Auf der Shortlist für den BücherFrauen-Literaturpreis 2025.
Eigentlich will Issa diese Reise gar nicht antreten. Schwanger sitzt sie im Flugzeug nach Douala, angetrieben von ihrer Mutter, die bei der bevorstehenden Geburt um das Leben ihrer Tochter fürchtet. In Kamerun, dem Land ihrer Kindheit, soll sie den heilsamen Weg der Rituale gehen, unter den Adleraugen ihrer Omas. Doch so einfach ist das alles gar nicht, wenn man in Frankfurt zu schwarz und in Buea zu deutsch ist. Der Besuch wird für Issa eine Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte und der Gewissheit, dass sowohl Traumata als auch der unbedingte Liebes- und Lebenswille vererbbar sind.
Kunstvoll verwebt Mirrianne Mahn die Schicksale von fünf Frauen miteinander, deren Leben mehr als ein Jahrhundert auseinanderliegen und doch über die Linien kolonialer Ausbeutung und Streben nach Selbstbestimmung verbunden sind. Ein empowerndes, ein kraftvolles, ein eindringliches Debüt.
«Ein bewegendes und zutiefst berührendes Porträt einer Familie voller starker Frauen.» Daniela Dröscher
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Mara
5/5
06.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Wie tief reichen die eigenen Wurzeln?
1903 wird in Kamerun das Mädchen Marijoh geboren. Ihre Mutter Enanga ist erst 11. Ihr Vater ist ein Weißer. Marijoh wächst in einem Land auf, dass den weißen Männern gehört. Die Deutschen sind die bösen. Bis der Krieg ausbricht und die Einwohner Kameruns gegen die Briten kämpfen müssen. Marijoh flieht mit ihrem Mann vor dem Krieg und bekommt ihre Tochter Namondo. Doch ausgerechnet Namondo heiratet einen Briten und zeugt mit ihm ihre Tochter Ayudele. Ayudele kennt den Krieg nicht. Ihr Leben in Kamerun unterscheidet sich sehr von dem wirtschaftlichen Wohlstand Europas. Und so wandert sie mit einem deutschen Mann aus. Ihre gemeinsame Tocher Issa hat nur wenig Erinnerungen an Kamerun. Und sie teilt auch nicht die gleiche Hautfarbe. Trotzdem fließt das Blut ihrer Vorfahren in ihr. Als auch sie schwanger wird, reist Issa zurück nach Kamerun und beginnt dort, ihre Wurzeln zu entdecken. "Issa" ist ein tolles Buch über Familienbande, die über 100 Jahre zurückreichen. Es ist eine Geschichte über die eigenen Wurzeln und über die Gespaltenheit, ein Leben in zwei Welten zu führen.
Bewertung
5/5
27.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Wow
Mich hat seit langem wieder mal ein Buch in seinen bann gezogen! Eine reise durch kamerun und eine reise durch die geschichte von 3 frauen die durch familiäre bande verbunden sind und doch zu ganz anderen zeiten gelebt & andere herausforderungen gemeistert haben. Ich möchte hier nicht zu viel spoilern aber das buch entführt einen sowohl in das sonnige, westafrikanische land am atlantik mit all seinen ritualen und kulturen als auch in ein stück feminismus. Den zweiten punkt sehr subtil und unaufdringlich. Für mich als mann sehr interessant zu lesen, hat mich wirklich berührt. Ich hab issa genossen & werde mir auch weitere bücher der autorin kaufen, wenn sie denn welche rausbringt.
Letzter punkt ist unabhängig vom buch, nämlich dass ich die abholbox von thalia genial finde, hab mir das buch dadurch spät am abend abholen können.
