Da ist der charismatische, von den Ideen des Bauhauses und der Avantgarde durchdrungene Idealist Hermann Henselmann, der nach dem Krieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins aufsteigt. Der Berliner Fernsehturm, die Stalinallee, der Leipziger Uniturm sind mit seinem Namen untrennbar verbunden. Der Preis jedoch: Ständig muss er lavieren, um wenigstens die Grundlagen seiner modernistischen Ideen vor den Vorstellungen der Politführung zu retten. Und da ist vor allem Henselmanns Frau Isi, die auch als Architektin arbeiten will, aber mit einer auf acht Kinder anwachsenden Familie zu kämpfen hat. Und da ist die Tochter Isa, die sich der erstickenden Manipulation durch den cholerischen Vater entzieht, um ihren dornigen eigenen Weg in ganz anderen Milieus zu gehen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
02.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein absolutes Highlight
Ein herausragender Roman über den Chefarchitekten der DDR, der mit dem Entwurf zur Stalinallee in die Geschichte eingegangen ist. Die Autorin ist seine Enkelin und erzählt die Geschichte spannend wie ein Krimi. Aber auch seine genauso talentierte Ehefrau und das Milieu des jungen Staates kommen nicht zu kurz. Nicht nur für Architekten und Historiker unbedingt lesenswert. Sehr empfehlenswert.
Juti
aus HD
5/5
01.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Familiengeschichte mit…
Eine Familiengeschichte mit dem berühmten DDR-Architekten Henselmann ***** Von Architektur habe ich wenig Ahnung. Ich bin nur ein kleiner Bauhaus-Fan. Und dann bin ich natürlich überrascht, dass ich in diesem Buch lese, dass der vielleicht berühmteste Architekt Hermann Henselmann der DDR aus dieser Schule stammte, aber vor allem unter Honecker nicht so bauen durfte, wie er wollte. Dieser Roman ist aber keine Architekturgeschichte, sondern eine Familiengeschichte. Gleichrangig wird seine Frau Isi behandelt, die zehn Jahre jünger Hermann vor ihrem Studium kennenlernt, also nicht studiert und mit ihm acht Kinder bekommt. Selbst ihre Geschwister werden zum Thema. Die Schwester hat nach dem Krieg den DDR-Kritiker Havemann geheiratet, der Bruder arbeitet in Bonn beim Auswärtigem Amt und wird später sogar wegen Spionageverdacht verhaftet. Die weitere Hauptfigur Isa ist eins davon, die immer wieder vom Vater verprügelt wird. Ständig zieht die Familie, was sich dann auch auf die Tochter vererbt. Als sie Marzahn wohnt, heißt es, dass die Siedlung „nicht nur aus genormten, sondern auch aus genormten Menschen zu bestehen scheint.“ (280f) Einerseits nimmt der Roman zu allen politischen Themen in der DDR Stellung, andererseits fehlen auch nicht die vielen Affären Hermanns und der Männer von Isa. Und es beginnt mit einem mysteriösen Unfall von Isa, der aber im Verlauf aufgeklärt wird. Da Hermann kurz vor dem 90.Geburtstag stirbt und der Roman danach nur einen kurzen Ausblick bietet, endet der Roman in den 90ern, der Neuaufbau Berlins nach der Wende fehlt also nicht. Außer dass sich die Figuren am Ende an Dinge erinnern, die wir vorher schon gelesen hatten, hat mir dieses rundum gelungene Buch sehr gefesselt. 5 Sterne
Bewertung
5/5
28.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Beton und Visionen: Lesen, wo Architektur Welt wurde
Ich sitze in meinem Büro im JenTower, diesem imposanten Bauwerk, das Hermann Henselmann einst entwarf – ein Turm, der wie ein Fernrohr in den Himmel ragt und die Stadt Jena überblickt. Während ich durch die Seiten von „Die Allee“ blättere, spüre ich eine tiefe Verbindung zwischen den Geschichten im Buch und den Wänden, die mich umgeben.
Florentine Anders erzählt nicht nur die Geschichte ihrer Familie, sondern auch die Geschichte eines Landes, einer Zeit, einer Ideologie. Die Charaktere – Hermann, Isi, Isa – sie alle ringen mit ihren Träumen, ihren Pflichten, ihren Hoffnungen. Und ich frage mich: Wie viele dieser Träume sind in die Architektur dieses Turms eingeflossen?
Der JenTower, einst als Symbol für Fortschritt und sozialistische Moderne errichtet, steht heute als stiller Zeuge vergangener Zeiten. Seine runde Form, die spiegelnde Fassade, die 1456 Fenster – sie erzählen Geschichten von Ambitionen, von Anpassung, von Widerstand. Und während ich durch die Gänge gehe, frage ich mich: Welche Entscheidungen wurden hier getroffen? Welche Gespräche geführt? Welche Hoffnungen gehegt?
