Anton, 60 Jahre alt, ist Stepptänzer. Ja, er ist nicht mehr so schnell wie früher, aber mit seiner Erfahrung und Ausdruckskraft tanzt er – noch – allen davon. Wer sollte ihm also die Stelle als Choreograf an einer Theaterbühne streitig machen? Doch die neue Intendantin sieht das anders – und engagiert ausgerechnet Emma, Antons Tochter. Anton ist verletzt, wütend, traurig und zugleich stolz auf seine Tochter. Zeigen kann er ihr das nicht.Die Absage spült etwas in ihm hoch, das er nicht länger verdrängen kann: das Gefühl des Älterwerdens. Plötzlich spürt er die eigene Endlichkeit und fragt sich, ob er sein Leben richtig gelebt hat. Eine Frage, die ihn wieder an eine alte große Liebe denken lässt. Jo war damals einfach spurlos verschwunden. Hätte er mit ihr ein besseres Leben gelebt?Es ist Emma, die auf Jos Spur stößt. Mit ihr reist er nach Irland. Alte Konflikte zwischen Vater und Tochter brechen wieder auf. Für Anton wird es eine Reise zu sich selbst und er begreift: Zu Ende ist es erst, wenn es zu Ende ist. Bis dahin will das Leben gelebt werden.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Klaus Effing
aus Köln
5/5
19.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Älterwerden muss man üben
Mit „Fünf, sechs, sieben, acht“ erzählt Ewald Arenz auf gut 230 Seiten eine Geschichte, die zunächst unspektakulär erscheint und gerade deshalb lange nachwirkt. Der 2026 im DuMont Verlag erschienene Roman ist für mich weit mehr als ein Buch über das Tanzen. Er erzählt von einem Lebensabschnitt, den viele Menschen irgendwann erreichen: dem Moment, in dem man akzeptieren muss, dass Erfahrung manches ausgleichen kann – aber nicht alles.
Im Mittelpunkt steht Anton, ein erfolgreicher Stepptänzer, dessen Körper zugleich sein wichtigstes Arbeitsmittel ist. Er ist überzeugt, heute besser zu tanzen als je zuvor, weil seine Erfahrung die langsam nachlassende Leistungsfähigkeit ausgleicht. Doch sein langjähriger Freund und Theaterintendant hält ihm einen unbequemen Spiegel vor: Auch sie selbst hatten als junge Künstler einst gefordert, dass die Älteren Platz machen sollten. Nun sind sie es, die entscheiden müssen, wann der richtige Zeitpunkt zum Abschied gekommen ist.
Gerade diese Auseinandersetzung hat mich besonders beschäftigt. Wer ein bestimmtes Alter erreicht hat, kennt diese Gedanken vielleicht selbst – unabhängig vom Beruf. Wann wird aus Erfahrung Gewohnheit? Wann sollte man loslassen? Und wie gelingt es, dabei die eigene Würde zu bewahren? Anton fällt diese Reflexion nicht leicht, und genau das macht ihn zu einer glaubwürdigen Figur.
Obwohl der Roman vergleichsweise kurz ist, entfaltet Arenz mehrere Erzählstränge. Da ist die große, verlorene Liebe, die Anton bis heute begleitet. Da ist die junge Tänzerin, die er fördert und in der sich Zukunft und Hoffnung spiegeln. Und da sind seine geschiedene Frau und seine Tochter, die auf ganz unterschiedliche Weise die Konstanten seines Lebens bilden. Besonders die Beziehung zu seiner Tochter, die zugleich Kollegin und Konkurrentin ist, verleiht dem Roman zusätzliche Spannung.
Ewald Arenz erzählt all das mit einer ruhigen, unaufgeregten Sprache. Er verzichtet auf große Dramatik und vertraut darauf, dass seine Figuren für sich selbst sprechen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so glaubwürdig.
Für mich ist „Fünf, sechs, sieben, acht“ ein Lehrstück über das Älterwerden, über das Loslassen und über die Frage, wie wir mit Veränderungen umgehen, die wir zwar kommen sehen, aber dennoch nur schwer akzeptieren. Ein stiller, kluger Roman, den ich sehr gern gelesen habe und den ich ausdrücklich empfehle.
