Ayelet Gundar-Goshen inszeniert einen inneren Konflikt, der die Figuren und Lesenden gleichermaßen in seinen Bann zieht. Und sie schafft davon ausgehend ein packendes Psychodrama über Schuld und Rache, über die Flucht vor Verantwortung und über Mitgefühl, das sich an unerwarteten Orten zeigt.Naomi ist nicht begeistert, als sie sich allein mit ihrem einjährigen Sohn Uri und einem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung in Tel Aviv wiederfindet. Ihr Mann Juval hat ihn mit der Renovierung ihres Balkons beauftragt, während er selbst bei der Arbeit ist. Sie fühlt sich unwohl in der Präsenz des fremden Mannes, zumal Uri eigentlich seinen Vormittagsschlaf halten sollte und allmählich quengelig wird. Während sie Kaffee zubereitet, entsteht plötzlich auf der Gasse vor dem Haus ein Aufruhr, ein Teenager ist von einem herabstürzenden Hammer erschlagen worden. Naomi wird schnell klar, dass ihr Sohn den Hammer in einem unbeaufsichtigten Moment vom Balkon gestoßen haben muss. Doch der Verdacht fällt nicht auf die israelische Familie, sondern auf den arabischen Arbeiter. Als er wenig später zum Verhör abgeführt wird, ist Naomi wie gelähmt, es gelingt ihr nicht, die Wahrheit zu sagen.Eine Geschichte, die mit einer harmlosen Tasse Kaffee beginnt, wird zu einer gefährlichen Tour zwischen Stadt und Dorf, bei der keiner der Beteiligten so bleibt, wie er war.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Galladan
aus Niederrhein
5/5
16.07.2025
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Tsunami der Gefühle
Ungebetene Gäste von Ayelet Gundar-Goshen , gelesen Milena Karas, erschienen im Argon Verlag als ungekürztes Hörbuch am 14.06.2025.
Naomi ist zurzeit nicht berufstätig da sie auf ihren einjährigen Sohn Uri aufpasst. Als ihr Mann die Renovierung ihres Balkons zu einem Zeitpunkt beauftragt, wo sie mit dem Kind allein daheim ist, ist Naomi wütend auf ihren Mann. Sie fühlt sich von dem arabischen Mann bedroht, obwohl dieser hebräisch spricht und angibt selbst eine kleine Tochter zu haben. Uri soll eigentlich schlafen, ist dementsprechend quengelig und dann wagt es der Mann auch noch an die Türe zum Kinderzimmer zu klopfen, hinter der sie dem Kind die Brust gibt. Während Naomi dem Handwerker einen Kaffee kocht, kommt es auf der Straße zu Unruhen. Da der Mann zu dem Zeitpunkt auf der Toilette war, hat wohl Uri den liegengelassenen Hammer von der Balkonbrüstung geworfen, der dann einen jungen Mann getroffen und getötet hat. Naomi schweigt als die herbeigeeilte Polizei den Handwerker verhaftet.
Ayelet Gundar-Goshen verarbeitet hier z.T. ihre eigenen Erlebnisse und kriecht mit ihrer unaufgeregten Schreibweise in unser Hirn und lässt uns unsere eigenen Vorurteile und Erwartungshaltungen kosten. Da wird ein Mann zu Bedrohung für Mutter und Kind, der einfach bestellt wurde, um eine Arbeit zu erledigen. Für mich ist so etwas normaler Alltag. In einer aufgeheizten Umgebung, wo es Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen gibt, ist das aber wohl normaler Alltag. Jeder Mann arabische Herkunft ist für Naomi eine Bedrohung, ein möglicher Attentäter.
Im Hörbuch geht es um Verantwortung, Mitgefühl und Gerechtigkeit. Naomi nimmt ihren Sohn mit in die Küche, um ihre Familie zu schützen, ist dann aber völlig gelähmt. Sie befürchtet als Mutter zur Rechenschaft gezogen zu werden und es ist für sie einfacher, wenn ein Außenstehender, ein Fremder der als Araber im israelischen Staat eh immer verdächtig ist, zur Rechenschaft gezogen wird. Erst im laufe des Romans erfahren wir, wie die Sache ausgegangen ist.
