Arabische Clans beherrschen deutsche Innenstädte und sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Keine Woche, in der nicht von spektakulären Überfällen, Familien-Fehden oder von No-Go-Areas berichtet wird. Längst sind die Clans auch zum Teil deutsche Populärkultur geworden, bestimmen das Rap-Business und inspirieren Serien-Erfolge wie 4 Blocks und Gangs of Berlin. Was sich in den Großfamilien aber wirklich abspielt, darüber wurde lange geschwiegen. Bis jetzt. Einer der einflussreichsten der arabischen Clans in Deutschland sind die Al-Zeins mit über 5.000 Mitgliedern. Ihr Oberhaupt Mahmoud Al-Zein ist als Pate von Berlin so bekannt wie berüchtigt. Er ist der Erste, der das Schweigen bricht und ungeschönt vom Innenleben seiner Familienorganisation berichtet: Von seinem Weg an die Spitze, Konflikten mit dem Gesetz, Fehden mit Rivalen, dem Gesetz der Familie und dem brutalen Kampf um die Vormacht auf der Straße.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Markus1708
aus Krefeld
4/5
19.11.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schonungsloser Einblick in die Welt der Clans
Mahmoud Al-Zein wird von vielen als "der Pate von Berlin" bezeichnet. Er, der Anfang der 80er-Jahre über Ost-Berlin nach West-Berlin kam und dort eigentlich "nur gestrandet" ist, wird ... ja was eigentlich? Sein Asyl-Antrag wird abgelehn., Da er nicht abgeschoben werden kann, wird er nur geduldet. Also darf er nicht arbeiten. Also hat er zu viel Zeit und fängt an, "Dinge zu drehen", Rasch hat er eine große Gruppe Gleichgesinnter hinter sich, Familie und Freunde. Es geht um die Herrschaft über die Straße, es geht um das Recht des Stärkeren. Es geht um IHN gegen die Staatsmacht, IHN und sein Clan gegen "die Anderen", mit denen er oft aneinandergerät. Es geht um mehrere Haftstrafen und um zehn Kinder die er dazwischen zeugt. Und es geht um vieles das schief gegangen ist bei der Integration eines Flüchtlings.
Mich hinterlässt dieses Buch sehr zwiegespalten. Denn auf der einen Seite ist der Blick hinter die Kulissen der Clans sehr interessant. Man liest mit einer Faszination derer man sich im nächsten Augenblick schon schämt. Denn der Blick ist der eines Insiders, schonungslos und stellenweise brutal. Und man guckt hin wie bei einem Autounfall auf der Autobahn, auch wenn man "das" nicht sehen will. Da ist jemand, der sich über den Rechtsstaat stellt. Der "Recht spricht" was kein Recht sein darf, denn darauf hat der Staat das Monopol. Und so habe ich mir mehr als einmal die Frage gestellt: darf man das? Darf man diesem Mann so ein Forum geben, in Form eines Buchs seine Geschichte selbstherrlich und ohne kritische Kommentare zu glorifizieren? Das Buch ist zweifelsohne spannend geschrieben, man bekommt Einblicke in eine Parallelwelt von der man nur ahnen kann dass es sie so tatsächlich gibt. Und das ist es, was mir als Kritik am Buch bleibt: dieses Buch hätte eigentlich einen kritischen Kommentar nötig. Jemand, der das Geschilderte einordnet und dje Fakten darlegt, Im Fazit vergebe ich daher vier von fünf Sternen.
Raumzeitreisender
aus Ahaus
4/5
01.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Doch Menschen betrachten…
"Doch Menschen betrachten Dinge unterschiedlich, und die Entwicklung des Verhältnisses zwischen zwei Leuten erscheint je nach Perspektive in einem anderen Licht." (238) Die Lebensgeschichte von Mahmoud Al-Zein, der als Jugendlicher aus dem Libanon geflüchtet ist und sich zum "Paten von Berlin" entwickelt hat, ist spannend zu lesen. Im Fokus stehen Familie, Respekt, Autorität, Ehre und Freundschaft, aber auch der brutale Kampf zwischen rivalisierenden Gruppierungen. Institutionen wie Polizei, Ausländerbehörde, Justiz und Presse kommen bei diesen Betrachtungen schlecht weg. Die Integration, so der Eindruck, ist fehlgeschlagen. Einige Gründe werden genannt. Stattdessen hat die Bandenkriminalität zugenommen. Diese regeln Streitigkeiten meist untereinander. Der Autor erzählt seine Lebensgeschichte aus seiner Perspektive. Es wäre interessant, zu verschiedenen Ereignissen und Entwicklungen die jeweils andere Seite zu hören. Der Preis für die Macht ist hoch, wie er heute einsieht und auch an die jüngere Generation weitergibt. Dennoch ist seine heutige Rolle nicht transparent geworden.
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