Produktbild: Der Kartograf des Vergessens

Der Kartograf des Vergessens Roman

5

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

18.09.2025

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

18,9/11,4/2,7 cm

Gewicht

318 g

Auflage

1

Originaltitel

O Mapeador de Ausências

Übersetzt von

Karin Schweder-Schreiner

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-71046-7

Beschreibung

Rezension

»Ein geistreicher, mit bitterer Ironie erzählter Roman über das Ende der portugiesischen Herrschaft in Mosambik: Ein Dichter erfährt aus Spitzelberichten von vertuschten Kolonialverbrechen und den Geheimnissen der eigenen Familie. Ein reifes Werk, meisterhaft übersetzt.« ("Jury der Litprom-Bestenliste Weltempfänger")
»Ein Buch wie ein Requiem, voller grandioser Sprachbilder, gespenstischer Szenerien, fantastischer Geschehnisse und tiefer Weisheiten.« ("Badische Zeitung")
»Mia Couto hat wirklich etwas Grandioses geschaffen. Er macht die Vergangenheit Mosambiks im Lesen erlebbar. Vielschichtig und komplex, aber eine lohnende Lektüre, nach der Mosambik sehr viel näher ist, als man denkt.« ("ORF")
»Die Geschichte, die Couto erzählt, offenbart, wie tief sich das koloniale Erbe in die Menschen und die sozialen Beziehungen eingegraben hat.« ("Tagesspiegel")
»Es ist die Stärke dieses Romans, es auszuhalten, dass nicht alles erklärt und geklärt werden kann, dass Erinnerung nicht immer auch erhellend und erleichternd ist.« ("SR2")
»Sprachmächtig und überaus spannend schreibt Mia Couto. Mitunter wurde er ja als Meister des magischen Realismus gerühmt. Liebe, Schuld, Vergebung, Mut, Ängste – was immer Menschen bewegen kann, findet sich in diesem Buch.« ("Neues Deutschland")
»Es geht um die Kraft der Literatur. Und es geht vor allem um die Frage: Was macht der Krieg mit sensiblen Menschen, mit Schriftstellern, wann verrät man sich selbst und seine Ideale?« ("NDR Radio – eat.Read.sleep")
»Seit dreißig Jahren erzählt Couto in seinen Werken von der Geschichte und den unausgesprochenen Geschichten Mosambiks. Noch nie jedoch so tiefgreifend wie in diesem Roman. Eine vielschichtige, vielstimmige Erzählung, in der Couto Dokumente, Erinnerungen und das Vergessen verflicht.« ("Le Monde")
»Kunstvoll verknüpft Couto Vergangenheit und Gegenwart und lässt seine Figuren Wahrheit, Widersprüche und Konflikte ergründen. Überwältigend und berückend.« ("Le Monde Diplomatique")
»Eine eindrückliche Reise durch zwei Zeiten, vor der Unabhängigkeit und in der Gegenwart. Geschriebener und gesprochener Rhythmus ertönen parallel. Ein dichtes Gewebe ist dieser Roman, ein Requiem, gesungen von unvergesslichen Figuren.« ("Visão")

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

18.09.2025

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

18,9/11,4/2,7 cm

Gewicht

318 g

Auflage

1

Originaltitel

O Mapeador de Ausências

Übersetzt von

Karin Schweder-Schreiner

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-71046-7

Herstelleradresse

Nördlinger Verlagsauslfg
Augsburger Str. 67a
86720 Nördlingen
DE

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Zwischen Sichtbarkeit und Verdrängung, Kolonialgeschichte und Zukunft

