He Hanqing ist eine unsichtbare Frau. Seit der Hochzeit lebt sie im Haushalt der Schwiegereltern, wo sie kocht, putzt, wäscht, Einkäufe erledigt und als Mädchen für alles stets zu Diensten ist. Ihre eigenen Bedürfnisse interessieren niemanden, selbst den Gang zur Toilette muss sie unterbrechen, wenn jemand anderes muss. Die vielen Aufgaben sind das eine, die fehlende Wertschätzung sind das andere. Bin ich denn für niemanden mehr als eine kostenlose Haushaltshilfe? Die Wucht, mit der Hanqing diese Frage ins Bewusstsein drängt, lässt sie einen folgenschweren Entschluss treffen, der überraschende Folgen hat.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Rina
aus Mannheim
4/5
05.07.2026
eBook (ePUB 3)
Eindringlich, aber nicht ganz überzeugend
Irgendwann hat He Hanqing genug. Sie schuftet im Haus ihrer Schwiegereltern, wo sie nach der Hochzeit mit ihrem Mann lebt, bis zur völligen Erschöpfung und bekommt keinerlei Wertschätzung. Das Gegenteil ist der Fall: Sie wird für jedes kleine Versäumnis zur Verantwortung gezogen. Dabei ist sie eigentlich diejenige, die den gesamten Haushalt überhaupt am Laufen hält.
Schließlich kommt sie zu dem Schluss, dass ein Leben voller täglicher Plackerei schlimmer ist als der Tod. Sie verlässt das Haus und streift durch die Straßen, während sie darüber nachdenkt, wie sie ihrem Leben ein Ende setzen könnte.
Die Autorin erzählt die Geschichte wieder sehr pointiert. Im Mittelpunkt stehen die Unsichtbarkeit von Care-Arbeit und der Verlust der eigenen Bedürfnisse und Identität, wenn man über Jahre nur noch für andere lebt. Besonders gut fand ich dabei die Darstellung von He Hanqing. Einerseits ist sie völlig erschöpft und traurig, weil es scheinbar niemanden interessiert, ob sie überhaupt noch leben möchte. Trotzdem kann sie selbst in ihrer Verzweiflung nicht anders, als den Menschen, denen sie begegnet, ganz selbstverständlich zu helfen. Es ist eine Kritik an einer Gesellschaft, die Care-Arbeit bis heute nicht wertschätzt und dies vor dem Hintergrund der Kulturrevolution besonders deutlich macht.
Das Einzige, was mich etwas unzufrieden zurückgelassen hat, war das Ende. Nachdem ich das Buch beendet hatte, fragte ich mich, welche Konsequenzen He Hanqings Ausbruch letztlich überhaupt hatte.
Seitenrascheln
4/5
01.07.2026
eBook (ePUB 3)
Wertschätzung ist so wichtig
Neben der Autorin, von der ich schon zwei Bücher gerne gelesen habe, hatte auch der Titel mein Interesse auf das Buch geweckt. Da wird so beiläufig erwähnt sich umzubringen, als wenn man einkaufen gehen würde oder die Katze füttern möchte. Selbstmord derartig in einem Buchtitel zu erwähnen empfand ich fast schon als provokativ.
He Hanqing lebt mit ihrem arbeitslosen Ehemann (der nun kleine Modellautos schnitzt), ihrer ledigen Schwägerin und ihren alten Schwiegereltern in einem Haus. Der Sohn studiert bereits in einer anderen Stadt. Sie allein kümmert sich um alle und alles, stellt eigene Bedürfnisse zurück. Schnell zieht man einen Zusammenhang zwischen ihrer Lebenssituation und ihren Verstopfungsproblemen. Nie hat sie Zeit für sich und ihrem gesundheitlichen Problem, immer auf Abruf und Sprung. Ihre Bedürfnisse und Meinung hält sie krampfhaft zurück.
Was ihr fehlt ist die Wertschätzung ihrer Familie. Jeder Nachbar, jeder Freund von ihr weiß um ihrer Tüchtigkeit, nur die eigene Familie hält alles für selbstverständlich. Auf Fingerschnipsen hat He Hanqing gefälligst zu reagieren, am idealsten wohl schon vorher.
Im Laufe der Geschichte erfährt man nach und nach aus ihrem Leben und beginnt so manches zu hinterfragen und mit neuen Augen zu sehen. Natürlich betrachte und urteile ich es letzten Endes mit „westlichen Augen“, noch einmal anders dürfte es wohl aus chinesischer Sichtweise her sein. Mich hätte deshalb auch dieser Blickwinkel sehr interessiert, eventuell ergänzend in einem Nachwort.
Die Geschichte hat mich in vielen Punkten zum Nachdenken gebracht. Stichworte wären auf jeden Fall Wertschätzung, Selbstfürsorge, Grenzsetzung und Tradition.
