Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
5/5
27.06.2026
eBook (ePUB)
Weil Kunst bluten muss
Anton ist Dozent. Dius sein Schüler. Als dieser ihn fragt, ob sie gemeinsam ans Meer fahren wollten, sagt Anton erst widerwillig zu. Doch schnell wird klar, dass Dius das grössere künstlerische Genie ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die selbst die Wirren erotischer Beziehungen zu Frauen überdauert… Bis ein Missverständnis die Freunde entzweit.
Was bleibt uns, wenn alle uns verlassen? Und was ist die wahre Aufgabe der Kunst?
Ein wunderbarer Roman.
Herbstrose
aus 87772
5/5
26.10.2025
eBook (ePUB)
Männerfreundschaft
Anton, Anfang dreißig, Dozent an der Kunsthochschule, ist sehr überrascht, als ihn plötzlich Egidius De Blaeser, einer seiner Studenten, zu Hause aufsucht. Dius, wie er genannt wird, bietet ihm seine Freundschaft an und lädt ihn ein, mit ihm in sein altes Dorfhaus in nordisch rauer unwirtlicher Gegend zu ziehen, um dort gemeinsam zu arbeiten. Zunächst zögerlich willigt Anton ein und bald entsteht eine tiefe Männerfreundschaft, die sich in gemeinsamer Arbeit und langen Spaziergängen in der Natur manifestiert. Neben der Liebe zur Kunst entwickeln die beiden Männer jedoch ihre eigenen Pläne für die Zukunft, wobei sich bald die Dominanz des zehn Jahre jüngeren Dius offenbart. Anton gerät in emotionale Abhängigkeit - künstlerische Ambitionen und private Probleme lassen die Freundschaft zerbrechen …
Stefan Hertmans (geb. 1951 in Gent) ist ein belgischer Autor mit niederländischer Sprache. Er studierte Philologie an der Universität Gent, arbeitete zeitweise als Lehrer und hielt Gastvorlesungen an verschiedenen internationalen Kulturinstituten. Er publizierte mehrere Prosawerke, Lyrikbände, Essaysammlungen und Theaterstücke, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Hertmans lebt in der Nähe von Brüssel und in der kleinen französischen Gemeinde Monieux Nahe der Côte d’Azur.
In dem Roman „Dius“ (10/2025 – Diogenes Verlag) erzählt uns Anton in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive seine Erinnerungen an die Zeit, die er mit Dius verbrachte. Wir erfahren von der ungewöhnlichen Freundschaft, die neben der gemeinsamen Liebe zur Kunst von gegenseitiger Achtung und Anerkennung geprägt ist. Dennoch gibt es Situationen und Missverständnisse, die zur Verärgerung des jeweils anderen führen. Wir erhalten tiefe Einblicke in beider Privatleben und lernen dabei Dius künstlerisches Schaffen und seine Arbeiten kennen. Lebendige Schilderungen der Natur und ihre ausgedehnten Spaziergänge in der Polderlandschaft machen das Lesen, neben genauer Beschreibung einiger Meisterwerke der Kunst, sehr abwechslungsreich. Die feinfühlige Sprache und die emotionale Tiefe der Gefühle lassen den Roman noch lange nachklingen.
Fazit: Ein einfühlsamer und außergewöhnlicher Roman, den ich uneingeschränkt empfehlen möchte.
Magnolia
5/5
23.10.2025
eBook (ePUB)
Behutsam erzählt
„Ich möchte Ihr Freund sein, platzte es aus ihm heraus. Er wurde knallrot und verstummte.“ Das Bild, das ich nach diesem ersten Satz von Dius habe, wird dem, was kommt, wie sich die Freundschaft zwischen ihm und Anton entwickelt, nicht gerecht. Egidius De Blaeser, wie er mit vollem Namen heißt, ist ein begabter Kunststudent, der alle Konventionen über Bord wirft, als er bei Anton klingelt.
Die Freundschaft, die bald entsteht, ändert sich in Abhängigkeit. Der ältere der beiden fährt zunächst ungern in das Dorfhaus seines jungen Freundes, bald aber weiß er die Ruhe zu schätzen, die ihm dieses Gemäuer bietet. Noch ist Anton verheiratet mit Nouka, sie leben in ihrer Stadtwohnung, an den Wochenenden packt er immer öfter seine Bücher, seine Hefte und Notizen ein, es zieht ihn hinaus aufs Land, er schätzt die stillen Nachmittage und die langen Spaziergänge. Ihr bisheriges Leben, das von Dius und Anton, ändert sich komplett, sie verlieren sich irgendwann aus den Augen, bis sie sich sehr viel später wieder begegnen.
