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Eine Regierungsbeteiligung der extremen Rechten in Frankreich. "Der Block" beschreibt ein erschreckendes Szenario, das immer wahrscheinlicher wird - und wie es dazu kommen konnte.
Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten - der Patriotische Block - steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation.
Agnès führt als Parteivorsitzende die
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Produktbeschreibung
Eine Regierungsbeteiligung der extremen Rechten in Frankreich. "Der Block" beschreibt ein erschreckendes Szenario, das immer wahrscheinlicher wird - und wie es dazu kommen konnte.

Blutige Aufstände in den französischen Vorstädten, die Zahl der Toten steigt unaufhörlich. Die Partei der äußersten Rechten - der Patriotische Block - steht kurz vor dem Einzug in die Regierung. In dieser Nacht kann das Schicksal Frankreichs kippen, und sie ist für drei Menschen der Höhepunkt einer 25-jährigen Geschichte aus Gewalt, Geheimnissen und Manipulation.

Agnès führt als Parteivorsitzende die Verhandlungen. Ihr Ehemann Antoine wartet in seiner luxuriösen Pariser Wohnung auf das Ergebnis, Stanko, der Chef des paramilitärischen Ordnerdienstes der Partei, versteckt sich in einem schäbigen Hotelzimmer. Antoine ist morgen vielleicht Staatssekretär - Stanko jedenfalls soll morgen tot sein.

Ein Vierteljahrhundert lang waren die beiden wie Brüder. Ein Vierteljahrhundert lang waren sie bei allen Aktionen dabei, die den Patriotischen Block an die Macht gebracht haben. Ein Vierteljahrhundert lang sind sie vor nichts zurückgeschreckt. Sie haben dieses Leben geliebt, und sie bereuen nichts.

Jérôme Leroy legt mit "Der Block" eine atemberaubende Milieustudie vor; eine Innenansicht der Strömungen, die sich in der extremen Rechten verbünden. Ein hochaktueller und literarischer Thriller aus einem Milieu, das unter Hochdruck steht - nicht nur in Frankreich.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Nautilus
  • Originaltitel: Le Bloc
  • Seitenzahl: 320
  • Erscheinungstermin: 1. März 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 124mm x 30mm
  • Gewicht: 416g
  • ISBN-13: 9783960540373
  • ISBN-10: 396054037X
  • Artikelnr.: 47225557
Autorenporträt
Jérôme Leroy, geboren 1964 in Rouen, ist Autor, Literaturkritiker und Herausgeber. Er hat als Französischlehrer gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Leroy hat zahlreiche Kriminalromane veröffentlicht, auf Deutsch erschienen bisher "Der Block" (2017), ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis in der Kategorie International (3. Platz), und "Die Verdunkelten" (2018). Auf Französisch erschien zuletzt "La Petite Gauloise" (2018).
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Frankreich in einer nicht allzu fernen Zukunft. Banlieue und Staatsgewalt liefern sich blutige Schlachten, aber die konservative Regierung will nicht nachgeben, sondern als Zeichen der Stärke ein Bündnis mit dem patriotischen Block eingehen, einer Partei der äußersten Rechten. Bei einem nächtlichen Treffen werden die Ministerposten verhandelt - und in dieser Nacht erinnern sich zwei Männer des patriotischen Blocks an ihre Vergangenheit: der rechte Intellektuelle, Schriftsteller und Ehemann der Parteivorsitzenden Antoine Maynard und sein Waffen- und Blutsbruder Stéphane "Stanko" Stankowiak, der für die Partei einen paramilitärischen Ordnerdienst aufgebaut und die Drecksarbeit erledigt hat. Sie wissen beide, dass Stanko sterben muss - und mit ihm die schmutzigen Geheimnisse der Partei. In wechselnden Erzählsträngen schildert Leroy die Erinnerungen der beiden Männer, in denen sie über ihre Radikalisierung und vergangenen Taten nachdenken. Dabei spiegelt sich in ihren Erfahrungen der Zustand des politischen Milieus in Frankreich wider. Deshalb ist "Der Block" weniger ein Schlüsselroman zum Front National als vielmehr eine realistische und exzellent erzählte Abhandlung über das Sterben von Ideologien und die fortgesetzte Destabilisierung der Gesellschaft eines Landes.

