Das schwindelerregende, preisgekrönte Debüt von Safae el Khannoussi - ein Taumel aus Wut, Schmerz und Hoffnung
'Oroppa' ist der europäische Roman der Stunde: Salomé Abergel, eine jüdisch-marokkanische Künstlerin und ehemalige politische Dissidentin, verschwindet überraschend auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Ein loser Kreis von Außenseitern mit ganz unterschiedlichen Migrationsgeschichten begibt sich auf ihre mysteriöse Spur. Von Salomés verlassenem Haus in Amsterdam führen die Wege nach Paris, Tunis, Casablanca - und tief ins Herz der eigenen Sehnsüchte. 'Absolut originell, großartig und beeindruckend, voller markanter Charaktere und atemberaubender Prosa.' (Boekblad) 'Oroppa' ist ein schwindelerregender, exzessiver Roman, der alle Grenzen ins Wanken bringt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
5 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Sterne
(0)
Ein besonderer Roman - facettenreich und außergewöhnlich
Nicoles Bücherwelt am 17.02.2026
Bewertungsnummer: 3049010
Bewertet: eBook (ePUB)
OROPPA (Arabisch für „Europa“) ist der Debütroman von Autorin und Dozentin Safae el Khanoussi und erzählt eine bewegende Geschichte mit vielen Facetten.
Im Mittelpunkt steht die jüdisch-marokkanische Künstlerin Salomé Abergel, die plötzlich spurlos verschwindet. Ein loser Kreis von unterschiedlichen Personen geht dem mysteriösen Verschwinden der Künstlerin auf den Grund. Die Spuren führen an verschiedenste Orte: Beginnend in Salomés verlassenem Haus in Amsterdam geht es nach Paris, Tunis und Casablanca – und dabei wird bei einigen der Personen, die ihre ganz eigenen Migrationsgeschichten haben, einiges aufgerüttelt. Neben Wut und Traurigkeit aber auch Sehnsüchte und Hoffnung. Auf den unterschiedlichen Lebenswegen, die in Vergangenheit und Gegenwart führen, wird vieles sichtbar – auch über manche Grenzen hinaus.
Die Handlung hält einige Überraschungen bereit und ist vom Stil her anders als erwartet. Nach einem rätselhaften Prolog der neugierig macht, geht es zunächst nach Amsterdam, wo die verschwundene Salomé – bei einigen auch unter dem Namen Salma bekannt- gelebt hat. Im Schatten ihres verlassenen Hauses lernen wir die ersten von vielen Charakteren kennen. Und plötzlich finden wir Leserinnen und Leser uns in einem Strudel von verschiedensten Lebensgeschichten wieder, die von Amsterdam nach Paris und von Tunis bis nach Casablanca führen. Einige Figuren spielen hier eine zentrale Rolle und tauchen immer wieder auf, andere werden nur gestreift.
So besonders und speziell wie die Geschichte selbst, ist auch der Schreibstil: Es gibt öfter lange und verschachtelte Sätze, dann wird es wieder kurz und knapp, gleichzeitig wird alles bildgewaltig und ausdrucksstark beschrieben.
Anfangs etwas verworren, entwickelt sich die etwas chaotisch wirkende Geschichte zu einem sehr interessanten Roman. Auch wenn Salomés Leben und ihr plötzliches Verschwinden im Mittelpunkt stehen, lernt man sie zunächst durch die vielen Charaktere kennen. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein und jede der Figuren hat eine eigene, schicksalshafte Geschichte.
Ab und an hatte ich die Befürchtung, den Überblick zu verlieren, doch dann gab es immer wieder dünne Fäden, die zeigen, wie alles irgendwie miteinander verbunden ist. Mal über größere Umwege, mal sehr nah.
Man muss sich auf das Buch und den besonderen Stil einlassen – doch ich fand es auf besondere Weise packend. Mal etwas schillernd und poetisch, dann wieder dramatisch und berührend, hin zu Situationen, die ernster sind, nachdenklich stimmen und Schreckliches aufzeigen.
Mein Fazit: Ein besonderer Roman, der einige Überraschungen bereithält – facettenreich, bewegend und außergewöhnlich. Von einem mysteriösen Verschwinden und vielen Charakteren, von unterschiedlichsten Orten und besonderen Lebensgeschichten – zunächst etwas verworren, werden nach und nach Verbindungen sichtbar.
Mal leicht poetisch, entrückt und bewegend, dann wieder nachdenklich stimmend, ernst und erschütternd. Die Handlung ist durch die unzähligen Charaktere manchmal etwas wirr und komplex, doch insgesamt ist es ein lesenswertes und sehr eindrucksvolles Buch.
Mit Oroppa beginnt eine neue europäische Geschichtsschreibung
Eva am 23.06.2026
Bewertungsnummer: 3175860
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Oroppa ist ein gefährlicher Ort. Es ist bunt, wild wie ein Dschungel, unberechenbar, spröde, zwielichtig und voller unerwarteter Abgründe oder aufragender Felswände. Es ist viel größer als Europa.
Oroppa ist die lautmalerische arabische Beschreibung für Europa. Es benennt einen Ort und bezieht die Distanz mit ein, aus der Safae el Khannoussi einen Blick auf den Kontinent wagt. In Oroppa wird die marokkanische Geschichte ein Teil der europäischen Erzählung, stellvertretend für eine Geschichtsschreibung, die Kapitel über Migration, Flucht, Diaspora, Exil und Widerspruch aushält.
Die Handlung ist schwer zu fassen, sie entzieht sich einer logischen Stringenz. Die Künstlerin Salomé Abergel ist kurz vor der Eröffnung ihrer wichtigsten Ausstellung verschwunden. Sie wurde 1957 geboren, als Tochter einer jüdischen marokkanischen Familie.
Jetzt, 2010 begeben sich mehrere Figuren auf die Suche nach ihr: die jüdische Galeristin Hannah Melger, Salmas Sohn Irad, der Gastronom Hbib Lebyad.
Im zweiten Teil der Handlung rekapituliert Yousuf Slaoui, Folterknecht in den Jahren unter Hassan II, wie Marxisten, Kommunisten, Linke, Intellektuelle, Studenten und weitere Gruppen verschleppt und brutal gefoltert wurden. Ein Opfer war Salomé, die im Gefängnis ihren Sohn bekam. In ihren Bildern stellt sie sich ihrem Trauma.
Der Roman quillt über vor Figuren, Geschichten, Nebenschauplätzen, Schauplätzen, Stimmungen. Safae el Khannoussi gelingt der Transfer der Handlung in die Form, sie öffnet Erzählräume, widerspricht den Gesetzen der Logik, erprobt neue Strukturen.
Sie erfindet das 21. Arrondisement als fiktiven Stadtteil von Amsterdam, den Bezirk der Ausgestoßenen, der Ausgegrenzten, der Migrant*innen. Allgegenwärtig protestiert er gegen die Selbstsicherheit des alten Kontinents, der von Angst regiert wird.
Mutig wagt Safae el Khannoussi, Althergebrachtes neu zu denken, mit den Geschichten der Ungesehenen anzureichern, führt gesellschaftliche Ordnungen und Zuschreibungen wie Herkunft, Religion und Status ad absurdum.
Oroppa ist aberwitzig, kritisch, überbordend, lässt Worte leuchten, gibt Sprachlosen eine Stimme, spielt mit Narrativen, Normen.
Ein zurecht preisgekrönter, großer europäischer Roman.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.