Die Autorin drückt wohl auf blutende Wunden, was das Verhältnis der Religionen und der Umgang mit Menschen die verschiedene Werte verfolgen und man sich über viele Beweggründe überhaupt nicht informiert betrifft. Milena Karas hat das Hörbuch eindrucksvoll zum Leben erweckt und ich habe ihr fasziniert gelauscht.
Ich war vom Klappentext und der Hörprobe sofort begeistert, zögerte aber etwas, weil man sich mit der Auseinandersetzung zwischen Israel und der arabischen Welt ziemlich schnell in ein Steppenfeuer begibt. Ayelet Gundar-Goshen hat es fertig gebracht ihren Mitmenschen ihre eigenen Unzulänglichkeiten zu zeigen, ohne dass man sich da raus winden möchte. Man hört und lernt. Danke.
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
03.07.2025
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Brisant und spannend
UNGEBETENE GÄSTE
Ayelet Gundar-Goshen
Naomi und Juval leben mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn Uri in einem Hochhaus in Tel Aviv.
Während Juval arbeitet, kümmert sich Naomi um das Kind. Sie ist eine ängstliche Mutter, stillt Uri noch immer – sehr zum Unmut ihres Mannes – und nutzt jede Gelegenheit, ihn hochzunehmen, zu trösten oder zu stillen.
Eines Tages führt ein arabischer Arbeiter Reparaturen am Balkon durch. Naomi begegnet ihm mit Misstrauen und fragt sich, wie ihr Mann es zulassen konnte, dass sie und Uri mit einem Araber allein sind.
Naomi beobachtet den Arbeiter nervös, bietet ihm Kaffee und Plätzchen an – doch Uri, der ihre ungeteilte Aufmerksamkeit gewohnt ist, beginnt zu quengeln.
Dann passiert es: Ein Moment der Unachtsamkeit.
Uri greift nach dem Hammer, den der Arbeiter liegen gelassen hat, und wirft ihn vom Balkon. Der Hammer trifft nicht den Boden, sondern tötet einen Jugendlichen – den Sohn des Kaufmanns gegenüber, der eigentlich in der Schule hätte sein sollen.
Unter dem Balkon bildet sich schnell eine Menschenmenge. Der Verdacht fällt nicht auf Naomi oder Uri, sondern auf den arabischen Arbeiter.
Als die Polizei eintrifft, könnte Naomi die Wahrheit sagen – doch sie schweigt. Der Arbeiter wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft.
Die Lage spitzt sich weiter zu, als der Sohn des Arbeiters nach seinem Vater sucht. Der Mob vermutet sofort einen weiteren Anschlag.
Wie das Drama weitergeht – und ob Naomi den Mut findet, die Wahrheit zu sagen – solltet ihr selbst lesen.
Ich habe bereits Gundar-Goshens Vorgänger "Wo der Wolf lauert" mit großer Begeisterung gelesen – und auch ihr neues Buch steht dem in nichts nach.
Die Autorin hat ein vielschichtiges, politisches Psychodrama geschrieben, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder moralische Belehrung.
Ich durfte das Buch lesen und hören – und wie schon beim letzten Hörbuch hat mich die Stimme von Milena Karas vollkommen in ihren Bann gezogen.
Fazit:
Ein spannendes, hochbrisantes Psychodrama, das ich euch unbedingt empfehlen möchte.
4½|5
lielo99
aus Bad Münstereifel
5/5
23.06.2025
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Ein beeindruckendes Buch und Highlight meines Lesejahres 2025
#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte einen arabischen Arbeiter, den Balkon zu renovieren. Was dann geschah, lässt sich kaum nachvollziehen. Zeigt aber deutlich, wie tief die Gräben zwischen der Bevölkerung Israels sind.
D a s war mal wieder ein Buch so ganz nach meinem Geschmack. Dass die Autorin auch Psychologin ist, merkt der Leser an ihren kenntnisreichen Ausführungen. Nein, die sind keineswegs so geschrieben, dass nur Fachleute sie verstehen. Nach dem Unfall, bei dem ein Unschuldiger verurteilt wird, zeigt sich, was es heißt, mit einer Schuld umzugehen. Alle, sowohl die Familie um Naomi als auch um den palästinensischen Arbeiter, kommen mit der Situation nicht zurecht. Die einen haben ein schlechtes Gewissen, die anderen sinnen auf Rache.
