Produktbild: Im ersten Licht

Im ersten Licht Roman

4

19,99 €

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Beschreibung

Produktdetails

Format

ePUB

Kopierschutz

Nein

Family Sharing

Ja

Text-to-Speech

Ja

Verkaufsrang

9276

Erscheinungsdatum

17.02.2026

Verlag

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Seitenzahl

416 (Printausgabe)

Dateigröße

1743 KB

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783446287815

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ePUB

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9276

Erscheinungsdatum

17.02.2026

Verlag

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Seitenzahl

416 (Printausgabe)

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Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

9783446287815

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  • Bewertung

    aus Baden-Baden

    5/5

    08.04.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Großer Antikriegs-Roman

    „Adrian war selbst nicht im Krieg gewesen, aber dreimal im Lauf seines Lebens hatte er es mit jungen Männern zu tun, die im Krieg gewesen waren und die dann sein weiteres Leben jeweils für lange bestimmten.“ Mit seinem ersten Satz legt Norbert Gstrein gleich das alles bestimmende Thema seines Romans fest. Mit Adrian, seinem Protagonisten, genau ein Jahr jünger als das Jahrhundert, geht der österreichische Autor durch die gewaltsame, von Kriegen bestimmente Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Obwohl selbst kein Kriegsteilnehmer, ist Adrian Zeit seines Lebens vom Krieg fasziniert. Dass er nicht, wie die meisten seiner Generation, auf den Schlachtfeldern des Ersten großen Krieges kämpfen muss, hat er seinem Vater zu verdanken. Der, ein einfacher Postbeamter und überzeugter Sozialist, will seinen Sohn vor diesem Los bewahren und haut Adrian mit einer Axt in den Unterschenkel. „In den Krieg zu gehen war nur etwas für Dumme und nichts für seinen Sohn…“ Adrian hinkt seitdem und wird die fehlende Kriegserfahrung immer als einen mit Scham und Schuldgefühlen belasteten Mangel empfinden. Die drei jungen Männer, die für Adrians Leben bestimmend waren, geben dem Roman Struktur. Chronologisch werden sie in den ersten drei Kapiteln vorgestellt. Den Beginn macht Ernest Eller, Sohn einer wohlhabenden Adelsfamilie, der mit einer grauenhaften Gesichtsverletzung aus dem Krieg heimkehrt. Seine Eltern verstecken ihn mit ähnlich versehrten Leidensgenossen in ihrer Sommervilla im Salzburger Land und erklären ihn offiziell, auch für seine Verlobte, für tot. Adrian wird viele Tage in der Villa verbringen, wird zum Vertrauten des „ jungen Herrn“. Nach dem Suizid von Ernest Eller nimmt sich dessen aus England stammende Mutter um Adrian an und ermöglicht ihm ein Lehramtsstudium. Später, als Adrian in Wien an einem Gymnasium Geschichte und Englisch unterrichtet, trifft er auf Martin Baumgartner, dem das mittlere Kapitel gewidmet ist. Bei ihm werden Adrians detaillierte und begeisterte Schilderungen der Schlachten des letzten Krieges auf fruchtbaren Boden fallen. Martin Baumgartner, in dem sich die Figur Kurt Waldheims spiegelt, wird aus Begeisterung für das Heer zum Nazi. Bei einem Fronturlaub besucht der ehemalige Schüler seinen früheren Lehrer und erzählt von Erschießungen im Osten, an denen er beteiligt war. Adrian wird so zu einem frühen Mitwisser von Kriegsverbrechen, doch er schweigt. Aber die Geschichte wird er nie mehr loswerden. Frauen spielen in diesem Buch, das so sehr den Krieg ins Zentrum stellt, eine Nebenrolle - was nicht verwundert. Kriegsführung war und ist auch heute noch vorrangig ein Handwerk der Männer, Frauen müssen deshalb am Rande bleiben. Außerdem ist Adrian ein Mensch, der sich nur schwer auf Beziehungen einlassen kann. Zögerlich und verstockt strapaziert er die Geduld der Frauen, mit denen er liiert ist. So verlässt ihn seine erste Freundin Karla, ebenso Ehefrau Elfriede. Sie, die wie Adrian auch Geschichte unterrichtet, lässt sich nach dem Krieg von ihm scheiden. Erst mit Mitte Fünfzig erlebt Adrian eine späte Liebe zu einer Engländerin, die ihren, im Ersten Weltkrieg als Deserteur verurteilten und hingerichteten Bruder, rehabilitieren will. Um diesen Teddy geht es im dritten Teil des Buches. Der zeigt Adrian, „ dass es immer auch eine andere Möglichkeit gab, schließlich konnte man sich jederzeit entscheiden, nicht mehr mitzumachen, welches Risiko auch man dafür in Kauf nehmen musste.