Produktbild: Triceratops

Triceratops Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.08.2020

Verlag

Kremayr & Scheriau

Seitenzahl

208

Maße (L/B/H)

20,5/12,9/2,3 cm

Gewicht

293 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-218-01229-4

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

17.08.2020

Verlag

Kremayr & Scheriau

Seitenzahl

208

Maße (L/B/H)

20,5/12,9/2,3 cm

Gewicht

293 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-218-01229-4

Herstelleradresse

Kremayr und Scheriau
Rotenturmstraße 27/5
1010 Wien
AT

Email: office@kremayr-scheriau.at

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  • https://lieslos.blog/

    5/5

    08.12.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Fiktiv, aber leider Realität.

    Stephan Roiss erzählt von einem traumatisierten und einsamen Kind, das in einer dysfunktionalen Familie aufwächst, in der jeder ein Einzelkämpfer ist und greift damit eine wichtige Thematik auf: Das Aufwachsen von Kindern bei psychisch kranken Eltern. Was können sie kompensieren? Inwiefern werden sie selbst dadurch psychisch beschädigt? Gibt es ein unterstützendes professionelles Netzwerk, das helfend einwirken und das Schlimmste abwenden kann? Warum malt ein kleiner Junge Monster in sein Schulheft? Warum spricht er von sich als Wir? Warum ist er vom „Triceratops“ so angetan? Erschafft er sich dadurch Freunde und Rückhalt? Identifiziert er sich mit diesen Wesen und wird er dadurch stärker und mutiger? Brauchen könnte er all das: Freunde, Rückhalt, Stärke und Mut. Er lebt in einem schwierigen häuslichen Umfeld und wächst unter erschwerten Bedingungen auf. Seine Mutter ist aufgrund ihrer depressiven Schübe und mutmaßlichen Anorexie immer wieder in stationär psychiatrischer Behandlung. Sie kann ihren Kindern nicht geben, was sie brauchen, beansprucht im Gegenteil selbst sämtliche Zuwendung und Fürsorge ihrer Familie, die damit völlig überfordert ist und Gleichgewicht und Stabilität verliert. Seine Schwester ist bereits psychisch auffällig, „geht im Haus herum wie ein Geist“, und sein Vater flüchtet sich in Bibeltexte, Teletext oder Alkohol. Glücklicherweise hat er seine Großmutter, die ihm ausgleichend zur Seite steht und bei der er sich geborgen fühlt. Ihr Tod bedeutet, dass Belastung und Überforderung bleiben, während eine bedeutungsvolle und Halt gebende Konstante wegbricht. Der Junge fühlt sich andersartig und nicht zugehörig, versucht Halt bei Freunden zu finden, er flüchtet, seine Selbstfürsorge kommt zu kurz. Der Autor gliedert seine Geschichte, die aus Sicht des namenlosen Protagonisten erzählt wird, in kurze Kapitel und verwendet eine nüchterne und knappe Sprache, was sehr authentisch ist, weil traumatisierte Menschen meist nur über ihre furchtbaren Erlebnisse sprechen können, wenn sie sich über die Sprache davon distanzieren. Außerdem lockt er durch seine sachliche Darstellung die Emotionen des Lesers ans Tageslicht. Stephan Roiss überrascht mit wunderschönen und detaillierten Formulierungen und erzählt geradlinig, klar, ehrlich, ungeschönt und schnörkellos, wodurch er die Wucht des Inhalts betont. „Triceratops“ ist eine relativ kurze, intensive und tiefgründige Lektüre mit ernster und wichtiger Thematik, die aufrüttelt, verstört und nachhallt. Die Geschichte ist zwar fiktiv, aber gleichzeitig könnte sie sich so oder ähnlich hinter vielen Haustüren abspielen. Dass der Roman für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert wurde ist für mich nachvollziehbar.

  • gst

    aus Pirna

    5/5

    04.12.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eine Kindheit und Jugend

