Der Retter der Mütter
Diese Geschichte durfte in Ungarn nicht ins Kino kommen — Im Kino verboten, jetzt als Buch: Die wahre Geschichte von Ignaz Semmelweis | Roman
Ignaz Semmelweis revolutionierte die Medizin. Der junge ungarische Arzt entdeckte im 19. Jahrhundert die Grundlagen der Hygiene, womit er unzähligen Frauen in den Geburtskliniken das Leben rettete. Péter Gárdos wollte einen Film über diesen faszinierenden Mann drehen, doch dieses Unterfangen wurde ihm in seiner Heimat Ungarn untersagt. So schrieb Gárdos diesen Roman, der erstmals die faszinierende Lebensgeschichte eines genialen Mannes erzählt, der zahllosen Müttern das Leben rettete und dabei selbst wie ein Teufel bekämpft wurde. Ein einzigartiges, mitreißendes und bewegendes Buch, das eine ebenso unglaubliche wie wahre Geschichte erzählt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Sali
aus Striegistal
5/5
19.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Portrait eines Mannes,…
Das Portrait eines Mannes, der seiner Zeit weit voraus war An welcher geheimnisvollen Infektion sterben die Frauen auf der Entbindungsabteilung. Sie kommen gesund und sind wenige Tage später tot. Qualvoll von einer Infektion getötet. Und warum passiert das in der Abteilung, in welcher keine Ärzte, sondern nur Hebammen arbeiten nicht. Dies Frage lässt den jungen Arzt Ignaz Semmelweiß nicht los. Er beginnt zu forschen und macht sich dabei im Kollegenkreis äußerst unbeliebt. Nimmt er doch die herrschenden Zustände nicht als gegeben hin. Leider fehlt ihm in seinem Eifer diplomatisches Vorgehen und so hat er neben den Vorgesetzten auch einen seiner Freunde als Gegner (vom restlichen Personal ganz zu schweigen). Traurig zu lesen, wie dieser Mann, der so viele Menschenleben rettete Neid, Missgunst und übler Nachrede ausgesetzt war. Ein sehr gut geschriebenes und recherchiertes Buch über „schmutzige Verhältnisse“. Ich kann es nur empfehlen.
Bewertung
aus Striegistal
5/5
16.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Portrait eines Mannes, der seiner Zeit weit voraus war
An welcher geheimnisvollen Infektion sterben die Frauen auf der Entbindungsabteilung. Sie kommen gesund und sind wenige Tage später tot. Qualvoll von einer Infektion getötet. Und warum passiert das in der Abteilung, in welcher keine Ärzte, sondern nur Hebammen arbeiten nicht.
Dies Frage lässt den jungen Arzt Ignaz Semmelweiß nicht los. Er beginnt zu forschen und macht sich dabei im Kollegenkreis äußerst unbeliebt. Nimmt er doch die herrschenden Zustände nicht als gegeben hin. Leider fehlt ihm in seinem Eifer diplomatisches Vorgehen und so hat er neben den Vorgesetzten auch einen seiner Freunde als Gegner (vom restlichen Personal ganz zu schweigen). Traurig zu lesen, wie dieser Mann, der so viele Menschenleben rettete Neid, Missgunst und übler Nachrede ausgesetzt war. Ein sehr gut geschriebenes und recherchiertes Buch über „schmutzige Verhältnisse“. Ich kann es nur empfehlen.
SmilingKatinka
aus Finningen
5/5
16.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Biografie eines Lebensretters
Ignaz Semmelweis hat die Medizin so viel zu verdanken und doch wurde seine Leistung, wie bei so vielen, erst posthum anerkannt. Ja, er wurde für seine Studien angefeindet und ausgelacht.
Dieser biografische Roman hat mich wirklich sehr bewegt. Péter Gárdos ist es gelungen, Semmelweis und sein gesamtes Umfeld zum Leben zu erwecken. Man fühlte sich beim Lesen ein wenig wie ein Freund, der ihn auf seiner Reise begleitete. Sehr eindrucksvoll wird beschrieben, wie unaufhörlich er sich auf die Suche nach der Ursache der unerklärlichen Sterblichkeit im Wochenbett macht und dabei auch über seinen eigenen Schatten springt und sich auf die Suche begibt, warum es bei den Hebammen weniger Todesfälle gibt. Man fiebert wirklich mit und fragt sich, wie er darauf kommt, weil es ja wirklich eine bahnbrechende Entdeckung war.
