»Welche Gnade, dass wir nicht wissen, was uns im Leben erwartet.« Der neue Erfolgsroman von SPIEGEL-Bestsellerautorin und Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout .
Elizabeth Strout schreibt die Geschichte von Lucy Barton weiter, ihrer feinsinnigen, von den Härten des Lebens nicht immer verschonten Heldin. Mit ihrem Ex-Mann William sucht sie während des Lockdowns Zuflucht in Maine, in einem alten Haus am Meer. Eine unvergessliche Geschichte über Familie und Freundschaft, die Zerbrechlichkeit unserer Existenz und die Hoffnung, die uns am Leben erhält, selbst wenn die Welt aus den Fugen gerät.
Sie hatte es so wenig kommen sehen wie die meisten. Lucy Barton, erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter zweier erwachsener Töchter, erhält im März 2020 einen Anruf von ihrem Ex-Mann - und immer noch besten Freund - William. Er bittet sie, ihren Koffer zu packen und mit ihm New York zu verlassen. In Maine hat er für sie beide ein Küstenhaus gemietet, auf einer abgelegenen Landzunge, weit weg von allem. Nur für ein paar Wochen wollen sie anfangs dort sein. Doch aus Wochen werden Monate, in denen Lucy und William und ihre komplizierte Vergangenheit zusammen sind in dem einsamen Haus am Meer.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
aus Thun im Kanton Bern
5/5
18.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
schöne Erzählung
Das ist eine wunderbare Erzählung darüber, wie ein älteres Paar (früher verheiratet, dann geschieden und jetzt wieder zusammen) die Pandemie-Zeit erlebt hat. Strout ist eine meisterhafte Erzählerin; sie versteht es, auf Dinge, Gefühle und Geschehnisse aufmerksam zu machen, die der/die Lesende persönlich kennt, so dass sich die Erzählung im Lesenden widerspiegelt und er/sie das Geschehen so erlebt, als hätte er/sie es selber erfahren. Daraus entsteht ein Gefühl der Wiedererkennung: „aha ja, das habe ich damals auch so erlebt“; „Oh nein, das habe ich damals ganz anders erfahren“. Damit entsteht Neugier, Spannung und ein grosser Unterhaltungswert. Wie die Autorin mit einer einfachen Sprache und mit einfachen literarischen Mittel den Lesenden abholen kann - das ist bewundernswert!
Freilich gilt: Ich habe auch Verständnis dafür, wenn eine Kritik lauten würde, dieses Buch sei sagenhaft langweilig; da passiere nichts; Monotonie und grau. Dasselbe Buch kann ganz unterschiedliche Reaktionen erzeugen.
Hamaru
aus Nürtingen
5/5
11.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lucy Barton ist Elizabeth…
Lucy Barton ist Elizabeth Strouts alter ego und man ertappt sich immer wieder, die Ich-Erzählerin mit der Autorin gleichzusetzen, weil beide erfolgreiche Schriftstellerinnen sind und aus Maine stammen. Wie Tagebuchaufzeichnungen aus der dunklen Corona-Zeit, in einer scheinbar einfachen Sprache gehalten, kommen dem Leser die kurzen Kapitel aus Strouts Roman vor und zuerst denkt man, dass " Am Meer" nicht an die wunderbaren Olive Kitteridge- Romane heranreicht. Aber Lucys Ratlosigkeit und Verzweiflung eröffnen einen empathischen Blick auf die gespaltene amerikanische Gesellschaft, jenseits des üblichen Schwarz- Weiß-Denkens. Nur warum der Verlag glaubte , das Cover mit dem Bild einer heilen Urlaubsidylle gestalten zu müssen, erschließt sich nicht.
meerblick
5/5
12.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman der leisen Töne
Elizabeth Strout ist eine brillante Erzählerin, was sie auch wieder in ihrem Roman 'Am Meer', dem vierten Teil der Lucy Barton Reihe unter Beweis stellt. Sie packt das Thema Corona-Pandemie, welches uns alle auf eine unendliche Geduldsprobe gestellt hat, in eine Geschichte mit empathischen Protagonisten und pittoresken Landschaften. Doch auch kritische Töne wie das Dulden von Fremden in der heimatlichen Umgebung schlägt sie an und zeigt damit Grenzen der Toleranz auf. Ihre scharfe Beobachtungsgabe und ihr feines Gespür für die Handlungen der Menschen verleihen dem Buch eine ganz besondere Note, die den Lesegenuss zum Erblühen bringen.
