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Meuterei auf der Bounty? Die Geschichte kennt man doch: Jähzorniger Kapitän quält tapfere Mannschaft, bis diese sich wehrt. Oder? - John Boyne erzählt eine andere Geschichte. Sein Kapitän Bligh ist ehrgeizig, aber auch besorgt um das Wohl seiner Mannschaft. Für das jüngste Besatzungsmitglied, den Schiffsjungen John Jacob Turnstile, wird er sogar so etwas wie ein Vaterersatz. Bis eines Tages auch John sich entscheiden muss, auf wessen Seite er steht. (6 CDs, Laufzeit: 6h 28) …mehr

Produktbeschreibung
Meuterei auf der Bounty? Die Geschichte kennt man doch: Jähzorniger Kapitän quält tapfere Mannschaft, bis diese sich wehrt. Oder? - John Boyne erzählt eine andere Geschichte. Sein Kapitän Bligh ist ehrgeizig, aber auch besorgt um das Wohl seiner Mannschaft. Für das jüngste Besatzungsmitglied, den Schiffsjungen John Jacob Turnstile, wird er sogar so etwas wie ein Vaterersatz. Bis eines Tages auch John sich entscheiden muss, auf wessen Seite er steht.
(6 CDs, Laufzeit: 6h 28)
  • Produktdetails
  • Verlag: Dhv Der Hörverlag
  • Anzahl: 6 Audio CDs
  • Gesamtlaufzeit: 388 Min.
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Erscheinungstermin: 18.02.2011
  • ISBN-13: 9783867177078
  • Artikelnr.: 32592282
Autorenporträt
John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er studierte "Englische Literatur' und 'Kreatives Schreiben' in Dublin und Norwich.
Trackliste
CD 1
1Der Schiffsjunge00:00:14
2Der Schiffsjunge00:05:26
3Der Schiffsjunge00:03:22
4Der Schiffsjunge00:04:48
5Der Schiffsjunge00:04:02
6Der Schiffsjunge00:04:22
7Der Schiffsjunge00:03:57
8Der Schiffsjunge00:04:42
9Der Schiffsjunge00:06:30
10Der Schiffsjunge00:05:06
11Der Schiffsjunge00:05:06
12Der Schiffsjunge00:04:11
13Der Schiffsjunge00:05:11
14Der Schiffsjunge00:05:37
15Der Schiffsjunge00:04:55
CD 2
1Der Schiffsjunge00:01:39
2Der Schiffsjunge00:05:24
3Der Schiffsjunge00:07:22
4Der Schiffsjunge00:04:56
5Der Schiffsjunge00:04:47
6Der Schiffsjunge00:04:51
7Der Schiffsjunge00:04:22
8Der Schiffsjunge00:04:26
9Der Schiffsjunge00:04:17
10Der Schiffsjunge00:04:30
11Der Schiffsjunge00:03:23
12Der Schiffsjunge00:04:00
13Der Schiffsjunge00:04:44
14Der Schiffsjunge00:05:54
CD 3
1Der Schiffsjunge00:05:05
2Der Schiffsjunge00:04:58
3Der Schiffsjunge00:03:54
4Der Schiffsjunge00:04:33
5Der Schiffsjunge00:04:47
6Der Schiffsjunge00:03:29
7Der Schiffsjunge00:05:20
8Der Schiffsjunge00:06:07
9Der Schiffsjunge00:05:59
10Der Schiffsjunge00:05:21
11Der Schiffsjunge00:06:29
12Der Schiffsjunge00:05:42
13Der Schiffsjunge00:05:05
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 01.04.2011

