Die Fletchers von Long Island
Roman. »Ein großer Roman, ein drei Generationen umfassendes, vor absurden Szenen und schillernden Figuren überbordendes Epos« Die Zeit
1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie. Und diese Auswirkungen gestalten sich mal verstörend und mal überaus amüsant!
Eine große jüdisch-amerikanische Familiengeschichte, Jahrzehnte umspannend, die sich bereits jetzt wie ein Klassiker liest: sprachlich virtuos, fein beobachtet und sehr, sehr lustig.
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Eine wunderbare, komische Familiengeschichte
Bewertung am 02.06.2025
Bewertungsnummer: 2505690
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die vielbesagte dritte Generation ist es, um die es in diesem Roman geht. Denn die erste baut auf, die zweite bewahrt - und die dritte Generation verspielt ihr Erbe. Genauer gesagt in dem Fall die dritte Generation einer jüdischen Unternehmersfamilie, den Flechters, von, Sie ahnen es, Long Island. Wunderbar rasant erzählt Taffy Brodesser-Akners diese Familiengeschichte anhand der drei erwachsenen Fletcher-Kinder: einem Actionfilm Autor, der Sado-Maso Praktiken schätzt, einem sehr vorsichtigen Anwalt und einer eher naiven Möchtegern-Sozialistin. Alle Figuren sind sehr eigen, sehr besonders und jede wirkt auf andere Art und Weise verkorkst. Alle leben mit demselben Trauma, dem Trauma des Holocaust, als Urtrauma, gefolgt von weiteren Traumata. Sobald die finanzielle Freiheit der Familien weg bricht, bahnen sich die Dramen ihren Weg. Toll geschrieben, eine absolute Leseempfehlung!
Eine nicht einfache Familie
PMelittaM aus Köln am 21.05.2025
Bewertungsnummer: 2496148
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
1980 wird Carl Fletcher vor seinem Haus entführt, er kommt zwar, gegen eine Lösegeldzahlung, nach einigen Tagen wieder frei, doch die Entführung wirkt sich sein ganzes Leben lang auf ihn und seine Familie aus. Etwa 40 Jahre später trifft man die Fletchers wieder und erfährt, wie es ihnen nun geht.
Es geht ihnen nicht gut, so viel kann ich schon sagen. Ich finde die Erzählweise interessant, zunächst erfährt man nacheinander das Leben der drei Kinder, später auch das der Ehefrau, und schließlich sogar mehr über Carls Empfinden. So kommt man jedem dieser Familienmitglieder nahe, kann ihr Wesen nachvollziehen. Was man da liest, ist nicht immer schön, teilweise sehr heftig. Die Autorin nimmt da auch kein Blatt vor den Mund, weder bezüglich der Ereignisse noch der Worte, die sie benutzt.
Zunächst noch ein Wort zur Familie Fletcher: Großvater Zelig ist seinerzeit vor den Nationalsozialisten in die USA geflüchtet und hat dort ein Unternehmen aufgebaut, das die Familie sehr reich machte. Ein bisschen nimmt der Roman auch das jüdische-amerikanische Leben auf die Schippe, zum Beispiel, wenn sich alle Frauen die selbe Nase machen lassen. Überhaupt scheint immer wieder, vor allem schwarzer, Humor auf, so dass der Roman bei aller Tragik auch unterhaltsam ist.
Vieles, was der Familie geschieht, scheint mehr oder weniger überzogen, vieles sah ich auch so nicht kommen. Die Familienmitglieder und auch einige Bekannte wirken ebenfalls teilweise überzogen, so dass man eben nicht alles ganz ernst nehmen kann, womöglich hätte man sonst mehr mitleiden müssen, so ergab sich, zumindest für mich, eine gewisse Distanz.
Zunächst begegnet man Bernard, Beamer genannt, dem mittleren Kind, dem jüngeren Sohn, der, zunächst zusammen mit einem Freund Drehbücher schreibt, eine Nichtjüdin geheiratet hat, die zudem noch deutschstämmig ist. Beamers Geschichte empfand ich persönlich als am heftigsten. Nathan, der Älteste, hat viele Phobien und tut sich in seinem Job als Anwalt schwer. Jennifer war zur Zeit der Entführung ihres Vaters noch nicht geboren, sie ist sehr intelligent, weiß dies aber nicht zu nutzen und scheint mit ihrem Leben überfordert. Und dann ereilt die Familie auch noch eine Katastrophe.
Die Erzählerin durchbricht hin und wieder die vierte Wand, stellt den Leser:innen schon mal eine Frage, und lässt durchblicken, sie würde die Geschichte der Fletchers aus erster Hand kennen, vor allem gegen Ende wertet sie auch. Das bringt einen zusätzlich zum Nachdenken.
Ich denke, der Roman wird polarisieren, nicht jedem gefallen. Ich mag ihn, und habe Lust bekommen, mehr von der Autorin zu lesen. Ich mag aber auch Familiengeschichten, die es in sich haben, diese hat es auf jeden Fall, und Romane, die auf gewisse Weise herausfordernd sind. Auch wenn ich eine gewisse Distanz zur Familie entwickelt hatte, erzeugte ihr Schicksal bei mir doch Emotionen. Wahrscheinlich werde ich noch öfter an die Fletchers zurückdenken, und froh sein, keine von ihnen zu sein.
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