Sommer 1969. Während auf den Straßen gegen den Vietnamkrieg protestiert wird, fiebert der elfjährige Tobias am Stadtrand von Köln der ersten Mondlandung entgegen. Zugleich trübt sich die harmonische Ehe seiner Eltern ein. Seine Mutter fühlt sich eingeengt, und als im Nachbarhaus ein linkes, engagiertes Ehepaar einzieht, beschleunigen sich die Dinge.
Tobias, eher konservative Eltern freunden sich mit den neuen Nachbarn an, und deren dreizehnjährige Tochter, Rosa, eigenwillig und klug, bringt ihm nicht nur Popmusik und Literatur bei, sondern auch Berührungen und Gefühle, die fast so spannend sind wie die Raumfahrt. Auch die Eltern der beiden verbringen viel Zeit miteinander, zwischen den Paaren entwickelt sich eine wechselseitige Anziehung - "Wahlverwandtschaften" am Rhein. Und während Armstrong und Aldrin sich auf das Betreten des Mondes vorbereiten, erleben Tobias und seine Mutter beide eine erotische Initiation…
Ulrich Woelk erzählt spannend, atmosphärisch dicht und herzzerreißend von einem Aufbruch, persönlich und politisch, der tragisch endet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Bülach
5/5
17.07.2021
eBook (ePUB)
Alles chemie
Ich habe das Buch noch nicht fertig gelesen und bis jetzt ist es interessant.
Bewertung
aus Baden-Württemberg
5/5
17.09.2019
eBook (ePUB)
Eine Familientragödie im Jahr 1969
„Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben.“
Mit diesem Paukenschlag von einem Satz beginnt Ulrich Woelk seinen dichten atmosphärischen Roman, der nur die Zeitspanne eines Jahres umfasst. Der Ich-Erzähler Tobias ist zu diesem Zeitpunkt 11 Jahre alt, erzählt die Geschichte aber im Rückblick.
Die Familie lebt am Stadtrand von Köln. Der Vater ist Ingenieur, die Mutter Hausfrau. Alles läuft in geregelten bürgerlich-konservativen Bahnen. Bis die neuen Nachbarn, die weltoffene Familie Leinhard mit Töchterchen Rosa, 13 Jahre alt, einziehen. Er ist Professor, sie arbeitet als Übersetzerin, schnell plaudert die Tochter aus, dass die Eltern Kommunisten seien, ihr eigener Name erinnere an die große Vorkämpferin Rosa Luxemburg. Dennoch scheinen sich Gegensätze anzuziehen und die Familien freunden sich miteinander an.
Besonders inspiriert werden der Ich-Erzähler und seine Mutter. Rosa ist sehr liberal aufgewachsen, weiß nicht nur über die Friedensbewegung und den Vietnamkrieg bescheid, sondern auch einiges über Sexualität und Liebe. Letzeres macht sie neugierig und zum Vorreiter, nach und nach führt sie Tobias in die Materie ein, was den Jungen teils überrascht, teils überfordert – auf alle Fälle aber auch fasziniert. Ebenso fasziniert ist der Junge übrigens von der Raumfahrt, die sich gerade auf die erste Mondlandung vorbereitet. Beide Themen werden eindrucksvoll miteinander verwoben.
Frau Leinhard unterscheidet sich mit neumodischer Jeans und Flatterbluse nicht nur äußerlich von ihrer Nachbarin. Sie wirft auch Fragen der politischen Orientierung, der Rollenverteilung zwischen Frau und Mann sowie Selbstbestimmungsthemen auf:
„Wieso natürlich?“, rief Frau Leinhard aus der Küche. „Alle reden von gesellschaftlichen Veränderungen, aber wenn’s ums Kochen geht, soll alles so bleiben, wie es ist. Wir Frauen rauchen, fahren Auto, schreiben erfolgreich Bücher – warum sollen die Männer nicht kochen, putzen und sich um die Kinder kümmern?“
Auch wenn der Fortschritt bei Familie Leinhard mehr in Worten als in Taten Einzug gehalten hat, treffen die Ideen bei Tobias' Mutter auf offene Ohren: sie fängt wieder an, Englisch zu lernen und bewirbt sich um eine Übersetzer-Tätigkeit. Folglich muss sie ihre Hausfrauenpflichten etwas vernachlässigen.
Bei gemeinsamen Treffen der Familien ist es für die Kinder offensichtlich, dass sich die Eltern wechselseitig zueinander hingezogen fühlen. Gerade Rosa, die sich „damit auskennt“, hat Befürchtungen, dass ihre Familie zerbrechen könnte. Tobias kann diese Ängste zwar nicht teilen, fängt aber an, sich mit seiner Mutter zu beschäftigen.
