Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
27.06.2026
eBook (ePUB)
Weil Kunst bluten muss
Anton ist Dozent. Dius sein Schüler. Als dieser ihn fragt, ob sie gemeinsam ans Meer fahren wollten, sagt Anton erst widerwillig zu. Doch schnell wird klar, dass Dius das grössere künstlerische Genie ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die selbst die Wirren erotischer Beziehungen zu Frauen überdauert… Bis ein Missverständnis die Freunde entzweit.
Was bleibt uns, wenn alle uns verlassen? Und was ist die wahre Aufgabe der Kunst?
Ein wunderbarer Roman.
Bewertung
aus Nettersheim
5/5
05.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gewaltig und leise zugleich
Der neue Roman „Dius“ von Stefan Hertmans hat mich schwer beeindruckt.
Dius ist ein charismatischer Kunststudent und taucht unvermittelt bei seinem Dozenten Anton auf und trägt ihm seine Freundschaft an. Zugleich bietet er ihm einen Arbeitsort in einem Dorfhaus an, wo er selber ein Malatelier hat.
Zunächst noch zögerlich, aber dann doch „ein verheißungsvolles Aufschimmern unverhoffter Möglichkeiten“ und es entwickelt sich im Zuge regelmäßiger Besuche des Dorfhauses eine tiefe Freundschaft. Trotz aller Unterschiedlichkeit sind es die verwandten Seelen , die hier in Eintracht arbeiten und viel philosophieren, gemeinsam lachen können und auch schweigend die Natur erleben.
Das beschreibt der Autor so, dass man als Leser meint, ein Kunstwerk zu betrachten: Die stille Vertrautheit der Beiden, ihre Erfahrung des in-der-Weit-Seins bei langen Spaziergängen, in ihren alltäglichen Verrichtungen sowie auch ihr oft sehr philosophischer Austausch über die Kunst. Und immer ist da die klassische Musik, wie ein Freundschaftsband.
Wie entsteht ein Bild, was ist die Erfahrung dahinter, was macht das Kunstwerk mit seinem Betrachter? Wie universell sind die Kunstwerke vergangener Zeiten?
Dius ist derjenige, der eine überbordende Kreativität hat und unendlich viele Kunstwerke schafft, sowohl Malereien wie auch ganz besondere Möbel.
Irgendwann kommt es zu einer Trennung und nach vielen Jahren, in denen Anton in selbstgewählter Zurückgezogenheit immer noch in der Nähe des gemeinsam erlebten Ortes lebt, taucht Dius plötzlich mit einem Mädchen an der Hand wieder auf.
Der Roman in einer einfachen, aber intensiven und poetischen Sprache und in melancholischer Erinnerung hat mich beglückt und er wirkt noch lange nach. Ein Roman über eine lebenslange Freundschaft und die Liebe zur Schönheit, den großen Zusammenhang von Natur und Kunst, über allem erhabene Musik und die Werke großer Meister, die die Welt so genau beobachtet und erfasst haben.
Der Autor hat mich in seinen Beschreibungen all dessen fasziniert und ein wunderbares Leseerlebnis geschaffen.
Bewertung
5/5
30.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kunst macht frei
Mir gefiel Stefan Hertmans Roman sehr. Vor allem seine etwas anspruchsvollere Sprache bereitete mir Freude. An dieser Stelle auch ein Lob an die Übersetzerin! Das Buchformat von Diogenes liegt perfekt in der Hand. Das Buch ist in Leinen gebunden und hochwertig.
Kunstprofessor Anton und Student Dius gehen eine besondere Freundschaft ein. Beide entwickeln sich weiter und brauchen sich in gewisser Weise als Ratgeber, als Ruhepol, als Augen-Öffner.
Beide Hauptpersonen werden interessant mit ihren Eigenheiten und auch Schwächen dargestellt. Man nimmt dem Autor das Leben der Protagonisten ab. Sehr schön beschreibt Hertmans die Natur, das einfache Dorfleben, die Ruhe fernab der Stadt. Auch Musikbegeisterte kommen auf ihre Kosten, denn Hertmans gibt der Musik einen Raum - ob beim Malen oder bei der Recherche zur nächsten Vorlesung. Dius und Anton verlieren sich in alter Musik und machen sie zu ihrem Begleiter.
