Sichtbare Gebrauchsspuren auf einigen Seiten z.B. leichte Knicke oder vereinzelte Markierungen möglich. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
Die Villa Rosen, ein neoklassizistisches Landhaus, wird 1909 von dem später zu Weltruhm gelangenden Architekten Max Taubert für einen Professor Adam Rosen und seine Frau Elsa entworfen. Als Frieder und Hannah Lekebusch Mitte der Neunzigerjahre das leer stehende Haus am Rande des Berliner Grunewalds entdecken, erliegen sie seinem verwunschenen Charme. In einer aufwendigen Restaurierung stellen die Lekebuschs den Originalzustand des Hauses wieder her, und schnell wird die neu erstrahlende Dahlemer Villa als »Kleinod der Vormoderne« zum Pilgerort für Taubert-Fans, Künstler und einflussreiche Journalisten. Und – wie schon in der Weimarer Republik und zur NS-Zeit – zum Spielball der Interessen. Sie wollten den alten Geist des Hauses wiedererwecken, doch mit den Auswirkungen des Ruhms und dem langen Schatten der Vergangenheit haben die Lekebuschs nicht gerechnet.
Kunst, Moral, privates Glück und Politik: ›Das Gartenzimmer‹ spannt einen Bogen von der Aufbruchsstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Weimarer Republik und die Herrschaft der Nationalsozialisten bis in die Gegenwart. Andreas Schäfer erzählt klug, feinfühlig und fesselnd vom Schicksal eines Hauses in Berlin-Dahlem und dem Leben derer, die sich seiner sirenenhaften Wirkung nicht entziehen können.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
5/5
30.01.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein wunderbar vielschichtiges Buch.
Alles dreht sich um die Entstehung einer Villa in Berlin-Dahlem, deren Bewohner und den Menschen im Umfeld der Familien. Entwickelt über einem Zeitraum von fast 100 Jahren. Durch seine geschickte Erzählweise entwirft Andreas Schäfer Geschichten, Beziehungen, Schicksalsschläge auf unterschiedlichen Zeitebenen. Alles hätte so sein können und orientiert sich am Zeitgeschehen. Dadurch ist der Roman unglaublich spannend, überraschend, tiefsinnig und sehr unterhaltend. Absolute Leseempfehlung!
Wedma
5/5
07.04.2021
eBook (ePUB)
Ein beeindruckender, sehr lesenswerter Roman.
Eine bemerkenswerte Geschichte. Talentiert und gekonnt erzählt. Das Kopfkino startete mit der ersten Seite und ist noch nicht ganz zu Ende, obwohl die letzte Seite vor gut zehn Tagen umgeblättert worden ist.
„Das Gartenzimmer“ ist nicht nur Geschichte eines besonderen Hauses und seiner Bewohner, die im Jahr 1908 anfängt und in 2013 endet, und somit die zwei Weltkriege umfasst. Gerade der zweite Weltkrieg spielt hier eine Rolle. Die Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit und ihrer Auswirkung ist eine überzeugende wie beeindruckende Darstellung des Prinzips „Der Fluch der bösen Tat“, bildhaft und zum Greifen nah dargeboten. Vor dem inneren Auge läuft ein Film ab, wie diese die Schicksale der Bewohner über die Generationen hinweg beeinflusst, wie sie in ihre Lebensentscheidungen mit hineinfließt und so manches junges Leben komplett wegfegt.
Die überlebensgroßen Figuren, wie die Archetypen der Menschen der jeweiligen Zeit, ob in 1914, 1943, 2001 oder 2011, so heißen auch die Kapitel, werden mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Fazit: Ein beeindruckender, sehr lesenswerter Roman. Vor dem eigentlichen Text steht: „Die Arbeit am vorliegenden Buch wurde gefördert durch den Berliner Senat (Arbeitsstipendium) und das auswärtige Amt (Stipendium Villa Aurora).“ Jeden Cent wert, würde ich sagen.
