In einer spektakulären Aktion holt Nestor, der Polizist mit den kubanischen Wurzeln, einen kubanischen Flüchtling von einer Jacht vor Miami, um ihn zu verhaften. Für die kubanische Gemeinde ist Nestor nun ein Verräter, für den Rest der Stadt ein Held und Musteramerikaner. Soll ihn der kubanische Bürgermeister jetzt suspendieren oder auszeichnen? In einer bissigen Satire taucht Tom Wolfe ein in eine Stadt, die prototypisch ist für ein Amerika im Wandel, und seziert genüsslich und packend den amerikanischen Traum.
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Kein Super-Wolfe, aber gut
Bewertung am 27.05.2013
Bewertungsnummer: 812440
Bewertet: eBook (ePUB)
Tom Wolfe beschreibt das Leben in Miami im Spagat der ethnischen Verschiedenheit. Ein Satz mitten im Buch lautet: In Miami, da hasst jeder jeden! 50 % der Menschen sind zugewandert, die verschiedenen ethnischen Gruppen leben nebeneinander. Americanos stehen oben, daneben Kubaner, Farbige, Kreolen, Russen usw. ganz unten die Mexikaner. Die 2./3. Generation fühlt sich als Amerikaner, sie sprechen ihre Herkunftssprache schlecht, können mit den Traditionen der Älteren nicht mehr so viel anfangen. Begeben sie sich aber in andere ethnische Gruppen, empfinden sie deren Gebaren, Essen, Kultur nicht akzeptabel, fühlen sich nicht wohl. Also, was ist ein Americano? Wichtig ist es, eine möglichst weisse Haut zu haben.
Das Buch handelt von Demütigung durch das Lavieren durch Ethnien, von Demütigung von denen, die viel mehr erreicht haben als ihre Eltern, aber immer wieder an die Grenzen ihrer Bildung stossen, weil sie keinen höheren Abschluss besitzen und sich nicht mit Fremdworten, Kunst, Musik und Literatur auskennen, sich bewusst werden, wie weit weg sie vom Americano sind. Die Demütigungen sind subtil, offen in Konfrontation oder nur für den sichtbar, den es betrifft.
Wolfe macht sich lustig über die Avantgarde und die Reichen in Miami, Szenerestaurants, Stripteaseclubs, Reichen-Inseln wie Fisher Island und Star Island, über Kleine-oder-arme-Leute-Viertel wie Hialeh und Overtown, über die Kunstszene. In einem heruntergekommenen Seniorenwohnheim fragt jemand eine Bewohnerin: Sie sind aus New York? Antwort: Wir alle hier. Oder meinen Sie, die hier können sich das leisten? Wolfe beschreibt eine Gesellschaft die auf Geld, Status, Prominenz und Medienpräsenz fixierte ist, eine dekadente sexorientierte, neureiche Gesellschaft und schildert eine grenzenlose Schaumschlägerei und Hochstapelei in satirischer Weise. Genau darum finde ich das Buch gut.
Was mir ein wenig auf die Nerven ging, ist eine Comicblasensprache, wie "Ooooaaaaarrrrrrmmmmmmmm" oder: "hättetttaahhhHaHHHock hock hock hören sollten wasssahhhock hock hock Das ist wohl neue amerikanische Sprache. ;-)))))
Der Schluss hat mich enttäuscht. Hatte das Gefühl, der Autor hat den Abgabetermin verschlafen und ein unfertiges Buch abgegeben. Der Leser steht vor diversen offenen Geschichten und wird allein gelassen, wie die einzelnen Schicksale wohl weitergehen, denn es stehen einige grosse Ereignisse an.
Alles in allem aber ein empfehlenswertes Buch, das man lesen sollte.
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