Seit vielen Jahren wird Sebastian Heinzel von Kriegsträumen verfolgt. Mit dem Wunsch, diese Träume besser verstehen zu können, macht er sich auf den Weg und erforscht die Kriegsvergangenheit seines Großvaters.
Das Buch zum gleichnamigen Kinofilm zeigt, wie sich Knoten in der Familiengeschichte lösen lassen, um Versöhnung und Heilung zwischen den Generationen zu ermöglichen und es gibt Impulse und Anregungen für eine andere Betrachtung der eigenen Biografie.
Der Autor gewährt persönliche Einblicke in die Auseinandersetzung mit diesem Thema und dokumentiert, wie sich sein Leben in dieser Zeit grundlegend verändert.
» Der Film berührt, weil er viele Generationen anspricht und bewusst macht, welche langfristigen Folgen Krieg, Flucht und Völkermord nach sich ziehen. Er ermutigt, das Schweigen zu brechen. « (Hessischer Rundfunk)
Kundinnen und Kunden meinen
3.1/5.0
Bewertung
5/5
11.08.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein wichtigesBuch!
Auf Sebastian Heinzel wurde ich aufmerksam durch seinen TV-Film „Der Krieg in mir“. Am Anfang stand für ihn dieser Film, mit dem er sich über Jahre hinweg auf die Reise in die Geschichte seiner Familie begab. Die Dokumentation war bewegend, die Themen berühren mich selbst seit vielen Jahren: was prägt uns? Sind wir es, die entscheiden oder sind wir verhaftet mit der Geschichte unserer Väter, Mütter, Großeltern und ihrer Erlebnisse, die uns, unbewußt, in bestimmte Richtungen treiben? Ich selbst habe bei Familienaufstellungen oft die Wirkung von verborgenen Geschichten erlebt.
Sebastian Heinzel versuchte die Erlebnisse seiner Großväter während des 2. Weltkriegs zu ergründen, weil er durch eigene Erfahrungen spürte, daß es da vielleicht eine Verbindung zu seinem Leben gibt. Es wurde eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Familie, der Geschichte Deutschlands und Weißrußlands im Krieg und auch mit der Beziehung zu seinem Vater.
Das Buch schrieb Heinzel danach und erfüllte sich damit auch einen Lebenstraum. Er vertieft darin die im Film dargestellte Reise in die Vergangenheit, es bleibt mehr Raum für die Gedanken des Filmemachers und Erlebnisse, die im Film keinen Raum hatten.
Sebastian Heinzel schreibt dieses Buch in einer wunderbar echten und prägnanten Sprache, ohne überflüssige Schnörkel. Sehr persönlich und offen werden die Stationen seiner Reise geschildert. Ich war berührt durch seine Erlebnisse, Beobachtungen und Schlußfolgerungen.
Vielleicht ist genau dieser Mut zur Offenheit einer der Schlüssel für unser Leben. Durch Verletzlichkeit wird eine tiefe Begegnung möglich mit dem Leser; für mich mit meinen eigenen Tiefen. Das ist etwas, das unsere Väter, Mütter, Großeltern nicht konnten, weil sie es fürchteten, nicht wollten, weil sie vielleicht nur so überleben konnten.
Es ist an uns, nicht länger in der Sprachlosigkeit zu verharren. Dieses Buch gibt Beispiele dazu, wie es gehen könnte. Ein aufrüttelndes, motivierendes und auch tröstliches Buch!
Um so furchtbarer, daß wir auch heute noch Menschen in den Krieg treiben, zu neuem Leid, in neues Trauma für viele, auch nachfolgende.
Bewertung
5/5
22.05.2020
Buch (Taschenbuch)
Ein innerer Krieg
Was bedeutet es, einen inneren Krieg, der in einem tobt, auszufechten? Da beschreibt Sebastian Heinzel sehr eindrucksvoll in seinem Buch " Der Krieg in mir".
Ständig wird er von Alpträumen geplagt, in denen es um den Krieg geht. Woher kommen diese Träume, wo Sebastian doch nie im Krieg gewesen ist, eine glückliche Kindheit hatte und auch keinerlei Misshandlungen erleben musste.
Von klein auf an wurde er von seinem Opa betreut, da seine Mutter arbeiten gegangen ist. Opa Fritz hat ihm viel vom zweiten Weltkrieg und seinem Einsatzort an der Front erzählt.
Sein Opa Hans hingegen hat nie etwas aus seiner Zeit im Krieg erzählt. Sind es also die Erinnerungen und Erzählungen von Opa Fritz, die Sebastian unstetig werden lassen? Oder sind es die nicht erzählten Geschichten von Opa Hans? Es ist das Verborgene, nicht zu wissen was Opa Hans im Krieg getan oder nicht getan hat.
