Über Jahrzehnte sind junge Frauen in der Musikindustrie benutzt und diskriminiert worden: Egal ob Fans, Groupies, Journalistinnen, Mitarbeiterinnen oder Sängerinnen selbst - der Mythos von Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, das viele Geld und das extreme Machtgefälle haben sexualisierter Gewalt über alle Genres hinweg den Boden bereitet. Die Diskussion um die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigt: Diese Zustände brechen jetzt auf. Frauen wehren sich. Und sie finden endlich Gehör. Lena Kampf und Daniel Drepper haben über viele Monate hinweg recherchiert und mit mehr als zweihundert Menschen aus der Musikindustrie gesprochen. Packend geschrieben und einfühlsam erzählen die Autoren vom Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Sie beschreiben die Strukturen, die einen solchen Missbrauch ermöglichen. Und sie zeigen, warum dieses System jetzt - dank mutiger Frauen, dank unterstützender Aktivistinnen - allmählich ins Wanken gerät.
»Zeit, über das zu sprechen, über das nicht gesprochen werden soll.« JAN BÖHMERMANN
»Dieses Buch ist ein Backstage-Pass - ins Innere der Musikindustrie. Beste journalistische Aufklärung.« JULIA FRIEDRICHS, SACHBUCHAUTORIN
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Harte und notwendige Kost
Bewertung am 26.07.2024
Bewertungsnummer: 2253103
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Lena Kampf und Daniel Drepper haben hier ein gut recherchiertes und sachliches Buch abgeliefert, das der Musikindustrie den Spiegel vorhält. Natürlich ist das alles nichts neues, und nicht nur Musikfans sind sich klar darüber, was in den 70ern und 80ern mit Rock 'n' Roll anfing und sich bis heute vor und hinter der Bühne abspielt. Aber das alles noch mal so gebündelt und vor allem genreübergreifend zu lesen, macht einen fassungslos und endlos wütend.
Rammstein war nur die Spitze eines Eisberges, Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikbranche zieht sich seit Jahrzehnten quer durch die internationale Musiklandschaft und der Großteil der Beteiligten schaut weg. Hier wird ein System am Laufen gehalten, das auf die ekelhafteste Weise frauenverachtend/menschenverachtend ist. Ja die Stimmen zur Causa Rammstein kannte man vermutlich schon vor der Veröffentlichung von "Row Zero" aus diversen Artikeln und Podcasts, aber auch diese Stimmen gehören zum Diskurs und bilden die Basis für die umfangreiche Recherche der beiden Investigativ-Journalisten. Vor allem die Deutschrap-Szene bekommt im Text ihr Fett weg - nicht überraschend, dennoch schockierend.
Finde es lächerlich und absolut durchschaubar, wie Anhänger der Täter auf diversen Plattformen das Buch mit nur einem Stern bewerten. Da fühlen sich einige Menschen sehr auf den Schlips getreten. Shame! Karma regelt. Ich bin mir sicher! Mein Mitgefühl gilt allen Betroffenen. Mein Respekt gilt allen, die den Mund auf machen.
„Wann immer Macht, ihr…
literaturwohnung am 17.07.2024
Bewertungsnummer: 2872258
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Wann immer Macht, ihr Gebrauch und ihr Missbrauch neu vermessen werden, gilt es genau hinzuschauen und zu differenzieren.“ (S.15) Wow, was war das für ein Buch! Ich habe es verschlungen und ehrlich? Es hat mich bis jetzt nicht losgelassen. In dem Buch geht es, wie der Titel verrät, um Gewalt und den Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Es wird von einigen Fällen, unter anderem dem von Lindemann, Frontsänger der Band Rammstein, berichtet. Noch jetzt bin ich erschüttert, was ich alles gelesen habe. Nicht nur Lindemanns Namen fiel, sondern auch der von R. Kelly oder Marilyn Manson. Es fällt mir wahnsinnig schwer, die richtigen Worte dafür zu finden. Schlimm an der Geschichte finde ich, dass den Frauen nicht geglaubt wird und die Musiker ungehindert weiter Musik machen konnten oder gar können. Wo bitte bleibt da die Gerechtigkeit? Warum dürfen Musiker in Songs Sexismus beschreien und die Plattenfirmen sehen nur zu? Richtig, weil der Profit im Vordergrund steht. Heutzutage muss man vielleicht auffallen