“ Die Gespräche mit Vivian und ihre gemeinsamen Spaziergänge in den Downs helfen den beiden, ihre eigenen Kriegstraumata hinter sich zu lassen. Die Downs, auf die schon im vorangestellten Zitat von Virginia Woolf hingewiesen wird, ziehen sich als zentrales Motiv durch den Text. Für Frau Eller sind sie ein Sehnsuchtsort und Adrian spaziert im dritten Teil durch diese Landschaft. Sie ist als Kontrast zu den Schlachtfeldern zu lesen und ermöglicht Adrian einen Perspektivwechsel. Mit dem Blick übers Meer kann Adrian mit Abstand auf seine Heimat und dessen Geschichte blicken. Der Text ist voller Andeutungen, Verweisen und durchgängigen Motiven. Auch der sprechende Name „Adrian Reiter“ ist wohl überlegt. Der Zugang zur Adria, zum Meer wird mit Weite, Weitblick, mit Leichtigkeit verbunden. Und das alles ist verschwunden nach dem verlorenen Krieg und dem Ende der k.u. k. Monarchie. „ Wenn uns wenigstens die Adria geblieben wäre. Das Meer würde uns zu sanfteren Menschen machen.“ heißt es gleich zu Beginn im Roman. Und der Nachname „Reiter“ für einen, der nie in einem Sattel saß, aber fasziniert war von der Eleganz der k.u.k. Kavallerie, passt gleichfalls. Im titelgebenden „Ersten Licht“ waren sowohl die Angriffe im Ersten Weltkrieg, wie auch die Erschießungen im Zweiten und die Hinrichtung des englischen Deserteurs, allesamt schicksalhafte und tragische Momente im Morgengrauen. Im Epilog besucht der 80jährige Adrian die Lesung eines jungen Autors, in dem man unschwer Norbert Gstrein erkennen kann. Der aber wird der Einladung von Adrian nicht nachkommen, obwohl ihm dieser seine Geschichte verspricht. In diesem letzten Teil wird auch explizit der Bezug zu Kurt Waldheim hergestellt. Steht doch der ehemalige österreichische Bundespräsident für das Beschönigen und Verdrängen der Nazi- Vergangenheit. Mit seiner Hauptfigur hat Gstrein einen ambivalenten Charakter geschaffen, keinen Sympathieträger. Und obwohl wir alles aus seiner Perspektive erleben, stellt sich keine Nähe zu ihm ein. Seine Fixierung auf Schlachten, Formationen und kriegerischen Entscheidungen ist nicht nur für seine Ehefrau unbegreiflich. Kann man vielleicht noch Verständnis aufbringen für seine jugendliche Schwärmerei für die Kavallerie, ist seine Verklärung des Krieges später nicht mehr nachvollziehbar . Denn er hatte doch mit den Kriegsversehrten in der Villa eindringlich vor Augen, welche verheerenden Folgen ein Krieg hat. Diese jungen Männer sind stolz und siegesgewiss in den Kampf gezogen und an Körper und Seele versehrt zurückgekehrt. Viele von ihnen werden sich davon nie mehr erholen und ihr Leben selbst beenden. Wie kann Adrian als Lehrer seine Kriegsbegeisterung an Schüler weitergeben? Adrian ist der typische Mitläufer, der durch Kriegsverherrlichung, Anpassung und Schweigen schuldig wird. Der Roman fordert einiges von seiner Leserschaft, nicht nur auf emotionaler Ebene. Er zwingt zum Nachdenken, eröffnet immer neue Aspekte. Gstreins lange Satzbögen erfordern Aufmerksamkeit. Dabei ist der Text elegant erzählt und von sprachlicher Brillanz. Trotz des historischen Stoffes ist der Roman mit seinen Fragen nach Schuld, Mitverantwortung und Mitläufertum angesichts jetziger Kriege erschreckend aktuell. Zeigt er doch, dass keiner unversehrt aus einem Krieg hervorgehen kann. „Im ersten Licht“ reiht sich somit ein in die großen Werke der Antikriegsliteratur. Große Leseempfehlung!

