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Als Peri auf dem Weg zu einer Dinnerparty in Istanbul auf offener Straße überfallen wird, fällt ein Foto aus ihrer Handtasche – ein Relikt aus ihrer Studienzeit in Oxford. Daraufhin wird sie von der Erinnerung an einen Skandal eingeholt, der ihre Welt für immer aus den Fugen gehoben hat. Elif Shafak verwebt meisterhaft Fragen der Liebe, der Schuld und des Glaubens und erzählt, wie der Kampf zwischen Tradition und Moderne die junge Frau zu zerreißen droht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Alexandra
aus Kerzers
5/5
24.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erkenntnis bedeutet Freiheit
Hauptfigur ist Peri. Sie ist in Istanbul zur Welt gekommen und dort auch aufgewachsen. Seit ihres Lebens steht sie zwischen ihrer Mutter, eine gläubige und praktizierende Muslima und ihrem Vater, einem Atheist und Freidenker. Peris Leben wurde zum Schlachtfeld rivalisierender Weltanschauungen, innerhalb der eigenen Familie. Peri beschreibt sich als einen guten Menschen. Sie spendet für wohltätige Zwecke, engagiert sich für die Alzheimerforschung und sammelt Geld für notleidende Familien. Sie ist eine gute Ehefrau, eine gute Mutter, eine gute Hausfrau, eine gute Bürgerin und bezeichnet sich als eine gute moderne Muslima. Ein Überfall in den vollen Strassen von Istanbul lässt sie an ihre Vergangenheit zurück erinnern, an ihre Zeit in Oxford als sie für ihr Studium dort gelebt hat. Erinnerungen keimen auf, welche sie unter einem Deckmantel der Angst und Schuld zu verschliessen versucht hatte. In Oxford nimmt sie an einem Seminar über Gott teil. Es soll nicht um Religionen gehen. Der Professor verlangt von den Teilnehmenden, dass sie über ihren Tellerrand hinwegsehen. In diesem Seminar geht es um Philosophie, Glaube, Religionen, Spiritualität, Geschichte und Kulturen. Religion ist nicht gleich Glaube und Glaube nicht gleich Religion. Es gibt nicht nur das eine oder das andere.
Ein Roman welcher durchwegs philosophisch, ehrlich und zum nachdenkend anregend geschrieben ist. Ein Buch das nicht langweilig oder schwer wird aufgrund der Philosophie. Welches dich aber auf jeder Seite begleitet und dich selbst, wie auch Peri während ihres Studiums, zum nachdenken anregt. Ein Roman, welcher nachhallt.
Bewertung
5/5
23.07.2021
eBook (ePUB)
Seit Piri sich erinnern kann streiten sich ihre Eltern Selma, gläubige Muslimin, und Mensur, der diesem Glauben kritisch gegenüber steht. Später geht Peri, zerrissen in ihrem Glauben, nach Oxford um zu studieren. Dort lernt sie Mona, streng erzogene Muslimin, und Shirin aus Teheran, aber absolut kritisch und ungläubig, kennen. Peri leidet unter ihrer Zerrissenheit, wer ist Gott? Was soll sie glauben? Meisterhaft skizziert Elif die Unterschiede zwischen den Religionen. Zu keinem besseren Zeitpunkt hätte dieses Buch erscheinen können. Ich lege dieses Buch zur Seite und werde mir noch lange Gedanken machen.
Bewertung
aus Küsnacht ZH
5/5
23.04.2020
Buch (Taschenbuch)
Schreibt kurzweilig, spannend, man kann fast nicht damit aufhören zu lesen.
Elif Shafak Der Geruch des Paradieses, ist mein zweites Buch und ich werde mich daran machen, noch weitere zu besorgen und verschlingen.
Klugscheisser
4/5
19.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein kluger, interessanter und spannender Entwicklungsroman.
Die Hauptfigur dieses Entwicklungsromans ist Peri. In sich munter abwechselnden Kapiteln unterschiedlicher Länge lernen wir sie in drei wichtigen Phasen Ihres Lebens kennen: In ihrer Kindheit im Istanbul der 1980er Jahre, in ihrer Studienzeit in Oxford Anfang der 2000er Jahre und als Ehefrau und Mutter in Istanbul im Jahre 2016.
Peri wächst mit einer bigotten Mutter und einem kemalistischen Vater auf. Ihre Eltern befinden sich in einem lebenslangen Dauerstreit zwischen der Religiösen und dem Atheisten. Das Ergebnis ist eine zweifelnde und zutiefst verunsicherte, indifferente Peri.
Als Studentin in Oxford fühlt sie sich magisch hingezogen zum unorthodox lehrenden Professor Azur, der ihren Geist in seinem Seminar über Fragen um und nach Gott, herausfordert.
Im Istanbul der Gegenwart erleben wir Peri als Ehefrau und Mutter zweier Teenager und fragen uns: Wie kam’s, daß aus der um Wissen und Wahrheit bemühten Studentin „lediglich“ eine Frau Ihres Mannes wurde, die ihre Kinder großzieht ?