© BÜCHERmagazin, Sonja Hartl (sh)

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 04.04.2017

Sprache
der Gewalt
In dieser Nacht übernimmt eine rechte
Bewegung die Regierung in Frankreich.
Jérôme Leroys „Der Block“
ist eine großartig erzählte
Parabel unserer Zeit
VON ALEX RÜHLE
Das innenpolitische Setting ähnelt zunächst dem von Michel Houellebecqs jüngstem Roman „Unterwerfung“. Das Buch spielt in naher Zukunft, Frankreich steht vor dem politischen Kollaps, in den Vorstädten gibt es Kämpfe zwischen Aufständischen und Militärpolizei, das Fernsehen überträgt nonstop, rechts oben im Bild läuft ein Zähler mit, der signalrot auflistet, wie viele Menschen gestorben sind. Zu Beginn der Nacht, die hier erzählt wird, sind es 752, am Morgen wird die Zahl auf fast 800 gestiegen sein. Sind das noch Unruhen oder ist es schon Bürgerkrieg?
Es geht also um soziale Konflikte und omnipräsente Angst. Houellebecq lässt in einer ähnlich explosiven Situation einen gemäßigten Islamisten ans Ruder kommen und schaut dann dabei zu, wie die gesamte Bourgeoisie geschmeidig zum Islam überläuft, weil man plötzlich nur so noch an Jobs und Frauen – dafür sogar mehrere Frauen! – kommen kann.
Jérôme Leroy benutzt das Bürgerkriegssetting für ein völlig anderes Szenario: Agnès Dorgelles, die Parteivorsitzende des rechtsextremen „Patriotischen Blocks“, wird in dieser Nacht an die Regierung kommen. Während sie und ihre Berater mit der bürgerlichen Regierungspartei um die Ministerposten schachern, liegen zwei Männer einsam in ihren Betten und können nicht schlafen: Antoine Maynard in seiner Pariser Luxuswohnung, Stanko in einem billigen Hotelzimmer. Antoine weiß, dass er am Morgen Staatssekretär sein wird, Stanko weiß, dass er den Morgen nicht mehr erleben soll. Er ist der Preis, den der „Block“ für zehn Ministerposten zahlen muss, hat er doch in früheren Jahren zu viele dreckige Aktionen zu verantworten gehabt. Antoine hat den Mord an Stanko mit in Auftrag gegeben, obwohl die beiden ungleichen Männer 25 Jahre lang engste Freunde waren.
Der Autor und Journalist Jérôme Leroy, langjähriges Mitglied der Kommunistischen Partei, bezeichnet den Aufstieg des Front National zur stärksten Partei Frankreichs in seinem kurzen Nachwort für die deutsche Übersetzung als „Tragödie“ – und greift deshalb für seinen Noir-Krimi auf die Form der klassischen Tragödie zurück, mit strenger Einheit von Zeit, Ort und Handlung und unserem Wissen darum, von Anfang an, dass am Ende jemand sterben soll.
Alles spielt also in nur einer Nacht, in nur zwei Räumen. Das ist erzählerisch anspruchsvoll. Politisch gewagt und besonders interessant ist das Buch erst deshalb, weil es keinen auktorialen Erzähler gibt, der als moralischer Puffer dienen könnte, sondern Rechte unplugged, zwei nächtliche, einander abwechselnde Monologe, der eine in Ich-, der andere in Du-Form: Ich ist Stanko. Du Antoine.
Leroy sieht den Noir als „Königsweg der Sozialkritik“. Er hat selbst viele Jahre lang als Französischlehrer im strukturschwachen Norden des Landes gearbeitet, dort wo der Front National heute auf vierzig Prozent der Stimmen und mehr kommt. Er weiß also genau, was es heißt, wenn die Rechte langsam aber sicher die kulturelle Hegemonie übernimmt. Sein Antoine passt in keine herkömmlichen Rechts-links-Schablonen. Er hat nichts gegen Ausländer, er hat nur früh das Gefühl gehabt, dass alles diffus aus dem Ruder läuft, er verachtet die moralische Selbstgefälligkeit, den Konsumismus und Hedonismus der Babyboomer-Generation, wobei er selbst in seiner Luxuswohnung rumsitzt und seiner Frau sexuell verfallen ist, der Anfangssatz des Buches lautet: „Letztlich bist du also wegen der Möse einer Frau Faschist geworden.“
