Phoebe Ellis ist eine Schatzjägerin: eine Kriminelle, die sich unautorisiert an den Artefakten der neuentdeckten Katakomben unter London bedient. Bei einem missglückten Beutezug fällt sie den Mudlarks in die Hände, angeführt von Greyson Evans, dem berühmten Gründer der Society of Scraping. Er stellt sie vor die Wahl: Entweder wird sie selbst eine Mudlark oder endet in einer Gefängniszelle. Notgedrungen schließt sich Phoebe der unorganisierten Meute an, um unter der schützenden Hand von Greyson Evans zur ersten weiblichen Mudlark zu werden. Doch ein verstecktes Volk in der Finsternis, aus grausamen Alpträumen geborene Kreaturen und eskalierende Machtkämpfe in den Reihen der Mudlarks lehren Phoebe, dass Schönheit und Verderben innerhalb der Katakomben Hand in Hand gehen …
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
29.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Wenn du lange in einen Abgrund blickst...
Zunächst als Info: Schlammlerche ist ein Prequel und zwar merkt man dies teilweise schon, jedoch habe ich es als Neuling in dem Universum keinesfalls als Problem empfunden. Dadurch dass die Vorgeschichte erzählt wird, kann man auch ohne Vorwissen gut alles verstehen, lediglich die Bedeutung einiger Anspielungen bleibt verborgen. Ich kann bereits vorweg nehmen, dass ich dafür jetzt umso mehr Lust bekommen habe, die anderen Bücher der Reihe noch zu lesen.
Im Fokus steht hier Phoebe, die als erste Frau in die Reihen der Mudlarks rekrutiert wird, um die geheimnisvollen und tödlichen Katakomben unter London zu erforschen.
Dabei wird sowohl von Phoebes Charakterentwicklung und ihren Erfahrungen als Frau in dieser Männerdomäne erzählt, als auch von der faszinierenden Welt des Untergrunds.
Dies geschieht in vielen kleinen und größeren Zeitsprüngen, von 1995 bis 2020, was mir sehr gut gefallen hat, da man so beide Entwicklungen schön nachvollziehen konnte. Die Erkundung dauert viele Jahre und so erscheint es realistisch, dass nicht alles auf einer Zeitebene passieren kann. Man fiebert mit, wie weit die Mudlarks gekommen sind oder wie Phoebes Training verläuft.
Mein erstes Highlight war das Worldbuilding: Die Idee einer scheinbar endlosen Welt im Untergrund voller Gefahren war mir nicht neu, wurde hier aber überraschend toll umgesetzt. Jede Ebene hat ihre eigenen Besonderheiten und Bewohner, alles wird wunderbar fantasievoll beschrieben, mit genau der richtigen Mischung aus Fantasy und Realismus. So wird im Rahmen der Erkundungen auch auf die Auswirkungen auf das Ökosystem eingegangen und schwierige Themen wie Kolonisation und Ausbeutung werden auf erschreckende Weise eingebaut.
Gleichzeitig kitzelt die Geschichte den eigenen Erkundungsdrang: Man will mehr erfahren, immer weiter in den Abgrund hinab steigen.
Doch was dies mit einem Menschen machen kann, wird eindrucksvoll an Phoebe demonstriert. Während sie mir zu Beginn eher unsympathisch war, habe ich eine Weile danach gut mit ihr mitfiebern können, nur um dann wieder eine komplette Abneigung zu entwickeln. Die eigene "Heldin" so zu inszenieren ist schon mutig, aber irgendwie hat es trotzdem geklappt. Ich mochte Phoebe nicht, aber ich wollte trotzdem weiterlesen. Ihre Entwicklung zu verfolgen war nicht schön, aber doch interessant, vor allem da es teilweise für ihren Charakter nachvollziehbar war.
Dafür gab es umso tollere Nebencharaktere, die auch ihre Fehler hatten, aber mir doch ans Herz gewachsen sind. Ich hoffe darauf, dass es ein Wiedersehen in den anderen Bänden mit ihnen geben wird.
Zuletzt noch zur Handlung generell: Vieles ist brutal, manchmal regelrecht unangenehm zu lesen, aber es passt gut zur Thematik. Auch wurde ich immer wieder überrascht und mit vielen Entwicklungen hätte ich so nicht gerechnet. Die letzten Kapitel fand ich etwas schwächer als den Rest, insgesamt überwiegt aber das sehr positive Leseerlebnis.
EvaW
aus 55234
5/5
22.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Abenteuer in der Tiefe
Schlammlerche ist das Prequel der "Lichter unter London"-Reihe der Autorin. Wir begleiten Phoebe Ellis, eine Schatzjägerin, die sich in den neu entdeckten Katakomben von London unerlaubt an den Schätzen bedient. Als Sie den Mudlarks in die Hände fällt ,bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich diesen anzuschließen. Unter dem Schutz des Anführers soll Phoebe die erste weibliche Mudlark werden. Aber in den Tiefen lauern noch ganz andere Monster als die Mudlarks und die Dunkelheit kann bisweilen auch Menschen verändern kann.