Lucy ist Schriftstellerin, lebt in New York allein in ihrer Wohnung, nachdem sie von ihrem ersten Ehemann William geschieden wurde und ihr zweiter Ehemann verstorben ist. Zu William pflegt sie ein freundschaftliches, zu ihren beiden Töchtern ein entspannt mütterliches Verhältnis. Als die stark infektiöse Bedrohung des Corana-Virus auch die Millionenstadt New York droht in die Knie zu zwingen, packt William Lucy kurzerhand in sein Auto und bringt beide aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Sie richten sich ein in einem leerstehenden wunderschönen Haus am Meer, im malerischen Crosby (Maine). Welche Wandlungen sie in der Abgeschiedenheit durchleben, wie sich ihre Gedankenwelt verändert, aber auch wie Sorge und Ängste sie plagen, erzählt dieses bezaubernde Buch in leisen Tönen.
Es braucht keine Vorerfahrung vorangegangener Romanteile, um in die Geschichte eintauchen zu können. Ich gebe sehr gern meine Leseempfehlung.
meerblick
5/5
12.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman der leisen Töne…
Ein Roman der leisen Töne Elizabeth Strout ist eine brillante Erzählerin, was sie auch wieder in ihrem Roman 'Am Meer', dem vierten Teil der Lucy Barton Reihe unter Beweis stellt. Sie packt das Thema Corona-Pandemie, welches uns alle auf eine unendliche Geduldsprobe gestellt hat, in eine Geschichte mit empathischen Protagonisten und pittoresken Landschaften. Doch auch kritische Töne wie das Dulden von Fremden in der heimatlichen Umgebung schlägt sie an und zeigt damit Grenzen der Toleranz auf. Ihre scharfe Beobachtungsgabe und ihr feines Gespür für die Handlungen der Menschen verleihen dem Buch eine ganz besondere Note, die den Lesegenuss zum Erblühen bringen. Lucy ist Schriftstellerin, lebt in New York allein in ihrer Wohnung, nachdem sie von ihrem ersten Ehemann William geschieden wurde und ihr zweiter Ehemann verstorben ist. Zu William pflegt sie ein freundschaftliches, zu ihren beiden Töchtern ein entspannt mütterliches Verhältnis. Als die stark infektiöse Bedrohung des Corana-Virus auch die Millionenstadt New York droht in die Knie zu zwingen, packt William Lucy kurzerhand in sein Auto und bringt beide aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Sie richten sich ein in einem leerstehenden wunderschönen Haus am Meer, im malerischen Crosby (Maine). Welche Wandlungen sie in der Abgeschiedenheit durchleben, wie sich ihre Gedankenwelt verändert, aber auch wie Sorge und Ängste sie plagen, erzählt dieses bezaubernde Buch in leisen Tönen. Es braucht keine Vorerfahrung vorangegangener Romanteile, um in die Geschichte eintauchen zu können. Ich gebe sehr gern meine Leseempfehlung.
Lesenswege
5/5
24.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lucy Barton am Meer
Ich bin absolut hingerissen von diesem Roman. Am Meer ist ein wunderbares Buch, das mich hervorragend unterhalten hat. Aber noch mehr beeindruckt haben mich die vielen kleinen Passagen, die von äußerst genauer Beobachtungsgabe und von großer Lebensweisheit zeugen. Die Freuden und die Abgründe menschlichen Zusammenlebens, gesellschaftliche Entwicklungen und politische Haltungen werden mit wenigen treffenden Worten in genialen Formulierungen auf den Punkt gebracht. Mit diesem perfekten Roman hat Elizabeth Strout sich einmal mehr selbst übertroffen.
