Ein bewegendes Debüt: zwei Schwestern, ein Roadtrip und die Frage, wie man weiterlebt, wenn sich alles ändert
»Eine Geschichte voller Emotionen - großartig und beeindruckend erzählt.« Christine Westermann
»Eines der besten Debüts, die ich je gelesen habe« Dora Heldt
»Zwei hinreißende Schwestern in einer Geschichte voller Liebe, Mut und Hoffnung – dieser Roman hat mich glücklich gemacht.« Elena Fischer
»Eine Hommage an die Liebe zwischen Geschwistern und die unbezwingbare Kraft der Kunst.«. Annika Büsing
»Es ist eine Wucht!« Alina Bronsky
Juna ist siebzehn und will trotz ihres schwindenden Augenlichts um jeden Preis Malerin werden. Martha ist dreizehn und versucht alles, um aus dem Schatten ihrer begabten Schwester zu treten. Die zwei wechseln kaum ein Wort miteinander. Doch dann verschlechtert sich Junas Diagnose, und sie erkennen, dass sie sich nur gemeinsam gegen die Welt wappnen können. Einfühlsam und kraftvoll erzählt Cora Wucherer vom unstillbaren Hunger auf das Leben und von einem Sommer, der alles verändert.
Seit sie denken können, teilen sich Juna und Martha ein Zimmer in ihrer engen Familienwohnung in München-Giesing. Doch das ist auch schon alles, was die beiden Schwestern gemeinsam haben. Juna, außergewöhnlich begabt und bedroht von einer seltenen Krankheit, erfährt, dass ihr wohl nur noch wenige Monate bleiben, bis sie ihr Sehvermögen verliert. Ihr Traum, einmal eine ebenso bedeutende Künstlerin zu werden wie ihr großes Vorbild Lotte Laserstein, scheint zu zerbrechen. Ihre jüngere Schwester Martha hingegen kämpft darum, überhaupt gesehen zu werden. Mit Junas Ausweis in der Tasche ergattert sie sich einen Nebenjob in einem Kino – und damit eine völlig neue Unabhängigkeit. Als Juna unbedingt ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen will, ergreift Martha ihre Chance und organisiert eine heimliche Reise für die beiden. Was als Abenteuer beginnt, wird zu einer ungeahnten Herausforderung – und die Schwestern geraten an die Grenzen dessen, was sie voneinander zu wissen glaubten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
24.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Schwestern lernen, einander wirklich zu sehen
All die Farben, all das Licht“ von Cora Wucherer ist ein einfühlsamer Coming-of-Age-Roman über zwei Schwestern, die gemeinsam aufwachsen und ihre Familie doch vollkommen unterschiedlich erleben.
Im Mittelpunkt stehen die 17-jährige Juna und ihre Schwester Martha. Juna verliert zunehmend ihr Augenlicht und hält dennoch unbeirrt an ihrem großen Traum fest: Sie möchte Malerin werden. Ihre besondere Situation und ihre Kunst sorgen dafür, dass vor allem der Vater seine Aufmerksamkeit fast vollständig auf sie richtet. Martha hingegen läuft im Familienleben eher nebenher. Sie versucht, aus dem Schatten ihrer Schwester herauszutreten und ihren eigenen Platz zu finden.
Besonders interessant fand ich, wie unterschiedlich die beiden Schwestern ihre gemeinsame Realität wahrnehmen. Juna ist durch die jahrelange Aufmerksamkeit sehr stark auf sich selbst, ihre Bedürfnisse und ihre Kunst konzentriert. Martha wiederum hat gelernt, dass ihre eigenen Wünsche und Gefühle innerhalb der Familie oft weniger Raum bekommen. Durch die wechselnden Perspektiven kann man beide Seiten gut nachvollziehen und erkennt, wie sehr die familiäre Dynamik auch die Beziehung der Schwestern zueinander geprägt hat.