In vielen Familien wurde das Thema Krieg nie wieder erwähnt, weil man zu viel Elend und Not erleiden musste. Manchmal, wenn aber doch jemand etwas erzählen wollte, kam es auch vor, dass man dem Erzähler hat, dass Thema ruhen zulassen.
Sebastian Heinzel begibt sich auf eine Spurensuche, in der es auch um Versöhnung und Vergebung geht, aber auch alter Hass. Die Zeitreise wird ihn am Ende zur Ruhe kommen lassen.
In dem Buch geht es auch um die Weitergabe von Kriegstraumata und wie dies überhaupt möglich ist.
Meine Meinung
Ich habe mir durch die Beschreibung des Klappentextes eine sehr emotionale Spurensuche vorgestellt. Doch Sebastian Heinzel beschreibt sehr sachlich was er entdeckt und dabei empfunden hat. Da war sein Vater emotionaler, mit seiner Ungewissheit, nicht zu wissen was sein Vater Hans im Krieg für Aufgaben hatte. Ob er ein Kriegsverbrecher gewesen ist und was das mit den Opfern gemacht hat.
Sicher, es handelt sich um wahre Begebenheiten da kann man nichts fiktives dazu dichten. Ich hätte mir aber ein wenig mehr Leidenschaft bei den Beschreibungen der Reise gewünscht.
Es war interessant, doch den Schreibstil empfinde ich eher flach gehalten.
Bewertung
aus Bern
3/5
09.01.2022
Buch (Taschenbuch)
Der Krieg in mir
Seit vielen Jahren wird Sebastian Heinzel von Kriegsträumen verfolgt. Mit dem Wunsch, diese Träume besser verstehen zu können, macht er sich auf den Weg und erforscht die Kriegsvergangenheit seines Großvaters.
Das Buch zum gleichnamigen Kinofilm zeigt, wie sich Knoten in der Familiengeschichte lösen lassen, um Versöhnung und Heilung zwischen den Generationen zu ermöglichen und es gibt Impulse und Anregungen für eine andere Betrachtung der eigenen Biografie.
Der Autor gewährt persönliche Einblicke in die Auseinandersetzung mit diesem Thema und dokumentiert, wie sich sein Leben in dieser Zeit grundlegend verändert.
Der Schreibstil ist grundsätzlich interessant und der Autor gibt auch sehr viel Privates preis. Es wird aber auch ab und an etwas zu sehr abgeschweift.
Ich kann mich hier weniger in den Autor hineinversetzen, da mir und meinen Vorfahren die «kriegerische Vergangenheit» fehlt. Trotzdem finde ich die Erklärungen, Traumata der Kinder und Enkel der Beteiligten sowie der Traumatherapie sehr interessant.
Mit der Zeit nimmt aber die Spannung und auch mein Interesse doch ab, für mich wird etwas zu weit ausgeholt. Zudem stört es mich doch, dass hier manchmal der Eindruck entsteht, dass der Vater und die Grossväter am Grossteil der Traumata und des ganzen Leids des Autors aber auch der Traumata seines Vater schuld sind, bzw. gar den Krieg selbst zu verantworten haben.
Grundsätzlich ganz interessant, aber ich weiss nicht ganz, was ich damit anfangen soll.
de.Susi
2/5
24.05.2020
Buch (Taschenbuch)
Hatte mehr von dem Buch…
Hatte mehr von dem Buch erwartet.... Der Autor beweist, dass er sich mit der Thematik "Kriegsenkel " bzw. "vererbe Erinnerungen" beschäftigt hat, in dem er sich beispielsweise auf Sabine Bode beruft, von der ich ebenfalls bereits einige sehr interessante Bücher zum Thema gelesen. Die Thematik der "Kriegskinder/-enkel" bzw. vererbten Erinnerungen ist zur Zeit sehr aktuell. Gewisse Verhaltensmuster können damit durchaus erklärt werden. Somit hatte ich auch ein Buch dieser Art erwartet. Allerdings bekam ich im Laufe des Buches den Eindruck, das trotz allem Bestreben sich den Dämonen der Vergangenheit durch Aufarbeitung der Traumata der Großväter zu stellen, doch das Filmprojekt im Vordergrund steht. Dazu gehören für mich so absolut unverständlichen Dinge, sich eine Wehrmachtsuniform zu besorgen und damit in Weißrussland Krieg zu spielen. Aber offensichtlich scheint bereits die Uniform etwas "herzumachen“. Sehr erschreckt hat mich die „Stalin Line“, eine Art Freizeitpark, in der Kriegsgeschehen dargestellt wird und der Autor aufgrund seiner Uniform mit dem höchsten Rang den Befehlshaber dargestellt hat. Für meine Begriffe hat dieses Buch stark begonnen dann allerdings sehr nachgelassen. Am Ende ließ es mich doch sehr irritiert zurück...Ich würde dieses Buch nicht noch einmal lesen...
