Ein wertvoller Ratgeber für Pflegende, Angehörige und alle, die sich mit dem Thema Demenz befassen möchten.
Menschen mit Demenz bedürfen in ihrer letzten Lebensphase der achtsamen Zuwendung anderer Menschen. Wo sie liebevoll umsorgt werden und ihre Bedürfnisse für die Begleitenden handlungsleitend sind, können sie auch in fortgeschrittenen Stadien der Demenz und im Sterben Ruhe und Geborgenheit finden.
Christiane Pröllochs möchte mit diesem Buch Grundlagenwissen vermitteln und Verständnis schaffen für Menschen mit Demenz in der letzten Lebensphase. Die Autorin betrachtet das Thema im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen. Sie beschreibt und würdigt das, was in den letzten Jahren an guten Bestrebungen, an Engagement und Maßnahmen bereits auf vielen Ebenen auf den Weg gebracht wurde, hinterfragt dies aber auch kritisch und benennt wichtige Aspekte für weitere Verbesserungen.
Neben Konzepten zur Sterbebegleitung stellt das Buch Ansätze zur bedürfnisgerechten Versorgung von Menschen mit schwerer Demenz in ihrer letzten Lebensphase vor und informiert über Vollmachten und Patientenverfügungen. Zur Veranschaulichung dienen an vielen Stellen Situationen und Gespräche aus der täglichen Arbeit der Autorin.
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Umfassend und sachlich
Hellseherin Diana Beier am 27.07.2020
Bewertungsnummer: 1356178
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Das Buchcover finde ich sehr passend und ansprechend gestaltet. Dieses Werk ist der Nachfolger von Frau Pröllochs 2010 erschienenen Buch "Sterbebegleitung bei Demenzkranken" und wurde um einen stärkeren Praxisbezug und aktuelle Entwicklungen erweitert. In den nächsten Wochen werde ich auch das vorherige Buch vorstellen, heute geht es jedoch erst mal um das Buch aus 2019. Bereits auf den ersten Seiten zeichnet sich der gehobene Schreibstil der Autorin ab, das Niedergeschriebene zeigt sich in einer besonders guten Ausdrucksweise.
Nach einer kurzen Einleitung startet Christiane Pröllochs zunächst mit dem Thema Sterben früher und heute. Denn in vergangen Zeiten geschah dies noch ganz anders, als es heute der Fall ist. Anschließend stellt sie das Palliativ Care- und Hospizkonzept vor, genauso, worin sich diese unterscheiden. Das Erste zielt nicht mehr auf Heilung ab, sonder Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität. Dies wird durch Vorbeugung und das Lindern von Schmerzen oder Leiden herbeigeführt. Das Konzept bejaht das Leben und akzeptiert den Tod, zudem verfolgt es einen ganzheitlichen Ansatz, also der körperliche, psychosoziale und spirituelle Aspekt wird berücksichtigt. Des Weiteren werden Maßnahmen der Palliativpflege vorgestellt und anhand eines Beispiels wird das zuvor Beschriebene noch mal verdeutlicht. Als ausgebildete Sterbebegleiterin ist man zwar selbst nicht befugt dem Sterbenden Morphium oder Ähnliches zu Verabreichen, dennoch ist es wichtig, das Palliativ Care Konzept zu kennen. Auch aktive Sterbehilfe, die in Deutschland verboten ist, wird kurz angesprochen.
Im dritten Kapitel geht es dann um das Krankheitsbild Demenz und unter anderem um die medikamentösen & nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden wie z.B. Validation, die eine Ergänzung darstellen. Es wird deutlich, was wichtig und zu beachten ist. Die Maßnahmen kann ich aus meiner Berufspraxis als sinnvoll bestätigen. Aussagen im Buch deckten sich zudem mit den Lerninhalten in meiner Ausbildung, denn ich befinde mich derzeit nicht nur in einer Ausbildung zur Sterbebegleiterin, sondern absolvierte auch eine Ausbildung zur Betreuungsfachkraft für Menschen mit Demenz. Mit diesem Buch konnte ich auch wieder etwas dazulernen z.B. über das mäeutische Konzept, was bei mir großen Anklang fand. Ich fand es so interessant, dass ich dazu noch mehr in Erfahrung bringen möchte, um es zukünftig beruflich zu nutzen. Auch die Kommunikation & Ernährung bei Demenzkranken wurde in diesem Werk nicht vergessen.