„Die Allee“ hat mir gezeigt, dass Architektur mehr ist als nur Beton und Glas. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, ein Ausdruck von Idealen, ein Zeugnis von Geschichte. Und in diesem Turm, in dem ich arbeite, lebt diese Geschichte weiter – in jeder Wand, in jedem Fenster, in jedem Raum.
Ein Buch, das nicht nur erzählt, sondern auch zum Nachdenken anregt. Für alle, die sich für Geschichte, Architektur und die Geschichten hinter den Fassaden interessieren.
Christina19
5/5
24.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familie Henselmann: Deutsche Architekturgeschichte, Familienleben und Emanzipation, Politikgeschichte
Als 1959 ein internationaler Ideenwettbewerb für die Umgestaltung des Alexanderplatzes ausgerufen wurde, wurde Hermann Henselmann ausgeschlossen. Dennoch reichte er einen Entwurf für einen Turm ein, der nach Weiterentwicklungen verschiedener Architekten und Ingenieure als Fernsehturm seither das Bild Berlins maßgeblich prägt. Doch Henselmanns Karriere startete bereits in den späten 1920er Jahren. Nach seinem Vorbild Le Corbusier verwirklichte er Bauten ganz im Sinne des Bauhauses. Als zuerst die Nationalsozialisten und später die Führungsriege der DDR diese Stilrichtung ablehnte, musste sich Henselmann den neuen Idealen oft unterordnen – ohne jedoch immer wieder modernistische Ideen anzubringen und damit den Fortschritt anzutreiben.
Derweil versuchten seine Frau Isi und seine Tochter Isa ihre eigenen Lebensträume zu verwirklichen, was unter dem herrischen Architekten nicht immer einfach war… .
Hermann Henselmann zählt zu den einflussreichsten deutschen Architekten des vergangenen Jahrhunderts. In diesem Buch, das seine Enkelin Florentine Anders verfasst hat, lernt man ihn in vielen Facetten kennen. Daneben begleitet man mit Isi und Isa zwei Frauen aus seinem engsten familiären Umfeld bei ihrer Emanzipation.
Geprägt durch das Bauhaus zeichnen sich Henselmanns Ideen durch eine radikal modernistische Formgebung aus. In der DDR soll er sich jedoch den sozialistischen Vorstellungen der Politführung beugen. Man erfährt, dass er, der zum Chefarchitekten Ostberlins aufgestiegen war und sich in elitären Kreisen bewegte, dennoch immer wieder zukunftsweisende Entwürfe vorlegte. Als Architekt war Henselmann mutig, teils provokativ, angesichts der drohenden Gefahren für Kritiker der DDR-Führung aber auch leichtsinnig. Mehr als nur einmal ist er mit der Staatsführung aneinandergeraten und mehr als nur einmal musste er anschließend um Entschuldigung bitten. Dennoch hat er sich nie vollends unterworfen, sondern weiter in kleinen Schritten daran gearbeitet, seine Vorstellungen anzubringen. So ist es Henselmann selbst wichtig, als Architekt nicht als Produkt der DDR wahrgenommen zu werden, sondern als Gestalter des Landes nach seinen Idealen (S. 292). Von den Gebäuden, die nach seinen Plänen errichtet wurden, sind mir viele gut bekannt, was den Roman sehr anschaulich macht.
Neben seiner beruflichen Laufbahn kann man in „Die Allee“ auch einiges über den Menschen Hermann Henselmann lesen. Dieser war oft voller Jähzorn, konnte von einem Moment auf den anderen völlig ungehalten werden. Als Ehemann und Vater war er damit kein einfacher Charakter. Seine häufigen Affären und die Gewalt, die er gegenüber seinen Kindern anwendete, haben mich beim Lesen sehr betroffen gemacht. Bei all den Vorkommnissen habe ich großen Respekt vor seiner Frau, die immer zu ihm gehalten hat. Gleichzeitig kann ich gut nachvollziehen, dass sie daran arbeitete, ihre eigenen Träume in die Tat umzusetzen und damit aus dem Schatten ihres berühmten Mannes zu treten – nicht immer einfach mit acht Kindern. Unter diesen wiederum ist es vor allem das Schicksal der Tochter Isa, das ergreifend geschildert wird. Gleichzeitig ist es gerade ihr Lebensweg, der nach vielen Tiefpunkten zum Ende des Romans hin Hoffnung schenkt.
Obwohl der Roman der Familie Henselmann gewidmet ist, bietet er auch einen Einblick in die Erlebnisse einer jungen Familie im zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit sowie die Gründung und den Zusammenbruch der DDR. Die kurzen Abschnitte, in die das Buch unterteilt ist, folgen dem chronologischen Ablauf der Ereignisse, sodass hier ein Kapitel der deutscher Politikgeschichte greifbar wird.
