Juna ist siebzehn und will trotz ihres schwindenden Augenlichts um jeden Preis Malerin werden. Martha ist dreizehn und versucht alles, um aus dem Schatten ihrer begabten Schwester zu treten. Die zwei wechseln kaum ein Wort miteinander. Doch dann verschlechtert sich Junas Diagnose, und sie erkennen, dass sie sich nur gemeinsam gegen die Welt wappnen können. Einfühlsam und kraftvoll erzählt Cora Wucherer vom unstillbaren Hunger auf das Leben und von einem Sommer, der alles verändert. Seit sie denken können, teilen sich Juna und Martha ein Zimmer in ihrer engen Familienwohnung in München-Giesing. Doch das ist auch schon alles, was die beiden Schwestern gemeinsam haben. Juna, außergewöhnlich begabt und bedroht von einer seltenen Krankheit, erfährt, dass ihr wohl nur noch wenige Monate bleiben, bis sie ihr Sehvermögen verliert. Ihr Traum, einmal eine ebenso bedeutende Künstlerin zu werden wie ihr großes Vorbild Lotte Laserstein, scheint zu zerbrechen. Ihre jüngere Schwester Martha hingegen kämpft darum, überhaupt gesehen zu werden. Mit Junas Ausweis in der Tasche ergattert sie sich einen Nebenjob in einem Kino – und damit eine völlig neue Unabhängigkeit. Als Juna unbedingt ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen will, ergreift Martha ihre Chance und organisiert eine heimliche Reise für die beiden. Was als Abenteuer beginnt, wird zu einer ungeahnten Herausforderung – und die Schwestern geraten an die Grenzen dessen, was sie voneinander zu wissen glaubten.
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„Ich bin Marthas Schwester“, sage ich. Und trete ins Licht.
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 10.06.2026
Bewertungsnummer: 3163462
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die 17jährige Juna möchte unbedingt Malerin werden, schon immer war das ihr Traum. Auch die Diagnose „Usher-Syndrom“ und ihre drohende Erblindung halten sie nicht davon ab.
„Ich werde in fünf Monaten kaum noch sehen. Ich werde nicht auf die Kunstakademie gehen, ich werde nirgends hingehen. Wahrscheinlich werde ich für immer in diesem 15-Quadratmeter-Zimmer wohnen, und Martha wird die Einzige sein, die auszieht und in die Welt hinausgeht. Martha, die nicht auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, Martha, der alle Möglichkeiten offenstehen und die absolut nichts daraus macht.
Ich will nichts anderes machen als Malen. Ich will nicht BWL studieren, will nicht einer von diesen Menschen werden. Ich hatte einen Plan, ich hatte immer einen Plan. Jetzt habe ich plötzlich gar nichts mehr.“
Ihre besten Freundinnen Daria und Christina sind neben der Kunst das Wichtigste für sie, ihre Beziehung zu Constantin dagegen bröckelt.
Junas 13jährige Schwester Martha wurde oft übersehen, immer stand die Gesundheit ihrer Schwester, die neben dem schwindenden Augenlich zusätzlich von Geburt an einen Hörfehler hat, im Mittelpunkt. Martha ist es leid, ständig mit der talentierten Juna verglichen zu werden: „Wie oft habe ich das schon gehört? Ich bin immer nur Junas Schwester, aber in dick. Junas schlechtere Version.“
Früher standen sich die Schwestern nahe, inzwischen reden sie kaum miteinander.
Als Marthas bester Freund Alex ist in den Ferien verreist, verschafft sie sich heimlich und mit dem geklauten Ausweis ihrer Schwester einen Job im Kino. Sie genießt die Unabhängigkeit, freundet sich mit ihrem Kollegen Sam an. Und sie lernt Sophie kennen, die gerade erst nach München gezogen ist, und verliebt sich in sie. Doch wie soll sie ihr das sagen?
