Homer ist anders als die anderen Kinder im Saint-Cloud's Waisenhaus: Er will nicht weg. Nach vier gescheiterten Adoptionsversuchen erlaubt Dr. Larch ihm daher, zu bleiben - unter der Bedingung, dass er im Waisenhaus mit angeschlossener Entbindungs- und Abtreibungsstation bei »Gottes Werk« - dem Entbinden - und bei »Teufels Beitrag« - dem Abtreiben - assistiert. Doch das ist nur der Beginn von Homers Odyssee.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
4/5
26.06.2014
eBook (ePUB)
Spannendes Thema
Das Thema Abtreibungen, pro und contra, ist interessant und sehr kontrovers. Selbigen Zugang dazu hat die Hauptfigur Homer Wells.
Der Beginn und Aufbau der Geschichte, Personen und Umwelt gestalten sich als interessant; leider verliert sie etwas im Mittelstück, da sich kaum etwas bewegt und am Ende überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und sie findet zu einem vorhersehbaren Schluss.
Grundsätzlich ein sehr empfehlenswertes Buch mit kleineren Schwachstellen.
Bewertung
aus Halle
5/5
23.07.2021
Hörbuch-Download
30 Stunden Langeweile sind gesichert
Ich hatte mich ganz auf die positiven Rezensionen verlassen. Leider. Nach 3 Hörbüchern von Joé Dicker, die viele Stunden niveauvoller Spannung inne hatten, habe ich mich durch die 30 Stunden Gottes Werk und Teufels Beitrag gequält. Immer in der Hoffnung, dass da wirklich noch etwas kommt. Die Story hätte man in einem Drittel der Zeit erzählen können. Falls Sie etwas zum Einschlafen brauchen, kann das eine Empfehlung sein. Ansonsten Finger weg. Probieren Sie lieber "Drei auf Reisen" von David Nichols. Das ist wunderschön.
Bewertung
5/5
16.10.2017
Buch (Taschenbuch)
Ihr Prinzen von Maine, Könige Neuenglands...
..mit diesem Gute-Nacht-Gruß schickt Dr. Larch allabendlich seine Zöglinge in den Schlaf. Er ist Arzt aus Leidenschaft und leitet St.Cloud's eine Klinik und zugleich ein Waisenhaus, dort finden alle die nicht gewollt waren ein Zuhause. Wilbur Larch ist Geburtshelfer, "Gottes Werk", aber gleichzeitig auch ein Abtreibungsarzt "Teufels Beitrag". Auch Homer Wells kommt dort zur Welt und wächst in St. Cloud's heran. Alle Versuche ihm eine Familie zu finden scheitern. Doch Homer möchte auch gar nicht fort, will nicht adoptiert werden. Er möchte bei Dr. Larch bleiben in dem er eine Vaterfigur sieht. Dr. Larch ist das nur allzu recht, er liebt diesen Jungen, möchte ihn fördern, einen Arzt aus ihm machen, der eines Tages sein Werk dort fortsetzt.Hlmer lernt die Geburtshilfe, assistiert auch bei Abtreibungen, nimmt Sektionen vor. Doch er erkennt das "Teufels Beitrag" nichts für ihn ist. Dieser Konflikt führt ihn aus St. Cloud's fort, auf eine Apfelfarm, er versucht ein anderes Leben zu führen jenseits der Medizin. Doch das Leben stellt auch ihn vor Entscheidungen, er muss sich Grundsätzlichen ethischen Fragen stellen, denn nur er kann helfen. Wird er nach St. Cloud's zurückkehren? Lesen Sie selbst.
Irving's Roman ist in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt. Die Not vieler Frauen, Vergewaltigung, Inzest, Missbrauch, ungewollte Schwangerschaften sind sein Thema. In Dr. Larch schafft er eine Figur die nicht wegsieht. Er ist Arzt aus Leidenschaft und er erkennt dass nicht nur die ungewollten Kinder seine Hilfe und Aufmerksamkeit brauchen, sondern vor allem auch die Mütter, sie brauchen seine Hilfe in der größten Verzweiflung damit sie nicht in irgendwelchen Hinterhöfen dilettantischen "Engelmachern" Abtreiben ausgeliefert sind. Er begreift seine Verantwortung. Er moralisiert nicht sondern er handelt und bewegt sich damit am Rande der Legalität.Irving ist drastisch, schockierend, polarisiert und fordert seinen Lesern einiges ab. Er entwickelt seine Figuren mit viel Liebe und Empathie, lässt Ihnen Raum, sie wachsen einem an's Herz. Gleichzeitig versteht er es ein schwieriges Thema mit einer gewissen Leichtigkeit, Humor und leisem Spott und Gesellschaftskritik zu erzählen. Er hat sich damit in die Geschichte der amerikanischen Literatur hineingeschrieben. Ein wirklich großer Roman zu einem großen Thema.
kingofmusic
aus Bielefeld
5/5
02.02.2017
Buch (Taschenbuch)
Wer spielt Gott und wer ist der Teufel?