adel69
aus Baden-Württemberg
5/5
16.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Starke Frauen in Kamerun…
Starke Frauen in Kamerun Worum geht es in dem Buch? Die Ich-Erzählerin Issa ist schwanger. Sie fliegt von Frankfurt nach Kamerun, die Heimat ihrer Mutter, um einige Rituale zu erleben. Als schwangere Frau, die in Kamerun geboren wurde, muss sie das – laut der Meinung ihrer Urgroßmutter – machen. Parallel dazu erfährt man als Leser/-in einiges über Issas Vorfahren. Wie lebten sie in Kamerun? An welche Regeln mussten sie sich als Frauen halten? Wie gingen die Männer mit ihnen um? Man liest über Enanga, die 1903 in einem Ort aufwächst, in dem viele Menschen dem Aberglauben nachgehen. Ein Deutscher, der Hausherr des Hofes ist, auf dem Enanga lebt, vergewaltigt sie. Sie wird schwanger und bringt eine Tochter zur Welt. Ihr Vater Keke verjagt sie anschließend vom Hof. Sie findet Unterschlupf bei ihrer Cousine. Auch von weiteren kamerunischen Frauen erfährt man – all das ist aus der Sicht des auktorialen Erzählers in der Vergangenheit geschrieben. Meine Meinung zu diesem Buch: Mich haben beide Handlungsstränge sehr bewegt. Einerseits Issa, die Ich-Erzählerin, die in Deutschland groß geworden ist und jetzt in Kamerun einiges erleben muss. Sie schreibt das im Präsens. Die Rituale sind merkwürdig. Beispielsweise wird sie von einem Heiler mit einer stinkenden Brühe behandelt. Während eines anderen Rituals muss sie mit einem toten Kaninchen ins Meer gehen. Ebenso sind die Frauenschicksale, die ab 1903 erzählt werden, oft erschütternd. Frauen in Kamerun hatten im 20. Jahrhundert wenig Rechte. Ein Mann konnte durchaus 19 Frauen haben. War man die erste Frau eines Mannes, genoss man einige Vorrechte und konnte die anderen Frauen piesacken. Männer bestimmten über die Frauen. So konnte beispielsweise Marijoh, Enangas Tochter, als Jugendliche von ihrem Stiefvater mit einem viel älteren Mann verheiratet werden, damit er seine Schulden bei diesem Mann loswurde. Auch heute hat ein Mann noch viel zu sagen in Kamerun. Wer es als Mann beispielsweise nicht schafft, dass seine Frau ihn respektiert und ruhig ist, gilt als schwach. Diese und andere Tatsachen habe ich gelesen – und ich habe auch sonst viel über Kamerun gelesen und gelernt, was ich vorhin noch nicht wusste. Für mich war „Issa“ ein interessantes und gutes Leseerlebnis. Ich vergebe 5 Sterne.
Bewertung
aus Lauffen
5/5
15.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Starke Frauen in Kamerun
Worum geht es in dem Buch?
Die Ich-Erzählerin Issa ist schwanger. Sie fliegt von Frankfurt nach Kamerun, die Heimat ihrer Mutter, um einige Rituale zu erleben. Als schwangere Frau, die in Kamerun geboren wurde, muss sie das – laut der Meinung ihrer Urgroßmutter – machen.
Parallel dazu erfährt man als Leser/-in einiges über Issas Vorfahren. Wie lebten sie in Kamerun? An welche Regeln mussten sie sich als Frauen halten? Wie gingen die Männer mit ihnen um? Man liest über Enanga, die 1903 in einem Ort aufwächst, in dem viele Menschen dem Aberglauben nachgehen. Ein Deutscher, der Hausherr des Hofes ist, auf dem Enanga lebt, vergewaltigt sie. Sie wird schwanger und bringt eine Tochter zur Welt. Ihr Vater Keke verjagt sie anschließend vom Hof. Sie findet Unterschlupf bei ihrer Cousine. Auch von weiteren kamerunischen Frauen erfährt man – all das ist aus der Sicht des auktorialen Erzählers in der Vergangenheit geschrieben.
Meine Meinung zu diesem Buch:
Mich haben beide Handlungsstränge sehr bewegt. Einerseits Issa, die Ich-Erzählerin, die in Deutschland groß geworden ist und jetzt in Kamerun einiges erleben muss. Sie schreibt das im Präsens. Die Rituale sind merkwürdig. Beispielsweise wird sie von einem Heiler mit einer stinkenden Brühe behandelt. Während eines anderen Rituals muss sie mit einem toten Kaninchen ins Meer gehen.
Ebenso sind die Frauenschicksale, die ab 1903 erzählt werden, oft erschütternd. Frauen in Kamerun hatten im 20. Jahrhundert wenig Rechte. Ein Mann konnte durchaus 19 Frauen haben. War man die erste Frau eines Mannes, genoss man einige Vorrechte und konnte die anderen Frauen piesacken. Männer bestimmten über die Frauen. So konnte beispielsweise Marijoh, Enangas Tochter, als Jugendliche von ihrem Stiefvater mit einem viel älteren Mann verheiratet werden, damit er seine Schulden bei diesem Mann loswurde.
Auch heute hat ein Mann noch viel zu sagen in Kamerun. Wer es als Mann beispielsweise nicht schafft, dass seine Frau ihn respektiert und ruhig ist, gilt als schwach. Diese und andere Tatsachen habe ich gelesen – und ich habe auch sonst viel über Kamerun gelesen und gelernt, was ich vorhin noch nicht wusste.
Für mich war „Issa“ ein interessantes und gutes Leseerlebnis. Ich vergebe 5 Sterne.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
07.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesehighlight!
Lange Zeit hat mich dieses Buch gar nicht interessiert – das Cover gefiel mir nicht, die Frau schaute darauf so grimmig aus, die Autorin kannte ich nicht, und auf gehypte Bücher stehe ich prinzipiell nicht so wirklich. Außerdem dachte ich, ach nee, nicht schon wieder ein Rassismus-Betroffenheits-Roman.