sleepwalker
1/5
09.04.2020
Buch (Taschenbuch)
„Anscheinend sind traumatisier…
„Anscheinend sind traumatisierte Mäuse wirklich bereit, ein höheres Risiko einzugehen. Ich frage mich, ob dieses Verhaltensmuster auch auf mich zutrifft. […] Bin ich aufgrund der Kriegserlebnisse meiner Großväter bereit, ein höheres Risiko einzugehen, oder ist das völlig aus der Luft gegriffen?“ Dieser Gedankengang ist eine der Grundlagen von „Der Krieg in mir“, dem Buch und Film von Sebastian Heinzel. Seit er Mitte 20 ist, träumt er von Kriegsszenen. Und, anders als vermutlich die meisten Menschen, ist er schnell davon überzeugt, er habe die Erlebnisse seiner Großväter „geerbt“. In Zürich trifft er die Epigenetikerin Isabelle Mansuy, die das an Mäusen erforscht: Kann ein Trauma von einer Generation an die andere vererbt werden und wenn ja, wie? Ihre Ergebnisse: „Denn die Folgen eines frühkindlichen oder vererbten Traumas können schwerwiegend sein: Depressionen, bipolare Störungen, Borderline-Verhalten, bis hin zu Suizid. Aufgrund der schädlichen Einflussfaktoren unserer modernen Zivilisation sitzen wir zudem auf einer epigenetischen Zeitbombe, deren Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf unsere Gesellschaft erst unsere Nachkommen spüren werden. Es ist eine große, aber wichtige Frage: Welches Erbe hinterlassen wir unseren Enkeln?“ – so wären wir und alle nachfolgenden Generationen dazu verdammt, mit allen Traumata der vorherigen zu leben und sie in sich zu tragen und weiterzugeben? Klingt für mich bedrückend und abstrus, aber dennoch wissenschaftlich. Hätte der Autor an dieser Stelle das Buch beendet, wäre es durchaus lesenswert gewesen. Allerdings folgt auf diesen kurzen wissenschaftlichen Exkurs eine Aneinanderreihung von Gedanken, Gefühlen und unwissenschaftlichen Erkenntnissen. Er begann von Kriegsszenen zu träumen, als er schon mitten im Leben stand. Er kannte die Geschichte seines Großvaters mütterlicherseits, hatte vermutlich Filme zum Thema gesehen, Bücher gelesen und nicht zuletzt Geschichtsunterricht in der Schule besucht. Die Träume mit Erlebnissen des Großvaters in Verbindung zu bringen, ist legitim. Auch, dass er sich die Frage nach der Herkunft dieser inneren Bilder stellt, kann ich nachvollziehen. Sabine Bode und Verena Kast haben dazu auch sehr logische Gedanken und Erklärungen bezüglich Träumen und Unterbewusstsein. Aber oft beschleicht mich beim Lesen das Gefühl, der Autor möchte das Trauma unbedingt "geerbt“ haben. Die ersten Gespräche zu dem Thema führte er mit einer Heilpraktikerin, in der Folge „arbeitet“ er mit teils sehr renommierten „Traumatherapeuten“, deren Aussagen ich beim besten Willen nicht als wissenschaftlich ansehen kann. Heinzel hat seinen Zivildienst in einer anthroposophischen Gemeinschaft in den USA verbracht, Esoterik und die Lehren Rudolf Steiners sind ihm also nicht fremd. Dazu belegt er ein Seminar mit Elementen nach Wilhelm Reich, der in der esoterischen Welt tief verankert und durch seine Orgonforschung bekannt ist. „Traumatherapeut“ Andre Jacomet sieht beim Autor eine Entwicklung. Einen „inneren Umwandlungsprozess“. „Ich glaube […] Dass du in der Session mit Peter von diesen Händen aus dem Himmel genommen wurdest, ja, geschüttelt wurdest, aufgeweckt wurdest, sich dein ganzes Leben fragmentiert hat und sich jetzt neu ordnet“, sagt Andre. Viel Positives kann ich über das Buch nicht sagen. Weder sprachlich noch inhaltlich konnte es mich überzeugen. Natürlich ist die Auseinandersetzung mit den (Un)Taten der (Ur)Großeltern wichtig, vielleicht heute wichtiger denn je. Die Frage nach Erb- und Kollektivschuld ist stets aktuell. Aber das leistet dieses Buch nicht. Es ist eine persönliche Reise des Autors in die Vergangenheit seiner Großväter (und seine eigene) mit ein bisschen Wissenschaft. Da wäre viel mehr drin gewesen, wie etwa ein fundierter Exkurs in die (Neuro)Epigenetik mit wissenschaftlichem Inhalt, echte therapeutische Ansätze und sogar konkreterer geschichtlicher Hintergrund. All das versäumt der Autor zugunsten einer pseudowissenschaftlichen Traumdeutung. 1 Stern.
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