Ein Coming-of-Age-Roman über Wut, Sprachlosigkeit, Machtmissbrauch - und den Moment, in dem alles kippt.
H.C. Nachtnebel ist sechzehn, ein Mathegenie, ein Basketball-Ass - und nach einem Verlust tief traumatisiert. Zwischen Leistungsdruck und Identitätssuche, Nähe und Rückzug, depressiven Episoden und Hochstimmung, versucht er, seinen Platz zu finden.
Als Keira auftaucht - unangepasst, direkt, faszinierend - fühlt sich H.C. zum ersten Mal gesehen und geliebt, aber anders als von seinen Eltern. Doch was wie Rettung aussieht, wird schnell zum weiteren Riss im fragilen Gefüge seiner Welt. Von allen im Stich gelassen, gibt es für ihn nur noch einen Ausweg.
AMOKALARM ist das Psychogramm eines Jugendlichen am Rand des Zusammenbruchs - eine eindringliche Erzählung über Traumatisierung, überforderte Erwartungen und einen Gewaltausbruch, der sich lange angebahnt hat. Ein radikales Coming-of-Age über das Bedürfnis, gehört zu werden - und was passiert, wenn niemand mehr zuhört und Vertrauen missbraucht wird.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
72 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Ich kann nicht mehr
claudi aus Stuttgart am 13.03.2026
Bewertungsnummer: 3074897
Bewertet: eBook (ePUB)
"Manchmal wartet das Glück nur ein kurzes Stück hinter der Entscheidung, die du nicht treffen willst." (Pinterest)
H.C. Nachtnebel, 16 Jahre alt, ist ein leidenschaftlicher Basketballfan und zudem der Beste in Mathe an seiner Schule. Daher unterstützt er seine beiden Freunde in diesem Fach und hilft ihnen auch bei den Klassenarbeiten. Im Jahr 2020 jedoch ändert sich alles für H.C.: Sein großes Idol Kobe Bryant stirbt bei einem Hubschrauberabsturz. Für H.C. bricht eine Welt zusammen, es folgen die Notaufnahme, die Intensivstation und anschließend die Rehabilitation. Zudem muss er nach all dem auch noch einen Schulwechsel über sich ergehen lassen. So hat der sensible Junge nur noch wenig echte Freunde. Als Keira eines Tages in ihre Klasse kommt, ist H.C. sofort von ihr begeistert. Fortan ist nur noch Keira für ihn wichtig, er vergisst sogar seine Freunde. Kiera spielt ein falsches Spiel mit ihm und lässt ihn schließlich fallen. H.C. Welt erlebt abermals einen Zusammenbruch, und es wirkt, als sei er von allen verlassen worden und habe kein Ziel mehr. Nur noch einen Ausweg scheint es zu geben, um seine Situation zu ändern.
Meine Meinung:
Hinter diesem recht simplen Cover, von dem man nicht so recht ahnt, was einen erwartet, steckt eine grandiose Geschichte, die einen nachdenken lässt. Es geht um einen sensiblen 16-Jährigen, der durch ein Trauma aus der Bahn geworfen wird. Er hat nur wenige Freunde, weil er wegen dieses Traumas die Schule wechseln muss. Der Autor nimmt uns mit in seinen Alltag und in seine Gedankenwelt. Mit sehr vielen Vorkenntnissen bereitet er den Leser auf das eigentliche Thema vor. Es wirkt schon bedrückend, was in so einem Jugendlichen vor sich geht. Da reichen oft schon Kleinigkeiten und alles reißt aus den Fugen, so auch bei unserem Protagonisten. Uli Black hat sich hier ein Thema zu Herzen genommen, das inzwischen auch bei uns im Land angekommen ist. Schüler, die ausrasten, geraten nicht nur durch Actionvideos oder Shooter-Spiele in eine solche Verzweiflung. Wie H.C. werden manche einfach nur durch Ungerechtigkeiten und Unverständnis zu solchen verzweifelten Taten getrieben. Obwohl ich wirklich positiv überrascht war, kam mir die Geschichte gleichzeitig fast ein wenig zu langatmig vor, bis das eigentliche Thema angesprochen wurde. Es wäre meiner Meinung nach sicher möglich gewesen, H.C.s Alltag etwas zu verkürzen. Man spürt allerdings, dass der Autor Lehrer war und sich mit dem Schulalltag und den Nöten der Schüler gut auskennt. Ich wusste nicht, dass es ein spezielles Schocktrauma gibt, das solche Folgen haben kann. Ich fand zudem beeindruckend, mitzuerleben, wie es sich für H.C. anfühlt, ein Mathegenie und Außenseiter zu sein. Der Autor nimmt einen so intensiv in das Leben unseres Hauptcharakters mit, dass ich mich sehr gut in seine Verzweiflung hineinversetzen konnte. Ein Schüler kann aus Verzweiflung oft eine solche Tat begehen, wenn die Lehrer kein Verständnis für ihn aufbringen. Im Grunde sollten es doch die Pädagogen besser wissen. Der Stil des Schreibens ist locker und gut verständlich. Und es wird ein weiterer Akzent durch die jugendliche Sprache gesetzt. Nur einige wenige, dafür aber sorgfältig ausgearbeitete Figuren nehmen die Rolle der Protagonisten ein. Vielleicht hätte ich mir nur gewünscht, dass die Diskussion um das eigentliche Thema etwas zügiger beginnt. Meiner Meinung nach wäre dieses Buch eine geeignete Schullektüre, um anschließend im Unterricht darüber zu diskutieren und Lehrkräfte dafür zu sensibilisieren. Ich gebe dem Buch gute 4 1/2 Sterne.