  • Eternal-Hope

    aus Österreich

    5/5

    25.03.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Im Krieg kann man nicht unbeteiligt bleiben

    Auf dem Cover ein Pferd, das seitlich nach hinten blickt. Auf der Rückseite die Information, dass es unter anderem um kriegsversehrte Männer geht in dem Buch. Ein erstes Hineinlesen und es beginnt gleich mit der Beschreibung schrecklicher Entstellungen im Gesicht. Ob das ein Buch für mich sein könnte? Da habe ich länger überlegt und war mir nicht so sicher. Doch nun habe ich es gelesen und bin sehr froh darüber, denn es ist definitiv eines meiner Jahreshighlights! Diese Tiefgründigkeit, diese Sprache! Wie sich subtil und gleichzeitig wirkstark gewisse Metaphern immer wieder wiederholen, geschickt eingeflochten in den Fortgang der Erzählung. Von der Welt, die einmal so unschuldig gewesen war und es nie wieder sein würde. Von dem einst jungen Adrian, ein Jahr jünger als das Jahrhundert, nie als Soldat im Krieg gewesen, und doch würde auch er seine Unschuld verlieren. Vom titelgebenden ersten Licht des Tages, in dem die Ruhe der Nacht endet, in dem Kriege beginnen, in dem Verräter hingerichtet werden, oder doch Unschuldige? Es ist ein Buch, das in mir gedanklich und emotional noch lange nachwirken wird - und ein eindringliches Plädoyer, die Schrecken der Kriege - aller Kriege! - niemals zu vergessen. Ein Thema, das gerade in der jetzigen Zeit erschreckend aktuell ist! Im ersten Weltkrieg wurden so viele Menschen verstümmelt oder getötet, ebenfalls im zweiten, in jedem anderen Krieg und auch jetzt passiert das jeden Tag! Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert und jeder davon ist einem jungen Mann gewidmet, der das Leben von Adrian auf die eine oder andere Art stark geprägt hat. Adrian Reiter - der selbst nie reitet, genauso, wie er nie in den Krieg ziehen muss - ist ein "Davongekommener", ein "Verschont-Gebliebener", oder nicht? Und heißt das gleichzeitig, er sei unschuldig geblieben und es klebe kein Blut an seinen Händen? Kann man unbeteiligt bleiben in solchen Zeiten, und wo beginnt die moralische, rhetorische, tatsächliche Mittäterschaft? 1901 geboren ist Adrian am Anfang des 1. Weltkrieges noch zu jung, um eingezogen zu werden, doch der Krieg dauert mehrere Jahre und der besorgte Vater, ein Kriegsgegner und Sozialist, sieht den Zeitpunkt, an dem auch sein Sohn einrücken würde müssen, immer näher kommen. Das will er unbedingt verhindern und sorgt mit einer Axt und mangelhafter Wundversorgung für eine Beinverletzung des Sohnes, die diesem ein lebenslanges Hinken bescheren, aber ihm gleichzeitig die Soldatenlaufbahn ersparen würde. So begegnen wir kurz nach dem ersten Weltkrieg einem jungen Mann, der fröhlich mit seiner Freundin am Seeufer entlang marschiert und in einer Pension dort untergebrachte ehemalige Soldaten kennen lernt, die speziell im Gesicht schreckliche Entstellungen als Folge der Kriegsverletzungen aufweisen, einer davon Ernest Eller. Hier werden sie vor den öffentlichen Blicken versteckt, ihre Familien schämen sich für sie, manche täuschen lieber vor, der versehrte Sohn wäre am Schlachtfeld den Heldentod gestorben. Den Weg in die Gesellschaft zurück werden die wenigsten von ihnen wieder finden, fast alle werden sich früher oder später das Leben nehmen. Im zweiten Teil ist Adrian mittlerweile Lehrer für Geschichte (und Englisch) und der zweite Weltkrieg naht heran. Vermutlich als Kompensation