Ein Wendepunkt ist der gemeinsame Roadtrip nach Malmö. Dort wollen die Schwestern ein Bild von Junas Lieblingskünstlerin sehen – doch die Reise entwickelt sich ganz anders als geplant. Juna geht verloren und ist plötzlich auf sich allein gestellt. Vor allem die Begegnung mit Arvid eröffnet ihr eine neue Perspektive auf das Leben und darauf, welche Möglichkeiten ihr trotz ihres schwindenden Augenlichts offenstehen.
Auch innerhalb der Familie verschieben sich die Rollen. Als Martha plötzlich erkrankt, steht auf einmal sie im Mittelpunkt. Die gewohnte Dynamik gerät ins Wanken und alle Familienmitglieder sind gezwungen, einander neu wahrzunehmen. Nach und nach finden sie einen anderen Umgang miteinander und beginnen, sich aus ihren festgefahrenen Rollen zu lösen.
Für mich ist „All die Farben, all das Licht“ deshalb vor allem eine Geschichte über das Erwachsenwerden, Geschwisterliebe und die Frage, wie sehr unser Selbstbild davon geprägt wird, welchen Platz andere Menschen uns zuweisen. Der Roman zeigt sehr schön, dass es manchmal eine Veränderung der Perspektive braucht, um nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst neu sehen zu können.
Ein warmherziger und emotionaler Coming-of-Age-Roman über zwei sehr unterschiedliche Schwestern, über Familie, Kunst und darüber, den eigenen Weg zu finden.
Buchverliebt und leselustig
5/5
14.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch über Schwestern, dass mitten ins Herz trifft
Ich glaube, selten habe ich beim Lesen so oft gedacht: „REDET DOCH EINFACH MITEINANDER!“
Juna und Martha sind Schwestern, teilen sich seit Jahren ein Zimmer und könnten sich trotzdem kaum ferner sein. Juna kämpft um ihren Traum, Malerin zu werden, obwohl ihr langsam das Augenlicht genommen wird. Martha dagegen kämpft auf ihre ganz eigene Art darum, überhaupt gesehen zu werden. Beide haben ihre Ängste, ihre Wünsche und ihre Verletzungen. Nur darüber reden? Fehlanzeige.
Und genau das hat mich beim Lesen manchmal fast wahnsinnig gemacht. Gleichzeitig musste ich irgendwann innehalten und mich fragen: Habe ich mit meiner eigenen Schwester früher eigentlich wirklich über all diese Dinge gesprochen? Die ehrliche Antwort lautet: leider nein. Und plötzlich war dieses Buch nicht mehr nur die Geschichte von Juna und Martha.
Cora Wucherer erzählt sehr einfühlsam von zwei Schwestern, die sich eigentlich viel näher sind, als sie selbst glauben und trotzdem erst lernen müssen, einander wirklich zu sehen. Dabei geht es um Krankheit und Verlust, um Selbstständigkeit und erste große Abenteuer, um Kunst und Träume. Aber vor allem geht es um Familie und um all die Dinge, die zwischen Menschen stehen können, wenn man sie nicht ausspricht.
Besonders berührt hat mich Junas unbedingter Wille, trotz ihrer Diagnose Malerin zu werden. Ihre Liebe zur Kunst und ihr Hunger auf das Leben sind so intensiv beschrieben, dass mich manche Passagen wirklich zu Tränen gerührt haben.
Und dann ist da diese Reise nach Malmö. Was zunächst wie ein aufregendes Abenteuer zweier Schwestern beginnt, wird zu einer Reise, auf der beide gezwungen sind, sich selbst und einander neu zu begegnen. Ich mochte sehr, dass die Geschichte dabei nicht kitschig wird. Sie darf weh tun, sie darf wütend machen und sie darf gleichzeitig wunderschön sein.
All die Farben, all das Licht ist für mich ein Buch über das Sehen, weit über das Sehen mit den Augen hinaus. Über die Frage, ob wir die Menschen, die uns am nächsten stehen, wirklich wahrnehmen. Und darüber, wie viel Liebe manchmal hinter Schweigen, Streit und gegenseitigem Unverständnis steckt.
Ein Buch, das mich emotional ziemlich erwischt hat. Und eines, bei dem ich nach dem Lesen tatsächlich noch über meine eigene Schwester und unsere gemeinsame Vergangenheit nachgedacht habe.
