Matthias Heine behandelt unterhaltsam und wissenschaftlich fundiert über 80 Wörter, die heute als diskriminierend, problematisch und gestrig bezeichnet werden oder im Verdacht stehen, es zu sein. Die Wörter reichen von behindert über Eskimo , Flüchtling bis Weißrussland und sogar Milch und bester Freund .
All diese Wörter sind auf die eine oder andere Art kaputt. Manche funktionieren gar nicht mehr, andere kann man mit Vorsicht noch verwenden. Heine erklärt die Geschichte der Wörter und der Diskussionen um sie, warum sie so heikel sind und wie und wann man sie vermeiden sollte. So leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zu der aufgeheizten Debatte um den Sprachgebrauch. Wer es gelesen hat, kann eine fundiertere Meinung entwickeln und erhält Sicherheit bei der eigenen Ausdrucksweise.
Kundinnen und Kunden meinen
2.6/5.0
Lisas_Buecherregal
5/5
25.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hochinteressant
Als Sachbuch beleuchtet es verschiedene Wörter, die aktuell in der Kritik stehen. Matthias Heine erklärt, woher die Wörter kommen, in welchem Zusammenhang sie verwendet werden und warum sie potentiell kritisch zu sehen sind. Er zeigt dabei auch einige Wörter auf, von denen man auf den ersten Blick nicht denkt, dass sie bedenklich sein könnten, die bei genauerer Betrachtung jedoch einen eher fragwürdigen Hintergrund bzw. Ursprung haben. Und genau so auch anders herum nimmt er mancher Diskussion um ein Wort direkt den Wind aus den Segeln, indem er auf Wortherkunft und ursprüngliche Bedeutungen hinweist.
Besonders gut finde ich, dass Matthias Heine wo immer es möglich ist Alternativen aufzeigt, die sich im alltäglichen Sprachgebrauch besser eignen.
Jeder hat so die Chance, seinen eigenen Wortschatz zu überdenken und anzupassen.
Das Buch ist hochinteressant und sehr informativ. Es lohnt sich definitiv für jeden, einen genaueren, analytischen Blick auf unsere Sprache zu werfen.
Aischa
aus Kissing
3/5
18.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gute Diskussionsgrundlage, aber zu persönlich gefärbt
Journalist Matthias Heine befasst sich hier mit knapp 80 Wörtern, deren Gebrauch problematisch sein kann. Dabei legt er eine wirklich fundierte Rechercheleistung vor. Zu jedem Stichwort erfährt man sowohl den Ursprung wie auch die geschichtliche Verwendung und Kritik an derselben, bevor Heine eine - sehr persönliche - Einschätzung des Sprachgebrauchs vornimmt.
Die Hintergrundinfos zu den Wörtern sind sehr interessant, hier habe ich viel gelernt, und fühle mich dadurch nicht zuletzt gut für Diskussionen zur Thematik gut gerüstet. Die Meinung des Autors hingegen ist wenig hilfreich und schwankt zwischen "wird nur noch von altersstarrsinnigen verwendet" und "muss jeder selbst für sich entscheiden, ob er/sie das Wort noch verwendet". Auch Alternativen kommen leider oft zu kurz. Und bereits Heines Einleitung hat meinen inneren Widerspruch hervorgerufen. Erklärt er hier doch: "Ich gehe von der Grundüberzeugung aus, dass keine Regierung, ... und erst recht keine Minderheiten den 200 Millionen Deutschsprechern vorzuschreiben haben, welche Wörter sie gebrauchen dürfen." Und dieser Meinung ist er selbst dann, wenn sie sich dadurch diskriminiert fühlen! Sorry, geht´s noch? Hier setzt sich jemand, der Sprache zum Broterwerb nutzt (Heine ist überdies Kulturredakteur), über die Gefühle anderer hinweg. Mit welchem Recht? Etwas mehr Empathie würde nicht schaden.
Auch die Auswahl der behandelten Wörter ist etwas seltsam. Ich denke nicht, dass die Mehrheit der Leser*innen ein Problem mit der Verwendung von Milch, bester Freund oder gar dem Punkt als Satzzeichen hat.
Alles in allem ein sehr persönlich gefärbtes Sachbuch, das meine Erwartungen nur zum Teil erfüllt hat.
Lesefruechte
3/5
26.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Guter Ansatz, doch die Umsetzung konnte nicht überzeugen
Immer wieder kochen mediale Diskussionen hoch, die teilweise an einzelnen Wörtern festgemacht und in denen diskutiert wird, was noch gesagt werden dürfe. Es ist von Sprachpolizei die Rede, Gutmenschen, Hysterie und Political Correctness. Die Debatte ist stets aufgeheizt, pauschal wird Rassismus unterstellt, nicht selten fühlen sich Personen ihrer Kindheit beraubt, es wird mit Halbwissen um sich geworfen und die Fronten sind verhärtet.