Die Rolle seines ehemaligen Freundes war mir neu und ich weiß nicht, ob sie der künstlerischen Freiheit geschuldet war. Hier hätte ich mich über ein Nachwort gefreut, welches ein wenig Licht ins Dunkel hätte bringen können.
Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch über einen besonderen Menschen.
Gertie G.
aus Wien
5/5
08.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Späte Hommage
Heute gilt Ignaz Semmelweis (1818-1865) als Retter der Mütter und ist auf der ganzen Welt bekannt. Doch zu seinen Lebzeiten wurde er angefeindet, seine Hygienevorschriften ab 1847/48, dass Ärzte NACH Obduktionen und VOR Untersuchungen der Patientinnen sich die Hände mit Chlorkalklösung zu desinfizieren, als teure Zeitverschwendung abgetan. Obwohl er den direkten Zusammenhang, dass die hohe Mortalitätsrate (phasenweise bis zu 30 %) in der I. Geburtshilflichen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien (in der II. Abteilung, in der fast ausschließlich Hebammen arbeiteten und keine Sektionen vorgenommen worden sind, lag die Mortalitätsrate unter 1%) nach Anwendung der Hygienemaßnahmen auf knappe 1,2% zurückgehen, beweisen konnte, werden seine Anordnungen von Dr. Johann Klein (1788-1856), seinem Vorgesetzten und Abteilungsleiter, bewusst unterlaufen und nach seinem Abgang aus Wien, wieder abgeschafft.
Semmelweis dokumentiert, forscht, fordert und ist unbequem. Leider vergisst er, für seine Änderungsvorschläge Verbündete zu suchen. Er publiziert seine Erkenntnisse spät (1861), nicht ordentlich und stößt selbst jene Kollegen vor den Kopf, die wie der Kieler Arzt Gustav Adolphe Michaelis (1798-1848) seiner Argumentation etwas abgewinnen können. Mit seiner Forderung nach Händedesinfektion war er seiner Zeit – zwei Jahrzehnte vor Entdeckung der Bakterien als Krankheitserreger durch Robert Koch und Louis Pasteur – weit voraus.
Als er seine Stelle im Wiener Allgemeinen Krankenhaus verliert, geht er nach Budapest und führt dort in der Klinik St. Rochus seinen Kampf gegen das Kindbettfieber beinahe schon zwanghaft weiter, zumal die bei seinem Eintreffen vorgefundenen Zustände noch schlimmer als in Wien waren. So gab es für die Patientinnen keine saubere Bettwäsche.
Das Ende des unbeugsamen Arztes liest sich wie eine geheimdienstliche Verschwörung: Semmelweis wird auf Betreiben seiner Frau Maria (1837-1910), mit der er drei Kinder hat und die ihn um 45 Jahre überleben wird, im Juli 1865 in das psychiatrische Krankenhaus in Wien Oberdöbling eingeliefert. Dort stirbt er rund zwei Wochen später unter bis heute nicht geklärten Umständen. Selbst das Todesdatum wird unterschiedlich angegeben. Angeblich ist er bereits mit einer infizierten Wunde, die eine Sepsis verursacht hat und an deren Folge er verstorben ist, worden. Ist es Ironie des Schicksals, dass der Entdecker der Sepsis (nicht anderes ist das Kindbettfieber) an derselben zu Grunde geht? 1963 werden seine sterblichen Überreste exhumiert. Man stellt multiple Knochenbrüche an Armen und Brustkorb fest. Hat man den unbeugsamen Arzt ermordet?
Meine Meinung:
Dieser historische Roman von Péter Gárdos ist nicht mein erstes Buch über Ignaz Semmelweis. Zuvor habe ich schon die 2015 im Residenz-Verlag erschienene Biografie „In den Händen der Ärzte - Ignaz Semmelweis, Pionier der Hygiene“ von Anna Durnová gelesen. Während sich Durnová intensiv dem Krieg zwischen Semmelweis und seinem Vorgesetzten in Wien Dr. Johann Klein widmet, hat Péter Gárdos eher den Menschen Ignaz Semmelweis im Fokus. Gárdos beschäftigt sich auch mit dem Privatleben Semmwelweis‘ und den wenigen Freunden, die er hat. Hier verquickt er geschickt Fakten wie den Tod seines Freundes Jakob Kolletschka (1803-1847) der an einer Sepsis stirbt, mit fiktiven Charakteren.
