Maja Haderlap erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes, der Slowenen in Kärnten. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. Die Erinnerungen an jene schreckliche Zeit gehören für die Menschen zum Leben wie Gott. Für ihr Romandebüt wurde Maja Haderlap vielfach ausgezeichnet (u.a. Ingeborg-Bachmann-Preis, Bruno-Kreisky-Preis, Rauriser Literaturpreis).
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nichts in Erfahrung bringen, nichts erfragen, nichts erinnern, über alles den Mantel des Schweigens breiten
Bewertung aus Wien am 24.06.2013
Bewertungsnummer: 814842
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Selten gelang es einer Autorin so plastisch, so realitätsnah das Bild der slowenischen Minderheit in Südkärnten zu zeichnen. Hier wird ein Querschnitt gegeben über den Zweiten Weltkrieg, die NS-Zeit und die Nachkriegszeit; Es steht weniger der Krieg an sich im Vordergrund, wie das bei vielen Romanen der Fall ist, hier geht es um die Menschen, ihre Erfahrungen und die Folgen und Spätfolgen des Krieges, der Zerstörung, der Folterungen und Deportationen. Die Familie und Freunde rund um die Protagonistin stehen exemplarisch für die Menschen, wie eben diese Erfahrungen ihre Leben beeinflusst haben. Die unverwüstliche Großmutter, die ihren Glauben aufrecht erhalten hat, der Vater, der an seiner Partisanenerfahrung zugrunde geht, die Mutter, die am Vater zugrunde geht und das kleine Mädchen, das nicht selbst dabei war, aber für das durch die Erinnerungen der Familie der Krieg und die Schrecken der NS-Herrschaft fassbar und zu einer eigenen Tragödie werden. Außerdem ist "Engel des Vergessens" ein für Österreicher und v. a. für Kärntner wichtiges Dokument ihrer eigenen Geschichte, nicht nur die des Krieges, sondern v. a. der Nachkriegsgesellschaft, unserer Großeltern und Eltern. Das Buch gibt einen sehr detaillierten und verstörenden Blick in die Realität der slowenischen Minderheit in Kärnten während des Krieges und v. a. in der Nachkriegszeit. Obwohl der Roman sich sehr lange bemüht keine politische Seite zu favorisieren, sondern schlicht erzählt, ist das Ende des Romans eine klare Kritik an die Kärntner bzw. an die österreichische Politik des "ersten Opfers", der Ortstafelstreit, der bis in das 21. Jahrhundert andauert, wird angesprochen, die Realität eines slowenischen Mädchens in einer Klagenfurter Schule. Es ist verstörend die eigene Geschichte zu lesen und so viel Ungerechtigkeit zu erkennen.
Der Stil des Romans verändert sich mit zunehmender Länge, wie sich auch das Mädchen verändert, das erzählt. Aus einer realitätsnahen Erzählung wird einerseits die Reflexion einer erwachsenen Frau, die auf ihre Familie zurückblickt und andererseits wirft das Ende des Romans den seelischen Zustand der Überlebenden des Krieges und der NS-Grauen in Stakkatotempo dem Leser entgegen, sodass die innere Zerstörung, das Unvermögen nach vorne zu sehen für den Leser noch spürbarer werden. Emotionen wechseln sich im Eiltempo ab, überlagern sich. Es gibt kein Ein und Aus. Hoffnungslosigkeit, politische Ungerechtigkeit, Trauer, Schmerz, ...
Dieses Buch sollte wirklich jeder gelesen haben!
Unbedingt lesen
Der Bücherwurm aus Österreich am 22.03.2013
Bewertungsnummer: 805933
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dieses Buch hat mich sehr berührt, da wir über dieses Thema früher überhaupt nicht informiert wurden. Eine interessante und lehrreiche Schilderung der Zeit vor und nach '45 aus Sicht einer slowen. Familie in Südkärnten. Auch die Einbeziehung der Landschaft ist toll.
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