Lesens_werte
5/5
18.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Hadern mit dem Alter
Auch mit jetzt mittlerweile 60 Jahren ist Anton weiterhin erfüllt von seiner Arbeit als Tänzer am Theater. Zwischen Choreographien, Disziplin und Weiterentwicklung wäre es aber gelogen, wenn er nicht trotzdem mit seinem Alter hadern würde. Was er beruflich an Erfolgen einfahren konnte, hat er privat allerdings nicht erreichen können. Eine ebenso ehrgeizige Tochter wie er selbst, eine gescheiterte Ehe, eine verschollene große Liebe - so ist Antons Bilanz. Und nie hätte er gedacht, dass nun ausgerechnet Tochter Emma alles aus den Angeln hebt.
Ewald Arenz ist bekannt für seine feinsinnigen Geschichten, für die Tiefe hinter der Handlung und die außergewöhnlichen Beziehungen seiner Protagonisten. Auch in "Fünf, sechs, sieben, acht" wird er dessen gerecht und stellt sich und seinen Lesern tiefgreifende Fragen. Hier ist es Anton, der Tänzer, der Künstler, der Liebende, den man einerseits gut verstehen kann, dem man als Außenstehender aber auch gerne mal buchstäblich die Meinung geigen möchte. Dabei hat er schlichtweg ein ganz menschliches Problem: er hadert mit dem Älterwerden und fragt sich was wäre gewesen wenn? Dieses elementare Problem gemischt mit dem Traum der großen Liebe bildet den Sockel dieses Buches. Es geht dabei weniger um Jung gegen Alt, sondern mehr um Vetrauen, vor allem auch in den eigenen Körper und das eigene Können. Ein Thema, das uns alle angeht.
Bewertung
5/5
17.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein kluges Buch über das Älterwerden
Fünf, sechs, sieben, acht -Ewald Arenz
Anton, Tänzer und Choreograf, ist 60 Jahre und stolz, dass er noch als Tänzer tätig ist. Aber ihn beschäftigt auch die Frage, wie lange er noch leistungsfähig sein wird und wie sein Leben dann weiter gehen wird. Er mag das Älterwerden nicht. In seinen Gedanken hängt er oft in der Vergangenheit, die Unbeschwertheit der Jugend, die erste große Liebe zu Johanna. Wäre sein Leben anders verlaufen, wenn er in bestimmten Momenten andere Entscheidungen getroffen hätte?
Als eine neue Intendantin ans Theater kommt, wird seinen Vertrag nicht verlängert und seine Tochter Emma bekommt seinen Job. Das macht ihn unglaublich wütend, er fühlt sich von allen hintergangen und verraten.
„Wir müssen wieder jünger werden“, ist das neue Motto.
Antons Beziehung zu seiner Tochter Emma ist bereits seit seiner Trennung von ihr und ihrer Mutter angespannt, nun steht diese berufliche Situation auch noch zwischen ihnen. Trotzdem bietet die Tochter an, ihn bei der Suche nach seiner großen Liebe Johanna, genannt Jo, die er vor 35 Jahren aus den Augen verloren hat, zu unterstützen und reist mit ihm nach Irland. Dort kommt es zu einer schwierigen Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter.
Aber er findet auch Johanna. In einem dramatischen Szenario erfährt er endlich die Wahrheit über Jo, und auch über sich. Der Traum von dem anderen Leben, der Jugend, der Lebendigkeit, endlich kann er ihn besiegen.
Es ist eine gute Entscheidung, dass Arens in der personalen Perspektive erzählt, das schafft diesen Blick von außen auf den Protagonisten. Ein bisschen bleibt die Distanz, die uns zustimmen und schmunzeln lässt, denn Anton ist schon sehr mit sich selber und seinem Selbstmitleid beschäftigt.