Lucy Barton, die erfolgreiche Schriftstellerin, die aus materiell und emotional ärmlichsten Verhältnissen stammt, einmal geschieden, einmal verwitwet, vertraut ihrem Ex-Mann und bestem Freund William, als der sie gleich zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 überzeugt, mit ihm New York City zu verlassen und sich an die Küste von Maine zurückzuziehen, nach Crosby, in eine Kleinstadt, die Strout bereits für andere Romane als Kulisse diente. Hier treffen wir u.a. Bob Burgess wieder, den Protagonisten aus „Das Leben, natürlich“. Nur für ein paar Wochen, denkt Lucy, und muss ihren Irrtum schnell erkennen. Für viele Monate auf sich selbst zurückgeworfen kehrt sie in ihre Vergangenheit zurück und reflektiert Ereignisse und Begegnungen aus ihrem Leben. Vieles wird sich nach dem Abklingen der Pandemie geändert haben, doch das weiß sie natürlich in diesem Moment noch nicht. Auch für die Beziehung zu ihren Töchtern ist die Zeit des Lockdowns ein harter Einschnitt.
Alles, worüber Strout schreibt, ist ganz unspektakulär. Doch genau in dieser Alltäglichkeit liegt die Besonderheit ihres Schreibens, denn alles Gesagte könnte jeder oder jedem von uns so passieren. Strout bzw. Lucy ist eine feine Beobachterin. In der Abgeschiedenheit der Kleinstadt wird ihr deutlich bewusst, wie tief gespalten die amerikanische Gesellschaft ist. Viele Leute dort sind Anhänger des amtierenden Präsidenten, was Lucy zunächst nicht versteht. William erklärt es ihr so: „Sie sind wütend. Sie kommen auf keinen grünen Zweig im Leben. Schau dir deine Schwester an. Zurzeit bringt sie sich in ihrem Job in Gefahr, weil sie keine andere Wahl hat. Aber abgehängt bleibt sie trotzdem. ..... , diesen Leuten steht das Wasser bis zum Hals. Und die, denen es besser geht, sind blind dafür. ...... Wir nehmen sie nicht für voll, und das merken sie. Das ist keine gute Situation.“ (S. 164) Diese kurze Analyse, die die Situation voll auf den Punkt bringt, ließe sich m.E. auch auf Deutschland übertragen. „Dieses Land ist so zerrissen, Lucy. Die ganze Welt ist zerrissen. Es kommt mir vor, als .... als wären alle auf der Welt wild geworden, und ich kann nur sagen, meiner Meinung nach steuern wir auf eine Katastrophe zu. Jeder geht jedem an die Gurgel. Ich weiß nicht, wie lange unsere Demokratie dem noch standhalten kann.“ (S. 167) Treffender als mit diesen Worten, die Strout William in den Mund legt, kann man es nicht sagen. Lucy und William, die die Beengtheit ihrer New Yorker Wohnungen mit dem Luxus eines Hauses mit Veranda getauscht haben, sind sich ihrer Privilegiertheit sehr bewusst. Sie genießen in Crosby eine Freiheit im Lockdown, die sie in New York nicht leben könnten. Sie können Spaziergänge machen und Leute im Freien treffen, ihren Tätigkeiten können sie von hier aus nachgehen oder auch nicht, denn beide sind finanziell so aufgestellt, dass sie keiner Arbeit mehr nachgehen müssen. Nichts davon nimmt Lucy, die es auch anders kennt, selbstverständlich. Vielleicht ist es die intime Kenntnis beider Welten, die sie gegenüber Andersdenkenden stets neutral bleiben lässt. Sie blickt mit ebensoviel Güte und Empathie auf die Anhänger des Präsidenten wie auf Ihresgleichen.
„Am Meer“, im Original „Lucy by the Sea“ lässt vom Titel her Alles und Nichts vermuten. Vordergründig erzählt der Roman vom Lockdown und von vielen kleinen oder größeren Ereignissen im Leben Lucy Bartons. Aber auf der Metaebene ist es ein großer Gesellschaftsroman, der das breite Spektrum der amerikanischen Lebenswirklichkeit, die m.E. übertragbar auf andere westliche Länder ist, aufzeigt.
Ich mag alle Bücher von Elizabeth Strout sehr, aber dieses hier vielleicht ein kleines bisschen mehr als die anderen, weil es ein Buch zur Zeit ist. Ganz große Leseempfehlung!
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