Michael Köhlmeiers faszinierender Roman über Schuld und Sühne – von ihm selbst gelesenAls Johann ein Kind war, fragte sein Vater, ob er einen Wunsch im Leben habe. Und Johann hatte sich nicht getraut zu antworten: »Einmal im Leben möchte ich einen Mann töten.«Anfang der Siebziger kommt Johann zum Studieren in die Stadt, den Kopf voll wirrer Träume. Er trifft Christiane und Tommi, die ein Paar sind und ihn in ihre Mitte nehmen. Gemeinsam erkunden sie die hellen und die dunklen Seiten der Liebe, gefangen in einem Dreieck, das sich immer enger zuzieht.Michael Köhlmeiers faszinierender Roman erzählt vom falschen Leben im richtigen. Von vergangener Schuld und lebenslanger Unschuld. »Die Verdorbenen« lassen niemanden mehr los.Ungekürzte Lesung mit Michael Köhlmeier4h 4min
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3.6/5.0
meerblick
5/5
29.01.2025
eBook (ePUB)
Dreiecksbeziehung
Während des Studiums der Germanistik und der wissenschaftlichen Politik in Marburg an der Lahm Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts macht Johann die Bekanntschaft mit dem Pärchen Tommi und Christiane, deren Tutor er ist. Die Beiden können auf eine sehr langjährige Beziehung zurückblicken, erwecken den Anschein von großer Vertrautheit und Unzertrennlichkeit. Dennoch entwickelt sich eine, wenn auch recht zwiespältige Beziehung, zwischen den dreien, die zunächst unvorstellbar erscheint. Der Eigenbrötler Johann, verändert sein alltägliches Auftreten, obwohl er gedanklich auf ganz anderen Wegen wandelt, was schließlich zu absurden Konflikthandlungen führt.
Michael Köhlmeier legt mit 'Die Verdorbenen' einen Roman vor, der nicht auf dem ersten Blick offenbart, wohin die Reise geht und welche Verbindung die Geschichte zum Titel hat. Unaufgeregt berichtete er von Liebe, Schuld, Besessenheit und vorgelebte Schwächen. Er gestaltet seine Charaktere mit psychologischem Tiefgang und wirft damit Fragen nach den Ursachen von zwanghaftem Verhalten auf. Sprachlich brillant ausgearbeitet, ist dieser Roman ein Leseerlebnis der besonderen Art und verdient unbedingte Leseempfehlung.
meerblick
5/5
29.01.2025
eBook (ePUB)
Dreiecksbeziehung Während des…
Dreiecksbeziehung Während des Studiums der Germanistik und der wissenschaftlichen Politik in Marburg an der Lahm Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts macht Johann die Bekanntschaft mit dem Pärchen Tommi und Christiane, deren Tutor er ist. Die Beiden können auf eine sehr langjährige Beziehung zurückblicken, erwecken den Anschein von großer Vertrautheit und Unzertrennlichkeit. Dennoch entwickelt sich eine, wenn auch recht zwiespältige Beziehung, zwischen den dreien, die zunächst unvorstellbar erscheint. Der Eigenbrötler Johann, verändert sein alltägliches Auftreten, obwohl er gedanklich auf ganz anderen Wegen wandelt, was schließlich zu absurden Konflikthandlungen führt. Michael Köhlmeier legt mit 'Die Verdorbenen' einen Roman vor, der nicht auf dem ersten Blick offenbart, wohin die Reise geht und welche Verbindung die Geschichte zum Titel hat. Unaufgeregt berichtete er von Liebe, Schuld, Besessenheit und vorgelebte Schwächen. Er gestaltet seine Charaktere mit psychologischem Tiefgang und wirft damit Fragen nach den Ursachen von zwanghaftem Verhalten auf. Sprachlich brillant ausgearbeitet, ist dieser Roman ein Leseerlebnis der besonderen Art und verdient unbedingte Leseempfehlung.