Ich habe mir erhofft, dass das Buch „Kaputte Wörter“ dazu beiträgt die Wogen zu glätten, indem darauf verzichtet wird, Position zu beziehen, sondern anhand von Etymologie eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, für Debatten auf Augenhöhe, ohne Unterstellungen.
Die Ansätze dafür in diesem Buch habe ich auch als gelungen empfunden, denn der Autor Matthias Heine geht auf die Ursprünge, den Gebrauch und die Kritik an ausgewählten Wörtern ein und schließt mit einer persönlichen Einschätzung. Immer wieder haben die Ursprünge und der Gebrauch von Wörtern für mich Gedankenanstöße geliefert und auch der Einbezug von Positionen aus aktuellen und vergangenen Debatten über die Wörter haben mich angesprochen. Schnell wird deutlich, dass der Autor sehr ausführlich recherchiert hat.
Jedoch gab es auch so einige Dinge, die mich an dem knapp 260 Seiten langen Buch gestört haben: Der Schreibstil war an vielen Stellen hochgestochen und kompliziert, was es schwer gemacht hat, alle Gedanken nachzuvollziehen. Auch die Argumentation des Autors war nicht immer schlüssig und die Ausführungen mir oft nicht ausführlich genug, sodass ich nur ein bruchhaftes Verständnis entwickelt habe. Teilweise fand ich die Wörter gut gewählt, da sich um viele seit Jahren intensive Debatten ranken, andere haben einfach nur willkürlich und wie Lückenfüller gewirkt oder waren mir völlig unbekannt. Auch die Einschätzungen des Autors waren an einigen Stellen einfach unpassend oder ich hatte das Gefühl, dass er sich von einer eindeutigen Positionierung drücken wolle. Desweiteren gab es Stellen, an denen Matthias Heine einen Ton angeschlagen hat, den ich völlig unangebracht und mehr polarisierend als vermittelnd fand. Mit pauschalisierenden, teilweise trotzigen Aussagen trägt er nicht unbedingt zu einer differenzierten Debattenkultur bei und lassen den Autor verbohrt wirken.
Der Autor hat sich an einer differenzierten Perspektive versucht, was ihm oft, aber leider nicht immer gelungen ist. Auch wenn es einige interessante Gedankenanstöße geliefert hat, konnte mich das Buch nicht überzeugen.
peedee
3/5
14.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Knappe 3 Sterne
Wann ist ein Wort kaputt? Begriffe, die sich seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten im Sprachgebrauch befinden, können heutzutage diskriminierend, problematisch oder einfach obsolet sein. Der Autor, Journalist und Kulturredakteur, hat 80 Wörter herausgesucht und in vier Kategorien thematisiert: Ursprung, Gebrauch, Kritik, Einschätzung.
Erster Eindruck: Mir gefällt das Cover sehr gut – der Buchtitel macht mich neugierig.
Sprache ist faszinierend, interessant, unterhaltsam, verbindend, kann aber auch abstossend sein. Im Kontakt mit Menschen, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben (wobei für uns Schweizer das Hochdeutsche bzw. die Schriftsprache auch bereits die erste Fremdsprache ist!), fallen mir immer wieder Kleinigkeiten auf, die ich mich als Muttersprachler nie gefragt habe, aber die jemand, der die Sprache lernt, eben hinterfragt. So entstehen spannende Diskussionen. In der heutigen Zeit wird es immer schwieriger, Texte zu verfassen, die grammatikalisch korrekt, in der Botschaft klar und prägnant sind, aber gleichzeitig keine Anspruchsgruppen verärgert. Die Rechtschreibreform und das Gendern sind dabei auch nicht gerade hilfreich – aber das sind nochmals eigene Themen…
Es wäre für mich interessant gewesen, zu erfahren, wie die Auswahl der 80 Wörter zustande kam. Bei einigen Wörtern habe ich mich beim Lesen der Überschrift gefragt, was daran denn falsch oder stossend sein könnte. Bei anderen Wörtern habe ich mich ziemlich echauffiert. Hier ein paar Muster:
Bester Freund: Kinder sollen keinen „besten Freund“ mehr haben dürfen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einem Kind, das eben keinen besten Freund hat, hilft, wenn andere ihre Freunde nicht mehr so nennen dürfen…
Milch: Wow, „Milch“ steht auf dem Prüfstand? Die Definition zu Milch ist ja grossartig: „Der Ausdruck ´Milch´ ist ausschliesslich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion, ohne jeglichen Zusatz oder Entzug, vorbehalten.“ Wenn ich das lese, schmeckt mir Milch gleich viel weniger gut.
Mohrenkopf / Negerkuss: Das war klar, dass die beiden Begriffe hier auftauchen. Wie man dieser Süssigkeit auch immer sagen will, sie schmeckt einfach!
Pizza Hawaii: Ach menno! Was soll den daran wieder falsch sein? Ich hätte noch niemalsnie beim Lesen dieses Namens daran gedacht, dass er problembehaftet aufgrund der Geschichte des Kolonialismus sein könnte. Habt Ihr?