Lisa S.
aus St. Pölten
5/5
20.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Gartenzimmer
Als Max Taubert 1909 eine Villa für Professor Rosen und seine Frau baut, weiß er noch nicht, dass er einmal einer der populärsten Architekten Deutschlands sein würde und seine Lebensgeschichte auch die Lekebuschs 100 Jahre später, in ihren Bann ziehen wird.
Die Villa Rosen begleitet uns durch den Anfang des 20sten Jahrhunderts, über den zweiten Weltkrieg in die Gegenwart; immer im Mittelpunkt: das Gartenzimmer. Einst Schauplatz vieler Feste, doch auch dunkler Machenschaften des Nationalsozialismus.
Wer einen Roman über Kunst, Architektur, Geschichte, Familie und noch viel mehr sucht, dem sei dieser tolle Roman von Andreas Schäfer ans Herz gelegt, er entführt uns in die Mitte der Villa Rosen, direkt hinein ins Gartenzimmer und man hat das Gefühl dort noch etwas verweilen zu wollen.
Bewertung
5/5
16.08.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich möchte man nach der...
Eigentlich möchte man nach der Lektüre sofort in den Grunewald pilgern ,dieses Haus besichtigen und den Geist der Zeitgeschichte einatmen . Obwohl das Geschehen in zwei Zeitebenen spielt ,ist man in beiden mittendrin,will die Geheimnisse ergründen und mit den Menschen sprechen !
https://lieslos.blog/
5/5
23.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Highlight auf zwei Zeitebenen!
Man bekommt in dem 352 seitigen Roman einen interessanten und lebendigen Einblick in den Alltag und das Innenleben einiger Familien und Personen, bewegt sich dabei auf zwei Zeitebenen und wird mit erschütternden historischen Ereignissen konfrontiert.
Wir lernen Max Taubert, den Architekten, und seine Frau, die Malerin Lotta, kennen.
Sie haben zwei Töchter, die Zwillingsmädchen Monika und Josepha.
Wir begleiten das Ehepaar Elsa und Adam Rosen.
Es lässt sich vom Architekten Max Taubert die „Villa Rosen“ entwerfen, das Gebäude, in dem sich das titelgebende Gartenzimmer befindet.
Hannah und Frieder Lekebusch kaufen Jahrzehnte später die sich im Verfall befindliche Villa Rosen und lassen sie aufwändig restaurieren, so dass der Ursprungszustand wiederhergestellt wird.
Und dann lernen wir auch noch die Haushälterin der Rosens und die brasilianische Putzfrau der Lekebuschs und deren Tochter Ana kennen. Drei Menschen, die im Verlauf des Romans keine ganz unbedeutenden Rollen spielen.
So viel zum grob orientierenden Überblick, jetzt ein paar Worte zum Inhalt:
1908, Berlin-Schöneberg.
Der junge Architekt Max Taubert wird vom einschüchternden Herrn Prof. Rosen und seiner sympathischen Gattin im Atelier aufgesucht.
Sie wollen in Dahlem ein Landhaus bauen lassen und suchen einen jungen Architekten für ihr Projekt.
Diese Villa am Grunewald ist Tauberts erster Auftrag.
Voller Leidenschaft stürzt er sich in die Arbeit und gebannt verfolgt er den Baufortschritt.
Im Verlauf lernt man das widersprüchliche Ehepaar Rosen, das seinen Sohn bei einem tragischen Unfall verloren hat, näher kennen. Wie zu erwarten, spielen dabei die beiden Weltkriege eine Rolle.
Im Wechsel zu dieser Geschichte rund um Max Taubert und die Rosens tauchen wir in die Welt der Lekebuschs ein, die zu Beginn des 21. Jh. in der Villa lebt.
Das Ehepaar Lekebusch, Hannah, eine Zahntechnikerin, und Frieder, der Besitzer eines Pharmaunternehmens, hat einen inzwischen 18jährige Sohn, Luis.