kaffeeelse
aus D
4/5
15.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Johann, Christiane und Tommi…
Johann, Christiane und Tommi „Die Verdorbenen“ ist mein drittes Buch der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises. Völlig überzeugt hat es mich leider nicht. Dennoch ist es gut zu lesen. In dem Buch ist von der Liebe zu lesen. Ebenso von einer Erkundung des Bösen. Eine interessante Verbindung. Beides ist recht animalisch und verbindet sich manchmal auch. Von daher schon mal gut ausgewählt. Die 70er Jahre. Johann trifft auf Christiane und Tommi. Irgendetwas passiert zwischen ihnen. Nur was. Liebe ist das meiner Meinung nach nicht. Vielleicht eine Form der Besessenheit, die irgendwie auch in Machtspielchen mündet. Aber mit Liebe hat dies in meinen Augen nichts zu tun, eher ist es ein Begehren, aber auch dazu fehlt irgendwie ein Stück in meinen Augen. Wobei ich mich aber auch frage, ob Johann zur Liebe überhaupt fähig ist. Denn dieses Gesamtertzählte um Johann führt deutlich zu etwas Anderem. Michael Köhlmeier möchte in seinem Buch „Die Verdorbenen“ auch auf das Böse schauen. Und das gelingt ihm. Das Dreiergespann Johann, Christiane und Tommi sind junge Menschen in den 70ern, die studieren, wenig Mittel haben, sich gerade auch selbst finden. Von daher kann man ja keine vollständig ausgebildeten Charaktere erwarten. Deswegen stört mich hier das nicht völlig Auserzählte nicht. Dennoch bin ich mit der Formulierung der Charaktere auch nicht völlig zufrieden. Denn sie sind mir fremd, fern und irgendwie auch nicht greifbar. Dass, was da zwischen ihnen passiert, erscheint mir nicht schlüssig. Doch warum ist das so? Liegt das am Erzählten? Meiner Meinung nach nicht. Das Erzählte ist stimmig. Es sind diese Charaktere, gegen die ich mich irgendwie sträube. Sie machen etwas, was irgendwie Nähe suggeriert, Nähe suggerieren soll. Aber diese Nähe ist nicht spürbar. Keine Liebe, kein Begehren, keine Sucht. Nur rationales Tun. Vor allem von Johann. Doch was hat die Ratio bei der Liebe, beim Begehren verloren? Kann die Ratio zur Liebe führen? Doch die Leserschaft erlebt Johann ja nicht nur im Tun in der Dreierbeziehung. Als Kind wurde er von seinem Vater einmal gefragt, ob er einen Wunsch hat. Johann konnte sich nicht zu einer Antwort durchringen. Was man irgendwie verstehen kann, denn dieser Wunsch bestand darin irgendwann einmal einen Mann töten zu wollen. Das kann man ja nicht erzählen, denkt Johann. Ja, das kann man nicht erzählen, aber noch weniger kann man das wollen, denkt eine Bewahrerin. Manche Menschen sind manche Menschen, ja, aber Abstand ist immer noch der bessere Weg. Johann empfindet dies anders und wenn man diesen Gedanken zentraler stellt, bekommt auch das Verhalten in der Dreiecksbeziehung irgendwie eine andere Bedeutung. Johann ist für mich in dem Buch hier der dunkelste Charakter, dennoch heißt das Buch ja „Die Verdorbenen“. In der Lektüre erschließt sich das. Dennoch, Johann ist eine treibende Kraft, ein Charakter, dem man im wahren Leben nicht begegnen möchte. Und ja, man begegnet solchen Wesen trotzdem. Ein interessantes Buch. Ja. Aber empfehlen kann ich es nicht. Denn es hat mich nicht angezündet und auch nicht völlig überzeugt. Wobei ich mich schon frage, woran dies liegt. Denn das Erzählte macht dies nicht. Es ist die Thematik, die das in mir auslöst. Und auch der Hauptcharakter Johann. Ich stehe seinem Tun verständnislos gegenüber und verabscheue ihn. Und dies in einer Intension, die mit der Ratio nichts, rein gar nichts zu tun hat!
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
4/5
14.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Johann, Christiane und Tommi
„Die Verdorbenen“ ist mein drittes Buch der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises. Völlig überzeugt hat es mich leider nicht. Dennoch ist es gut zu lesen. In dem Buch ist von der Liebe zu lesen. Ebenso von einer Erkundung des Bösen. Eine interessante Verbindung. Beides ist recht animalisch und verbindet sich manchmal auch. Von daher schon mal gut ausgewählt.
Die 70er Jahre. Johann trifft auf Christiane und Tommi. Irgendetwas passiert zwischen ihnen. Nur was. Liebe ist das meiner Meinung nach nicht. Vielleicht eine Form der Besessenheit, die irgendwie auch in Machtspielchen mündet. Aber mit Liebe hat dies in meinen Augen nichts zu tun, eher ist es ein Begehren, aber auch dazu fehlt irgendwie ein Stück in meinen Augen. Wobei ich mich aber auch frage, ob Johann zur Liebe überhaupt fähig ist. Denn dieses Gesamtertzählte um Johann führt deutlich zu etwas Anderem. Michael Köhlmeier möchte in seinem Buch „Die Verdorbenen“ auch auf das Böse schauen. Und das gelingt ihm.
Das Dreiergespann Johann, Christiane und Tommi sind junge Menschen in den 70ern, die studieren, wenig Mittel haben, sich gerade auch selbst finden. Von daher kann man ja keine vollständig ausgebildeten Charaktere erwarten. Deswegen stört mich hier das nicht völlig Auserzählte nicht. Dennoch bin ich mit der Formulierung der Charaktere auch nicht völlig zufrieden. Denn sie sind mir fremd, fern und irgendwie auch nicht greifbar. Dass, was da zwischen ihnen passiert, erscheint mir nicht schlüssig. Doch warum ist das so? Liegt das am Erzählten? Meiner Meinung nach nicht. Das Erzählte ist stimmig. Es sind diese Charaktere, gegen die ich mich irgendwie sträube. Sie machen etwas, was irgendwie Nähe suggeriert, Nähe suggerieren soll. Aber diese Nähe ist nicht spürbar. Keine Liebe, kein Begehren, keine Sucht. Nur rationales Tun. Vor allem von Johann. Doch was hat die Ratio bei der Liebe, beim Begehren verloren? Kann die Ratio zur Liebe führen?