Reader1965
aus Hamburg
4/5
30.06.2026
eBook (ePUB 3)
Zum Nachdenken
"Ich geh jetzt los und bring mich um" von Fang Fang hat auf 176 Seiten viel Inhalt.
Hanqing ist ein unsichtbare Frau, ein Mädchen für alles & für alle. Sie & ihre Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen und sie findet kein Ventil zum Dampf ablassen - und so fasst sie einen Entschluss - extrem & konsequent.
Fang Fang schreibt nüchtern & kühl und drückt dennoch mit wenigen Worten viel aus und hat bei mir einiges an Emotionen ausgelöst: Fassungslosigkeit, Mitgefühl & Wut.
Die Gefühle von Hanqing sind nachvollziehbar: Sie ist gekränkt, wütend & verzweifelt. Sie ist überfordert & des Lebens müde. Wer wäre das nicht, wenn man von den Nachbarn besser behandelt wird als von der Familie?
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt:
Was braucht es, um zufrieden zu sein?
Wann fühlt das Leben sich richtig an?
Was braucht es zum Glücklichsein?
Bewertung
3/5
06.07.2026
eBook (ePUB 3)
Zum Nachdenken ❤️
Ich geh jetzt los und bring mich um ist kein leichtes Buch und genau das macht es so besonders. Die Geschichte begleitet eine junge Frau, die mit ihren Gedanken und dem Leben kämpft. Dabei geht es um Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Begegnungen und die Frage, ob es doch noch einen Grund gibt, weiterzumachen.
Die Thematik wurde sehr eindringlich und emotional umgesetzt und hat mich an vielen Stellen zum Nachdenken gebracht. Trotzdem hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass sich die Handlung etwas zieht und sich einige Szenen wiederholen. Dadurch konnte mich das Buch nicht durchgehend fesseln.
Insgesamt ist es aber ein bewegender Roman mit einer wichtigen Botschaft, der zeigt, wie viel schon ein einziger Mensch bewirken kann. Definitiv kein leichtes Buch, aber eines, das noch lange nachhallt. ❤️
ancla_books4life
aus Schwerte
5/5
04.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eindringliches Mahnmal gegen das Wegschauen
**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch ist unfassbar intelligent und voller Einfühlungsvermögen. Es zeigt auf drastische Weise, wie wir wegschauen, das Gute als selbstverständlich hinnehmen und Menschen so lange ausnutzen, bis sie kaum noch Kraft haben. Selbst der Gedanke an den Tod wird hier erschütternd entlarvt: Morgen wird diese Person schon wieder für alle funktionieren müssen. In der klassischen Rollenverteilung ist das die Ehefrau, Mutter und Schwiegertochter. Für mich fühlte sich diese Geschichte jedoch viel universeller an.
Ich spürte in jeder Zeile den Konflikt, den viele von uns kennen oder beobachten: fehlende Wertschätzung dort, wo sie am wichtigsten wäre. In der Familie kaum gesehen, außerhalb unersetzlich und geschätzt. Gebraucht, aber nicht wirklich wahrgenommen. Doch was nützen Anerkennung und Lob von außen, wenn eines verloren geht – der Blick auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse?
Der Gedanke an den geplanten Suizid besitzt eine enorme Tragweite. Das Buch fragt nicht nur, wie verzweifelt ein Mensch sein muss, um diesen Weg als letzten Ausweg zu sehen, sondern auch, wie sehr ein Umfeld jemanden über Jahre missachten und kleinhalten kann, bis genau dieser Gedanke entsteht. Dann müsst ihr eben ohne mich zurechtkommen. Diese Wucht trifft tief. Gerade deshalb empfand ich das Buch als ein gelungenes Mahnmal dafür, Menschen nicht als selbstverständlich zu betrachten. Wer immer funktioniert, wird oft am wenigsten gesehen. Genau dieses Gefühl bringt die Geschichte eindrucksvoll auf den Punkt.
Besonders nachhallend war für mich dieses Zitat:
„Je mehr man liest, umso mehr bekommt man den Eindruck, dass alle guten Menschen längst tot sind. Jetzt, wo ich Ihnen begegnet bin, weiß ich, dass es noch gute Menschen gibt auf der Welt, wir sind nur zu blind, um sie wahrzunehmen.“
Genau darin liegt für mich die Stärke dieses Buches. Es prangert nicht nur an, sondern fordert dazu auf, genauer hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und Menschen in ihrem Wert wahrzunehmen, solange sie da sind. Eindringlich, laut, voller Gefühl und zugleich literarisch außergewöhnlich erzählt. Das Ende ist eine schwerwiegende Erkenntnis, die lange nachhallt.
**** Empfehlung? ****
Eine Herzensempfehlung für alle, die Literatur lieben, die gesellschaftliche Missstände sichtbar macht und dabei tief unter die Haut geht. Dieses Buch bleibt – nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Herzen.
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