Antoine Maynard hat zwar von klein auf die rechtsnationalen Denker gelesen, all das antidemokratische, antiliberale, völkische Zeug aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren, das jetzt plötzlich wieder so massiv da ist, in Frankreich und ja auch in Deutschland, und das, siehe Drieu la Rochelle, auch noch so faszinierend avantgardistisch-dandyesk vor sich hinschillert. Antoine ist im Grunde selbst ein zynischer Dandy, kein stumpfer Ideologe, während der alles entscheidenden Nacht schaut er „Masculin Féminin“ von Godard. Das Einzige, was ihn immer mit seinem Freund Stanko einte, ist seine trieb- und rauschhafte Lust an Gewalt.
Auch dieser Stanko, der immer nur die Sprache der Gewalt kannte und in seinem Leben einige so grausame Dinge gemacht hat, dass er noch heute davon Schlafstörungen hat, wird einem fast sympathisch, man drückt ihm zumindest irgendwann die Daumen, dass er die Hetzjagd überlebt. Stanko ist ein Kind der Strukturkrise, Ex-Skinhead, zuletzt Chefausbilder der geheimen Kampfeinheiten des Bloc. Die, die ihn jetzt jagen, hat er selbst trainiert.
Sein Vater war bei Usinor in Denain, dem ersten französischen Betrieb, der Mitte der Siebzigerjahre aufgrund des Ölschocks und der Globalisierung, die damals noch gar keinen Namen hatte, Massenentlassungen vornahm. So musste Stanko als Kind mitansehen, wie sein Vater aus dem Arbeitsmarkt entsorgt wird und sich deshalb umbringt. Stanko kann nur mit Gewalt auf Frustration reagieren und findet im Block mit seiner strengen Hierarchie und den homoerotischen Männerbünden bald eine Heimat. Im Grunde sind seine Kapitel ein dreckig-literarisches Gegenstück zu Didier Eribons Studie „Rückkehr nach Reims“: Nicht der Soziologieprofessor erzählt hier, warum seine proletarische Verwandtschaft zum FN übergelaufen ist, der kleine Mann erzählt selbst, warum diese Bewegung der einzige Ort sein kann, an dem er so etwas wie Heimatgefühle hat.
Antoine lernt in den Achtzigerjahren Agnès Dorgelles kennen, die Tochter des so zähen wie geschickten Parteigründers, dem es zu dem Zeitpunkt gerade gelungen ist, die extreme Rechte zu einen und nach seinem Bilde neu zu formen. Natürlich stehen für diese beiden fiktiven Figuren Jean-Marie Le Pen und seine Tochter Marine Pate. Französische Leser hatten beim Erscheinen des Originals 2011 ihre Freude daran, „Der Block“ als Schlüsselroman mit vielen Anspielungen auf Parteifunktionäre und innere Querelen zu lesen. Aber das ist unerheblich. Heute, sechs Jahre nach seinem Erscheinen in Frankreich, losgelöst von kleineren Parteigeschichten, wirkt der Roman wie eine allgemeingültige Parabel auf das Erstarken des rechten Populismus und als beklemmendes Requiem auf die Demokratie. Er liest sich auch auf Deutsch sehr gut, sieht man davon ab, dass Cornelia Wend das erzählende Imperfekt streckenweise albern streng ins Deutsche holt (Du ließest von ihm ab / das genossest du / – Perfekt-Konstruktionen kämen da lässiger, umgangssprachlicher und damit auch realistischer rüber).
In Frankreich läuft gerade der Kinofilm „Chez nous“, der den Aufstieg einer rechtspopulistischen Partei in einer Stadt im Norden Frankreichs erzählt, nachdem diese sich eine biedere Spitzenkandidatin gesucht hat. Das Drehbuch dazu hatte Jérôme Leroy verfasst. Der Front National spuckte Gift und Galle, einige Vertreter wollen den Film verbieten lassen.
Jérôme Leroy: Der Block. Kriminalroman. Aus dem Französischen von Cornelia Wend. Edition Nautilus, Hamburg 2017. 320 Seiten, 19,90 Euro. E-Book 15,99 Euro.
Stanko soll den Morgen
nicht erleben. Die ihn jagen,
hat er selbst trainiert
Alle Illustrationen: Stefan Dimitrov
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.04.2017