Ich bin stehengeblieben, um die Traumbilder jener Tage vorübereilen zu lassen. Sie sind vorüber, und ich trete die Reise meiner Geschichte von neuem an. (S. 430)
Wie soll man als Laienrezensent eine Rezension verfassen, die Gottes Werk und Teufels Beitrag von John Irving auch nur annähernd gerecht wird? Es wird einem (gefühlsmäßig) nicht gelingen. Dazu ist die Geschichte um Homer Wells, Dr. Wilbur Larch, Melody (um nur die wichtigsten Namen der Hauptdarsteller zu nennen) zu komplex, zu sehr mit ungewöhnlichen Kniffen versehen, als dass man sie mit wenigen Worten beschreiben kann. Aber getreu dem Motto Versuch macht kluch versuch ich´s an dieser Stelle trotzdem *g*.
Das erste Zitat stammt nicht direkt aus Gottes Werk und Teufels Beitrag, sondern aus einem weiteren Klassiker der Weltliteratur, der im Roman eine (wie ich finde) große Rolle spielt, nämlich David Copperfield von Charles Dickens. Denn Homer Wells hat mit David Copperfield etwas gemeinsam: sie sind Waisenjungen. Zwei weitere Klassiker tauchen immer wieder auf: Große Erwartungen (ebenfalls von Charles Dickens) und Jane Eyre von Charlotte Bronte. Alle drei Romane werden den Waisenkindern in St. Cloud´s abwechselnd jeden Abend vorgelesen und als Gutenachtlektüre verwendet exakt 20 Minuten lang :-). Als Leser hab ich auch immer Gänsepelle bekommen, wenn mal aus den erwähnten Büchern zitiert wurde. Okay, die Nennung von Literaturklassikern macht ein Buch noch lange nicht zum (modernen) Klassiker. Woran liegt es dann, dass Gottes Werk und Teufels Beitrag immer noch als einer der besten Romane von John Irving gilt?
Ich glaube, zum einen liegt es an der skurrilen Art und Weise, wie John Irving ernste Themen unterhaltsam zubereitet. Eines der zentralen Themen dieses Romans ist das Recht der legalen Abtreibung. Man ist als Leser sozusagen hautnah bei mehreren dieser Teufelsbeiträge dabei und erhält so nebenbei auch noch Einblicke in die (weibliche) Anatomie. Stets unterlegt mit schwarzem Humor kommt man auch bei tragikomischen Szenen nicht umhin zu lachen.
Zum anderen lässt John Irving seine Figuren natürlich wachsen. So umspannt dieser Roman Homers Leben vom Kleinkind über die Pubertät und das Erwachsenwerden bis hin zum Punkt der Selbstfindung und seinem Platz in der Welt. Das nächste Zitat von Wilbur Larch unterstreicht diesen Ansatz der Geschichte:
Homer [ ], ich erinnere mich nicht an deine Mutter. Ich erinnere mich nicht einmal an dich, als du geboren warst; du wurdest erst später du. (S. 140)
Tja, mehr kann ich beim besten Willen nicht über dieses Meisterwerk schreiben, außer dass ich es jedem, der ein Faible für anspruchsvolle (amerikanische) Literatur hat, ans Herz legen kann. Gute Nacht - ihr Prinzen von Maine, ihr Könige Neuenglands.
Am allerschwersten fällt es uns doch, hinzunehmen, daß das Verstreichen der Zeit die Menschen, die uns einmal am meisten bedeuteten, einhüllt in Gedankenstriche. (S. 636)
PMelittaM
aus Köln
5/5
16.12.2016
Buch (Taschenbuch)
Lesehighlight!