Doch die Leserschaft erlebt Johann ja nicht nur im Tun in der Dreierbeziehung. Als Kind wurde er von seinem Vater einmal gefragt, ob er einen Wunsch hat. Johann konnte sich nicht zu einer Antwort durchringen. Was man irgendwie verstehen kann, denn dieser Wunsch bestand darin irgendwann einmal einen Mann töten zu wollen. Das kann man ja nicht erzählen, denkt Johann. Ja, das kann man nicht erzählen, aber noch weniger kann man das wollen, denkt eine Bewahrerin. Manche Menschen sind manche Menschen, ja, aber Abstand ist immer noch der bessere Weg. Johann empfindet dies anders und wenn man diesen Gedanken zentraler stellt, bekommt auch das Verhalten in der Dreiecksbeziehung irgendwie eine andere Bedeutung.
Johann ist für mich in dem Buch hier der dunkelste Charakter, dennoch heißt das Buch ja „Die Verdorbenen“. In der Lektüre erschließt sich das. Dennoch, Johann ist eine treibende Kraft, ein Charakter, dem man im wahren Leben nicht begegnen möchte. Und ja, man begegnet solchen Wesen trotzdem.
Ein interessantes Buch. Ja. Aber empfehlen kann ich es nicht. Denn es hat mich nicht angezündet und auch nicht völlig überzeugt. Wobei ich mich schon frage, woran dies liegt. Denn das Erzählte macht dies nicht. Es ist die Thematik, die das in mir auslöst. Und auch der Hauptcharakter Johann. Ich stehe seinem Tun verständnislos gegenüber und verabscheue ihn. Und dies in einer Intension, die mit der Ratio nichts, rein gar nichts zu tun hat!
Bewertung
4/5
12.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Verdorben und zugleich unschuldig“
Michael Köhlmeier erzählt in seinem neuen Roman von Johann, der Anfang der 70er Jahre nach Marburg kommt, um dort Politologie zu studieren. Er erscheint ambitioniert, ist stolz darauf, mit dem Schreiben von Arrikeln und mit der Arbeit als Tutor für Erstsemester, sein eigenes Geld zu verdienen. In seiner Funktion als Tutor trifft er auf das Pärchen Christiane und Tommi. Christiane entpuppt sich als die treibende Kraft, die Johan in eine Dreiecksbezihung zieht. Es entspinnt sich eine fatale Verstrickung aus Liebe, Hass, Langeweile und Leere.
Johann scheint seine großen Pläne aufzugeben, arbeitet nicht mehr und verfällt zunehmend dieser Beziehung, die eigentlich keiner der Betroffenen wirklich will. Er ist besessen von Christiane und gleichzeitig abgestoßen, unternimmt immer wieder Versuche, vor ihr wegzulaufen. Er kauft sich aufs Blaue Zugtickets und fährt weg, nur um dann doch zurückzukommen. Bei seinem letzten Fluchtversuch kehrt er in sein Elternhaus zurück, bestiehlt seine Eltern und zieht von dort aus weiter. Die Lage spitzt sich zu, bis Johann schließlich zum Mörder wird. Damit scheint er einen von Kindheit an gehegte Wunsch in die Tat umzusetzen, nämlich den, irgendwann einen Menschen zu töten.
Köhlmeier erzählt diese abgrundtief böse Handlung von Obsession und Hass in einem leicht zu lesenden Stil. Seine Sprache bleibt nüchtern bis sachlich, was so gar nicht zum Inhalt des Erzählten passen will. Daher bleiben dem Leser die Protagonisten auch fremd und wenig nachvollziehbar. Noch weniger nachvollziehbarer erscheint, dass Johann mit seiner Tat davonkommt, von seinem Anwalt mit "verdorben und zugleich unschuldig" freigesprochen.
Was als kleine böse Geschichte daherkommt, beinhaltet tiefgründige philosophische Fragetsellungen. Kann man verdorben unschuldig sein? Verdorben von Geburt an beziehungsweise unschuldig verdorben?
Das Ende des Romans lässt erahnen, dass keine der Figuren etwas dazugelernt hat oder seine Taten bereut.
Besonder gut beschrieben hat Köhlmeier das Studentenleben der 70er Jahre in der Universitätsstadt Marbug. Da ich selbst in Marbug studiert habe, habe ich mich über viel Lokalkolorit freuen können.
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