Keiner wird als Faschist geboren?

Wenn sie erst an der Macht sind, sprechen sie eine andere Sprache: In seinem Roman "Der Block" schaut Jérôme Leroy in die Eingeweide einer faschistoiden Partei - und fördert Entsetzliches zutage.

Es geschieht in Frankreich, in einer unbestimmten, nahen Zukunft. Was vor sich geht, ist in unser aller Köpfe, so nah wie nie. Der Bloc Patriotique, eine rechtspopulistische Partei, hat bei den Wahlen genug Zuspruch gefunden, um zehn Ministerien zu beanspruchen. Der Block ist der Zusammenschluss unterschiedlicher faschistoider Gruppierungen, geschmiedet von Roland Dorgelles, einem alten Mann, der als Söldner auf den Schlachtfeldern der Welt kämpfte. Wer dahinter den französischen "Front National" vermutet, liegt richtig. Zum überwältigenden Wahlerfolg hat Dorgelles' Tochter Agnès dieses Bündnis geführt. Agnès, die schlanke dunkelhaarige Wiedergängerin der blonden Chefin des Front National, übt mit ihren Paladinen jetzt Druck auf die noch amtierende Regierung aus.

Erschienen ist "Le Bloc" von Jérôme Leroy in Frankreich bereits 2011, in der "Série Noire" bei Gallimard. Damals waren die von der Pariser Banlieue aufs ganze Land übergreifenden Unruhen noch in frischer Erinnerung. "Der Block" ist weniger ein Kriminalroman als eine Abrechnung mit den gewalttätigen und kriminellen Energien, die den Siegeszug an die Macht eskortieren. Eine atemraubend dichte Dystopie, die in den vergangenen sechs Jahren an Aktualität eher zugenommen hat. Dass er die Realität aus juristischen Gründen habe "verpixeln" müssen, schreibt der Autor im Nachwort zur deutschen Ausgabe. Damit allerdings wird die Wirklichkeit - und die Wirkmacht - der von ihm geschilderten Vorgänge nur noch dramatischer offenbar.