    Was für ein Buch! Jeder Satz sitzt und verursacht mir Gänsehaut. Obwohl so emotionslos erzählt wird, spielen meine Lesergefühle verrückt. Der namenlose Protagonist nennt sich „Wir“ und erzählt von seiner Kindheit und Jugend. Davon, dass er ein Unfall war. Er erzählt von seiner Schwester, seinem Vater und der Mutter, die viel Zeit in einer geschlossenen Anstalt verbrachte. Dann schickte ihn der Vater zur Großmutter. Doch auch das Leben dort war ungewöhnlich. Als Kind lieh „Wir“ sich gern Bücher aus. Je dicker, desto besser. Allerdings las er nur die ersten Seiten. „Fragte uns jemand, worum es in einem der Bücher ging, erzählten wir nach, was auf den ersten zehn Seiten stand, und sponnen die Geschichte dann weiter, indem wir irgendeinen Zeichentrickfilm zusammenfassten … Unseren Eltern fiel nicht auf, dass wir nur vorgaben, diese dicken Bücher zu lesen. Mutter las Beipackzettel und Kalorientabellen. Vater die Evangelien und Teletext.“ Dieses Buch hat mich umgehauen! Stephan Roiss hat es in einer völlig emotionslosen Sprache aus Sicht des Jungen geschrieben; damit bei mir aber so heftige Gefühle ausgelöst, dass ich das relativ dünne Büchlein nicht am Stück lesen konnte. Diese Kindheit war nicht ohne Liebe, aber als Leserin bekam ich den Eindruck, dass sie den Empfänger nicht erreichte. Das Kind fand den Weg aus seiner Sicht der Dinge nicht heraus. Die Hilflosigkeit der Eltern ließ es leiden, sodass es diverse Krankheiten entwickelte. Für den Außenseiter dauerte es lange, bis Freunde auftauchten. Ob die ihm schließlich gut taten, muss der Leser selbst entscheiden. Ich kann dieses Buch trotz seines traurigen Inhalts vollumfänglich empfehlen.

  • Sikal

    5/5

    30.10.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Panzer schützt vor so manchem

    Eine kaputte Familie rückt hier ins Zentrum der Geschichte, ein kleiner Junge spricht von sich selbst als Wir – das ist die Ausgangslage. Die Mutter psychisch krank und oftmals in einer geschlossenen Anstalt. Wenn die Mutter in der Psychiatrie ist, dann wird der Junge zur Oma gebracht. Dort wird er angenommen und erfährt Geborgenheit, die er zu Hause vermisst. Der Vater ist mit der Situation überfordert und so wird nur die Großmutter zu einer Bezugsperson für den kleinen Jungen. Kleine Fragmente werden uns hier immer wieder präsentiert und aneinandergereiht. Wie Gedankenfetzen, die dem Erzähler durch den Kopf gehen. Nach dem Tod der Großmutter verschärft sich die Situation. Der Schreibstil ist klar, knapp und distanziert. Dieses Wir hebt die Distanz noch weiter hervor. Die kurzen Kapitel sind sehr ungewöhnlich. Man muss sich an den Schreibstil gewöhnen und sich auf das Buch einlassen, um das Buch wirklich genießen zu können. Vieles wird angedeutet und gibt einen breiten Interpretationsspielraum für den Leser. Den Schreibstil finde ich sehr gut gewählt für diese Geschichte. Die einzelnen Kapitel scheinen wie einzelne Scherben, die nur zusammengesetzt ein großes Ganzes ergeben. Ohne diese Distanz wäre das Thema nicht auszuhalten. Ein ungewöhnliches aufrüttelndes Buch, das noch lange nachhallt und dem ich gerne 5 Sterne vergebe.

  • Bewertung

    aus Nentershausen

    5/5

    05.10.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein dicker Panzer, ein Schutzschild und drei Hörner...