Die Unentschlossenheit und das Gefühl zwischen den Stühlen zu sitzen ist der Rote Faden, der sich durch Peris Leben zieht. Erst am Ende des Buches schafft sie es den Schritt aus Ihrer Indifferentheit zu machen, Farbe zu bekennen, Stellung zu beziehen, Mut zu zeigen und dies schildert uns die Autorin mit einer unscheinbar wirkenden, aber alles sagenden Metapher.
Wie so viele zeitgenössische Autoren und Autorinnen versieht auch Elif Shafak ihren Roman mit einem offenen Ende. Das ist ihr gutes Recht. Und mein gutes Recht als Rezensent, der sich den Lesenden verpflichtet fühlt, ist es, Ihnen dieses offene Ende zu offenbaren, das auch den Tod der Hauptfigur als eine Möglichkeit zulässt.
Das offene Ende ist in Ordnung, denn es spielt keine Rolle, ob die Hauptfigur am Ende des Romans erschossen wird oder ob sie 50 Jahre später friedlich entschläft. Das Wesentliche ist die Entwicklung von Peri von der indifferenten Zweiflerin zur mutigen Akteurin, die eine Entscheidung trifft, wissend, daß man erst im Nachhinein weiß, ob diese richtig oder falsch war. Denn man muß das Leben leben und kann es nicht von der Geburt bis zum Tod aussitzen, nur um keine Fehler zu machen.
Mir hat dieser Roman nicht nur deshalb sehr gut gefallen, da mir der natürlich fließende unprätentiöse Stil der Autorin äußerst angenehm ist, sondern vor allem, weil es in diesem Buch um die Suche nach und Fragen um Gott geht.
Natürlich werden dabei auch Fragen der Religion thematisiert. Dies ist allein der Tatsache geschuldet, daß den Menschen, egal ob gläubig oder Atheist, nicht bewußt ist, daß Gott mit Religion rein gar nichts am Hut hat und Gott sich vermutlich für die Bibel, den Koran oder den Talmud genauso viel oder wenig interessiert, wie für das Telefonbuch von Castrop-Rauxel.
Sicher hätten auch 350 Seiten, statt der 550 Seiten genügt, um die Kernaussagen zu tätigen, doch ich habe jede Seite genossen, denn viel Interessantes wurde thematisiert.
Warum es dennoch nur vier statt fünf Sterne gibt ? Bei der Frage nach Gott fehlte mir eine mutige Steilvorlage der Autorin, diese hätte ich mir eigentlich gewünscht. Eine These, ein Statement, eine Meinung, die Personenschutz auch in London, wo die Autorin ihren Lebensmittelpunkt hat, notwendig erscheinen lassen würde. So tritt sie eigentlich niemandem auf die Füße. Doch ich denke es wird höchste Zeit, daß man Milliarden von Menschen auf die doppelte Anzahl Füße tritt, die glauben, sich Gott zu nähern, indem sie sinnlose Rituale und Regeln befolgen, nur weil sie zu bequem sind, jede Entscheidung in ihrem Leben nach ihrem Gewissen abzuwägen.
Lesen Sie dieses Buch und lernen Sie auch ganz nebenbei eine Menge über die Türkei und die Befindlichkeiten der türkischen Gesellschaft. Es lohnt sich.
Aus Liebe zum Lesen
aus Rannungen
4/5
19.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Jetzt habe ich tatsächlich…
Jetzt habe ich tatsächlich auch endlich mein erstes Buch von Elif Shafak gelesen. In „Der Gesuch des Paradieses“ erzählt sie die Lebensgeschichte der Türkin Peri, die als Mutter und Ehefrau auf eine Dinnerparty in gehobener Gesellschaft in Istanbul eingeladen ist. Während sich die Handlung in der Jetztzeit nur über diesen einen Abend erstreckt, wird in Rückblenden Peris Kindheit beleuchtet sowie ihre Zeit als Studentin in Oxford. Dabei schafft es die Autorin gekonnt, Spannung in allen Erzählsträngen aufzubauen, denn es gibt so einige Spannungsfelder und Wendungen im Leben der Protagonistin. So toll der Spannungsbogen aufgebaut ist, so enttäuscht war ich dann doch von den Auflösungen und dem Ende des Buchs, das sehr parat kommt und extrem offenbleibt. Dass Shafak als DIE Stimme der türkischen Literatur gehandelt wird, kann ich dennoch gut nachvollziehen. Ihr Sprachstil ist gewaltig. Sie ist geradezu eine Meisterin der Metaphern. Und auch wenn der Roman einige Längen enthielt, bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Auch die behandelten Themen: Gott, Glaube und Atheismus, Tradition und Moderne, Türkei und Europa und die damit einhergehenden Kontroversen hat sie differenziert erörtert und gekonnt in die Handlung und das Seelenleben ihrer Figuren eingewoben. Auf den ersten 500 Seiten konnte mich Elif Shafak sehr überzeugen, mit dem Ende bin ich dann leider nicht so glücklich. Schade, und dennoch hat sich das Lesen gelohnt und es wird sicher nicht mein letztes Buch von ihr sein.
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