„Die Allee“ ist ein unglaublich vielschichtiger Roman und hat mich durchweg gefesselt. Große Empfehlung!
Christina19
5/5
24.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familie Henselmann: Deutsche…
Familie Henselmann: Deutsche Architekturgeschichte, Familienleben und Emanzipation, Politikgeschichte Als 1959 ein internationaler Ideenwettbewerb für die Umgestaltung des Alexanderplatzes ausgerufen wurde, wurde Hermann Henselmann ausgeschlossen. Dennoch reichte er einen Entwurf für einen Turm ein, der nach Weiterentwicklungen verschiedener Architekten und Ingenieure als Fernsehturm seither das Bild Berlins maßgeblich prägt. Doch Henselmanns Karriere startete bereits in den späten 1920er Jahren. Nach seinem Vorbild Le Corbusier verwirklichte er Bauten ganz im Sinne des Bauhauses. Als zuerst die Nationalsozialisten und später die Führungsriege der DDR diese Stilrichtung ablehnte, musste sich Henselmann den neuen Idealen oft unterordnen – ohne jedoch immer wieder modernistische Ideen anzubringen und damit den Fortschritt anzutreiben. Derweil versuchten seine Frau Isi und seine Tochter Isa ihre eigenen Lebensträume zu verwirklichen, was unter dem herrischen Architekten nicht immer einfach war… . Hermann Henselmann zählt zu den einflussreichsten deutschen Architekten des vergangenen Jahrhunderts. In diesem Buch, das seine Enkelin Florentine Anders verfasst hat, lernt man ihn in vielen Facetten kennen. Daneben begleitet man mit Isi und Isa zwei Frauen aus seinem engsten familiären Umfeld bei ihrer Emanzipation. Geprägt durch das Bauhaus zeichnen sich Henselmanns Ideen durch eine radikal modernistische Formgebung aus. In der DDR soll er sich jedoch den sozialistischen Vorstellungen der Politführung beugen. Man erfährt, dass er, der zum Chefarchitekten Ostberlins aufgestiegen war und sich in elitären Kreisen bewegte, dennoch immer wieder zukunftsweisende Entwürfe vorlegte. Als Architekt war Henselmann mutig, teils provokativ, angesichts der drohenden Gefahren für Kritiker der DDR-Führung aber auch leichtsinnig. Mehr als nur einmal ist er mit der Staatsführung aneinandergeraten und mehr als nur einmal musste er anschließend um Entschuldigung bitten. Dennoch hat er sich nie vollends unterworfen, sondern weiter in kleinen Schritten daran gearbeitet, seine Vorstellungen anzubringen. So ist es Henselmann selbst wichtig, als Architekt nicht als Produkt der DDR wahrgenommen zu werden, sondern als Gestalter des Landes nach seinen Idealen (S. 292). Von den Gebäuden, die nach seinen Plänen errichtet wurden, sind mir viele gut bekannt, was den Roman sehr anschaulich macht. Neben seiner beruflichen Laufbahn kann man in „Die Allee“ auch einiges über den Menschen Hermann Henselmann lesen. Dieser war oft voller Jähzorn, konnte von einem Moment auf den anderen völlig ungehalten werden. Als Ehemann und Vater war er damit kein einfacher Charakter. Seine häufigen Affären und die Gewalt, die er gegenüber seinen Kindern anwendete, haben mich beim Lesen sehr betroffen gemacht. Bei all den Vorkommnissen habe ich großen Respekt vor seiner Frau, die immer zu ihm gehalten hat. Gleichzeitig kann ich gut nachvollziehen, dass sie daran arbeitete, ihre eigenen Träume in die Tat umzusetzen und damit aus dem Schatten ihres berühmten Mannes zu treten – nicht immer einfach mit acht Kindern. Unter diesen wiederum ist es vor allem das Schicksal der Tochter Isa, das ergreifend geschildert wird. Gleichzeitig ist es gerade ihr Lebensweg, der nach vielen Tiefpunkten zum Ende des Romans hin Hoffnung schenkt. Obwohl der Roman der Familie Henselmann gewidmet ist, bietet er auch einen Einblick in die Erlebnisse einer jungen Familie im zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit sowie die Gründung und den Zusammenbruch der DDR. Die kurzen Abschnitte, in die das Buch unterteilt ist, folgen dem chronologischen Ablauf der Ereignisse, sodass hier ein Kapitel der deutscher Politikgeschichte greifbar wird. „Die Allee“ ist ein unglaublich vielschichtiger Roman und hat mich durchweg gefesselt. Große Empfehlung!
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