„Das mitreißend geschriebene Jugendwerk des einundzwanzigjährigen Flaubert handelt vom sexuellen Erwachen eines jungen Mannes. Der Held schwärmt für die erwachsene Frau, die ihm unwissentlich die Sinne raubt und doch vorläufig unerreichbar ist...“ Redaktion Gröls-Verlag (Edition Werke der Weltliteratur)
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4.3/5.0
Bewertung
aus Tirschenreuth
5/5
21.06.2021
eBook (PDF)
ein großes Werk der Literatur
Frauen durften damals nicht frei sein. Damit teile Madame Bovary ihr Schicksal mit den zwei anderen "großen" gefallenen Frauen der Weltliteratur: Effi Briest und Anna Karenina. Sie nehmen sich heraus, was nur Männer dürfen (und oftmals nicht einmal die), die Wahl ihres Herzens zu befolgen.
buchwürmchen
aus reutlingen
5/5
16.09.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Madame Bovary'' handelt vom…
„Madame Bovary'' handelt vom Schicksal der jungen, schönen Emma, die aus Liebe den Landarzt Charles Bovary heiratet, wie sie glaubt. Doch schnell stellt sie fest, dass sie Liebe völlig missverstanden hat, plötzlich ist sie zwischen Mitleid, Sympathie und Abscheu für ihren gutmütigen, einfachen Gatten hin- und hergerissen. Bald ödet sie das Landleben an und die kleine Tochter Berthe ändert an dieser Langweile auch nichts. Verzweifelt flüchtet sie sich zunächst in romantische Tagträume, dann in reale Affären und merkt bereits zu spät, dass sie sich und ihre kleine Familie zum Ruin führt. Enttäuscht und verzweifelt fasst sie einen folgenschweren Entschluss. Ich habe diesen Klassiker nun schon zum vierten Mal gelesen und jedes Mal hinterließ er mir andere Gefühle. Gustav Flaubert gelingt es, dem Leser einen ungewöhnlich tiefen Einblick in das Seelenleben Emmas zu geben, das so unglaublich wirr und eigenartig ist. Mit 20 Jahren konnte ich Emma gar nicht verstehen, wie kann man nur so undankbar und egozentrisch sein? Mit 30 dachte ich: irren ist menschlich, deshalb fegt man Fehler zur Seite und beschreitet einen neuen Weg. Charles Bovary löste bei mir nur Mitleid aus, so „uncool“ und einfältig, eine wahrlich armselige Gestalt. Doch nun mit vierzig, verstand ich erst wie Flaubert seinen Helden sieht: er beginnt nämlich die Geschichte ausgerechnet mit der Beschreibung von Charles Bovary, dem stillos gekleideten, langweiligen Teeny mit der lachhaften Mütze. Nun glaubt der Leser diesen Charakter zu kennen, doch weit gefehlt, denn er ist der zweite Held dieser grandiosen Geschichte. So unscheinbar, langweilig, maulfaul und provinziell, wie ihn seine Frau einschätzt, wird er auch von uns als Leser empfunden, jedoch nach und nach entpuppt er sich als der selbstloseste Liebende dieser Geschichte. Charles fordert nichts. Er will seine Angebetete nur glücklich sehen. Er tut alles nur für sie, und das ohne Forderung oder Hintergedanke. Er verliert nicht viele Worte, er verzeiht alles. Und genau so selbstlos empfinde ich Liebe heute! Auch sprachlich überzeugt dieser Roman, makellos, anschaulich, weitaus eleganter und leichter geschrieben als vergleichbare Bücher dieser Zeit. Die Anzahl der Mitwirkenden bleibt überschaubar, sind exzellent modelliert und deren Aussagekraft ist variabel, je nach Alter des Lesers. Für mich war und bleibt dieses Buch ein Muss.