Das Cover und die Gestaltung des Farbschnitts gefallen mir sehr gut und passen auch super zur Geschichte. Durch den bildhaften, flüssigen, atmosphärischen und spannenden Schreibstil der Autorin bin ich schnell durch die Seiten gekommen. Mit Phoebe hat die Autorin eine sehr starke und stolze Protagonistin geschaffen, die sich in einer Männerwelt behaupten muss. Ihre Veränderung im lauf des Buchs ist für mich gut nachvollziehbar. Die Welt ist brutal und gleichzeitig unglaublich faszinierend auf mich.
Fazit: Ein tolles Buch über eine nicht ganz typische Heldin. Von mir eine klare Leseempfehlung!
Andrea
Thalia Book Circle Community
5/5
14.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein spannender Abstieg in eine fremde Welt
In Schlammlerche von Anne Herzel folgen wir der Jugendlichen Phoebe, die sich ohne Eltern in London durchschlägt. Dazu steigt sie als Schatzjägerin in die neuentdeckten Katakomben unter London ab. Weil das private Schatzjagen aber verboten ist, muss sie den offiziellen Entdeckern, den Mudlarks, aus dem Weg gehen. Das scheitert, als sie in eine Notsituation gerät.
Schlammlerche ist die Vorgeschichte zur Dilogie „Lichter unter London“. Sie lässt sich auch sehr gut ohne die Kenntnis der beiden Bücher lesen. Ich finde die Vorgeschichte richtig spannend und werde auch die beiden anderen Teile ganz sicher lesen.
Ganz besonders gelungen finde ich die Katakomben. Sie sind unglaublich faszinierend und toll beschrieben. Ich hatte beim Lesen direkt ein Bild vor Augen und war auf jede neue Ebene gespannt. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese tolle Welt in den beiden folgenden Bänden noch erweitert wird.
Die Charaktere haben mich dagegen sehr herausgefordert. Niemand ist einfach rundum sympathisch. Gerade Phoebe denkt und handelt nicht wie ein üblicher Hauptcharakter. Ich habe sie im Laufe des Buches nicht immer gemocht. Gerade deswegen finde ich sie aber sehr interessant. Und ich hoffe sie zeigt in den folgenden Büchern noch weitere Entwicklungen. Sie hat noch viel Potential die Geschichte zu bereichern, egal ob sie als Heldin oder Antagonistin weiter vorkommt.
Mein Fazit: Schlammlerche ist ein spannend geschriebener Urban Fantasy Roman mit interessanten Charakteren. Ich habe viel Spaß beim Lesen gehabt.
Wauwuschel
Thalia Book Circle Community
5/5
08.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Mal eine etwas andere Fantasy-Geschichte!
Phoebe ist eine illegale Schatzjägerin, doch als sie bei einem Tiefgang in die Katakomben auf den Captain der Mudlarks trifft, tritt sie ihnen widerwillig bei. Damit beginnt eine jahrelange Reise durch die tiefen mystischen Ebenen, in denen unbekannte Gefahren warten.
“Ich würde weitermachen, nicht stehen bleiben und mich nicht von jenen runterziehen lassen, denen ich sowieso nichts bedeutete. Mein Schmerz, tief verborgen in den Winkeln meiner ganz eigenen Katakomben, hatte gelernt zu flüstern, anstatt zu schreien.” -Phoebe
Dieser Einzelband ist die Vorgeschichte von “Lichter unter London” und befasst sich mit Phoebe, die später eine hohe Position bei den Mudlarks einnimmt und auch in der Hauptreihe vorkommt. Dasselbe gilt für andere Personen in diesem Buch und selbst wenn man die Buchreihe noch nicht gelesen hat, freut man sich nach diesem Prequel umso mehr darauf. Das Cover und der Farbschnitt sind schön gestaltet und die Kapitel, die nach der Zeitangabe unterteilt sind, führen dazu, dass man immer weiterlesen will und Phoebes Leben über mehr als 20 Jahre verfolgt. Außerdem ist der Schreibstil wohl das Zweitbeste an dem Buch, denn durch ihn entsteht die mysteriöse Welt quasi vor unseren Augen und Phoebes schwerer Charakter wird perfekt rüber gebracht.
Meiner Meinung nach ist die gesamte Geschichte ein Erfolg und ich habe jede einzelne Seite mit Spaß und Spannung verschlungen. Doch ich kann verstehen, dass einige mit der Protagonistin nicht warm geworden sind, denn uns wird eine Antiheldin vorgestellt, die eher in den Grautönen des Lebens agiert und mit Kanten und Ecken versehen ist. Manchmal ist sie unsympathisch, an anderen Stellen ist sie brutal und trotzdem ist ihre Entwicklung fabelhaft. Nur gute Menschen in Fantasy-Büchern zu haben, ist unrealistisch und langweilig, weshalb sich dieses Buch dadurch von den anderen abhebt. Schon am Anfang ist Phoebe in illegale Dinge verwickelt und wird nach und nach zu einer gnadenlosen Mudlark, die alles für ihren Erfolg machen würde und als einzige Frau gegen die ganze Männerwelt ankämpfen muss. Es ist nicht immer schön und oft wird es ziemlich blutig, aber genau das hat mich mitten ins Herz getroffen. Ich konnte Phoebes Entscheidungen aus ihrer Sicht irgendwie nachvollziehen und man weiß nie, was sie als nächstes tut. Damit wurde sie zu einer charakterstarken Person, die man weder auf der eigenen, noch auf der Gegner-Seite haben will. Sie hat mich durch die Geschichte geführt, von den Bürden als Anfängerin, bis hin zum Aufstieg in der Hierarchie der Mudlarks, und war der Grund, warum ich weitergelesen habe.
