Ein kleiner Junge malt Monster in seine Schulhefte und spricht von sich selbst als Wir. Seine Mutter schluckt in der geschlossenen Anstalt Neuroleptika mit ungesüßtem Früchtetee hinunter. Der bibeltreue Vater kocht nur Frankfurter und die Schwester bewegt sich wie ein Geist durch das Haus. Die einzigen Vertrauten des Jungen sind die Aschbach-Großmutter und später die blauhaarige Helix, die auf ihrem Snakeboard in sein Leben fährt. Eines Tages ereignet sich eine Tragödie, die das Wir und die ganze Familie von Grund auf erschüttert.
In harten Schnitten und bildhaften Szenen erzählt Stephan Roiss die Geschichte seines namenlosen Protagonisten, der dem Trauma und der Einsamkeit zu entfliehen versucht. Ein intensiver Roman, der lange nachhallt.
"Eines Tages brachen wir ein ungeschriebenes Gesetz. Wir hörten, dass Mutter im Wohnzimmer zu weinen begann. Doch diesmal gingen wir nicht hinunter. Langsam schlossen wir die Tür und schalteten das Radio an."
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Eine schonungslose Ohrfeige, bitter, ernst und nur versüßt durch die lyrische Meisterleistung
Bewertung aus Düsseldorf am 26.09.2020
Bewertungsnummer: 1381666
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Das Werk "Triceratops" von Stephen Roiss ist unglaublich nachhallend, emotional und so tiefgründig geschrieben, dass die Kürze der Kapitel ohne viele Worte, ohne Verschachtelungen und Ausflüchte mehr beschreiben, als das geschriebene Wort einfangen könnte. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass sich so brutal, ehrlich, ungeschönt und ungekünstelt mit einer familiären Tragödie beschäftigt, die sich über Generationen erstreckt.
"Wir" sind der Hauptprotagonist, ein kleiner Junge, der Drachen liebt und Monster, die ihn für einen Augenblick sein zerrüttetes Umfeld vergessen lassen. Seine Mutter schluckt lieber Pillen, als den Problemen auf den Grund zu gehen und sein Vater findet Antworten zumeist in der Bibel, oder im Fernsehprogramm, je nachdem. Seine Schwester ist mehr Schein als Sein und so verbringen "Wir" ein recht isoliertes Leben, bis "Wir" auf weitere Ausgestoßene treffen. „Wir“ beginnen das Leben nach unseren Regeln zu leben, ohne abschätzen zu können, welche Tragödien das Leben noch für uns bereithält.
Der Roman überzeugt vor allem durch teilweise verstörende, aber zutiefst wahre, visuell gut vorstellbare Situationsbeschreibungen, skurrile Dialoge und dem bedrückenden Gefühl, dass in dieser Welt jeder für sich alleinsteht. Ich war zutiefst berührt, angewidert und teilweise sprachlos ob hin der lyrischen Kraft gepaart mit der brutal geschilderten Zerrüttung dieser Familienverhältnisse, die das alles relativiert, so fern erscheinen lässt als würde es niemanden tangieren. Worte sind nicht kongruent mit Taten. Fragezeichen, die sich im Leser auftürmen werden zum Schluss wunderbar resümiert, gar reflektiert und die Frage, die zum Ende hin bleibt, ist die, wo alle waren, als es geschehen ist und das im Grunde genommen wir alle in der Masse, die wir darstellen doch komplett vereinsamte, unverstandene und alleingelassene Wesen sind. Stephan Roiss hat sich diesem Thema so wunderbar angenähert, so respektvoll und zugleich ehrlich, dass mir teilweise die Sprache fehlte, die Worte, um zu beschreiben, was das Buch eigentlich ausdrücken kann. Die Geschichte ist so echt wie ein Spiegelbild, jedoch zu Boden geworfen, in einzelne Scherben zersprungen, die krampfhaft zusammengefügt werden sollen, es jedoch nicht ohne Blut, Kratzer und Tränen funktioniert. Und selbst wenn die Teile sich fügen bleibt es immer der gesprungene Spiegel, egal wie es betrachtet wird. Es ist so viel mehr, als Sprache je beschreiben könnte. Eine nachdrückliche Empfehlung für alle, die tiefgründige Lyrik lieben, nahbare Charakterstudien, detailverliebte Formulierungen schätzen und sich nicht davor scheuen eine Ohrfeige zu erhalten, denn die Welt, die sich hier eröffnet ist nicht nur fiktiv sondern für viele Familien eine traurige, aber beständige Realität.
Viele Rätsel
Tauriel aus Wuppertal am 21.09.2020
Bewertungsnummer: 1379781
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Das Cover finde ich wunderschön mit dem Triceratops auf schwarzem Grund.
Der Klappentext hat mich angesprochen und ich habe deshalb schon keine einfache Geschichte erwartet.
Der realistische Schreibstil des Autors beschönigt nichts.
Die ungewöhnliche personalisierte Erzählweise ,in der Wir - Form ,hat nichts majestätisches ,aber ich finde es interessant zu lesen.
Vieles reisst der Autor hier nur an,dadurch wird meine Fantasie entfacht.Auf diese Art entblättert der Autor ,den Namenlosen (so nenne ich ihn für mich),ein pubertierender Junge,der mit Akne,Fettleibigkeit und Neurodermitis zu kämpfen hat.In der Schule wird er gemoppt ,was mich nicht verwundert.Die Mutter kämpft seit Jahren mit ihrer Schwangerschaftsdepression ,dem Vater fallen nicht immer hilfreiche Bibelstellen ein.Einziger Lichtblick sind die Besuche des Namenlosen bei seiner Großmutter.
Der Triceratops,eine Dinosaurier-Art hat in dieser Geschichte seine Berechtigung,da der „Namenlose“ gerne so wäre ,wie dieses prähistorische Wesen.
Ich persönlich konnte das Buch nicht in einem Rutsch lesen und einige lokalspezifische Wörter waren mir unbekannt.
Fazit: Durch die Schwere der Thematik ist dieses Buch nicht zum zwischendurch lesen geeignet.
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