Eva am 14.06.2026

Bewertungsnummer: 3167396

Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ein Zyklon rast auf Beira zu, das Chaos kommt mit infernalischer Kraft in die Stadt. Das Jüngste Gericht naht. Die Topografie wird aufgebrochen, das Verborgene in die Luft geschleudert, die Fassaden werden bröckeln, die Zukunft ist ungewiss. Manche mussten vergessen, was war, um eine Zukunft zu ermöglichen. Für andere war das, was geschah, schon Zukunft. So beginnt Der Kartograf des Vergessens. Er kreist um das fragile Verhältnis von Erinnern und Vergessen, Verdrängen und Sichtbarmachen. Auf zwei Zeitebenen erzählt Mia Couto drei kompliziert ineinander verwobene Familiengeschichten. Mit erzählten Geheimdienstdokumenten, Tagebucheinträgen und Briefen von Agenten und den Eltern rekonstruiert der Protagonist Diogo die Zeit des Unabhängigkeitskriegs um 1973. In der Gegenwart suchen er, Sohn des Schriftstellervaters Adriano, nach dem 1973 in Inhaminga spurlos verschwundenen Cousin Sandro. Auch Liana ist auf der Suche nach Zeugen, die das Schicksal ihrer Mutter aufklären könnten. In fragmentarischen Episoden entsteht ein multiperspektivisches Kaleidoskop in starken Bildern zwischen Magie und erlebter Gegenwart, verzerrter Erinnerung und Dokumentation. Die mythische Welt Mosambiks drängt sich in die vermeintliche Realität und schiebt sich zwischen unzählige weitere Lebensanschauungen und politische Haltungen. Mia Couto fängt jeden Aspekt der schmerzhaften Vergangenheit ein. Das brutale Massaker von Inhaminga kommt erschütternd nah. Auf der Suche nach Heilung, Verstehen und Zukunft begibt sich der Erzähler tief in die Vergangenheit aus traumatischem Bürgerkrieg, den Vorstößen des linken Widerstands, den alten Mythen, den christlichen Missionen, Patriarchat, Glaubenssätzen, Armut und den unentwirrbaren Fäden der verschiedenen Ethnien und Weltanschauungen. Das koloniale Erbe sitzt tief und bestimmt bis heute die Beziehungen der Figuren. Inmitten dieser Wirren entspinnen sich Familiengeschichten, die untrennbar mit der Geschichte des Landes verbunden sind und alle Spielarten menschlicher Handlungen bereithalten: Liebe und Verrat, Leidenschaft, Untreue und Mord. Auf diese Weise wird aus dem Text ein Sittengemälde feinster literarischer Qualität. Ganz so, wie sich Musik weder rein intellektuell noch rein emotional erfassen lässt, beginnt der Roman auf beiden Ebenen gemeinsam oder abwechselnd zu schwingen. Und trotz aller Härte klingen immer wieder heitere, humorvolle Obertöne durch den großen Resonanzraum.

