Ein Luxuskaufhaus, ein toter Geschäftsführer und eine treue Reinigungskraft, die mehr Geheimnisse hütet, als sie preisgibt: '¿Die Auster¿ liest sich wie ein echter Klassiker und ist zugleich auf beunruhigende Weise aktuell.' (Stefanie De Velasco)
Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt. Und niemand scheint sich in dieser Welt, wo Glanz und Elend, Armut und Reichtum so entwaffnend aufeinandertreffen, besser auszukennen als die 73-jährige Leonora. Doch kennt sie wirklich alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst?
Die gefeierte Stilistin Yael Inokai inszeniert eine Kriminalgeschichte, die ein feingefügtes Netz menschlicher Schicksale birgt.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
Bewertung
aus Quickborn
4/5
26.07.2026
eBook (ePUB)
Leonora Blochs Geheimnisse
Zuerst: mir hat der Roman, den der Hanser Verlag als Kriminalgeschichte ankündigt, sehr gefallen. Beim Lesen stellte sich ein Vergleich ein, ich erinnerte mich an George Simenons Kriminalromane, die still und leise, aber mit höchster Aufmerksamkeit, das Milieu und die Protagonisten charakterisieren und in ein mattes Licht tauchen. Das tut Yael Inokai auf eine ganz ungewohnt pragmatische Art auch. Sie lässt ihren Roman mit einem Mord beginnen und beginnt damit die Erzählung eine ganzen Lebensgeschichte.
Was passiert? Leonora Bloch, 74, Rentnerin mit Miniputzjob, entdeckt ihren privaten Arbeitgeber Dr. Bronstett tot, ohne Hände, in einer riesigen Blutlache in seiner Küche. Ihr Job ist Putzen, also putzt sie. Der Schock kommt erst später. Auch der der Polizisten, die sich einem blitzblanken Tatort gegenübersehen. Aber, wie das so ist, irgendetwas bleibt immer übrig. Und seien es die Gedanken. Leonoras Arbeitgeber war der Tote auch schon zu früheren Zeiten, er war bis zu seinem gewaltsamen Tode Geschäftsführer des größten und schönsten Kaufhauses in Berlin am Tauentzien. Ja, es gibt dort nur eins, das berühmte KdW wird aber nie mit Namen genannt. Es war jedenfalls auch für viele Jahre die Arbeitsstätte von Leonora wie auch für Dr. Bronstett, sie kennt das Kaufhaus wie ihre Einkaufstasche, die Angestellten, so sie noch da sind, ebenso. Besonders gut kennt sie den Kaufhausdetektiv Friedhelm, beide sind eng befreundet, Friedhelm ist schwul, aber nicht besonders detektivisch veranlagt. Trotzdem kommt er im Laufe der Handlung auch an Insiderwissen, das zumindest Leonora hilft, sich einen Reim auf manches zu machen. Als eine der Hände in der Feinkostabteilung im Eis zwischen frischen Fischen gefunden wird, ist das Spektakel riesig, bringt aber die Polizei noch nicht so recht weiter. Auch die ehemaligen Kolleginnen sind bei der Mördersuche nicht sehr hilfreich, nur Leonoras liebste Freundin Ilcsi hat da ein paar Geheimnisse, die sie nicht gern preisgibt.
Leonora indes denkt und denkt, erinnert sich an all die verflossenen Lebensjahre, an ihren toten Sohn, an ihren Ex-Liebhaber und Zahnarzt, an die Veränderungen der Verkaufskultur, an gute Zeiten und schlechte. Zwischendurch wird sie von der Tochter des Mordopfers zur Helferin in Beerdigungsfragen auserkoren, die kleinen Scharmützel, die ausgetragen werden, befeuerten meine Gehirnzellen beim Lesen ebenso, wie die Ausflüge ins ach so vertraute KdW, in die unvergleichliche „Fressetage“, beim Slalomlauf zwischen den Rolltreppen oder beim Gang vor die Tür für eine Zigarette. Ich ließ mich von Erinnerungen tragen und versuchte, wie Leonora, hinter das Geheimnis dieses abscheulichen Mordes zu kommen.
Die Autorin formuliert so herrliche Sätze, einen möchte ich zitieren, er beschreibt perfekt die Tochter des Ermordeten: „Sie band sich die Schnürsenkel ihrer Stiefel, Öse um Öse, nicht tot hätte man sie mit einem Modell erwischt, das auf der Seite auch noch einen Reißverschluss hatte.“
So viel sei verraten, es wird sich alles aufklären, zumindest für Leonora und den Leser. Mich hat das Buch sehr gut unterhalten, kein Slapstick, kein Cosy Crime, sondern teils sehr berührende Momente, ich empfehle sehr, dieses Buch zu lesen. Für mich jedenfalls eine schöne Erinnerung an meine Heimat Berlin und ein Blick in ein Lebensumfeld, wie ich es trotzdem nicht kannte, obwohl ich nur fünf Minuten vom KdW entfernt jahrelang gearbeitet habe.
Das Cover wird auf dem Ladentisch bestimmt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, der Blick in Luxuswelt des Kaufhauses, ein schönes Blau, schon nah am Himmel.
Zum Schluss denkt Leonora an „ihre erste Auster, weil sich jeder an seine allererste Auster erinnerte.“ Die Auster könnte aber auch das Synonym für sie sein, die wie eine Auster ihre Perlen nicht freiwillig zeigt.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Reader1965
aus Hamburg
4/5
21.07.2026
eBook (ePUB)
Geheimnisvolle Leonora
Zu "Die Auster" von Yael Inokai klang die Inhaltsangabe interessant: Der Geschäftsführer eines Luxuskaufhauses wird tot aufgefunden und die 73-jährige Reinigungskraft Leonora säubert den Tatort - bevor die Polizei eintrifft.