Die Wahrheit über Käpt’n Bligh
Der Ire John Boyne erzählt die Geschichte der Meuterei auf der Bounty neu
Hunderttausend heulende Höllenhunde!“, würde Kapitän Haddock nach der Lektüre von Der Schiffsjunge ausrufen, dem neuen Roman des Iren John Boyne (Der Junge im gestreiften Pyjama). Und dann würde es dem Seebären langsam dämmern: Die Geschichte der Meuterei auf der Bounty war nicht so, wie wir sie kennen. Für jene, die die zeitgenössischen Dokumente des Geschehens nicht kennen, wird die Welt ihrer Illusionen durch Boynes Roman um eine Legende ärmer, aber um eine abenteuerliche Geschichte reicher. Und die liegt der Wahrheit allemal näher als das, was uns Charles Laughton und Clark Gable, Trevor Howard und Marlon Brando vorgaukeln. Bis jetzt war unser Bild von dem, was in den Jahren 1787 bis 1789 auf dem Schiff geschah, eindeutig: Der Tyrann, der Offiziere und Mannschaft quälte, war Captain Bligh. Der Edle und Gerechte, der sich den irrsinnigen Befehlen Blighs widersetzte, war der Erste Offizier Fletcher Christian. John Boyne lässt nun den Schiffsjungen John Jacob Turnstile – eine fiktive Figur – „die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty“ (so der Untertitel) erzählen. Wie wahr sie ist, können wir Leser zwar nicht bemessen, aber die Hinweise auf die vom Autor gesichteten historischen und literarischen Quellen versprechen einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit der Kerngeschichte.
Portsmouth 1787. Die Bounty bricht unter Blighs Kommando in die Südsee auf, um auf Tahiti Setzlinge des Brotfruchtbaums einzusammeln – eine völlig unspektakuläre Mission. Nicht ganz freiwillig an Bord: der 14-jährige John Jacob, der, vor die Wahl gestellt, wegen Diebstahls im Kerker zu landen oder auf der Bounty als Diener des Kapitäns zu arbeiten, das Leben an Bord vorzieht. Der elternlose John wuchs mit anderen Jungs im Haus eines zwielichtigen Mannes auf, der die Burschen nicht nur zu Dieben erzog, sondern sie auch zwang, Männern sexuell gefügig zu sein. John ist ein cleverer Junge, der dem Kapitän loyal dient, sein Vertrauen gewinnt und Bligh bald als eine Art Ersatzvater betrachtet.
Ein Teil der Mannschaft – unter Christians Führung – lehnt sich nach einigen unpopulären und undiplomatischen Entscheidungen Blighs gegen den Kapitän auf. Ganz im Gegensatz zu den gängigen Meinungen über Blighs Wesen schildert Boyne den Schiffsführer als erfahrenen, fürsorglichen, ja sogar humanistischen Idealen verpflichteten Seemann, der jede Art martialischer Bestrafungsrituale verabscheut. Allerdings offenbaren sich während der Reise einige Schattenseiten seines Charakters: Er ist nicht immer konsequent, erscheint gelegentlich überfordert und neigt dann zu Kurzschlusshandlungen mit unübersehbaren Konsequenzen. Sein Bild der Eingeborenen ist, zeitgemäß, von der wohlwollenden Überheblichkeit der europäischen Eliten geprägt. Auch wird Bligh ein Minderwertigkeitskomplex unterstellt, da er das Schiff nicht mit Kapitänswürden befehligte, sondern im Rang eines Lieutenant. Von vornherein betont der Erzähler jedoch Christians Standesdünkel, die der Liberalität Blighs entgegenstehen. Wie wir wissen, wurden Bligh und die ihm ergebenen Seeleute in einer Barkasse ausgesetzt. In dieses Beiboot setzt Boyne auch den jungen Erzähler. Nicht zuletzt dank der Umsicht und des unerschütterlichen Willens des Kapitäns überleben zwölf der achtzehn Männer qualvolle 48 Tage im Südpazifik, bevor das Boot Timur erreicht.
Warum nun Kapitän Haddock nach der Lektüre ein deftiges „Hunderttausend heulende Höllenhunde!“ in die Welt setzen, hat aber nicht nur etwas mit zurechtgerückten Perspektiven zu tun. Es ist ein Ausruf der Begeisterung über die dramaturgische Spannung, die differenzierte Darstellung der Ereignisse und Persönlichkeiten und vor allem über die erzählerische Brillanz des Autors, die sich auch in Andreas Heckmanns vorzüglicher Übersetzung widerspiegelt.
Der Schiffsjunge verspricht, wie Bjarne Reuters Karibikabenteuer Prinz Faisals Ring, seine Leser wie von Geisterhand aus dem Lesesesseldirekt in die Schiffshängematte zu katapultieren. SIGGI SEUSS
JOHN BOYNE: Der Schiffsjunge. Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty. Aus dem Englischen von Andreas Heckmann. Fischer 2011. 638 Seiten, 18,95 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Schauspieler Florian Lukas liest stimmgewaltig ein Seeabenteuer, das schon heute das Zeug zum Klassiker hat." Focus Schule

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 14.05.2011

Wie behauptet man sich in der Männerwelt?

Ungelogen: John Boynes Version der "Meuterei auf der Bounty" ist so spannend wie vielschichtig und dabei einer der abgründigsten Romane für junge Leser seit langem.