Zwischen Sichtbarkeit und Verdrängung, Kolonialgeschichte und Zukunft

Eva am 14.06.2026
Bewertungsnummer: 3167396
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Ein Zyklon rast auf Beira zu, das Chaos kommt mit infernalischer Kraft in die Stadt. Das Jüngste Gericht naht. Die Topografie wird aufgebrochen, das Verborgene in die Luft geschleudert, die Fassaden werden bröckeln, die Zukunft ist ungewiss. Manche mussten vergessen, was war, um eine Zukunft zu ermöglichen. Für andere war das, was geschah, schon Zukunft. So beginnt Der Kartograf des Vergessens. Er kreist um das fragile Verhältnis von Erinnern und Vergessen, Verdrängen und Sichtbarmachen. Auf zwei Zeitebenen erzählt Mia Couto drei kompliziert ineinander verwobene Familiengeschichten. Mit erzählten Geheimdienstdokumenten, Tagebucheinträgen und Briefen von Agenten und den Eltern rekonstruiert der Protagonist Diogo die Zeit des Unabhängigkeitskriegs um 1973. In der Gegenwart suchen er, Sohn des Schriftstellervaters Adriano, nach dem 1973 in Inhaminga spurlos verschwundenen Cousin Sandro. Auch Liana ist auf der Suche nach Zeugen, die das Schicksal ihrer Mutter aufklären könnten. In fragmentarischen Episoden entsteht ein multiperspektivisches Kaleidoskop in starken Bildern zwischen Magie und erlebter Gegenwart, verzerrter Erinnerung und Dokumentation. Die mythische Welt Mosambiks drängt sich in die vermeintliche Realität und schiebt sich zwischen unzählige weitere Lebensanschauungen und politische Haltungen. Mia Couto fängt jeden Aspekt der schmerzhaften Vergangenheit ein. Das brutale Massaker von Inhaminga kommt erschütternd nah. Auf der Suche nach Heilung, Verstehen und Zukunft begibt sich der Erzähler tief in die Vergangenheit aus traumatischem Bürgerkrieg, den Vorstößen des linken Widerstands, den alten Mythen, den christlichen Missionen, Patriarchat, Glaubenssätzen, Armut und den unentwirrbaren Fäden der verschiedenen Ethnien und Weltanschauungen. Das koloniale Erbe sitzt tief und bestimmt bis heute die Beziehungen der Figuren. Inmitten dieser Wirren entspinnen sich Familiengeschichten, die untrennbar mit der Geschichte des Landes verbunden sind und alle Spielarten menschlicher Handlungen bereithalten: Liebe und Verrat, Leidenschaft, Untreue und Mord. Auf diese Weise wird aus dem Text ein Sittengemälde feinster literarischer Qualität. Ganz so, wie sich Musik weder rein intellektuell noch rein emotional erfassen lässt, beginnt der Roman auf beiden Ebenen gemeinsam oder abwechselnd zu schwingen. Und trotz aller Härte klingen immer wieder heitere, humorvolle Obertöne durch den großen Resonanzraum.

Erinnern und Vergessen. Mia…

Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 03.06.2024

Bewertungsnummer: 2862922

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Erinnern und Vergessen. Mia Couto ist hierzulande nicht sehr bekannt. Das ist bedauerlich, schreibt er doch als weißer Portugiese über das hauptsächlich schwarze Mozambik, sein Geburtsland. Er wuchs also in zwei Kulturkreisen auf. Er ist Schriftsteller und Biologe und bewegt sich in zwei verschiedenen Milieus. Er lehrt als Professor an der Uni Biologie, bei seinen Feldforschungen schließt er die Geschichten der Bewohner mit ihren Mythen ein, sie sind Grundlage seiner Romane. Der vorliegende Roman beschreibt alternierend Verwirrendes in verworrenen Zeiten in einem verworrenen Land in den Jahren 1973 und 2019. Der Dichter Diogo Santiago kehrt auf Anraten seines Arztes in seine Geburtsstadt zurück, um seine Depressionen zu heilen. Durch eine Lesung lernt er die Moderatorin Liana Campos kennen, die ihm Dokumente der portugiesischen Geheimpolizei übergibt. Diese helfen ihm und ihr bei der Entwirrung ihrer Erinnerungen und ihrer Leben, denn ihr Großvater war der Inspektor der portugiesischen Geheimpolizei, der seinen Vater verhaftete. Dies wird zu einer Reise durch das Dickicht schwarz-weißer Verknüpfungen familiärer, emotionaler, gesellschaftlicher und politischer Art. Die Einzelschicksale, die alle möglichen Varianten präsentieren – von Liebe und Leidenschaft, von Untreue und Verrat, von Selbstmord und Mord – sind geschickt miteinander verwoben und bilden so ein Sittengemälde der kolonialen Zeit. Diese Zeit mit ihren Machthierarchien und Massakern ist immer präsent, direkt oder indirekt, denn sie formte die Menschen: die weißen wie die schwarzen. Couto gelingt es meisterhaft diese verschiedenen Ebenen darzustellen, so dass man sowohl ein Bild der weißen Gesellschaft damals und heute bekommt als auch eintaucht in die afrikanische Welt mit ihren mythischen Bündnissen. Und doch hätte ich mir mehr Stringenz gewünscht, um den Lesegenuss zu steigern. Die eingefügten, trocken-bürokratischen Dokumente sind zwar aufschlussreich und ein adäquates Hilfsmittel für „das Erinnern und das Vergessen“, aber sie verwirren auch, weil man zu oft zurück blättern muss, um den Schicksalfsäden der Menschen folgen zu können. Eine wichtige Lektüre, die zum Nachdenken über den Kolonialismus und seine Auswirkungen bis heute anregt und eben auch über das westliche Konstrukt „Afrika“. (Kleine Fakten zu Mozambik: 1975 unabhängig, 16 jähriger Bürgerkrieg, immer noch eine hohe Analphabetenrate, AIDS war und ist ein Problem. Es werden über vierzig Sprachen gesprochen). Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden. Søren Kierkegaard