In Anlehnung an die klassische Tragödie hat Leroy die Einheit von Ort, Zeit und Handlung gewählt. Alles geschieht in einer einzigen Nacht, der Nacht nach der Wahl. Während Agnès Dorgelles über die Regierungsbeteiligung verhandelt, wartet ihr Mann Antoine Maynard, der geborene Bourgeois, der einmal Lehrer und ambitionierter Romanautor war, in der gemeinsamen Wohnung in der Pariser Rue La Boétie auf ihre Rückkehr. Gleichzeitig versteckt sich Antoines enger Freund Stéphane Stankowiak, genannt Stanko, den er beim Militär kennenlernte, in einem miesen Hotel der Stadt. Stanko mit seiner Herkunft aus dem Proletariat ist seit Jahren der Führer der "Groupes de Protection du Parti", wie das mobile Schlägerkommando des Blocks heißt. Die GPP scheuen keine Greuel, sie machen die physische Drecksarbeit für die Partei. Aber noch in der Nacht soll Stanko von seinen eigenen Leuten liquidiert werden, der Block braucht eine saubere Visage, zu der passt der einstige Skin und Mörder nicht.

Leroy wählt einen genialen Trick, er erzählt aus gedoppelter Perspektive. Stankos Handlungen und Gedanken sind in der Ich-Form wiedergegeben. Antoine ist als ein Du angesprochen, genauer: Er spricht sich selbst in einer Art innerem Monolog an. So gelingt es dem Autor, gut vier Jahrzehnte dieser beiden so unterschiedlichen Lebensläufe sichtbar zu machen. Leroy hat sich in die Hirne seiner Protagonisten gebohrt. Was ihnen durch den Sinn rauscht, wird zur Blaupause der historischen und gesellschaftlichen Konstellationen, die dem faschistoiden Populismus in die Hände gespielt haben. Der beabsichtigte Nebeneffekt solch tiefer Introspektion liegt auf der Hand: Wenngleich nicht sympathisch, so werden diese Männer - die nicht als Typen, sondern als Charaktere ausgearbeitet sind - in Teilen jedenfalls nachvollziehbar. An die Stelle reflexhafter Ablehnung muss im Idealfall Reflexion treten. So stellt sich Leroy, vielleicht, in die Tradition der Aufklärung.

Der Roman ist über Strecken extrem brutal, vor allem in den Details der Vorgeschichte dieser beiden Körperkarrieren. Die expliziten Gewaltexzesse sind schwer aushaltbar. Während Stanko in Nibelungentreue wütet und drischt, zumal unter dem ständigem Druck seiner Homosexualität im Männerbund, den er selbst geformt hat, suhlt sich Antoine im Selbstbild des luxurierenden zynischen Intellektuellen, dem schon im Elternhaus von den Therapeuten pathologische Gewaltbereitschaft bescheinigt wurde. Dazu passend evoziert die von Leroy aus der Sicht seiner dramatis personae gewählte Sprache ständig Brutalität, in "Neger", "Musels", "Itzig", "Prolo", "Luder" gerinnen Fremdenhass, Antisemitismus, soziale Verachtung und Misogynie: Dass Sprachgebrauch Wahrnehmung codiert, und damit Handeln, ist bekannt. Weshalb ja in rechtspopulistischen Kreisen, sobald sie nach der Macht greifen, wie derzeit zu beobachten, solche Ausfälle inzwischen sanktioniert werden.

Um einen Satz kommt man nicht herum: "Letztlich bist du also wegen der Möse einer Frau Faschist geworden." Es ist der erste Satz und der letzte Satz von Antoine Maynard. Er ist blanker Sarkasmus, doch seine Wahrheit liegt da, wo keiner als Faschist geboren sein will, er will es durch die Verhältnisse geworden sein, und sei es das Begehren einer Frau. So gibt es auch nicht das eine faschistoide Milieu. Es ist nicht fassbar, eine amorphe Masse ohne wahrhaftige Überzeugungen, in Form gebracht durch Machtgeilheit. "Der Block" exerziert das durch. Es ist ein entsetzlicher, großartiger Roman - und ein scharfkantiger Thriller. Der Film im Kopf läuft weiter. Eine Katharsis hat nicht stattgefunden.

ROSE-MARIA GROPP

Jérôme Leroy: "Der Block".

Kriminalroman

Aus dem Französischen von Cornelia Wend.

Edition Nautilus, Hamburg 2017. 320 S., br., 19,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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