Johannes Fidanza
aus München
5/5
09.10.2007
Buch (Taschenbuch)
Geht so! Flaubertsche vulgäre…
Geht so! Flaubertsche vulgäre Beschreibung einer Orientreise die nichts von der Sprache in seinen Romanen hat. Als authentische Reisebeschreibung interessant aber keine hohe Literatur. CT
Ceodaz
4/5
14.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen Sehnsucht und…
Zwischen Sehnsucht und Selbstzerstörung – ein zeitloses Drama Emma Rouault, eine junge Frau voller romantischer Vorstellungen und Sehnsüchte, heiratet den gutmütigen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein erfülltes, liebevolles Leben. Doch bald schon erdrücken sie der graue Alltag, die Monotonie des Landlebens und die emotionale Distanz, die sie in ihrer Ehe empfindet. Ihre hochgesteckten Erwartungen an das Leben, geprägt von schwärmerischen Romanen, prallen auf eine Realität, die sie als langweilig, stumpf und erdrückend empfindet. Auf der Suche nach Leidenschaft und Sinn stürzt sie sich in Affären und gerät immer weiter aus der Bahn. Emma Bovary ist eine komplexe, tragische Figur, die in ihren Widersprüchen erschütternd realistisch gezeichnet ist. Sie ist eine zutiefst depressive Frau, die sich nach Schönheit, Liebe und Erfüllung sehnt, aber immer wieder an der Realität zerbricht. Ihre Fluchten in romantische Träumereien, ihre Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Tochter und die wachsende Ablehnung gegenüber ihrem Ehemann wirken oft kalt und sind doch Ausdruck einer tiefen inneren Verlorenheit. Flaubert gelingt es meisterhaft, Emmas Sehnsüchte, ihre Gedankenspiralen und ihre zunehmende Verzweiflung spürbar zu machen. Dem gegenüber steht Charles Bovary, der vermeintlich langweilige, einfältige Ehemann . Und doch offenbart sich im Verlauf des Romans, wie viel Herz und Güte in ihm steckt. Er liebt Emma aufrichtig, vielleicht zu sehr. Seine Naivität, seine Weltfremdheit und seine ständige Nachsicht machen ihn zu einer tragischen Figur, deren grenzenlose Liebe das Geschehen noch schmerzhafter erscheinen lässt. Er ist der stille Leidende, dessen Schicksal mindestens ebenso berührt wie das von Emma. Was Flaubert hier geschaffen hat, ist nicht nur eine Gesellschaftskritik oder ein Ehedrama, sondern ein zeitloses Psychogramm über gescheiterte Träume, Rollenbilder und das Ringen um Sinn. Dass eine Frau in einem Roman des 19. Jahrhunderts so bewusst aus gesellschaftlichen Normen ausbricht und Ehebruch begeht, wirkt sehr modern und ist in seiner Tragik erschütternd aktuell. Trotz des Alters von über 150 Jahren wirkt Madame Bovary erstaunlich frisch. Die sprachliche Dichte, die lebendigen Beschreibungen von Landschaften, Orten und Stimmungen, aber auch die feine Beobachtungsgabe, mit der Flaubert das Innenleben seiner Figuren zeichnet, haben mich sehr beeindruckt. Besonders die Ambivalenz von Emma, zwischen ihrer Sehnsucht und Selbstzerstörung, ist so feinfühlig und detailliert dargestellt, so dass ich absolut gespannt war, wie die Geschichte enden wird. Fazit: Madame Bovary ist ein literarischer Klassiker, das seiner Zeit weit voraus war. Eine intensive, sprachlich großartige Auseinandersetzung mit (verlorenen) Idealen, gesellschaftlichem Druck und der Suche nach einem Leben jenseits des Mittelmaßes. Ein Buch, das auch heute noch bewegt und zum Nachdenken anregt.
Raumzeitreisender
aus Ahaus
4/5
07.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Das Scheitern der Romantik…
Das Scheitern der Romantik Der französische Autor Gustave Flaubert schuf Mitte des 19. Jahrhunderts mit „Madame Bovary“ einen originellen Roman, der nach Ansicht mancher Zeitgenossen gegen die guten Sitten verstieß. Damit setzte er gegenüber den bekannten Romanciers Balzac und Stendhal einen eigenen Akzent, der ihm Ruhm einbrachte. Protagonistin Emma Bovary ist keine heroische Gestalt einer romantischen Geschichte. Sie ist eine attraktive Frau, die auf dem Land aufgewachsen ist und in einer Traumwelt lebt. Ihr zwar treuer, aber einfach strukturierter Ehemann Charles, langweilt sie. Er passt nicht in ihr Weltbild. Sie vermisst ein gesellschaftliches Leben. „Und doch war sie [Madame Bovary] nicht glücklich, war es nie gewesen. Weshalb war das Leben so unzulänglich, weshalb fiel alles, worauf sie sich stürzte, gleich verfaulend in sich zusammen?„ (329) Die Realität zeigt ihr Grenzen auf. Sie stürzt sich in außereheliche Abenteuer, die ihr keine echte Befriedigung bringen. Sie unterschreibt Wechsel, häuft Schulden an, findet keine Unterstützung durch ihre Liebhaber und auch nicht durch den Kaufmann Lheureux, der ihr, ganz im Gegenteil, nutzlose Dinge verkauft. Die Realität holt sie ein und so endet die Geschichte dramatisch. Aber Autor Flaubert urteilt nicht. Markant ist seine Liebe zum Detail.
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