Einsame Buchten, endlose Strände und eine traumhafte Steilküste - der Camino del Norte im Norden Spaniens ist einer von zahlreichen Jakobswegen, die nach Santiago de Compostela führen.
Johannes Zenker hat sich 2019 ziemlich blauäugig und ohne jede Wandererfahrung auf diese 830 km lange Reise begeben. Im Gepäck hat er die großen Fragen: Er möchte herausfinden, was er wirklich im Leben braucht. Und was ihn langfristig zufrieden macht. Also tauscht er die Bequemlichkeit seiner gewohnten All-inclusive-Urlaube gegen den rauen Pilgeralltag ein und findet unterwegs die Antworten, nach denen er gesucht hat - und sogar noch einige mehr.
Eine unglaublich amüsant geschriebene, mitreißende Reise voller verrückter, kurioser Erlebnisse und überraschender Erkenntnisse, bei der alles, was man zum Leben braucht, in einen Rucksack passt.
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Der Camino - Mein Lesehighlight 2022
Brenda_wolf aus Bad Berneck am 05.06.2022
Bewertungsnummer: 1724637
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Johannes Zenker nimmt uns mit auf seine Pilgerreise, dem Camino del Norte im Norden Spaniens, einem von zahlreichen Jakobswegen, die nach Santiago de Compostela führen. Und er macht es so eindrucksvoll, dass ich am liebsten sofort meinen Rucksack gepackt hätten und mich auf den 830 m langen Wanderwegbegeben hätte. Ich fand es toll, wenigstens als Leserin dabei zu sein.
Johannes Zenkers Erzählstil ist unterhaltsam und mit Humor und Selbstironie gespickt. Er schreibt authentisch, man ist als Leser voll involviert und leidet und durchlebt die Höhen und Tiefen des Camino als Reisebegleiter. Man grüßt die Menschen mit „Buen Camino“ und schläft in den Pilgerherbergen. Faszinierend sind die Begegnungen mit den Weggefährten. Da ist der 80jährige Japaner Hiroto, er war der erste Pilger auf Johannes Weg. Dann David, der Amerikaner, der den Camino schon öfter gelaufen ist. Oder die betagt Anna, die einsamste Pilgerin auf dem Camino. Und auch Richard, der dem Teufel begegnen möchte, denn wenn es den Teufel gibt, gibt es auch Gott.
Die Erfahrung: Was braucht man wirklich im Leben? Was ist Ballast? Was kann ich abwerfen? Viele treibt die Suche nach dem Sinn des Lebens. David meint: „Womöglich sollen wir den Sinn des Lebens nicht erkennen.“ Und er zitiert den britischen Aphoristiker Ashleigh Brilliant: „Besser das Leben ist sinnlos, als dass es einen Sinn hat, dem ich nicht zustimmen kann.“
Johannes wird klar, Gott ist nicht mit dem Verstand zu erfassen, man muss ihm mit den Herzen suchen, dann wird man ihn auch finden. Was Johannes auf dem Camino gefunden hat, war soviel an Wärme zwischen den Menschen aus aller Welt, die einander gar nicht kannten. Liebe Zuneigung, Freigiebigkeit, hat er erfahren, intensive Gespräche geführt, er lebt die großartige Natur; einsame Buchten, endlose Strände und traumhafte Steilküsten, und nicht zuletzt, er hatte keine Pflichten und Äußerlichkeiten spielen auf dem Camino keine Rolle.
Johannes erkennt auch: Es gibt keinen Grund, Angst vor dem Tod zu haben. Entweder landen wir bei Gott, und alles ist gut. Oder wir verpuffen im Nichts und können uns genau darüber nicht mehr beschweren.
Fazit: Ein wahrhaft großartiges Buch. Ich liebe es.
Ein schönes Buch!
D.Lubimov aus Thüringen am 26.05.2022
Bewertungsnummer: 1718988
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Zum Thema „Pilgern auf dem Jakobsweg“ gibt es auf dem Buchmarkt eine Menge Bücher und dennoch macht mich jedes neue neugierig. Wie hat dieser Autor es erlebt? Was hat ein anderer zu berichten? Gibt es gleiche, „universelle“ Erfahrungen? Was sind die Beweggründe für so ein „Abenteuer“ und findet man am Ende das, wonach man am Anfang gesucht hat? Diese und viele weitere Fragen machen mich neugierig für die Geschichten, die sich auf dem Jakobsweg abspielen.
Das Buch von Johannes Zenker hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es macht nicht den Eindruck, als würde ein erfahrener Schriftsteller oder Entertainer von seinen Erfahrungen berichten, sondern jemand, der im Nachbarhaus wohnt. Ein lockerer, entspannter Schreibstil mit witzigen und nachdenklichen Geschichten, den Einblicken in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Pilgers haben mich sofort für sich gewonnen.
Das Buch liest sich sehr flüssig. Man folgt gespannt dem jungen Mann auf seinem Weg nach Santiago und zu sich selbst. Manche Gedanken, die ihn dabei besuchen, sind einfach und zugleich sehr spannend. "Wir haben die Welt entzaubert" war so ein Gedanke, der irgendwie melancholisch und traurig einstimmt und gewaltig nachklingt.
Schön fand ich auch solche Erkenntnisse wie: „Ich darf mich nicht hetzen lassen, ich muss häufiger innehalten und die schönen Momente genießen, anstatt sie auf der Jagd nach einem Schlafplatz bloß abzuhaken.“ Das In-sich-Gehen, seinen Blick für die Welt öffnen, den Weg und die Ruhe genießen, die Zeit mit sich selbst, aber auch die wertvollen Begegnungen – das macht für mich den größten Reiz einer Pilgerfahrt aus.
Oder auch die Gedanken eines anderen Pilgers, die Johannes Zenker widergibt: "... es kommt der Moment, da stößt du bei jedem Thema ans Ende, da hast du jeden Gedanken gedacht. Dann setzt der Camino deine Seele zurück in den Werkzustand, er schenkt dir unbekannte innere Leere, ein frisch gepflügtes Feld voll namenloser Saatkörner, die endlich, nachdem das Unkraut gejätet ist, den Raum haben, zu gedeihen." Großartige Worte, finde ich! Worte, die bewegen und dieses Buch lesenswert machen.
Zum Schluss eine Anmerkung zu den Fotos, die dieses Buch ergänzen. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Das Einzige, was ich ziemlich ungeschickt fand: die Bilder sind nicht chronologisch sortiert. Ich persönlich fände es sinnvoller, wenn sie in der Reihenfolge erscheinen würden, wie sie im Text auftauchen.
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