Lucy Pym, ehemalige Französischlehrerin und unverhoffte Bestsellerautorin, wurde ans Leys Physical Training College eingeladen, um einen Vortrag zu halten. Eigentlich will sie nur eine Nacht bleiben – die Glocke schrillt morgens um halb sechs, und das Essen im Speisesaal ist nur allzu nahrhaft. Doch die angehenden Sportlehrerinnen, die hier ausgebildet werden, wickeln die Autorin, die noch dabei ist, sich an ihre neue Berühmtheit zu gewöhnen, um den Finger, und zu Hause in London hat Lucy ohnehin nicht viel zu tun. Sie verlängert ihren Aufenthalt um ein paar Tage, dann auf ein paar Wochen und taucht in das scheinbar idyllische Collegeleben ein, in die abgeschiedene Gemeinschaft junger Frauen, die Lucy alle nur so vor Fleiß, Gesundheit, Selbstbewusstsein und Intelligenz zu strotzen scheinen. Und vor Normalität. Dass die Schülerinnen Kuchen stehlen und die unerlaubte Abkürzung durch die Turnhalle nehmen, sind die schlimmsten Verbrechen, die man sich an diesem Ort ausmalen kann. Oder?
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Jürg K.
4/5
17.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannend, packend bis zum Schluss
Ich habe Tod im College mit einer seltsamen Mischung aus Nostalgie und Unbehagen gelesen. Das abgeschottete Internatsmilieu ist so präzise und sinnlich beschrieben, dass ich die klirrende Morgenkälte, das dumpfe Glockengeläut und den Geruch von Turnhallenboden förmlich vor mir sah. Lucy Pym wirkt auf den ersten Blick wie eine sympathische, leicht fehlplatzierte Heldin. Eine Frau, die zwischen Ruhm und Unsicherheit schwankt und gerade diese Ambivalenz macht sie für mich interessant. Josephine Tey versteht es, aus dem Alltäglichen eine unterschwellige Bedrohung zu weben. Die scheinbare Normalität der Schülerinnen wird zur Quelle latenter Spannungen, und das Misstrauen wächst leise, aber unaufhaltsam. Besonders gelungen finde ich die Beobachtungsschärfe. Kleine Gesten, Blicke und Rituale erzählen mehr als plumpe Enthüllungen. Das Buch bleibt lange nachklingend nicht wegen eines spektakulären Showdowns, sondern wegen der feinen, verstörenden Einsicht, wie schnell Normalität in Verdacht umschlagen kann.
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