Ja, und dann war ich im Sommer in Wiesbaden relativ spontan auf einer Lesung der Autorin gewesen....und es war volles Haus, und von Minute 1 an war ich echt gebannt. Die Autorin ist eine faszinierende, super sympathische, vor Energie und Witz überschäumende junge Frau; die bis vor kurzem in der Frankfurter Stadtverwaltung saß (für die Grünen – bei denen ist sie aber ausgetreten; aus Gründen), und die echt für ihre Anliegen brennt. Und sie kann die Leute mitreißen. Okay, die Lesung war klasse, das Buch musste her, und jetzt hab ich es endlich auch gelesen.
Die Ausgangssituation haben wir auf dem Klappentext. Issa, Anfang, Mitte 20 ist schwanger. Sie ist gebürtige Kamerunerin, aber als kleines Mädel mit ihrer Mutter und dem neuen weißen Stiefvater nach Deutschland ausgewandert, in den Hunsrück. Nach kurzer Zeit wurde die Familie durch die Zwillinge vervollständigt, ihre Halbgeschwister. In Rückblicken erzählt Issa uns immer wieder aus ihrem Leben als schwarzes Kind und Teenie in den 80ern in ich sag mal stockweisser dörflicher Umgebung, und was sie so erlebt, ist Alltagsrassismus pur. Oftmals nicht mal böse gemeint, aber gedankenlos und schmerzhaft nichtsdestotrotz. War teils echt ein übler Augenöffner für mich beim Lesen, und teils habe ich mich aber auch gewundert, auf was für merkwürdige Ideen und Sprüche meine lieben Mitbürger überhaupt so kommen....
Ja, zurück zum Buch, Issa ist irgendwann zu ihrem Freund ins multikulturelle Frankfurt gezogen; und ist nun schwanger. Und völlig konfus. Wie soll die Zukunft aussehen? So ganz der richtige Mann des Lebens ist der werdende Kindsvater irgendwie nicht, und auch die Begeisterung der werdenden Großeltern hält sich anfangs in eng gesteckten Grenzen. Und überhaupt – eine gute Schwangerschaft und Geburt muss von afrikanischen Ritualen begleitet werden, sagt die Familie, und da Issa alle Rituale im Leben bislang verpasst hat, muss sie die nun nachholen. Ergo: Auf nach Kamerun in den Schoss der Familie.
Hier setzt die Geschichte an. Im Flugzeug von Frankfurt auf dem Weg nach Douala. Und nun begleiten wir abwechselnd Issa im hier und heute, wie sie ihre Familie neu kennenlernt und ihren Platz darin findet. Und wir sind in der Vergangenheit und arbeiten uns peu a peu durch die Leben von Issas Ahninnen, angefangen um die Wende zum 20. Jahrhundert bis heute. Damals war Kamerun nämlich deutsche Kolonie – wusste ich übrigens gar nicht. Kamerun und Deutschland haben echt eine lange gemeinsame Geschichte – warum wird sowas eigentlich nicht gelehrt? Dass Deutschland einen Schwung afrikanische Kolonien unterhielt, und sogar eine in China, das wird hier im Geschichtsunterricht immer unter den Tisch fallen gelassen oder nur ganz am Rande mal erwähnt. Dies nur als Anmerkung am Rande.
Auf jeden Fall, die Familiengeschichte startet schon mal super dramatisch und traumatisch, denn Issas Ururgroßmutter wird als kleines Mädchen vom deutschen Hausherrn missbraucht und geschwängert. Das spoilere ich jetzt einfach mal; das war übrigens auch eines der dramatischen Kapitel, die in der Lesung vorgetragen wurden – ist prägend für den weiteren Verlauf der Geschichte, und natürlich ein dramatischer Punkt.
Issas Leben ist enger mit dem ihrer Vorfahrinnen verflochten, als sie anfangs annahm, und wir als Leser gehen diesen Weg mit ihr.
Mein Leseeindruck: das war super. Spannend und fesselnd und flüssig geschrieben. Packende Geschichte. Viel Dramatik, jederzeit ein hohes Spannungslevel, aber auch viel Witz und Situationskomik (ich denke nur an die vielen Rituale, die Issa mitmachen muss, und die sie teils recht schwarz-humorig kommentiert; und zwar so eher aus der Sicht der westlichen Schwangeren, die sich fragt, was zum Henker sie hier eigentlich gerade tut :-) )
Viel Stoff zum Nachdenken, viele historische Fakten, die ich nicht kannte, viel Gesellschaftskritik, ja, sehr viel von allem. Sehr viel persönliches Wachstum von Issa, sehr viel Liebe, sehr viel Vergebung.
Am Ende ist natürlich alles gut. Ob das so realistisch ist angesichts der vielen Traumen, die Issa und ihre Familie erfahren haben, sei mal dahingestellt – aber für die Geschichte funktioniert es. Es geht auch – interpretiere ich mal rein – um die Kraft, trotz allem weiter zumachen, weiter zu leben, und ein gutes Leben zu haben.
Ich habe das Buch verschlungen, und kann es definitiv weiterempfehlen.
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