Es treten Ereignisse ein, die niemand vorhersehen konnte und die vor dem Hintergrund der Zeit große gesellschaftliche Brisanz besitzen. Am Ende steht der Suizid, der bereits im ersten Satz angekündigt wurde.
Es war eine Freude, in dieses Buch und vor allem in die Zeit meiner frühen Kinderjahre einzutauchen, auch wenn ich für die Mondlandung zu spät dran war. Das Zeitkolorit hat der Autor hervorragend eingefangen, die Dialoge sind authentisch und dürften in vielen Familien so oder so ähnlich stattgefunden haben. In der Buchbeschreibung ist von der sexuellen Initialisierung des Jungen und seiner Mutter die Rede. Ich gebe zu, dass dieser Satz bei mir fast dazu geführt hätte, das Buch nicht zu lesen. Welch ein Fehler wäre das gewesen!
Der Roman geht soviel weiter. Er greift mit der Apollo-Mission ein Stück Zeitgeschichte auf, die geschickt mit dieser Geschichte einer Familie verwoben wird. Alternative Weltanschauungen stellen sich vor, zeigen Verbindendes und Trennendes, auch Anspruch versus Wirklichkeit ist in dem Zusammenhang ein Thema.
Der Ich-Erzähler schreibt seine Geschichte als Erwachsener auf, mit seinen bis dahin erlangten Einsichten versucht er, seine damalige Sichtweise als Junge darzustellen und selbst zu verstehen. Das wird sehr gut und glaubwürdig transportiert.
Ich habe diesen Roman in eineinhalb Tagen verschlungen, gebe volle Punktzahl und wünsche ihm, auch wenn er den Sprung auf die Shortlist zum DBP 2019 verpasst hat, ganz viele Leser.
Bewertung
5/5
07.03.2019
eBook (ePUB)
Ein Buch, welches quasi mit seinem Ende beginnt
Ein Buch, welches quasi mit seinem Ende beginnt. Tobi’s Mutter ist tot. Doch wie es dazu kam, das erfährt der Leser erst ganz am Ende. Zuvor entspannt sich eine nicht immer leichte, dennoch die Siebziger wunderbar wiederspiegelnde Geschichte, um die Familien zweier Nachbarn. Unbedingt lesen!
Bewertung
5/5
22.02.2019
eBook (ePUB)
Aufbruch in neue Welten
Sommer 1969: der elfjährige Tobias lebt mit seinen konservativen Eltern in einem Kölner Vorort. Sie bekommen neue Nachbarn : eine Familie, die schon im Lebensgefühl der 70er Jahre angekommen ist. Man freundet sich an - und für Tobias, am Beginn der Pubertät, ist die Begegnung mit der 13jährigen Nachbarstochter Rosa mehr als verwirrend. So viele Gefühle machen ihm Angst und er flüchtet sich lieber in die seelenlose Technik der ersten Mondlandung. Als auch die Erwachsenen, sonst ruhender Pol in seinem Leben, in einen Strudel unterschiedlichster Gefühle gezogen werden, bricht sein Weltbild vollends zusammen ...
Ein unaufdringlicher, mit leichter Hand erzählter Roman, dessen Handlung zunehmend an Aussage gewinnt. Ein sehr gut eingefangenes Zeitbild, glaubhafte Protagonisten - ich habe mir " eine Nacht um die Ohren geschlagen " weil ich nicht aufhören konnte zu lesen.
Bewertung
5/5
28.01.2019
eBook (ePUB)
Am Gartenzaun...
In den späten 60iger Jahren treffen am Stadtrand von Köln intellektueller Kommunismus und biederste Bürgerlichkeit am Gartenzaun aufeinander. Der gesellschaftliche Umbruch findet hier komplett ganz privat statt : neue Nachbarn ziehen ein, für den 11jährigen Tobias ist die altkluge und frühreife Rosa eine lebensweisende Offenbarung , schließlich verpasst er wegen ihr die erste Mondlandung, das Ereignis was bis dahin sein Leben bestimmte. Die Eltern der beiden Jugendlichen freunden sich ebenfalls an, doch das mündet in einer skandalträchtigen Katastrophe...das Buch ist spannend und dokumentarisch ,was kulturellen Wandel und wissenschaftlichen Fortschritt betrifft und das ganz besonders wenn man aus der gleichen Generation stammt...was mir fehlt ist jedoch jegliche Emotionalität angesichts dieser tiefgreifenden , tragischen und schrecklichen Verstrickungen . Der Kauf der ersten Jeans zu Beginn des Buches ist noch das gefühlvollste Schlüsselerlebnis ! Rosa erkennt ihn jedenfalls nach vielen Jahren nicht wieder...und das würde mir als Ich-Erzähler doch sehr zu denken geben !
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