    Einen starken Panzer, ein großes Schild und drei Hörner. Das macht den Triceratops aus. Und genauso möchte unser nameloser Protagonis im gleichnamigen Roman von Stephan Roiss sein. Seine Familie ist zerrüttet: die Mutter, schwerst depressiv, immer wieder in stationärer Therapie, nimmt die ganze Aufmerksamkeit der Familie in Anspruch. Immer wieder müssen die Kinder ihr eine Stütze sein. Seine Schwester, selber psychisch instabil und mit autistischen Zügen, geht unter. Der Vater, überfordert mit der ganzen Situation, flüchtet sich im Alkohol. Und mittendrin wird unser Protagonist groß. Seine einzige Konstante ist die Großmutter, selber schon gezeichnet vom Leben, allerdings ist sie für ihn da, wenn die Mutter in Therapie geht und der Vater überfordert ist. Der Protagonist flüchtet sich in die alte Hütte des verstorbenen Großvaters und seiner Vergangenheit, seine Haut ist dünn und er kratzt sie sich ständig blutig, eine Ursache seiner Lebensumstände. Als seine Großmutter verstirbt, verstirbt auch die einzige Konstante. Er sucht Halt bei neuen Freunden, wird aber auch hier verletzt, immer wieder wird seine Hilfe von der Familie gefordert, ohne dass ihm geholfen wird. Mit dieser Verantwortung ist er überfordert, er flüchtet, achtet nicht mehr auf seine Gesundheit und Sicherheit, seine Probleme bleiben. Dieser Roman ist in vielerlei Hinsicht experimentell: kurze Kapitel erzählen nüchtern aus der Sicht des Protagonisten. Die nüchterne Schreibweise ist hierbei klug gewählt, denn wäre dieser Roman emotional, wäre er fast nicht aushaltbar. Auch die kurzen Kapitel geben Raum zum Aufatmen. Der Protagonist spricht nicht von "ich" sondern von "wir". Hier ist viel Interpretationsspielraum gegeben: ist seine Verantwortung und sein Leid zu groß, um es auf eine Person aufzuladen und er spaltet sich ab oder erzählt er von "wir" um sich nicht alleine zu fühlen? Ich denke, beides könnte sehr gut zutreffen. Der Roman berichtet von einem sehr wichtigen, aber auch wenig präsenten Thema: das Schicksal von Kindern mit psychisch kranken Eltern. Zu Beginn des Lesens birgt man der Mutter viel Schuld auf, im Laufe des Lesens wird aber doch klar, dass auch sie ein Opfer ihrer schlimmen Krankheit ist und dafür nichts kann. Es ist erschreckend zu lesen, wie dieser Familie eine helfendes Netzwerk fehlt, wie dieser einsame Junge im Leben kämpft. Dennoch ist dieser Roman wichtig und zu Recht auf der Longlist des deutschen Buchpreis. Auch hier aber keine uneingeschränkte Leseempfehlung, da es die Themen Depression, Tod und ihre Auswirkungen thematisiert. Für mich aber ein sehr gutes Buch auf spezielle Art und Weise.

  • kuddel

    5/5

    27.09.2020

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    eindrücklich beschriebenes Familiendrama

    Das tolle Cover mit dem Triceratops, der scheinbar durch das Buch läuft, sollte Dinosaurierliebhaber nicht auf die falsche Fährte locken. Hier erwartet den Leser schwere Kost. Der Triceratops steht sinnbildlich für den Jungen, den der Autor über seine dysfunktionale Familie aus seiner Sicht sehr eindrücklich berichten lässt. Das Drama dieser Familie zieht sich durch mehrere Generationen und verstärkt sich, ohne dass wirksame Hilfe kommt. Der Protagonist ist das jüngste Familienmitglied: ein Junge, der von sich nur als „Wir“ spricht und denkt. Das „Wir“ des Ich-Erzählers schafft eine Distanz zu seiner Wirklichkeit, ob ihm dies ein wenig Schutz bieten soll oder er sich so dem Alleingelassensein entzieht, macht hier eigentlich keinen Unterschied mehr, es stimmt traurig und zieht den Leser mit sich in eine düstere Welt. Die Mutter ist häufig in der Psychiatrie, zu Hause ist sie keine Stütze für den Jungen und seine ältere Schwester, sondern in ihrem Denken und Handeln stets auf sich fixiert. Der Vater versucht mit religiösem Eifer oder dem Fernsehprogramm die Realität auszublenden. Die Schwester wirkt in ihrem Verhalten verstört, sie versucht sich frühzeitig in eine eigene Familie zu flüchten. Die Großmutter und die Tante sind ebenfalls eine Spezies für sich. Die Chance hier emotional stabil entwickelt erwachsen zu werden ist gering. Nach und nach offenbart sich, wie sich die Dinge entwickelt haben. Niemand ist für den anderen da, die Personen leben nebeneinander in ihrem Dilemma und finden keinen positiven Ausweg. Ebenso wie der Junge wünschte ich mir beim Lesen den Schutzpanzer des Triceratops. „Niemand war jemals wirklich da! Niemand“ Erzählt wird in kurzen Szenen/Kapiteln, die wie Fragmente wirken, sich aber schlussendlich zusammenfügen und damit den Scherbenhaufen dieser Familie offenbaren. Zwischen den Zeilen steht hier mehr als in den Zeilen. Das gibt zu Denken und die Erkenntnisse sind schmerzhaft. Das Hilfe für dysfunktionale Familien schlecht greift, diese auch schlecht erkannt werden, kommt hier sehr glaubhaft zum Vorschein. Nichts für lockere Unterhaltungsstunden. Wer Charakterstudien mag und eine Portion Hoffnungslosigkeit aushalten kann, ist bei diesem Werk richtig. Aufwühlend, nachhallend und besonders.

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