dafür, selbst nie im Krieg gewesen zu sein, schwärmt er vor seinen Schülern in höchsten Tönen von militärischen Ehren, heldenhaften Kämpfen und dem Reiterbataillon, und macht sich damit mitschuldig, naive junge Menschen für den Krieg zu begeistern. Insbesondere sein Lieblingsschüler Martin Baumgartner meldet sich freiwillig (was dessen Vater dem Lehrer nie verzeihen wird), wird zum Soldaten, zum Täter, zum Verzweifelten. Sucht immer wieder den ehemaligen Lehrer auf, wenn er ein paar Tage aus dem Krieg nach Hause kommt, wie ein lebendiges Mahnmal für dessen Mitschuld. Schließlich geht es im dritten Teil um die andere Seite. Die beiden großen Kriege sind vorbei, seit einigen Jahrzehnten herrscht Frieden, und Adrian reist nach England, besucht dort ehemalige Bunker und lernt Vivian kennen, die jüngere Schwester von Teddy Stephen, der sich nach öffentlicher Beschämung durch das Überreichen einer weißen Feder durch die Suffragetten freiwillig als Soldat im ersten Weltkrieg gemeldet hat, entsetzt in einer aussichtslosen Schlacht fliehen wollte und dafür als Deserteur von den eigenen Kameraden erschossen wurde, im ersten Licht des Tages. Wie ist das im Nachhinein zu beurteilen? War er ein Held? Ein Verräter? Einfach ein Mensch, dem alles zu viel wurde? In diesem umfangreichen und tiefgründigen Roman betrachten wir die erschütterndsten Kriege des 20. Jahrhunderts durch die Augen von Adrian Reiter ein bisschen von außen und sind doch tief drinnen. Emotional zeigt das Buch, dass es nicht möglich ist, ganz außen vor zu bleiben, selbst wenn man nicht aktiv in den Krieg zieht. Wir sind immer Teil des Kollektivschicksals unserer Umgebung, dieses berührt uns, und wir haben eine Verantwortung für alles, was wir tun, unterlassen und bezeugen. Und Krieg ist es schrecklich, es gibt keine Sieger. Es ist ein überwiegend männlich dominierter Blick auf das Kriegsgeschehen und im Zentrum stehen klar (mehrheitlich junge) Männer als Kriegsbegeisterte, Zwangsverpflichtete, Soldaten, Deserteure, Opfer, Täter, Mitläufer, Zuschauer. Die wenigen Frauen, die im Roman vorkommen, nehmen eher Nebenrollen ein, und das Leid, das der Krieg auch über Frauen bringt, ist nur sehr am Rande Teil dieses Romans. Das ist keine Schwäche des sehr guten Buches, da kein Buch alles behandeln kann. Insgesamt ist es ein großartiges, vielschichtiges, bildendes und nachdenklich machendes Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte, um es in seiner Tiefgründigkeit wirken zu lassen. Auf fast jeder Seite finden sich bemerkenswerte Gedanken und eine eingängige Sprache, das Buch ist äußerst dicht und reichhaltig an Querverbindungen und subtilen Bezügen. Man könnte damit problemlos ein ganzes Semester eines literaturwissenschaftlichen Universitätsseminars füllen, und hätte am Ende noch immer nicht alles Diskussionswürdige besprochen. Dabei schafft der Autor aber gleichzeitig den Spagat, so unterhaltsam zu schreiben, dass es nie langweilig wird - auch wenn es sich insgesamt schon klar um ein anspruchsvolles Werk der gehobenen Literatur handelt, dem ich viele Buchpreise wünsche! Ich kann es allen, die sich für Zeitgeschichte und hochwertige Literatur interessieren, vor detaillierten Schilderungen von Elend und Verstümmelungen nicht zurückschrecken und sich auf ein besonderes Werk einlassen wollen, von Herzen empfehlen. Für mich war es das erste Werk dieses bemerkenswerten Autors, es wird aber sicher nicht das letzte gewesen sein!