Wir alle lügen. Täglich. Notorisch. Aber manchmal bemerken wir, dass unser Lügen Wahrheit ist. Das erlebt John Jacob Turnstile, ein vierzehnjähriger Taschendieb, als er auf dem Markt von Brighton einem Gentleman, den er bestehlen will, belügt. Er, der bis dahin gerade einmal zwei zerfledderte Kladden über China gelesen hat, erklärt großspurig, es sei sein Traum, Schriftsteller zu werden. Das tut er, um sein Gegenüber, dessen Büchergier er kennt, in Sicherheit zu wiegen. Doch mitten im ausgefuchsten Täuschungsmanöver wird John klar, dass er tatsächlich für sein Leben gern schreiben und lesen würde. Ein glücklichere Zukunft rast in Sekundenbruchteilen an seinem inneren Auge vorüber: Er als gefeierter und gut verdienender Autor!

Doch die Wirklichkeit holt den kleinen Gauner mit den großen Sehnsüchten ein - er greift nach der Taschenuhr des Gentleman, wird ertappt, verurteilt und dazu begnadigt, sich als Schiffsjunge auf der Bounty zu bewähren, die gerade Segel für eine Südsee-Expedition setzt.

Spätestens jetzt weiß man, dass es um eine neue Variante der weltberühmten "Meuterei auf der Bounty" geht, erzählt aus der Perspektive des Schiffsjungen. Doch der verführerische Beginn, der mit seinem subtilen Fragen nach Wahrheit und Lüge, Schein und Sein mehr als eine Abenteuergeschichte verspricht, lässt einen nicht mehr los. Und er wird, darauf ist Verlass, auch die jugendlichen Leser nicht mehr loslassen. Denn John Boyne, bekannt geworden mit dem Welterfolg "Der Junge im gestreiften Pyjama", erzählt so farbig, einfallsreich und präzis, stellt Dutzende vielschichtiger Charaktere und überraschender Geschehnisse vor, vermeidet so konsequent und mühelos mahnende Zeigefinger, dass man erst spät (vielleicht, was ebenfalls kein Schaden wäre, gar nicht) bemerkt, es mit einem federleicht geschriebenen Bildungsroman, durchsetzt mit Elementen des Schelmenromans, zu tun zu haben.

Bei aller Leichtigkeit erspart Boyne seinen Lesern keineswegs belastende Erkenntnisse: Von Beginn an beunruhigen Randbemerkungen des Ich-Erzählers Turnstile, die ahnen lassen, dass hinter dem, was er über seine harte Kindheit mitteilt - elternlos, aufgewachsen bei einem schmierigen Gauner, der Jungen wie ihn aufsammelt, zu Dieben abrichtet und ausbeutet - noch Grausigeres lauert. Bei der Schilderung der brutalen Äquator-Taufe, die ihn fast das Leben kostet und das letzte Zutrauen an Restbestände des Guten in der Mannschaft raubt, bricht es aus ihm heraus: Wie alle seine Kumpane wurde er im Alter von elf Jahren allabendlich an Männer - "feine Pinkel" nennt er sie mit bodenlosem Hass - als Lustknabe verhökert, lernte, sie schweigend zu erdulden, sich selbst für die Dauer der Vergewaltigungen geistig auszulöschen und seine Gegenüber bis in die feinsten Winkel ihres Unterbewusstseins zu analysieren.

Trotzdem stellt der Junge nach Wochen auf der Bounty fest, er sei vor Betreten des Schiffs ahnungslos hinsichtlich der Natur des Menschen gewesen. Denn selbst sein geschulter Sinn für deren trügerische Oberfläche scheitert an dem, was sich in der hermetischen brütenden Atmosphäre an Bord entlädt. Feigheit, Selbstsucht, Sadismus, Opportunismus und das gelegentliche blasse Aufflackern von Gutwilligkeit - alles, was der Junge zwischen Gosse und Bordell einzuschätzen gelernt hat, nimmt in dieser Männerwelt manische Züge an.

Zentralfiguren dieses bösartigen Mikrokosmos sind der intrigante 2. Offizier Fletcher Christian und der verbohrte, aber redliche Steuermann Flyer. Auch der Kapitän William Bligh erhält hier andere Konturen als in Lewis Milstones kanonischen Filmversion von 1962: Nicht notorischer Pedant, sondern verknöcherter Humanist und Idealist, wird er dem Schiffsjungen fast ein Vater, enttäuscht ihn aber oft durch gedankenlose Gefühllosigkeit. So bleibt der realistische Grundzug dieses Romans gewahrt.