Ich finde: Dieses Buch sollten alle Geschwister lesen. Vielleicht sogar gemeinsam. Und danach miteinander reden. ❤️
Lieben Dank an den Klett-Cotta Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars über Netgalley.
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
11.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
All die Farben, all das Licht
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und war leicht zu lesen. Die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt und blieb bis zum Schluss spannend, auch ohne grosse Dramaturgie.
Besonders schön fand ich, wie unterschiedlich die beiden Schwestern sind und in welch verschiedenen Lebensphasen sie sich befinden. Dennoch finden Sie immer wieder zueinander, auch wenn es der einen mal nicht ganz passt. Zwei Menschen, zwei Ansichtsweisen, zwei Geschichten, die sich auf besondere Weise verbinden. Eine sehr echte und persönliche Geschichte, die einem schnell packt.
Bewertung
5/5
10.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Träume neu gezeichnet werden müssen
Meine Gedanken:
All die Farben, all das Licht hat mich tief berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es ist eine Geschichte über Familie, über zwei Schwestern, über Krankheit und über Verlust. Den Verlust einer Mutter, den Verlust von Hoffnung und den Verlust von Lebensplänen. Und gleichzeitig ist es ein Buch voller Dinge, die nie ausgesprochen werden. Denn miteinander zu reden gehört in der Familie Vogl nicht unbedingt zu den größten Stärken. Gerade dadurch entstehen Missverständnisse, Einsamkeit und dieses schmerzhafte Gefühl, dass Menschen sich sehr lieben können und sich trotzdem nicht richtig erreichen.
Zwei Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten:
Im Mittelpunkt stehen Martha und Juna. Zwei Schwestern, zwei völlig verschiedene Persönlichkeiten und zwei junge Menschen, die beide auf ihre eigene Art versuchen, mit einer Familie umzugehen, die längst aus dem Gleichgewicht geraten ist. Man begleitet beide abwechselnd und bekommt dadurch nicht nur zwei Perspektiven, sondern auch zwei sehr unterschiedliche Wahrheiten. Das hat für mich wunderbar funktioniert. Denn weder Martha noch Juna haben allein recht. Beide sehen nur ihren eigenen Ausschnitt. Und genau darin liegt so viel von der Tragik dieser Geschichte.
Martha – laut, wild und trotzdem unsichtbar:
Martha ist 13 und eigentlich wirkt sie oft viel älter. Sie ist impulsiv, wild und steckt voller Ideen, bei denen ich manchmal lachen musste und manchmal nur den Kopf schütteln konnte. Sie denkt groß, handelt groß und vollbringt Dinge, die für ihr Alter erstaunlich sind. Und trotzdem hat sie ständig das Gefühl, dass niemand sie wirklich sieht.
Denn in ihrer Familie dreht sich vieles um Juna. Um Junas Krankheit, um Junas Zukunft, um Junas Verlust. Martha ist da, aber oft fühlt sie sich wie eine Randfigur im eigenen Leben. Und genau das hat mich bei ihr besonders getroffen. Unter all ihrer Lautstärke liegt nämlich sehr viel Verletzlichkeit.
Juna – Kunst, Angst und eine Zukunft, die plötzlich anders aussieht:
Juna ist 17. Künstlerin durch und durch. Sie malt, sie lebt für Kunst, sie verehrt Lotte Laserstein und träumt davon, selbst an einer Kunstakademie zu studieren. Doch dann verändert ein Termin beim Augenarzt alles. Juna wird erblinden.
Das Usher-Syndrom nimmt von da an unglaublich viel Raum ein. Nicht nur in ihrem Leben, sondern in der gesamten Familie. Plötzlich steht alles unter dem Zeichen dieser Krankheit. Juna hat das Talent, die Aufmerksamkeit und die große Sorge der Familie. Aber eben auch die Diagnose, die ihre gesamte Zukunft infrage stellt. Wie plant man weiter, wenn der größte Traum plötzlich bedroht ist? Wie hält man an etwas fest, wenn man nicht weiß, wie lange man es noch sehen kann? Diese Fragen liegen über ihrer ganzen Geschichte.