Als Junas Diagnose sich unerwartet schneller verschlechtert, ist das ein Schock für Juna:
„Ich denke an Dr. Aumüllers Worte, an Papas Drängen. Psychotherapie. Mobilitätstraining. Es kommt mir bescheuert vor, meine letzten kostbaren Monate darauf zu verwenden, mich auf die Dunkelheit vorzubereiten. Was für eine Verschwendung. Sollte ich nicht eher versuchen, noch möglichst viel zu schaffen? Zu sehen?“
Juna möchte vor ihrer Erblindung unbedingt nochmal ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen. Mit Marthas Kino-Gehalt brechen die beiden Schwestern heimlich nach Schweden auf. Doch das Abenteuer wird zu einer ungeahnten Herausforderung, und als Juna plötzlich spurlos verschwunden ist, ist Martha am Verzweifeln … Die beiden Schwestern begreifen, dass sie nur gemeinsam die Schwierigkeiten des Lebens meistern können.
Abwechselnd wird aus der Perspektive von Juna, Martha und ihrem Vater Georg erzählt, was mir sehr gut gefallen hat, ebenso der Schreibstil von Cora Wucherer. Die Abwesenheit der Mutter, die bei Marthas Geburt starb ist genauso greifbar wie Junas Verzweiflung angesichts der nahenden Erblindung; auch Marthas Zerrissenheit und Nichtgesehenwerden konnte ich so sehr nachfühlen.
Dass Cora Wucherer in den Roman auch Fakten über die Künstlerin Lotte Laserstein einfügt, Junas großes Idol, hat mir sehr gut gefallen und mich nun auch neugierig auf diese Malerin gemacht.
„All die Farben, all das Licht“ ist ein sehr berührender, intensiver Coming-of-age-Roman über Schwesternschaft, Freundschaft und Liebe, Zusammenhalt und Mut, der meine Erwartungen sogar übertroffen hat - ich vergebe 5 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung!
DANKE an den Klett-Cotta Verlag, Vorablesen.de & NetGalley.de für das Rezensionsexemplar!
Die Geschichte zweier Schwestern
Bewertung am 09.06.2026
Bewertungsnummer: 3162367
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Roman „All die Farben, all das Licht“ erzählt Cora Wucherer die Geschichte zweier Schwestern und wechselt dabei geschickt zwischen ihren Perspektiven. Die ältere Schwester Juna erhält die Diagnose, dass sie mit der Zeit erblinden wird. Trotz dieser Nachricht hält sie an ihrem Wunsch fest, Künstlerin zu werden.
Zeitgleich erlebt die jüngere Martha die Herausforderungen des Erwachsenwerdens und fühlt sich gezwungen, Verantwortung für ihre ältere Schwester zu übernehmen, obwohl diese weder Mitleid noch Bevormundung wünscht.
Anfangs ist ihr Verhältnis von starker Eifersucht und Konflikten geprägt, entwickelt sich im Verlauf der Geschichte jedoch weiter. Dieses langsame, aber fühlbare Wachstum ihrer Beziehung ist eines der schönsten Elemente des Romans. Es zeigt, wie Nähe und Verständnis entstehen können, auch wenn schwierige Gefühle und Konflikte zunächst dominieren.
Cora Wucherer überzeugt in ihrem Roman durch ihre einfühlsame und zugängliche Erzählweise. Ihre Sprache schafft es, die Leser tief in die Gefühlswelt der Figuren hineinzuziehen und deren innere Kämpfe spürbar zu machen.
Die Entscheidung, die Handlung aus beiden Perspektiven zu erzählen, ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Geschichte. Dadurch werden die unterschiedlichen Sichtweisen der Schwestern verständlich und ihre Beziehung vielschichtig dargestellt.
Cora Wucherer beweist ihr literarisches Talent, indem sie schwierige Themen sensibel behandelt und eine Geschichte schafft, die lange nach dem Lesen im Kopf bleibt und schafft Figuren, deren Entwicklung den Roman lesenswert macht.
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