"Dius" ist geeignet für sprach-, kunst- und musikbegeisterte Leser.
Bewertung
5/5
22.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein leiser Roman
Mit „Dius“ erschafft Stefan Hertmans ein Buch, das lange nachklingt – wie ein Musikstück, dessen letzte Töne noch durch den Raum schweben, obwohl die Melodie verklungen ist. Im Zentrum steht Egidius Dius De Blaeser, ein charismatischer, verletzlicher und zugleich abgründiger Kunststudent, dessen Talent und innere Zerrissenheit die Handlung tragen. Hertmans gelingt es, eine Figur zu zeichnen, die man nicht so leicht vergisst.
Begegnungen, die prägen
Die Geschichte beginnt mit einem überraschenden Moment: Dius steht plötzlich vor der Tür seines früheren Professors Anton. Zwischen den beiden Männern entfalten sich intensive Gespräche, die weit über Kunst hinausgehen. Es entsteht eine stille Wahlverwandtschaft, die jedoch von einer einzigen Lüge erschüttert wird. Jahre später treffen die beiden erneut aufeinander – nun gezeichnet vom Leben, doch die gemeinsame Vergangenheit wirkt noch nach.
Kunst im Zentrum der Erzählung
Neben den Figuren selbst ist die Kunst ein eigener Hauptdarsteller. Hertmans fragt, welche Emotionen und Gedanken ein Gemälde auslösen kann, wie Bilder Freundschaften reflektieren und unsere Wahrnehmung von Welt und Natur beeinflussen. Die Natur, deren Zerstörung im Roman eine leise Rolle spielt, wird zum Spiegel für die inneren Zustände der Figuren – und regt zum Nachdenken über unsere eigene Verantwortung an.
Sprachliche Feinheit und poetische Kraft
„Dius“ ist ein Roman der Zwischentöne, der leisen Momente und der unausgesprochenen Fragen. Der Schreibstil verlangt Aufmerksamkeit und Ruhe – man liest das Buch nicht in einem Rutsch, sondern lässt jede Szene wirken. Jede Begegnung, jeder Gedanke entfaltet Bedeutung, die lange nachhallt und den Leser tief berührt.
Fazit
Stefan Hertmans liefert mit „Dius“ ein literarisches Juwel für alle, die leise, poetische und feinfühlige Romane lieben. Ein Buch über Freundschaft, Wahrheit, Kunst und die subtilen Verbindungen zwischen Menschen und Bildern. Wer sich auf diesen Roman einlässt, wird mit einer eindringlichen, nachdenklichen und berührenden Lektüre belohnt, die noch lange im Gedächtnis bleibt.
anne
aus Schweighofen
5/5
21.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Dius“ handelt von einer…
„Dius“ handelt von einer Freundschaft zweier Männer, des Dozenten Anton und dem Studenten Dius. Zweiterer wirbt regelrecht um die Freundschaft des etwa zehn Jahre älteren Anton. Er bietet ihm ein Haus an, in dem er seine Hochschularbeiten vorbereiten kann. Zwischen den beiden entwickelt sich eine immer tiefere Verbundenheit. Der Erzählstil des Romans wirkt sehr gemächlich und anschaulich und bestickt durch eine wunderschöne Sprache. Insgesamt besteht das Buch aus eher wenig Handlung, dafür aus umso mehr sprachlicher Erzählkunst. Wobei der Erzählstil aus der Sicht Antons auch immer etwas distanziert wirkt. Teilweise schweift die Handlung auch sehr in künstlerische Anschauungsweisen oder Landschaftsbeschreibungen ab. Das Cover ist, ganz im Stil des Verlages, äußerst schlicht gehalten und zeigt ein Porträt eines jungen Mannes. Ich ging davon aus, dass hier Dius zu sehen ist. Insgesamt ein sehr stimmungsvoller Roman, ohne Hektik oder große Sensationen, jedoch in einer unglaublich schönen Sprache verfasst mit tiefgreifenden Anschauungsweisen.
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