Kunst, die verbindet:
Kunst ist in diesem Buch nicht einfach nur Junas Leidenschaft. Sie ist eines der Herzstücke der gesamten Geschichte. Durch Juna wird auch Lotte Laserstein auf eine besondere Art lebendig. Man wandelt ein kleines Stück auf den Spuren der Malerin – bis nach Malmö in Schweden.
Und das hat bei mir tatsächlich etwas ausgelöst: Während des Lesens habe ich angefangen, einige Werke von Laserstein zu googeln, weil ich wissen wollte, welche Bilder Juna so faszinieren. Genau dadurch wurde die Geschichte für mich noch lebendiger.
Aber Kunst bedeutet hier noch viel mehr. Es geht darum, wie wir gesehen werden, was von uns bleibt und wie etwas weiterleben kann, wenn wir selbst irgendwann nicht mehr da sind. Und auch darum, dass Kunst heilsam sein kann. Sie hält fest, sie verbindet Menschen und sie gibt Gefühlen eine Form, für die manchmal die richtigen Worte fehlen. Gerade in einer Familie, in der so vieles unausgesprochen bleibt, fand ich diesen Gedanken wunderschön.
Was unausgesprochen bleibt:
Was mich besonders berührt hat, war dieses permanente Schweigen zwischen den Figuren. Nicht völlige Sprachlosigkeit, sondern dieses: Man redet, aber nicht über das Eigentliche. Man sagt etwas, aber nicht das, was wirklich wehtut.
Dadurch entsteht eine ganz eigene Spannung. Keine laute, keine dramatische, sondern eine, die sich langsam festsetzt. Weil man als Leser so oft denkt: **Redet doch miteinander. Sagt es euch endlich.** Und gleichzeitig versteht man, warum es ihnen so schwerfällt.
Georg – ein Vater zwischen Überforderung und Liebe:
Auch Georg, der alleinerziehende Vater der beiden, durchläuft für mich eine wichtige Entwicklung. Meist lernen wir ihn nur durch die Augen seiner Töchter kennen. Das macht ihn zunächst schwer greifbar. Denn Martha und Juna sehen natürlich jeweils einen anderen Vater. Einen, der unterschiedlich handelt, unterschiedlich enttäuscht und unterschiedlich liebt.
Dass es schließlich ein Kapitel gibt, das nur ihm gehört, fand ich deshalb besonders stark. Zum ersten Mal bekommt man einen direkteren Blick darauf, was in ihm selbst passiert. Auch er trägt Verlust, auch er ist überfordert, auch er versucht irgendwie, diese Familie zusammenzuhalten. Nicht immer gut. Aber menschlich.
Alex und all die Menschen dazwischen:
Und dann ist da Alex. Jeder braucht einen Alex im Leben. Dieser beste Freund, der unnützes Wissen mit sich herumträgt und trotzdem genau dann die richtigen Worte findet, wenn sie gebraucht werden. Ich mochte ihn unglaublich gern.
Aber auch Sophie, Sam, Daria, Christina und Constantin haben für mich dazu beigetragen, dass sich die Welt rund um Martha und Juna lebendig angefühlt hat. Sie alle sind Teil ihres Lebens. Nicht bloß Staffage, sondern Menschen, die auffangen, begleiten, nerven, helfen oder einfach da sind. Und manchmal ist genau dieses Dasein das Wichtigste überhaupt.
Schreibstil:
Cora Wucherers Schreibstil hat für mich sehr gut zur Geschichte gepasst. Er ist leicht zu lesen und trotzdem voller Gefühl. Ich würde ihn fast als alltagstaugliche Poesie beschreiben. Nie überladen, nie zu künstlich, aber immer wieder mit Sätzen, die hängen bleiben.
Besonders stark fand ich, wie genau sie die Stimmen von Martha und Juna trifft. Beide erzählen anders, beide fühlen anders, beide klingen nach sich selbst. Und obwohl der Roman viele leise Töne anschlägt, gibt er beiden Schwestern sehr starke Stimmen.