Über die Änderung in Semmelweis‘ Wesen kann nur spekuliert werden. Die jahrelangen, zermürbenden Kämpfe können durchaus eine schwere Depression verursacht haben, ebenso könnte eine nicht ausgeheilte Syphilis, die ihm kaum körperliche Beschwerden bereitet hat (obwohl man von Juckreiz und häufigen Blutigkratzen lesen kann), aber eine massive Änderung seiner Psyche herbeigeführt haben. Man wird es wohl nie erfahren.
Den Siegeszug der Desinfektion, die vor allem auf den schottischen Chirurgen Joseph Lister (1827-1912) zurückgeführt wird, der aus den Schriften Semmelweis‘ seine Erkenntnisse zieht und ab 1867 mittels Karbollösung desinfiziert, wird Ignaz Semmelweis nicht mehr erleben.
Als Robert Koch 1905 den Nobelpreis für Medizin erhält soll er in seiner Dankesrede gesagt haben:
„Und auf diesem Weg, der uns verbindet, danke ich tief bewegt einem ungarischen Arzt. Ohne Ignaz Semmelweis wäre ich nie soweit gekommen. Ohne Ignaz Semmelweis wäre die Welt nicht so, wie sie ist. Sagen wir es offen: Semmelweis war einer der größten Ärzte der Welt.“ (S. 246)
Ignaz Semmelweis teilt sein Schicksal mit zahlreichen Ärzten und Wissenschaftlern, die zu Lebzeiten angefeindet, verkannt und erst Jahre nach ihrem Tod ihre Würdigung erfahren.
Dieser historische Roman lässt sich gut lesen. Ein wenig Kenntnis der damaligen Zeit ist für das gesellschaftspolitische Umfeld hilfreich. Wir bewegen uns im Kaisertum Österreich, das 1848 von mehreren Revolutionen, einem schwachen Kaiser Ferdinand, dessen Abdankung und dem Beginn der Regentschaft des erst 18-jährigen Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916). Von bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen will man nichts Genaues wissen. Das ist eben, neben Semmelweis‘ Schwäche beim Publizieren seiner Thesen, genau das Dilemma.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman 5 Sterne.
Lesenswert
aus Bielefeld
5/5
07.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Biografie eines Pioniers
"Der Retter der Mütter" von Péter Gárdos hat mich als medizinisch sehr interessierten Mensch fasziniert und entsetzt zugleich! Nicht wegen Semmelweiß, sondern wegen des Umgangs mit ihm.
Gárdos beschreibt in seinem Roman sehr eindringlich das Leben von Ignaz Semmelweiß, einem Arzt, der erst posthum von Robert Koch Anerkennung gefunden hat.
Ignaz Semmelweiß (1818-1865) hat die Medizin revolutioiniert, sehr zum Missfallen seiner ärztlichen Kollegen. So hat er den Zusammenhang zwischen unhygienischem Umgang besonders mit werdenden und frisch gebackenen Müttern erkannt, ohne jemals etwas von Bakterien gehört zu haben. Er stellt den Zusammenhang her zwischen dem Kindbettfieber, seiner extrem hohen Mortalität in Krankenhäusern und den obduzierenden Ärzten, die sich anschließend direkt aus dem Sektionssaal an die Untersuchung der Mütter machten. Während die ihn verteufelnden Ärzte die Entzündungen als kosmisch und zusammenhängend mit der Wetterlage (!) in Verbindung brachten, blieb Semmelweiß hartnäckig und ließ das Krankenhauspersonal die Hände mit Chlorkalk waschen. Mit Erfolg! Er erntet dafür noch mehr Feindschaft...
Diese Roman schildert auf leicht verständliche Weise die großartige Leistung von Semmelweiß, sein Leben bis zu seinem Tod. Die Sprache ist der damaligen Zeit angepasst, so mietet man sich z.B. keine Droschke, sondern eine Komfortable. Gárdos transportiert die Gefühle der im Roman vorkommenden Personen hautnah, die Lesenden sind sofort "mittendrin". Dass Semmelweiß Depressionen bekommen hat, wundert nicht! Den Begriff gab es damals noch nicht, es wurden alle Patienten als Irre bezeichnet.
Der Roman hat mich berührt, zumal Semmelweiß kein Einzelfall ist. Pioniere in damaligen Zeiten wurden von den Kollegen angefeindet und wenn möglich ruiniert.
Vielen Dank Peter Gárdos für diese Biografie eines herausragenden Mediziners! 5sehr gute Sterne und eine absolute Leseempfehlung für ein Buch das zeigt, wie wichtig Hygiene ist. Nicht nur zu Coronazeiten!
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