und in die ein oder andere Kerbe schlagen, aber nicht, indem Mann Frauen herauspicken lässt oder ihnen die Welt zu Füßen legt, um sie dann systematisch kaputtzumachen. Eine der Frauen, die von einem berühmten Mann sexuell missbraucht wurde, nahm sich das Leben. Ist das echt die Welt, in der wir leben? In der wir, weil wir den Status berühmt auf der Stirn haben und Geld in der Tasche, uns alles erlauben dürfen? Nein. Einfach ein klares Nein. Erschreckend fand ich, dass es bei einem Rammstein oder Lindemannkonzert einen Einspieler gab, bei dem gezeigt wurde, wie er von zwei Frauen oral befriedigt wurde – oder wie er sein Ding vor den Fans herausholt und auf die Menge uriniert. Leute, mal im Ernst: Ist das Kunst? Ist es das, wofür die Musik steht? Das Video kann man sich auf YouTube ansehen und ich kann nur eines sagen: Jetzt weiß ich, warum ich dieser Band nie meine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Was ich aber noch viel schlimmer ist, dass die Fälle eingestellt werden. Im Fall R.Kelly nicht – was ich gut finde. Ansonsten frage ich mich, auch wenn es die Unschuldsvermutung gibt – ja, warum den Fällen nicht zu 100% nachgegangen wird und Musiker so weitermachen dürfen und dafür auch noch gefeiert werden? „Regelmäßig werden bei Konzerten offenbar ein bis zwei Frauen gesucht, die dann – wie Shelby Lynn – unter der Bühne mit Till Lindemann Sex haben sollen, während in den etwa fünf Minuten des ‚Deutschland‘-Remixes Mitglieder der Band als leuchtende Strichmännchen auf der Bühne tanzen.“ (S.35) Nun möchte ich aber nochmal genauer auf einige Aussagen eingehen. Unter anderem, dass Frauen berühmt sein wollen. Welche von den 20 Frauen, die unabhängig voneinander über das Geschehene berichtet haben, sind nun berühmt? Dies ist nicht der Fall. Sie sind für ihr Leben, durch diese scheußliche Tat, geprägt. Mit Berühmtheit hat das nur wenig zu tun. Wer aber weiterhin gefeiert wird, sind die Künstler und die Frauen werden mundtot gemacht. Dann, dass es keine Beweise gibt. Mir sträubten sich wortwörtlich die Nackenhaare. Es sind 20 (!) Frauen herangezogen worden. Alle haben unabhängig voneinander über den Vorfall mit Lindemann geredet, sich getraut, etwas gegen ihn zu sagen. Ich denke, man kann sich sicher sein, dass es mehr als 20 Frauen gibt, nur die meisten Angst haben – weil ihnen Angst gemacht wurde. Hut ab, für die Frauen, die sich getraut haben. Und doch geschieht nur eines: nichts. Alles verläuft im Sand, die Stars werden weiterhin gefeiert und die Missbrauchten müssen leiden. Es gäbe keine Beweise, Person ABC habe ausgiebig gefeiert, war fröhlich. Ja, vor der Tat. Nach der Tat sieht es dann aber ganz anders aus. Und dann kommen die Gerichte ins Spiel. Alles ist in bester Ordnung, folglich ist alles wieder Tutti-Frutti. Nein. Während die missbrauchten Frauen an den Folgen des Missbrauchs leiden, das Gericht ihnen kein Recht zuspricht, werden die Stars gefeiert. Damit will ich eines sagen: Wer Geld hat, sich den besten Anwalt zu leisten und die Frauen mundtot zu machen, sieht an diesem Beispiel, dass Geld auch hier Macht ist. Doch ich finde, dass das absolut nicht sein darf. Auch Lindemann hat sich Top-Anwälte geleistet. Er verklagt jeden, der Negatives schreibt – so heißt es. Nur muss man mit Kritik, übrigens auch als Autor*in, umgehen können. Dieses Buch, um nun ein Ende zu finden, hat mich sprachlos zurückgelassen. Schon beim Lesen musste ich immer mal wieder innehalten. Es ist faszinierend und gleichzeitig berührend und schockierend. Die Recherche an diesem Buch hat über ein Jahr gedauert. Kein Wunder bei all den Informationen und Erfahrungsberichten, wo mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Jeder sollte dieses Buch gelesen haben und jeder sollte sich dagegen auflehnen. Wir alle sollten menschlich sein, zusammenhalten und den Schwächeren den Rücken stärken. Mehr Worte finde ich nicht, für diese rohe Gewalt, die teilweise in der Musikbranche herrscht. Niemals würde ich in der Row Zero sein wollen.
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