Entwicklung:
Sowohl Martha als auch Juna machen im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durch. Nicht plötzlich, nicht geradlinig, sondern mit Rückschritten, Fehlern, Wut und Schmerz. Und auch Georg verändert sich.
Genau das mochte ich so sehr. Niemand ist am Ende einfach „geheilt“. Niemand hat plötzlich alle richtigen Antworten. Aber die Figuren lernen, sich ein kleines Stück besser zu sehen. Und vielleicht auch ein kleines Stück besser zu verstehen.
Was bleibt?
All die Farben, all das Licht ist für mich eine Geschichte über Verlust, ohne nur traurig zu sein. Über Krankheit, ohne sich nur um Krankheit zu drehen. Über Familie, ohne Familie zu verklären. Und über Schwesternschaft, ohne so zu tun, als wäre Nähe immer einfach.
Aber vor allem nehme ich auch die Kunst aus dieser Geschichte mit. Den Gedanken daran, gesehen zu werden, Spuren zu hinterlassen und etwas zu schaffen, das über den Moment hinaus Bestand hat. Und daran, dass Kunst manchmal genau dort eine Verbindung herstellen kann, wo Worte nicht mehr reichen.
Martha und Juna haben mich beide auf ganz unterschiedliche Weise berührt. Die eine laut, die andere stiller, und beide mit sehr viel Schmerz unter der Oberfläche.
Und auch wenn Juna nur eine fiktive Figur ist, wünsche ich ihr nach diesem Buch von Herzen alles erdenklich Gute für ihre Zukunft. Ich wünsche ihr, dass sie ihre Träume verwirklichen kann. Nicht trotz ihrer Krankheit. Sondern mit ihrer Krankheit.
Vielleicht hat mich genau das an dieser Geschichte so bewegt. Dass ein veränderter Lebensplan nicht automatisch das Ende eines Traums bedeuten muss. Manchmal muss der Weg dorthin nur neu gezeichnet werden.
Bewertung
5/5
05.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderbar
„All die Farben, all das Licht“ ist der gelungene Debüt- Roman von Cora Wucherer, der mich absolut beeindruckt hat. Coming-of-Age-Geschichten gehören eigentlich nicht zu meinen Lieblingsgenres – aber diese Geschichte ist anders im besten Sinne.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern Juna und Martha, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Juna ist mit ihren 17 Jahren die Älteste und leidet am Hunter-Syndrom, einer unheilbaren Hörsehbehinderung, die in absehbarer Zeit zu ihrer vollständigen Erblindung führen wird. Ausgerechnet ihr großer Traum, Malerin zu werden, scheint dadurch unerreichbar. Ihre Frustration, ihre Wut und ihre Verzweiflung sind unglaublich nachvollziehbar und werden sehr authentisch beschrieben.
Martha, die jüngste Tochter, ist körperlich gesund, trägt aber ihre ganz eigenen tiefen Wunden in sich, denn ihre Mutter starb bei ihrer Geburt. Besonders gut gefallen hat mir, dass Martha nicht einfach nur die kleine Schwester ist, die in Junas Geschichte eine Nebenrolle spielt. Sie bekommt ihren eigenen Raum, ihre eigene Entwicklung und geht trotz ihres jungen Alters erstaunlich selbstständig ihren Weg.
Die komplizierte Beziehung der beiden Schwestern ist das Herzstück des Romans. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt über eine Geschwisterbeziehung gelesen habe, die so glaubwürdig dargestellt wurde. Liebe, Eifersucht, Fürsorge und gegenseitige Verletzungen - diese vielschichtigen Emotionen schließen sich nicht aus, sondern sind notwendige Bedingung für das Gleichgewicht in dieser komplexen Schwesternbeziehung.
Mich hat das Buch tief bewegt und an einer Stelle sind mir sogar Tränen gekommen. Die vielschichtigen Charaktere sind großartig beschrieben und wirken authentisch. Man versteht ihre Gefühle, ihre Entscheidungen und auch ihre Fehler. Vor allem das Ende hat die Geschichte meiner Meinung nach richtig rund gemacht.
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