Erinnern und Vergessen. Mia…

Almut Scheller-Mahmoud aus Hamburg am 03.06.2024
Bewertungsnummer: 2862922
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Erinnern und Vergessen. Mia Couto ist hierzulande nicht sehr bekannt. Das ist bedauerlich, schreibt er doch als weißer Portugiese über das hauptsächlich schwarze Mozambik, sein Geburtsland. Er wuchs also in zwei Kulturkreisen auf. Er ist Schriftsteller und Biologe und bewegt sich in zwei verschiedenen Milieus. Er lehrt als Professor an der Uni Biologie, bei seinen Feldforschungen schließt er die Geschichten der Bewohner mit ihren Mythen ein, sie sind Grundlage seiner Romane. Der vorliegende Roman beschreibt alternierend Verwirrendes in verworrenen Zeiten in einem verworrenen Land in den Jahren 1973 und 2019. Der Dichter Diogo Santiago kehrt auf Anraten seines Arztes in seine Geburtsstadt zurück, um seine Depressionen zu heilen. Durch eine Lesung lernt er die Moderatorin Liana Campos kennen, die ihm Dokumente der portugiesischen Geheimpolizei übergibt. Diese helfen ihm und ihr bei der Entwirrung ihrer Erinnerungen und ihrer Leben, denn ihr Großvater war der Inspektor der portugiesischen Geheimpolizei, der seinen Vater verhaftete. Dies wird zu einer Reise durch das Dickicht schwarz-weißer Verknüpfungen familiärer, emotionaler, gesellschaftlicher und politischer Art. Die Einzelschicksale, die alle möglichen Varianten präsentieren – von Liebe und Leidenschaft, von Untreue und Verrat, von Selbstmord und Mord – sind geschickt miteinander verwoben und bilden so ein Sittengemälde der kolonialen Zeit. Diese Zeit mit ihren Machthierarchien und Massakern ist immer präsent, direkt oder indirekt, denn sie formte die Menschen: die weißen wie die schwarzen. Couto gelingt es meisterhaft diese verschiedenen Ebenen darzustellen, so dass man sowohl ein Bild der weißen Gesellschaft damals und heute bekommt als auch eintaucht in die afrikanische Welt mit ihren mythischen Bündnissen. Und doch hätte ich mir mehr Stringenz gewünscht, um den Lesegenuss zu steigern. Die eingefügten, trocken-bürokratischen Dokumente sind zwar aufschlussreich und ein adäquates Hilfsmittel für „das Erinnern und das Vergessen“, aber sie verwirren auch, weil man zu oft zurück blättern muss, um den Schicksalfsäden der Menschen folgen zu können. Eine wichtige Lektüre, die zum Nachdenken über den Kolonialismus und seine Auswirkungen bis heute anregt und eben auch über das westliche Konstrukt „Afrika“. (Kleine Fakten zu Mozambik: 1975 unabhängig, 16 jähriger Bürgerkrieg, immer noch eine hohe Analphabetenrate, AIDS war und ist ein Problem. Es werden über vierzig Sprachen gesprochen). Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden. Søren Kierkegaard

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