Serienmörder, Vergewaltiger und Verbrecher üben eine starke Faszination aus, die sich in Büchern, Filmen oder Fernsehserien niederschlägt. Aber tatsächlich sind Psychopathen in modernen Gesellschaften oft sehr erfolgreich - soziale Chamäleons, die nicht erkannt werden und die geschickt ihre Mitmenschen manipulieren und schädigen. Der forensische Psychiater Robert I. Simon berichtet aus langjähriger Erfahrung über die 'bösen Menschen'. Aber er zeigt auch, welch schmaler Grat liegt zwischen ihren tatsächlichen Gewalthandlungen und den Träumen aller anderen. Erst wenn man dem 'Bösen' mit Empathie begegnet und begreift, warum bei manchen Menschen die Schutzmechanismen versagen, erkennt man sich selbst und die eigene dunkle Seite besser.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
02.09.2019
Buch (Taschenbuch)
Der Wolf im Schafspelz
Definitiv eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Der forensische Psychiater Robert I. Simon beschreibt in verständlicher Weise, wie es überhaupt dazu kommt, dass ein Mensch zu einem Monster wird und sich doch kaum von anderen Menschen unterscheidet. Simon berichtet von Erlebnissen aus seinem Alltag als Psychiater und bietet einen spannenden Einblick in den Bereich der menschlichen Psyche. Unfassbar interessant für alle, die sich für das menschliche Denken und Handeln interessieren.
Tobias Krieg
4/5
22.02.2020
Buch (Taschenbuch)
"Böse Menschen tun lediglich das, wovon gute Menschen nur träumen"
Der Autor des vorliegenden Buches, Robert I. Simon, ist Psychotherapeut und forensischer Psychiater mit über vierzigjähriger Berufserfahrung in den USA. In seinem Buch befasst er sich mit den dunklen und zerstörerischen Seiten der menschlichen Psyche und beschreibt deren Ursprünge und Auswirkungen auf andere Menschen und die Gesellschaft.
Dabei ist für ihn eines völlig klar: "Jeder von uns hat eine dunkle Seite. Kein Mensch ist völlig gut oder böse. Wir sind eine Mischung aus beiden." (S.16/17). Entsprechend dem amerikanischen Originaltitel "tun böse Menschen lediglich das, wovon gute Menschen nur träumen". Mit der richtigen Mischung aus Genen und Umwelterfahrungen würde wohl jeder zum Straftäter werden. Um so wichtiger ist es, dass sich jeder Einzelne seine dunkle Seite bewusst macht und seine zerstörerischen Seelenanteile nicht auf andere projiziert.
Nach einer grundsätzlichen Einführung in die Thematik, die sich u.a. auch mit der menschlichen Natur und der Bedeutung von Aggression auseinandersetzt, wendet sich der Autor einzelnen Bereichen des menschlichen Bösen zu. Themen der einzelnen Kapitel sind z.B. Psychopathen, Serienmörder, Vergewaltiger, Amokläufer oder Todessekten. Die Darstellung ist recht vielfältig: neben (teils verstörenden) Fallgeschichten enthalten die Kapitel forensische und kriminalpsychologische Erkenntnisse und Forschungsergebnisse. Es werden relevante Statisiken dargestellt. Man erfährt vom Leid der Opfer und den Auswirkungen auf die Gesellschaft. Interessant sind auch die Profile der einzelnen Straftaten bzw. deren Täter.
Einige Kapitel widmen sich speziell der Arbeit von Gerichtspsychiatern. Darin zeigt der Autor, wie herausfordernd es ist, eine richtige Diagnose zu ermitteln und diese mit den juristischen Vorgaben zu verbinden. Psychiatrie und Strafverfolgung gehen von unterschiedlichen Prämissen aus. Dieser Teil des Buches ist auch interessant, aber für mich als Laien eher schwer zugänglich. Dazu kommt das Problem der unterschiedlichen Rechtssysteme in den USA und in Deutschland.
Aufgrund der Thematik ist das Buch emotional nicht einfach zu lesen. Die Fallgeschichten (u.a. von Serienkillern wie Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer) sind wirklich starker Tobak. Glücklicherweise setzt der Autor diese nur dosiert ein und arbeitet anschließend mit den Erkenntnissen.
Die wissenschaftliche Darstellung erscheint mir gut verständlich und sehr fundiert, könnte aber etwas besser strukturiert sein. Der im Kern humanistische Ansatz des Autors ist mir sehr sympathisch und sein Plädoyer für die Auseinandersetzung mit der eigenen dunklen Seite kann ich nur unterstützen.
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