Auch den Nebencharakteren wurde genug Raum zur Entfaltung gegeben und es war fesselnd, wie sie zu Phoebe stehen bzw. standen. Freundschaften werden geknüpft, dann wieder gekappt. Familienbande werden aufgebaut und auch wieder zerstört. So jemand wie Grayson, der eine große Rolle spielt, war eine wichtige Person in Phoebes Leben und auch die anderen haben sie geprägt. Hier kommen ein paar Plottwists ins Spiel, die die Story maßgeblich verändern und bestimmt nicht nur mich geschockt haben. Man wird an jeder Ecke überrascht und das habe ich gefeiert. Zudem findet man hier eine Liebesgeschichte vergeblich, zumindest was 95% des Romans angeht. Das war für mich eine schöne Abwechslung und Leser, die sich mehr auf die Charaktere und den Plot fokussieren und keine Romantasy in die Hand nehmen wollen, sind hier genau richtig. Weiterhin wird mit dem Feminismus ein wichtiges Thema aufgegriffen und in die Geschichte integriert, wodurch auf prägnante Art die Überzeugungen der Autorin rüber kamen.
Zum Schluss noch ein paar Worte zur Story, die hier Dreh- und Angelpunkt war. Das Worldbuilding war fantastisch und mit jeder Ebene der Katakomben, die wir erforscht haben, wurde es mystischer und magischer. Die Umwelt und die verschiedenen Kreaturen wurden wunderbar beschrieben und ich wollte mich immer und immer weiter ins Abenteuer stürzen. So baut auch die Story auf der Katakomben-Erkundung auf, da wir Phoebe und die anderen Mudlarks auf ihrem Weg in die verschiedenen Ebenen begleiten und währenddessen großen Gefahren begegnen, seien es die dort lebenden Wesen oder das harsche Klima. Es artet zu einem Kampf der Eroberung und Unterdrückung aus und wieder wurde es realistisch und schonungslos dargestellt. Als Leser weiß man nie, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt, wodurch die Spannung und der Lesespaß nie verloren gehen. Des weiteren baut sich der Spannungsbogen im Laufe der Kapitel und im Laufe der Jahre immer weiter auf, bis es zu einem beeindruckenden und passenden Finale kommt, das Lust auf mehr macht. Als ich mit dem Buch angefangen habe, hätte ich nie gedacht, dass es so ausgehen würde.
Insgesamt kann ich das Buch an alle Fantasy-Fans weiterempfehlen, die eine unperfekte Protagonistin überleben können!
Shinara90
5/5
20.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Zwischen Schlamm und moralischen Trümmern
Mit „Schlammlerche“ liefert Anne Herzel ein Prequel ab, das weh tut. Es ist keine dieser typischen „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Storys, sondern eher eine Chronik des emotionalen Zerfalls. Wir begleiten die 17-jährige Phoebe, die in den feuchten, klaustrophobischen Katakomben Londons nicht nur nach Schätzen sucht, sondern verzweifelt versucht, den Kopf über Wasser zu halten. Dass sie dabei zur ersten weiblichen „Mudlark“ wird, klingt zunächst nach einer klassischen Heldenreise – doch Herzel bricht dieses Versprechen konsequent.
Der Schreibstil ist dabei das größte Highlight des Buches. Die Autorin verzichtet auf weichgespülte Metaphern und setzt stattdessen auf eine beklemmende, fast schon greifbare Atmosphäre. Man meint, den Modder der Londoner Unterwelt förmlich zu riechen. Die Sätze sind präzise und transportieren eine Schwere, die perfekt zu Phoebes innerer Zerrissenheit passt. Es ist eine Sprache, die keine Ausflüchte zulässt und den Leser direkt in die moralischen Grauzonen zieht.
Die Geschichte selbst ist eine faszinierende, wenn auch schmerzhafte Fallstudie. Es geht um die Frage: Ab wann wird aus Notwehr Bosheit? Herzel lässt uns Phoebe verstehen, ihre Traumata und die bittere Enttäuschung über die Welt fühlen, ohne ihre späteren Taten zu entschuldigen. Dieser schmale Grat zwischen Mitgefühl und Abscheu macht das Buch so intensiv. Wer hier ein Wohlfühlbuch sucht, ist falsch; wer aber wissen will, wie aus einem verletzten Mädchen eine unerbittliche Antagonistin wird, findet hier eine psychologisch dichte und atmosphärisch gewaltige Erzählung. Ein Buch, das im Kopf bleibt, weil es zeigt, dass Verrat manchmal Wunden schlägt, die niemals ganz heilen.
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