Im darauffolgenden Kapitel geht es dann um das Hauptthema Sterbebegleitung bei Menschen mit Demenz, wo man durch den bisherigen Buchinhalt Schritt für Schritt hingeführt wird. Es wird klar, wie schwierig es bei Menschen mit Demenz eigentlich ist, eindeutige Zeichen für einen beginnenden Sterbeprozess festzustellen, da viele Anzeichen zum Verlaufsbild der Erkrankung gehören. Wenn sich bei einem Menschen jedoch der Eintritt in die Sterbephase evaluieren lässt, sollte man diese Zeit unbedingt nutzen bzw. spätestens dann damit beginnen, das Gespräch über das Sterben mit dem Betroffenen einzuleiten, sofern dies noch möglich ist. Auch mit den Angehörigen und dem pflegenden Team sollte das Gespräch gesucht werden.
Zudem werden die Bedürfnisse Sterbender und einige andere Punkte in diesem Kapitel ausreichend beschrieben. Im Bezug auf die Bedürfnisse fiel mir ein Satz besonders ins Auge: "Im Mittelpunkt steht nur ein allumfassendes Bedürfnis, nämlich das nach Liebe". Genau so habe ich es in meinem Praktikum auch empfunden, obwohl ich damals noch gar nicht so viel über Demenz oder das Sterben wusste, wie jetzt. Auch die Ausführungen über "herausforderndes Verhalten" haben mir sehr gut gefallen, meine Ansichten spiegelten sich darin wieder. Spiritualität nimmt in der Sterbebegleitung ebenfalls einen hohen Stellenwert ein, ob mit oder ohne Demenz. Wie wichtig es dabei ist, die richtige Balance zu finden und den Sterbenden nicht zu missionieren, wird hier ausführlich dargestellt. Letztendlich lässt sich aus meiner Sicht sagen: So individuell wie die Menschen sind, genauso individuell ist auch das Bedürfnis im Sterbeprozess über Glaube & spirituelle Themen zu sprechen. Die terminale Geistesklarheit wird hier leider nur mit einem Satz angerissen, hierzu hatte ich mir viel mehr Information erhofft, da diese auch in der Literatur generell zu wenig Beachtung findet.
Im letzten Kapitel geht es dann um die Versorgung Zuhause oder auch in verschiedenen Einrichtungen, sowie um rechtliche Rahmenbedingungen, Vollmachten, Patientenverfügungen etc. Auch die Angehörigen werden in diesem Buch nicht vernachlässigt, sondern nehmen in verschiedenen Kapiteln einen hohen Stellenwert ein, z.B. bei der Darstellung der Pflege und des Sterbens Zuhause. Außerdem wird der Blick auf die Bedürfnisse Angehöriger gerichtet. Wissenschaftliche Studien werden von der Autorin ebenfalls im hohen Maße berücksichtigt und immer wieder erwähnt. Insgesamt werden die Themen im Buch alle sehr sachlich dargestellt. Wenn man sich noch nicht sicher ist, ob man eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin machen möchte, weil das Thema Sterben & Tod noch angstbesetzt ist und man erst mal einen Blick in dieses Buch werfen will oder es als Angehöriger lesen möchte, so muss man nicht befürchten, dass man dauernd in Tränen ausbricht, wenn man die Texte liest. Insofern ist die sachliche Aufbereitung von Vorteil.
Mein Fazit:
Mit den Darstellungen im Buch und dem Konzept der Sterbebegleitung kann ich mich voll identifizieren. Dieses Werk bietet eine gute Erweiterung zu dem Wissen, was in der Ausbildung zur Sterbebegleiterin vermittelt wird, da es an manchen Stellen noch mal etwas Ausführlicher ist. Es ist definitiv empfehlenswert für Menschen, die sich in einer Ausbildung zum Sterbebegleiter befinden oder demnächst anfangen möchten. Auch diejenigen, die sich noch nicht ganz sicher sind, können sich dem Thema erst mal vorsichtig mithilfe dieses Werkes nähern, um dann eine Entscheidung zu treffen. Angehörigen empfehle ich es nur bedingt, denn vermisst habe ich ein bestimmtes Maß an Fallbeispielen. Beispielsweise bei der Validation oder auch anderen Themen, wäre es sehr hilfreich gewesen zu zeigen, wie man es in der Praxis genau anwendet (anhand von diversen Fallbeispielen). Eine Beschreibung was eine Methode ausmacht, ist immer gut, nur ich finde auch spezielle Beispiele unerlässlich (auch wenn jede Situation individuell verläuft). Es sind zwar hier und da Darstellungen im Buch zu finden, aber für meinen Geschmack ist die Anzahl dieser leider zu überschaubar.
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