Mit sicherem Gespür, sensibel und nachdenklich erzählt Arenz von dem Prozess des Alterns, den Zweifeln und Sorgen. Dieser Mann, der nicht alt werden möchte, der den Träumen seiner Jugend hinterherläuft und dabei das aktuelle Leben verliert, ist in seiner Zerrissenheit aber durchaus sympathisch, seine Selbsterkenntnis ist ein schmerzhafter Prozess.
Das Tanzen, die Musik, sind in diesem Buch starke Mittel des Ausdrucks und der Gefühle, sie schaffen eine Brücke zwischen den Generationen und so wird auch das Bild der Versöhnung zwischen ihm und der Tochter, zwischen Jung und Alt getanzt. Der Titel, das Einzählen zum Tanzen, passt wunderbar.
Ein Buch, das mir sehr gefallen hat, weil es um ein wichtiges Thema, ernsthafte Gefühle und Gedanken geht.
DuMont 2026
Bewertung
5/5
09.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartige Leseunterhaltung
Schon etwas länger hatte ich nichts mehr von Ewald Arenz gelesen, was recht schade war, ist er doch ein großartiger Autor, wie ich nun wieder einmal feststellen durfte! Im Mittelpunkt seines neuen Buches "Fünf, scchs, sieben, acht" steht Anton, ein sechzigjähriger erfolgreicher Steptänzer mit einer Anstellung an einem Theater. Man hat den Eindruck, dass Anton nie besser war, als gerade in dem Moment, als ihm Hals über Kopf und für ihn überraschend mitgeteilt wird, dass er gekündigt werden soll, und seine Tochter Emma in seine Fußstapfen treten wird. Gefühlt hatten alle Menschen, auch seine Tochter, bereits gewusst, dass diese Entscheidung gefällt wurde, nur Anton selbst hatte man es verschwiegen, wohlwissend, dass ihn diese sehr hart treffen würde. Verständlicherweise fühlt sich unser Protagonist extrem gekränkt, versucht man ihm doch mehr oder weniger beizubringen, dass seine Zeit abgelaufen, und er einfach zu alt für seinen geliebten Job ist! Aus dieser eklatanten Lebensänderung ergeben sich für den Sechzigjährigen Verlustängste und Reflexionen über das Altwerden, das Wörtchen "noch" spielt plötzlich eine wichtige Rolle in seinem Leben. Auch eine lange Zeit vergessene Jugendliebe will gefunden und "geklärt" werden, hierzu macht sich Anton mit seiner Tochter auf eine Reise, auf der Vater und Tochter wiederum ihre Beziehung durchleuchten. Ewald Arenz erzählt diese Geschichte in einem wunderbaren Schreibstil, der mich wirklich berührt hat. Dafür gibt es die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung!
liesmal
aus Wilhelmshaven
5/5
09.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Plötzlich alt?
Anton fühlt sich mit seinen 60 Jahren noch wohl und fit genug, um als Stepptänzer und Choreograph an einer Bühne zu arbeiten. Doch die neue Intendantin sieht das anders. Anton muss gehen und ausgerechnet seine geliebte Tochter Emma, die ebenso leidenschaftlich gern tanzt wie er, wird seine Nachfolgerin.
Anton kann es nicht fassen. Für ihn bricht eine Welt zusammen. Da ist der verlorene Arbeitsplatz, da sind Wut und Trauer. In all diesem Denken an sich selbst kann er den Stolz auf seine Tochter nicht zeigen.
Ewald Arenz schafft es mit seinen Geschichten, hier Antons Welt, realitätsnah und vollkommen glaubhaft zu beschreiben. Ich lese und fühle, was diese Situation für ihn und sein Leben bedeutet. Die plötzliche Veränderung lässt Anton nachdenken: über das Alter, über die Vergangenheit mit der Frage, warum seine Jugendliebe damals plötzlich verschwunden war.
Mitfühlend und ergreifend ist die Geschichte, die mir bunte Bilder eines Lebens und lebhafte Unterhaltung geschenkt hat. Sehr gern gebe ich meine Empfehlung für das Buch.
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