Einen der größten lehrreichen Schocks erlebt John, als Bligh einen Matrosen entgegen seinen ehernen Vorsätzen auspeitschen lässt. Dies ist der Wendepunkt, der die Meuterei und die legendäre Odyssee im Beiboot einleitet, die für Bligh, den Jungen und einige Loyale nach 48 qualvollen Tagen in Kupang endet. Zuvor aber erlebt John auf Tahiti eine Erlösung: Die Beziehung zu einem Mädchen. Nachdem beide das, was er immer das "Unaussprechliche" nannte, tun, ist er von den Selbstzweifeln befreit, die ihm sein Dasein als Lustknabe und die dabei gewonnene Fähigkeit, im Notfall seine körperliche Anziehungskraft auch bei Männern einzusetzen, eingepflanzt haben.

Die inneren Nöte dieser Jahre werden als reflexhaftes Auf-der-Hut-Sein ein Leben lang bei ihm bleiben. "Ungelogen", die ständig in seinen Erzählungen wiederholte beschwörende Formel, ist die Chiffre dieses Schwebens zwischen Vortäuschen und Sein, erfundenem und gelebtem Leben. Und sie ist der Verständnisschlüssel des Lesers, dem klar wird, wie wenig Verlass auf Wirklichkeit und auf Literatur ist - aber auch, wie bitter notwendig letztere als Wegweiser sein kann.

Identisch geworden mit dem Erzähler, empfinden wir nicht das wohlfeile sentimentale Mitleid, das die ihm verwandten Kindhelden von Charles Dickens oft genug hervorrufen. Stattdessen lieben wir den Kerl mit dem aufbrausenden Temperament, seinem Hang zu Spott, Rachsucht, Hinterhältigkeit - und der Sehnsucht, zu irgendjemandem zu gehören, wie uns selbst. Nach der Gerichtsverhandlung, die Bligh rehabilitiert und die Meuterer, mit Ausnahme eines, den das Vermögen und der Ruf seiner Familie retten, (die "feinen Pinkel" werden immer oben schwimmen, erfährt Turnstile erneut), sieht man ihn, endgültig vertraut mit der Lüge, der Wahrheit und dem weiten Feld dazwischen, bürgerlich aufsteigen. Wenn sich zuletzt der Kreis zum Beginn der Erzählung schließt, hat man eines der spannendsten Jugendbücher dieses Jahres gelesen, diskret lehrreich und mit einer Sprache, die von Anfang bis Ende eine Wonne ist. Denn indem Boyne die Sprache des späten 18. Jahrhunderts nachempfindet, beschenkt er einen mit einer Fülle bildhafter treffender Wendungen, Adjektive und Formulierungen, die sich vom gängigen Duktus so unterscheiden wie Cidre von Apfelsaftschorle.

DIETER BARTETZKO

John Boyne: "Der Schiffsjunge". Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty.

Aus dem Englischen von Andreas Heckmann. FJB, Frankfurt a.M. 2011. 638 S., geb., 18,95 [Euro]. Ab 12 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Farbig, spannend, einfallsreich" - Rezensent Dieter Bartetzko kann gar nicht genug Worte finden, um seine Begeisterung für John Boynes neuen Roman "Der Schiffsjunge" auszudrücken. Für Bartetzko ist diese, aus der Perspektive eines Schiffsjungen erzählte Version der "Meuterei auf der Bounty" nicht nur einer der herausragendsten Jugendromane des Jahres, sondern zugleich ein leicht geschriebener, nie moralisierender Bildungsroman, der mit "vielschichtigen" Charakteren und Geschehnissen überrascht. Die Geschichte um John Jacob Turnstile, einen vierzehnjährigen Taschendieb, der sich nach einer Verurteilung auf der "Bounty" bewähren soll, lasse einen nicht mehr los, meint der Kritiker. Zu schnell lerne man den Jungen lieben, zu tief schaue man mit ihm in die Abgründe seiner Kindheit und seiner Gegenwart auf dem Schiff: Als Waise bei einem Gauner aufgewachsen, der ihn als Lustknaben allabendlich an Männer verkaufte, muss sich der Junge auf dem Schiff erneut in einer gefährlichen Welt behaupten, um schließlich in die Welt der Literatur zu fliehen.

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