Die Carus-Sachen - Tellkamp, Uwe
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Zu Carus gehen: so verabschiedet sich der Gynäkologe von den beiden Kindern, wenn er sich während der frühen Achtziger des 20. Jahrhunderts in Dresden auf den täglichen Weg zur Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus macht. Der Namensgeber der Institution, 1869 in Dresden gestorben, kann als Prototyp der in der Romantik noch selbstverständlichen Doppelbegabung gelten: Naturwissenschaftler, Arzt wie Maler, Verfasser geisteswissenschaftlicher Studien (unter anderem über Goethe). Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn der Vater seine beiden Kinder zu Expeditionen in die unabhängige Kunstszene…mehr

Produktbeschreibung
Zu Carus gehen: so verabschiedet sich der Gynäkologe von den beiden Kindern, wenn er sich während der frühen Achtziger des 20. Jahrhunderts in Dresden auf den täglichen Weg zur Medizinischen Akademie Carl Gustav Carus macht. Der Namensgeber der Institution, 1869 in Dresden gestorben, kann als Prototyp der in der Romantik noch selbstverständlichen Doppelbegabung gelten: Naturwissenschaftler, Arzt wie Maler, Verfasser geisteswissenschaftlicher Studien (unter anderem über Goethe). Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn der Vater seine beiden Kinder zu Expeditionen in die unabhängige Kunstszene Dresdens und des Umlands verleitet - es sind die Carus-Sachen, die alle drei umtreiben, zu Versuchen eines Wiederanknüpfens an die ungeteilte Humanität anstiften.
  • Produktdetails
  • Insel-Bücherei 1460
  • Verlag: Insel Verlag
  • Seitenzahl: 96
  • Erscheinungstermin: 10. September 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 120mm x 12mm
  • Gewicht: 183g
  • ISBN-13: 9783458194606
  • ISBN-10: 3458194606
  • Artikelnr.: 52365188
Autorenporträt
Uwe Tellkamp wurde 1966 in Dresden geboren. Er studierte Medizin und leistete seinen Wehrdienst in einer Panzerkompanie der NVA. Wegen "politischer Diversantentätigkeit" verlor er seinen Studienplatz und saß während der friedlichen Revolution von 1989 wegen Befehlsverweigerung im Gefängnis. 1990 konnte er das Studium wieder aufnehmen und widmete sich parallel der Schriftstellerei. Für "Der Schlaf in den Uhren" erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis und den Dresdner Lyrikpreis. Nach dem gefeierten Roman "Der Eisvogel" erschien sein bisher bekanntestes Werk, "Der Turm". Es wurde mit dem Uwe-Johnson-Preis, dem Deutschen Buchpreis und dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet. In dem umfangreichen Werk beleuchtet Tellkamp das Dresdener Bildungsbürgertum vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der letzten Jahrzehnte.

Das meint die buecher.de-Redaktion: Wer zu einem Buch von Uwe Tellkamp greift, sollte Muße haben, sich auf die gründlich entwickelte Darstellung persönlicher, gesellschaftlich gefärbter Schicksale einzulassen. Es lohnt sich!
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 17.03.2018

Befreit zur
Romantik
Uwe Tellkamps jüngstes Buch
und die Erlösung vom Affekt
In den kommenden Tagen hätte der Schriftsteller Uwe Tellkamp, wie berichtet, eine kurze Lesereise durch Norddeutschland unternehmen sollen. Sie hätte einem Büchlein gedient, das im vergangenen August erschien. Uwe Tellkamp lässt seine großen Bücher gern mithilfe solcher Nebenarbeiten wachsen, und in dieser Gestalt sind einige seiner besten Arbeiten entstanden. Auch die „Carus-Sachen“ (Edition Eichthal, Eckernförde 2017. 96 Seiten, 18 Euro) sind ein Entwurf dieser Art, in der Gestaltung, in den minimalistischen Illustrationen von Andreas Töpfer, in der Erzählung, die nicht nur ihren Gegenstand der deutschen Romantik entnimmt, sondern auch ihre Atmosphäre und ihre Sprache: „Damals in den frühen Achtzigern, schien Dresden in der Tiefsee zu treiben. Eine Winterstadt voller Bücherhöhlen und Musikrefugien, vom Zeitsignal des Deutschlandfunks wie mit einem Echolot angepeilt.“ Die Lesereise ist nun abgesagt.
Die „Carus-Sachen“ sind Skizzen, literarische Übungen, in der drei Motive oder Themen zusammengeführt sind: Ein Sohn erzählt von seinem Vater, der Arzt ist und in der Medizinischen Akademie arbeitet, die nach Carl Gustav Carus benannt war, ein anonymer Erzähler entwirft ein Porträt eben jenes Carl Gustav Carus, des Arztes, Malers und Naturphilosophen der deutschen Romantik. Und es wird ein Porträt Dresdens in den späten Jahren der DDR entworfen, unter besonderer Berücksichtigung eines damals halbverfallenen Hauses im Villenviertel zwischen Klinikum und Waldpark. Zugleich aber ist diese Skizze ein Bekenntnis zu eben jener Romantik: zu einer Romantik, die, anders als das ihr geltende Vorurteil, nichts mit Weltflucht, verzärteltem Blick und lauter schönem Kram zu tun hat, sondern von analytischer Klarheit ist: „Die Carussche Romantik, in die Ernüchterungsbäder des Wissenschaftlers getaucht, erscheint mir angenehm kühl ... Sie ist nicht überhitzt und rauschhaft, eher kristallin“. Gleiches ließe sich über die Sprache sagen, die Uwe Tellkamp benutzt, um diese Romantik nicht nur anschaulich zu machen, sondern auch zu erklären: eine leise Sprache, die in weiten Schwüngen, frei und präzise formulierend, alles hinter sich lässt, was ihr möglicherweise an Bedrückung, Schmerz oder Enge vorausging. Befreiend ist diese Sprache, und das schließt die Befreiung von der Partikularität des Sprechers ein.
In den vergangenen Tagen ist Uwe Tellkamp zum Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung geworden, die er verursachte, als er, eher bollernd als sprechend, einem gängigen Ressentiment gegen die Einwanderung von Flüchtlingen und gegen eine angeblich linksliberale „Gesinnungsdiktatur“ das Wort redete. Immer wieder meinte er während seiner Einwürfe nicht argumentieren, sondern in einem stumpfen Affekt etwas feststellen zu müssen: „Ich will dazu nur kurz was einhaken“, und wenn es die beschworenen „Ernüchterungsbäder des Wissenschaftlers“ noch gab, so standen sie jedenfalls im Saal nicht auf Seiten Uwe Tellkamps. So wurde dieser Abend zum Dokument eines traurigen Misslingens, und zwar nicht zuletzt einer Anstrengung zum Zivilen, für die in jenem Büchlein just die romantische Sprache steht. Der furchtbare Verdacht, der sich angesichts dieser Differenz einstellt, besteht in der Vermutung, dass in diesem Fall beides zusammengehört, der stumpfe Affekt und die Befreiung vom Ressentiment durch die Sprache.
THOMAS STEINFELD
Die Sprache lässt hinter sich,
was ihr möglicherweise an
Schmerz und Enge vorausging
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