Hier steht nicht der Kriminalfall im Vordergrund, sondern Leonora & das Kaufhaus. Yael Inokai hat einen angenehm lesbaren Schreibstil und erzählt ruhig & unaufgeregt. Ihr Focus liegt auf den Menschen, die im Leben im Hintergrund stehen, und ihren Sehnsüchten & Ängsten. So wie Leonora, die viel sieht, sich ihre Gedanken dazu macht, sich erinnert, aber auch Vermutungen anstellt & ihre Geheimnisse hütet. Mir hat gefallen, mit welch feinem Gespür aktuelle Themen angesprochen werden und wie der Kosmos "Kaufhaus" in die Handlung eingebunden ist.
Eine Geschichte mit einem menschlichen Blick auf unsere Gesellschaft.
Bewertung
4/5
21.07.2026
eBook (ePUB)
Wirkungsvoll
Schon die Ausgangssituation – ein ermordeter Geschäftsführer in einem traditionsreichen Kaufhaus – erzeugt eine spannende Atmosphäre, doch im Mittelpunkt steht für mich etwas anderes.
Besonders interessant ist die Perspektive der Reinigungskraft Leonora Bloch. Durch ihre Augen erhält man Einblicke in eine Welt, die sonst oft im Verborgenen bleibt. Sie beobachtet seit Jahrzehnten das Leben der Kundinnen und Kunden sowie der Angestellten und weiß dabei mehr über sie, als diese vermutlich ahnen. Diese stille Beobachterrolle macht den Reiz des Romans aus.
Gleichzeitig schildert das Buch sehr anschaulich, wie hart das Leben für Menschen ist, die körperlich arbeiten müssen und wirtschaftlich stark von ihren Jobs abhängig sind. Es wird deutlich, wie unsicher solche Arbeitsverhältnisse sein können und wie schnell Existenzen ins Wanken geraten.
Die Kriminalgeschichte dient dabei eher als roter Faden, der die verschiedenen Figuren und Schicksale miteinander verbindet. Sie bleibt stellenweise im Hintergrund und wirkt fast wie ein Beiwerk – was aber nicht unbedingt negativ ist, sondern den Fokus stärker auf die gesellschaftlichen Themen lenkt.
Insgesamt ist „Die Auster“ gut und flüssig geschrieben, mit einem feinen Gespür für Atmosphäre und zwischenmenschliche Dynamiken.
Lesemone
3/5
29.07.2026
eBook (ePUB)
Die Beobachterin
Leonora Bloch putzt seit über 40 Jahren beim Geschäftsführer des hiesigen Kaufhauses Dr. Bronstett. Dieser wird ermordet aufgefunden, doch die Spuren wurden verwischt, denn Leonora ist eine gründliche Putzfrau. Sie kennt auch die Menschen im Kaufhaus sehr gut und hört sich dort um. Sie trifft dort auf unerwartete und nie ausgesprochene Dinge. Was verbirgt sie selbst?
Ich hatte eher andere Erwartungen an die Geschichte. Der Roman hat nur einen kriminalistischen Hintergrund, beleuchtet jedoch eher die einzelnen Personen, auf die Leonora im Kaufhaus trifft. Von den Ermittlungen zum Tod des Geschäftsführers erfährt man kaum was. Am skurrilsten fand ich die Familie des Toten. Ich empfand sie als sehr emotionslos beschrieben und eher genervt, dass sie eine Beerdigung organisieren müssen. Aber auch da ist Leonora stets zur Stelle. Sprachlich hat mir die Geschichte gut gefallen. Ich mag jedoch keine Bücher, bei denen so vieles zwischen den Zeilen steht. Die Handlung plätschert vor sich hin und es gibt keinerlei Spannung. Geschmäcker mögen unterschiedlich sein, mein Geschmack hat das Buch nicht so ganz getroffen.
Bewertung
3/5
06.07.2026
eBook (ePUB)
Wild und bunter Roman
Leonora ist eine ältere Dame, die alles gesehen erlebt hat. Ihr Leben spielt sich im Hintergrund ab. Früher hat sie in einem Kaufhaus geputzt, später für dessen Geschäftsführer.
Als dieser getötet wird, nimmt uns Leonora mit in ihr Leben und zeigt uns, wie sie um alles kümmert, zb. Die Beerdigung oder die Sauberkeit und gebraucht wird.
Dieses Buch ist nicht so wie ich es mir vorgestellt habe, sondern trotz einer grauen Maus als Protagonistin, die nicht viel und nicht gerne von sich Preis gibt. Dennoch wirkt dieser Roman auf mich bunt und wild, vor allem vom sehr guten Schreibstil.
Das liegt nicht wirklich an der Handlung, die sehr lahm ist, sondern für mich an den Charaktern und den Gesprächen.
Da man dabei sehr mühsam und bröckchenhaft auf Infos- egal in welcher Hinsicht wartet (zum Tod, zu Leonoras Familie, zum Tötenden, zu Bruno und anderen Verhältnissen)- wurde es mir zu langweilig.
Inhaltlich geht es stumpf gesagt um einen Toten, dessen Beerdigung organisiert werden muss und wenn man Glück hat, erfährt man etwas zu den Todesumständen.
Es ist auf gar keinen Fall ein Krimi o.ä. , sondern ein Roman, den man sorgfältig lesen muss, um die Personen zu verstehen und ein wenig hinter den Zeilen zu lesen.
Mir war das aber leider immer noch zu wenig. Wahrscheinlich einfach nicht für mich gemacht.
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