St. Cloud's ist ein Waisenhaus, in dem Dr. Wilbur Larch bereits seit Jahren wirkt. Larch ist nicht nur für die Kinder da, sondern auch für schwangere Frauen, als Gynäkologe entbindet er sie nicht nur und nimmt die Kinder, die in der Regel unerwünscht sind, direkt nach der Geburt in das Waisenhaus auf, sondern er hilft ihnen auch dabei, unerwünschte Kinder gar nicht erst auf die Welt zu bringen.
Homer Wells ist eines der Kinder, die in St. Cloud's aufwachsen. Während viele der anderen Waisen im Laufe der Zeit adoptiert werden, klappt das bei Homer nicht. Eines Tages jedoch erhält auch Homer die Chance, St. Cloud's zu verlassen und er nutzt sie. Dennoch ist St. Cloud's seine Heimat, und so ganz wird er es nicht los.
John Irving hat auch hier einen epischen Roman geschaffen, der seine Geschichte über Jahrzehnte hinweg erzählt. Der Leser begleitet nicht nur Homers Leben, sondern auch das Dr. Larchs, beginnend noch im 19. Jahrhundert. Besonders Larch ist ein interessanter Charakter, der nicht nur positive Züge trägt, der dem Leser aber dennoch ans Herz wächst. Letztlich erzählt der Roman aber vor allem Homers Leben, das durch Larch stark geprägt wird, der sich aber auch von diesem unabhängig machen kann. Wie bei Irving üblich, verlaufen beider Leben (und nicht nur ihre) tragikomisch.
Überhaupt die Charaktere, sie wecken beim Leser allerhand Gefühle, auch, weil John Irving sie brillant charakterisiert, er lässt sie gleichsam lebendig werden, man sieht sie vor sich, man blickt in ihr Inneres und man kommt gar nicht umhin, sie zu mögen, oder auch nicht, und hin und wieder auch einmal seine Meinung über sie zu ändern. Mir persönlich hat neben Homer und Larch Melony (deren Name ein Schreibfehler ist, eigentlich sollte sie Melody heißen) gefallen, Melony, die ähnlich wie Homer im Waisenhaus übrig geblieben ist, die aber anders als er eine Wut auf die Welt in sich trägt. Für mich ist sie eine der verkanntesten Personen des Romans, ich kann sie ganz gut verstehen und bin der Meinung, dass sie ein gutes Herz hat, auch wenn das kaum einer sieht.
Der Autor hat eine ganze Reihe unvergesslicher Typen entwickelt, die oftmals sehr skurril sind, teilweise aber auch ganz normale Menschen. Alle bekommen eine Hintergrundgeschichte mit, was mich besonders anspricht.
Nicht nur die Menschen, auch viele der Ereignisse sind recht skurril und haben immer wieder einen tragikomischen Touch. Das macht den Roman, auch wenn er hin und wieder kleine Längen hat, lebendig und interessant zu lesen. Auch mit der Thematik hat sich der Autor gut auseinandergesetzt, im Nachwort geht er auf bestimmte Textstellen ein und erklärt, woher er die Ideen hat oder auch, wie der historische Hintergrund dazu aussieht. Eine sehr gelungene Ergänzung, wie ich finde.
Irving beherrscht es perfekt, Tragik und Humor miteinander zu verbinden und hat außerdem ein unglaubliches Erzähltalent, die Beschreibungen der Orte, der Personen und der Ereignisse sind detailliert, aber größtenteils auf den Punkt gebracht. Der Roman packt von Anfang an und lässt einen kaum noch los. Ich persönlich hatte zwar ein bisschen Probleme mit den letzten beiden Kapiteln, aber auch das kenne ich bei Irvings Romanen, er lässt Entwicklungen zu, die mir nicht behagen und die ich schwer akzeptieren kann, doch so ist das Leben und das macht den Roman ja nicht schlechter, im Gegenteil, es bringt einen zum Nachdenken und zum Noch-mehr-Mitempfinden.
Neben den Lebensgeschichten fließt auch ein guter Teil Sozialkriitik mit ein, alleine durch die Frauen, die mit den ungewollten Kindern alleine gelassen wurden und sich manchmal nicht anders zu helfen wussten, als zu Quacksalbern zu gehen und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Man muss nicht pro Abtreibung sein, um diese Frauen oder auch Wilbur Larch zu verstehen.
John Irving gehört für mich zu den Autoren, die jeder einmal gelesen haben sollte. Und wer eines seiner Bücher liest, wird wahrscheinlich auch Lust auf die anderen bekommen. Von mir erhält der Roman verdiente volle Punktzahl und natürlich eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Für mich ist er eines meiner Jahreslesehighlights,
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