  • Bewertung

    aus Quickborn

    5/5

    17.02.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ad infinitum oder eine Liste von Verlusten

    Ein Wahnsinnsbuch! Der Österreicher Norbert Gstrein hat mich so sehr gepackt, ich konnte das Buch kaum für die Nacht zur Seite legen. War es zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig für mein preußisches Lesegehirn, zog mich das Buch mit jeder Seite mehr in seinen Bann. Und es war tatsächlich das erste, das ich von diesem Autor überhaupt las. Dabei wohnt er gar nicht weit entfernt von mir (es heißt, an der dänischen Grenze), das hätte ich doch merken müssen! Zu Beginn ein kleines Zitat: „Adrian Reiter, Sohn eines Postbeamten und seines Zeichens Student mit den Fächern Englisch und Geschichte, und das war die große Wiener Gesellschaft, in der er endlich angekommen war, nur um ihr gleich wieder entfliehen zu wollen.“ Der Roman beginnt um 1914 in Österreich, Kriegsbeginn, später der Große Krieg genannt, noch später Erster Weltkrieg, die Perspektiven änderten sich mit den Jahren, die Größe des Landes auch, der Kaiser perdu, das Meer auch. Adrian, Hauptfigur par excellence in diesem Roman ist von seinem Vater, dem k.uk.-Postbeamten, kriegsunfähig geschlagen mit einer Axt und wird sein Leben lang hinken, und doch dem Vater dankbar sein, der ihm jegliche Teilnahme auch am nächsten Krieg damit unmöglich machte. Adrian, der nach Ende des Krieges in einem Hotel arbeitet, alles von der Rezeption bis zum Kellner zur Zufriedenheit ausführt, lernte die Familie Eller kennen, als er noch sehr jung war, jetzt, nach dem Krieg, in den die beiden Söhne notgedrungen mussten, fehlt der eine, Ernest, offiziell für tot erklärt, was der Familie ein Verhängnis wird. Für Adrian war Ernest sein Leben lang „der junge Herr“, und die Erinnerung an die Verluste der Familie begleitet ihn ein Leben lang. Die alte Frau Eller aber findet Gefallen an dem schweigsamen Adrian, beginnt ihn zu mögen und auch zu achten, gibt ihm die Chance seines Lebens. Er kann studieren, sie schiebt ihn in Richtung Englisch und Geschichte, sie ist eine Engländerin ohne ihr England, ohne ihre Downs, sie sieht in Adrian die Zukunft – als Lehrer, als Gast Englands, und ein wenig als Ersatz für den toten Sohn. Der zweite Sohn der Ellers (der geborene Unsympath in diesem Buch) ist mit Ildiko verheiratet, die ursprünglich dem jungen Herrn Ernest versprochen war. Ihre Tochter Ernestine wird in Adrian die Onkel sehen, auch wenn sich ihre Wege erst sehr viel später noch einmal kreuzen. Adrian hat auch eine Freundin, aber es gelingt ihm nicht, sein Studium und seinen Charakter in Einklang mit ihrem Leben und ihrem Wesen zu bringen. Im Ersten Teil des Romans, der „Ernest Eller“ heißt, wird die Familie Eller nach dem Krieg in einer Villa eine Art von Versehrtenheim betreiben, in dem vom Krieg verstümmelte und entstellte Männer eine Zuflucht finden. Die grausamen Verunstaltungen sind eine harte Probe für mich gewesen, die Vorstellung, wie der zartbesaitete Adrian mit diesen Männern die Zeit verbringt, ihre Sorgen, Nöte, Ängste miterlebt, sind so realistisch beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, ich wäre dabei. Diese Nähe, die Gstrein vermittelt, zieht sich durch das ganze Buch, ist aber nie wieder so hart, so existentiell wie in der Villa. Adrian Reiter wird später Lehrer in Salzburg, das Englisch, das er lehrt, stellt sich als etwas antiquiert heraus, aber das wissen die Schüler ja nicht, und er begreift es erst im Alter. Was aber in seinem Geschichtsunterricht passiert, das lässt Schlimmes ahnen. Er wird seinen Schülern den Großen Krieg, das k.u.k-Kriegsheldentum und jegliche Schlacht erklären, genauestens über alle kriegstechnischen Details belesen, macht er den Eindruck eines echten Kriegsteilnehmers, wenn nicht Kriegshelden. Die Zeit geht auf 1938 zu, wie Gstrein so wunderbar schreibt „1938 das Jahr, wie