, der keine Freiheit außerhalb seiner selbst zulässt.“
Spätestens hier zeigt sich, wie nahe Murgia am Psycho-Kitsch-Abgrund wandelt. Die von einer Fülle therapeutischer Floskeln und pseudopoetischer Vergleiche durchsetzte Sprache des Romans macht es nicht besser. Dass man ihn dennoch mit einer gewissen Faszination liest, liegt weniger an den Selbstentblößungen der Heldin als an den Rückblenden in ihre sardische Kindheit und Jugend mit einem cholerischen Vater und einer manipulativen Mutter. Hier begibt sich Michela Murgia, die in ihrem Roman „Accabadora“ (2010) tief eingedrungen war in die Anthropologie ihrer Insel, auf vertrautes Terrain, und hier bekommen die Geschichtensplitter eine gewisse Dringlichkeit. Aber sonst fällt ihr in „Chirú“ zu wenig ein, und Eleonoras sich anbahnende Liebschaft wirkt arg konstruiert – ein sanftmütiger schwedischer Operndirektor ist der Glückliche, der die brutale Virilität des sardischen Vaters konterkariert. Am Ende hat der Schüler das Nachsehen, doch ein ödipaler Mini-Triumph ist ihm immerhin vergönnt.
In einem berühmten Film von Pier Paolo Pasolini, „Große Vögel, kleine Vögel“, kommt ein Schild vor, auf dem steht: „Lehrer sind dazu da, dass man sie mit scharfer Sauce verzehrt.“ Das war 1966, am Vorabend der Revolte gegen die Elterngeneration. Eine weibliche Spielart von Autorität auszuleuchten könnte ein interessantes Romansujet sein. Aber Michela Murgias Variante stachelt eher kannibalistische Fantasien an.
MAIKE ALBATH
Michela Murgia: Chirú. Roman. Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2017. 208 S., 20 Euro. E-Book 17,99 Euro.
Eleonora entpuppt sich mehr
und mehr als wilde Interpretin
jeder verborgenen Seelenfalte
Kaum kommt die sardische
Kindheit der Erzählerin ins Spiel,
gewinnt der Roman an Dichte
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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Susanne Lenz bewundert die sardinische Schriftstellerin Michela Murgia für ihre scharfe Beobachtungsgabe wie für ihren kraftvollen Ausdruck. Auch in dem neuen Roman "Chiru" findet sie viel davon, wenn die lebenskluge Schauspielerin Eleonora eine Affäre mit dem 17-jährigen Geigenschüler Chirú beginnt und ihn in den Kunstwelt Sardiniens einführt. Mit Hingabe liest Lenz vom Lärm zerbrechender Gewissheiten, vom Treibgut des Leben oder von der Verführungskraft jugendlicher Unverschämtheit. Dass die Autorin die Grenze zum Kitsch streift, verübelt ihr die Rezensentin nicht, sie verbucht das sogar als ein ihr selbst fehlendes kulturelles Verständnis.

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