Punkt (Satzzeichen): Sorry, aber wenn sich jemand daran stört, dass es zuweilen einen Schlusspunkt gibt, hat doch glücklicherweise keine Probleme.
Vater/Mutter: Jetzt hört’s aber auf, oder? Elternteil 1 und Elternteil 2. Okay. Aber was in den britischen Universitätskliniken Sussex und Brighton 2021 eingeführt wurde, ist absolut schräg (deutsche Übersetzungen): „gebärendes Elternteil“ (wie soll dann der Elternteil eines Adoptivkindes genannt werden?); „Menschenmilch“ (statt „Muttermilch“); „den Brustkorb geben“ (statt „die Brust geben“). Mir fehlen (beinahe) die Worte.
Es fällt mir nicht leicht, dieses Buch zu bewerten. Einerseits möchte ich die intensive Recherche entsprechend würdigen (522 Quellennachweise!), andererseits aber auch auf die verschiedenen Wörter bzw. Erklärungen und den Unterhaltungswert eingehen. Alles in allem kann ich nur knappe 3 Sterne vergeben – ich habe mir mehr erhofft.
Bewertung
3/5
10.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Inhalt interessant bis schwierig, aber kann spannende Debatten anregen
Als sprachaffiner Mensch und „Wörter-Fan“ hat mich der Titel des Buches gleich angesprochen und ich war – ohne große Erwartungen – freudig gespannt auf die Lektüre.
Leider konnte der Inhalt mich nicht so richtig überzeugen und das Lese-Erlebnis erstreckte sich von interessiert über angestrengt und ermüdet bis zeitweise (sogar) verärgert…
Der Autor (ein Journalist, was man meiner Meinung nach deutlich am unwissenschaftlichen aber teilweise gewollt anspruchsvoll wirkendem dabei aber auch sehr subjektivem und zeitweilig essayistischem Schreibstil erkennt) stellt in diesem Buch 78 vermeintlich „kaputte“ Wörter vor.
Bei der Wort-Auswahl dieser Aufstellung lassen sich kaum konkrete Auswahl-Kriterien feststellen, sodass die Aufnahme mancher (sehr veralteter oder z.B. mir und anderen gänzlich unbekannter) Wörter in dieses Buch eher willkürlich und wie ein „Lückenfüller“ wirkt. Die mehr oder weniger ausschweifende Diskussion dieser nimmt an anderer Stelle leider Platz für eine wichtige Auseinandersetzung mit relevanteren Wörtern. Die alphabetische Anordnung führt hierbei zu unangenehm zu lesenden Wiederholungen, die durch eine thematische Gruppierung der ausgewählten Wörter gut und einfach hätte verhindert werden können.
Sehr ausführlich geht der Autor zunächst bei jedem Wort auf den sprachlichen Ursprung und den Wortgebrauch ein. Hierbei habe ich zu vielen Wörtern interessantes Neues erfahren und es gab so manches „aha!“-Erlebnis – also ein echter Mehrwert dieses Buches!
Daran anschließend geht der Autor auf die aktuelle Kritik an dem jeweiligen Wort ein und beleuchtet jeweils verschiedene Ansatzpunkte von Kritik das Wort und den Wortumstand sowie dessen Nutzung betreffend.
Seine eigene sehr subjektive und meiner Meinung nach in vielen Fällen nicht ganz unstrittige Meinung gibt der Autor in einer abschließenden „Einschätzung“ wieder. Er betont, dass er hierbei selbst nicht als „Sprachpolizei“ oder „Anti-Sprachpolizei“ auftreten möchte, bleibt dadurch aber in seiner Meinung zu Sprach-Sachverhalten oft eher unkonkret und schwammig oder äußert in anderen Fällen durchaus ebenfalls kritisch zu hinterfragende (veraltete) Ansichtsweisen.
Zumindest können diese seine Einschätzungen (zusammen mit der erläuterten Kritik anderer) für Diskussionsstoff sorgen und zu einer Debatte über die einzelnen Wörtern führen – was ja laut Klappentext auch ein Anliegen dieses Buches ist.
Der Versuch des Autoren, mit diesem Buch eine „Handreichung für all diejenigen […], die sich einen Überblick über das unübersichtliche Terrain der Sprachkämpfe verschaffen wollen“ (S. 11) zu verfassen, ist so, meiner Meinung nach nicht gänzlich erfolgreich.
Die Hoffnung, mit dem Buch eine Anregung für eine Auseinandersetzung mit unserer Sprache und einzelnen Wörtern zu bieten, kann ich dem Autoren allerdings als durchaus erfolgreich zurückmelden.
Und letzteres kann, wenn man sich erstmal auf den etwas eigenwilligen Schreibstil und die passagenweise etwas anstrengende und manchmal nervenaufreibende Lektüre eingelassen hat, richtig spannend und bereichernd sein!
Insofern vergebe ich hier wohlwollende 3 von 5 Sternen und eine damit verbundene eingeschränkte Leseempfehlung.
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