gesagt, er (Adrian) siebenunddreißig, drei Wochen nach dem Einmarsch, und zuerst tat niemand, als hätte sich viel geändert, …“ Aber da ist ein ganz besonderer Schüler, Martin Baumgartner, Zitat: „Ein selbstbewusster junger Mann, sehr aufgeschlossen, sehr wach, vielleicht nicht ganz in der Zeit lebend, …“ und für diesen gibt es ein eigenes Kapitel, das aber bei weitem mehr bietet als nur dieses Baumgartners Geschichte. Adrian wird heiraten, es wird einen neuen Krieg geben, man wird von „Leuten wie ihnen“ sprechen, wenn man Juden meint, später wird man von nichts gewusst haben. Die Geschichte des Adrian Ritter ist aber noch lange nicht vorbei, ich habe sie sehr gern gelesen, ich konnte mich einfühlen in einen vollkommen fremden Menschen, seine Gedanken und Ängste, die ihn bis zum letzten Atemzug begleiten. Seine Erfahrungen, seine Verluste sind spürbar in jedem Satz, ich war mit ihm in den Downs und habe den kalten Nebel gespürt. Ich habe mit ihm auf das Bild vom Engel geschaut, der er vielleicht gern gewesen wäre, aber niemals zu spät. Mehr kann man doch von einem Roman nicht verlangen, als dass er einen einspinnt in einen Kokon aus Fantasie, den man nie verlassen möchte. Fazit: Lesen! Unbedingt, wer anfängt, kann nicht mehr aufhören und wird dieses Buch lieben und auf ein Treppchen ganz oben stellen. Nachtrag: Ich lese fast ausschließlich E-Books, so auch dieses. Dementsprechend weiß ich leider nicht, wie das gedruckte Buch auf dem Ladentisch oder in meiner Hand wirken würde. Das Cover erinnerte mich sofort an Lázár von Nelio Biedermann, das ich auch zuerst ignorierte, weil Pferde, naja, nicht mein Metier sind. Erst eine Rezension brachte mich auf die Spur und ich hörte das Hörbuch. Beim Anblick vom Cover „Im ersten Licht“ sah ich auch zuerst das Pferd, aber ich war ja vorgewarnt, es könnte mehr dahinterstecken als ein Pferdebuch. Und der Titel las sich schon geheimnisvoll. Dass er eine Metapher ist für Dinge, die im ersten Licht geschehen, das findet man heraus beim Lesen. Die Annotation des Buches machte es für mich dann noch klarer, dass das etwas für mich sein würde. Meine Interessen beim Lesen liegen vorrangig im 20. Jahrhundert, besonders in der ersten Hälfte, Weimarer Republik, Nazideutschland, Holocaust, Zweiter Weltkrieg, Nachkrieg. Bei Gstrein beginnt alles im Ersten Weltkrieg, der ist bisher etwas kurz gekommen bei meiner Buchauswahl. Norbert Gstrein war mir zumindest vom Namen her bekannt, Österreich und k.uk.-Monarchie erinnern mich an Joseph Roth, Lemberg an Philip Sands, Wien an den jüdischen Hitler-Arzt Bloch oder Isidor von Sally Kupferberg. Auch darüber hinaus nicht sehr viel Österreichisches in meinem Bücherschrank. Zum Ersten Weltkrieg fallen mir jetzt Ernst Jünger und Erich Maria Remarque ein, beide Deutsche, nicht Österreicher. Mein Interesse war jedenfalls trotz des wenig aussagenden Covers geweckt und ich wurde nicht enttäuscht. Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

  • Bewertung

    aus Buchen

    4/5

    17.02.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Adrian Reiter

    Dieser Roman zeigt das vergangene Jahrhundert anhand eines Mannes, der 1901 geboren wurde. Adrian Reiter, ein Mann, der nicht agiert, sondern beobachtet. Mehrere Begegnungen prägen sein Leben. Es sind Menschen, die vom Krieg zerrüttet und beschädigt sind. Das gilt für den ersten wie für den zweiten Weltkrieg. Das Buch ist teilweise bedrückend und ich habe lange gebraucht hineinzukommen. Dabei erzählt Norbert Gstrein von Anfang an präzise und mit Intensität. Aber der Protagonist ist so zurückhaltend und passiv. Erst im dritten und letzten Teil des Buches habe ich das Gefühl endlich angekommen zu sein, als Adrian beginnt sich zu öffnen. Das Buch ist nicht einfach, aber von Bedeutung, da es zeigt, wie Krieg das Leben der Menschen nachhaltig beeinflusst.

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