Es ist ein leiser Roman, untermalt von klassischer Musik. Der Autor verrät zu guter Letzt, in welch außergewöhnlicher Umgebung DIUS entstanden ist und wie diese ihre Spuren hinterlassen hat. Er erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, von ihrer tiefen Verbundenheit und von den Jahren danach, von ihren Liebschaften, von schönen und von schmerzhaften Zeiten. Viele Gefühle sind im Spiel, dem Unverständnis folgen Wut und Entrüstung über die sich einschleichenden Lügen, gefolgt von Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit, nach der verlorenen Zeit.
Mich hat diese Geschichte nicht mehr losgelassen, habe dem soeben Gelesenen noch lange nachgespürt - dieser so ungewöhnlichen Freundschaft, die zwischendrin so einiges offenbart. „Vieles von dem, was wir in anderen Menschen zu erkennen glauben, ist nur der Widerschein unserer Vorurteile.“ DIUS ist ein Roman, der noch lange nachhallt.
brauneye29
aus Wachtendonk
4/5
22.10.2025
eBook (ePUB)
Vielschichtig
Zum inhalt:
Egidius de Blaeser, genannt Dius, ist ein talentierter Kunststudent, aber mit einem nicht gerade einfachen Charakter. Nicht wenige verfallen seinem Charme, darunter auch auch sein Dozent. Viele Jahre verbringen sie viel Zeit miteinander bis eine Lüge die Freundschaft zerstört. Dann taucht Dius plötzlich wieder auf.
Meine Meinung:
Was für mich das Buch besonders gemacht hat, ist die Vielfältigkeit in der Freundschaft, die eben nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen ist, sondern das gesamte Spektrum von Gefühlen beinhalten kann. Dazu viele Gespräche über Kunst, Musik und auch Philosophie. Man fragt sich zwar zwischendurch mal wohin das Ganze führen soll, irgendwann ist diese Frage aber gar nicht mehr so wichtig, weil das Buch einen einfach gefangen nimmt. Der Schreibstil hat mit gut gefallen
Fazit:
Vielschichtig
Bewertung
aus Nettersheim
5/5
05.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gewaltig und leise zugleich
Der neue Roman „Dius“ von Stefan Hertmans hat mich schwer beeindruckt.
Dius ist ein charismatischer Kunststudent und taucht unvermittelt bei seinem Dozenten Anton auf und trägt ihm seine Freundschaft an. Zugleich bietet er ihm einen Arbeitsort in einem Dorfhaus an, wo er selber ein Malatelier hat.
Zunächst noch zögerlich, aber dann doch „ein verheißungsvolles Aufschimmern unverhoffter Möglichkeiten“ und es entwickelt sich im Zuge regelmäßiger Besuche des Dorfhauses eine tiefe Freundschaft. Trotz aller Unterschiedlichkeit sind es die verwandten Seelen , die hier in Eintracht arbeiten und viel philosophieren, gemeinsam lachen können und auch schweigend die Natur erleben.
Das beschreibt der Autor so, dass man als Leser meint, ein Kunstwerk zu betrachten: Die stille Vertrautheit der Beiden, ihre Erfahrung des in-der-Weit-Seins bei langen Spaziergängen, in ihren alltäglichen Verrichtungen sowie auch ihr oft sehr philosophischer Austausch über die Kunst. Und immer ist da die klassische Musik, wie ein Freundschaftsband.
Wie entsteht ein Bild, was ist die Erfahrung dahinter, was macht das Kunstwerk mit seinem Betrachter? Wie universell sind die Kunstwerke vergangener Zeiten?
Dius ist derjenige, der eine überbordende Kreativität hat und unendlich viele Kunstwerke schafft, sowohl Malereien wie auch ganz besondere Möbel.
Irgendwann kommt es zu einer Trennung und nach vielen Jahren, in denen Anton in selbstgewählter Zurückgezogenheit immer noch in der Nähe des gemeinsam erlebten Ortes lebt, taucht Dius plötzlich mit einem Mädchen an der Hand wieder auf.
Der Roman in einer einfachen, aber intensiven und poetischen Sprache und in melancholischer Erinnerung hat mich beglückt und er wirkt noch lange nach. Ein Roman über eine lebenslange Freundschaft und die Liebe zur Schönheit, den großen Zusammenhang von Natur und Kunst, über allem erhabene Musik und die Werke großer Meister, die die Welt so genau beobachtet und erfasst haben.
Der Autor hat mich in seinen Beschreibungen all dessen fasziniert und ein wunderbares Leseerlebnis geschaffen.
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