Wenn die Stille zum Knall wird: Das Psychogramm eines angekündigten Abgrunds
Bewertung am 05.02.2026
Bewertungsnummer: 3036869
Bewertet: eBook (ePUB)
Uli Blacks Roman „Amokalarm“ ist kein reißerischer Thriller, der auf billigen Nervenkitzel setzt. Vielmehr ist er ein Coming-of-Age-Roman, welcher ein radikales und schmerzhaft ehrliches Psychogramm eines Zusammenbruchs brillant detailliert beschreibt. Das Buch nimmt den Leser mit in den Kopf des 16-jährigen H.C. Nachtnebel und zeigt mit beeindruckender Präzision, dass eine Katastrophe wie ein Amoklauf selten ein plötzliches Gewitter ist, sondern das Ende einer langen Periode der Empathielosigkeit.
H.C. Nachtnebel ist kein klassischer Außenseiter. Als „Mathegenie“ und „Basketball-Ass“ erfüllt er oberflächlich alle Kriterien eines erfolgreichen Jugendlichen. Doch hinter dieser mühsam aufrechterhaltenen „Loverboy“-Fassade klafft ein Abgrund. Seit dem traumatischen Tod seines Basketball-Idols Kobe Bryant und dem damit verbundenen Verlust seines moralischen Kompasses kämpft H.C. mit depressiven Episoden und einer tiefen existentiellen Einsamkeit.
Die Entwicklung ist von einer tragischen Unausweichlichkeit geprägt, denn H.C. versucht, den Leistungsdruck auszuhalten, seinen Schmerz zu ignorieren und immer zu funktionieren. Seine Eltern, getrieben von Hilflosigkeit und bürgerlichem Erwartungsdruck, übersehen die Warnsignale und überlassen ihn seiner emotionalen Taubheit. Das Erscheinen der unangepassten Keira setzt den Wendepunkt. Sie bietet ihm eine „andere Art der Liebe“, einer Liebe, die radikal, direkt und ohne Leistungsforderung ist. Doch was wie eine Rettung wirkt, wird durch Missbrauch und Verrat zum letzten Stoß in den Abgrund.
Das Herzstück des Romans ist die Darstellung von H.C.s Innenwelt. Der Autor beschreibt meisterhaft den Zustand der emotionalen Dissoziation („Tiefgefroren... einfach leer“). Der Basketballplatz, einst H.C.s einziger Ort der Kontrolle und körperlichen Entladung, wird durch den Erfolgswahn der Gesellschaft korrumpiert. Wenn der Sport als Ventil versagt und das Vertrauen in die engsten Bezugspersonen bricht, bleibt aus H.C.s verzerrter Sicht nur noch die „letzte verfügbare Sprache“ und das ist die Gewalt.
Uli Black nutzt einen authentischen Jugendslang, der nie peinlich oder gewollt wirkt. Der Stil ist fragmentiert, denn die Sprünge zwischen den Zeitebenen (Davor, Vorher, Jetzt, Raum 24) spiegeln die zerberstende Psyche des Protagonisten wider. Auch physisch wird der Druck durch kurze, abgehackte Sätze spürbar, denn sie imitieren einen rasenden Puls.
Gesellschaftskritisch ist der Roman nicht nur ein Weckruf, sondern er ist auch eine scharfe Anklage gegen ein Schulsystem, das Leistung über psychische Gesundheit stellt, und gegen ein Elternhaus, das Wegsehen mit Privatsphäre verwechselt. Er entlarvt Lehrer, die Macht missbrauchen, und zeigt, wie gefährlich das Vakuum ist, das entsteht, wenn Erwachsene keine echte Resonanz mehr bieten.
Fazit: „Amokalarm“ ist ein aufrüttelndes Werk, das weit über das Genre des Jugendbuchs hinausstrahlt. Es ist eine dringliche Warnung vor der Sprachlosigkeit und ein Plädoyer für echte menschliche Verbindung. Uli Black gelingt es, den Leser mitleiden zu lassen, ohne die Taten seines Protagonisten zu entschuldigen, aber es gelingt ihm in hervorragender Manier, sie schmerzhaft begreiflich zu machen.
„Man kann sich vor dem Leben nicht verstecken. Es ist immer bei dir, denn das Leben bist du selbst.“ Diese Erkenntnis kommt für H.C. zu spät, doch für den Leser ist sie ein Auftrag zum Handeln.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.