Die drei leben nun seit sechs Jahren in der denkmalgeschützten und renovierten Taubert-Villa.
Die Hausherrin Hannah macht regelmäßig Führungen, um der Öffentlichkeit diesen besonderen architektonischen Schatz nicht vorzuenthalten.
Ihr Gatte Frieder ist nicht begeistert von diesen Hausbesichtigungen, die für ihn nichts anderes als Einbrüche in seine Privatsphäre darstellen und er mißbilligt auch Hannahs Anbetung der neoklassizistischen Villa.
Immer wieder kommt es zu Konflikten und feindseligem Schweigen.
Eine Paartherapie soll die Eheleute wieder zusammenbringen und die Trennung verhindern.
Auch Luis fühlt sich zunehmend unwohl in dem Haus, das zum Lebensinhalt seiner Mutter und zum Zankapfel seiner Eltern mutiert.
Dann steht ein bedeutender Empfang mit wichtigen und bekannten Persönlichkeiten an und ein Brief mit brenzligem Inhalt rückt ins Zentrum des Geschehens.
In dem Roman wird der Leser immer wieder von feinfühligen, psychologisch nachvollziehbaren und berührenden, aber niemals rührseligen Passagen überrascht.
Es ist z. B. so einleuchtend warum Frau Rosen abseits vom Trubel der Großstadt wohnen will und die Beweggründe der Eheleute Lekebusch für den Kauf der Taubert-Villa sind nicht nur nachvollziehbar, sondern auch schlüssig und interessant.
Neben dieser ruhigen, psychologisch stimmigen Erzählweise, die nicht emotional ist, aber Emotionen erweckt, ist meines Erachtens die schöne Sprache zu erwähnen, die angereichert wird mit Metaphern, Wortspielen, Doppeldeutigkeiten und Formulierungen.
Drei Beispielen dazu:
„... stieg die alte Wut in ihm hoch, eine Wut, die ihm seit Kindertagen vertraut und die inzwischen so trüb geworden war, dass er ihren Grund schon lange nicht mehr erkennen konnte.“ (S. 149)
„Adams (Professor Rosen) fordernde Strenge, die sich beim geselligen Zusammensein in eine väterlich interessierte Milde verwandelt...“ (S. 166)
„das Sonnenlicht kam von der anderen Seite, ließ die Kratzer in der Scheibe aufleuchten wie die Zeichen einer unverständlichen Geheimschrift.“ (S. 179)
Mir gefiel die durchgehend unaufgeregt erzählte und fesselnde Geschichte in schöner Sprache.
Vielleicht sollte ich aber nicht von EINER Geschichte, sondern von MEHREREN Geschichten sprechen. Denn es sind ja, wie bereits erwähnt, zwei Zeitebenen, mehrere Familien und mehrere Personen, die man im Verlauf gut kennenlernt, wobei letztlich alles durch die Villa mit dem Gartenzimmer miteinander verwoben und verbunden wird.
Während ich zu Beginn nur interessiert war, wurde ich zunehmend neugierig und gespannt und musste ich nicht selten über psychologisch überzeugende Details anerkennend staunen.
Als es dem Ende zuging, kamen bedrückende Momente von ungläubigem Entsetzen dazu.
Am Ende fragte ich mich, ausgelöst durch eine Unterhaltung zwischen Vater und Sohn Lekebusch:
„Ist es tatsächlich der Ort selbst oder sind es nicht vielmehr die Assoziationen, die die Gefühle AN diesem oder ÜBER diesen Ort auslösen?
Und wenn es „nur“ die Assoziationen sind, lassen sich aversive Gefühle dann überhaupt überwinden?
Oder muss man „einfach nur“ einen Umgang damit finden?“
Ich empfehle den Roman sehr gerne weiter und bin froh, ihn gelesen zu haben.
Ein Highlight.
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