Zu ihrem Buch sagt die Autorin, dass sie eine ähnliche Situation erlebte und daraus dann die Idee zu diesem Roman entstand. Sie merkt auch an, dass seit dem 07. Oktober 2023 eine latente Furcht zwischen den Menschen in Israel herrscht. Wer kann darüber besser berichten als Ayelet Gundar-Goshen? Wohl niemand.
Nicht nur Inhalt und Sprachstil haben mich beeindruckt. Auch die Lesung durch Milena Karas fand ich äußerst gelungen. Von mir gibt es einen Sternenregen und eine ausdrückliche Lese- oder Hörempfehlung.
SternchenBlau
4/5
14.08.2025
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Dieses folgt aus jenem
Die Unaufmerksamkeit einer jungen Mutter, eigentlich nicht der Rede wert, aber durch die Unaufmerksamkeit stirbt ein Mensch. Und warum war sie überhaupt unaufmerksam? Ein arabischer Arbeiter führt Reparaturen am Balkon durch, die junge Mutter fühlt sich unwohl, die Vorurteile schlagen durch. Und während ihr unangenehm ist, dass sie den Mann beim Toilettengang belauscht, wirft das Kleinkind einen Hammer vom Balkon. Ohne den internalisierten Rassismus wäre das alles wohl nicht passiert. Ayelet Gundar-Goshen betrachtet hier sehr eindringlich die israelische Gesellschaft.
Allein das ist schlimm genug, aber der Unfall wird noch schlimmer, weil die junge Mutter, dazu ausgebildete Anwältin, ihre Verantwortung verschweigt und der Arbeiter wegen Terrorismus verhaftet wird. Ihre Untätigkeit setzt eine Reihe von weiteren Kausalitäten in Gang. Den ersten Abschnitt des Buches habe ich mit völligere Faszination gehört. Und gleichzeitig musste ich immer unterbrechen, weil die Folgen, die sich daraus entspannten, immer noch furchtbarer wurden. Was würde noch alles passieren, weil das Schweigen anhält? Bitte nicht, bitte nicht, dachte ich beim Hören immer wieder. Milena Karas liest den Roman sehr eindringlich und spannend. Die Übersetzung stammt von Ruth Achlama.
Das Geständnis bei der Polizei erfahren wir dann allerdings erst Retropspektiv. Die junge Familie verlässt nämlich in Folge das Land, um in Nigeria das große Geld für die Schulden aufgrund des Gerichtsprozesses zu verdienen. Dieser zweite Teil fügt nochmal einige spannende Aspekte bezüglich Rassismus, Schuld, Sühne und Moral hinzu. Gleichzeitig fängt Ayelet Gundar-Goshen hier einige Fäden an, die lose bleiben. Das stört mich nicht generell, aber da der Roman eigentlich alles als dichtes Netz von Kausalitäten erzählt, wirkt es auf mich dann zu sehr konstruiert, um dann einiges zu lose fallen zu lassen. Das Unausgesprochene, in dem sich die Mutter und ihr Ehemann verharren, verliert daher an Wucht und Bedeutung. Den Schluss habe ich zwar verstanden, fand ihn aber nicht wirklich konsequent.
Spannende moralische Fragen, besonders gefiel mir, dass auch das Nichthandeln, sprich, die Untätigkeit mit Schuld behaftet sein kann. Aber im zweiten Teil verlor sich die Wucht der Geschichte in zu vielen Nebensträngen. Trotzdem ein sehr gutes Buch, 4 von 5 Sternen.
Bewertung
4/5
28.07.2025
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Spannende Einblicke
Ein traumatischer Unfall verändert das Leben mehrerer Familien auf dramatische Weise und gibt dabei spannende Einblicke in die israelische Gesellschaft, besonders zu rassistischen Vorurteilen gegenüber Arabern.
Die Perspektivwechsel erfolgen schnell, was durch die starke Sprecherin gut getragen wird und die Spannung durchgehend aufrechterhält. Die Sprache ist sehr direkt und stellenweise vulgär, wobei viele Figuren und Themen eher klischeehaft dargestellt werden.
Obwohl die Handlung gut aufgebaut ist und die einzelnen Stränge wirkungsvoll miteinander verwoben sind, bleibt im letzten Teil vieles offen, die Andeutungen sind nur vage.
Trotz dieser Schwäche fand ich das Thema sehr interessant und das Hörbuch insgesamt spannend umgesetzt.
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