6,99
6,99
Alle Preise in Euro, inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar
ab 6,95
Alle Preise in Euro, inkl. MwSt.
Abo-Download
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum Hörbuch-Abo
6,99
Alle Preise in Euro, inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum verschenken
Als Download kaufen
6,99
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar
Abo Download
ab 6,95
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Abo-Download
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum Hörbuch-Abo
Jetzt verschenken
6,99
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum verschenken
3 °P sammeln

    Hörbuch-Download MP3

Kiew, 1918: Am Rande der Stadt steht das Haus der Geschwister Turbin, die soeben ihre Mutter zu Grabe tragen mussten. Alexei, Nikolka und Jelena sollen leben. Das hat ihnen die Sterbende auf dem Totenbett aufgetragen. Aber wie leben in Zeiten des Umbruchs? Eine Armee nach der anderen marschiert in die Stadt ein: nach der Roten Armee die deutschen Truppen und schließlich der Nationalist Petljura, dessen Soldaten in der Stadt ein Blutbad anrichten. In den Wirren des Bürgerkrieges müssen sich auch die Geschwister Turbin für eine Seite entscheiden. In seinem autobiografisch gefärbten Roman…mehr

Produktbeschreibung
Kiew, 1918: Am Rande der Stadt steht das Haus der Geschwister Turbin, die soeben ihre Mutter zu Grabe tragen mussten. Alexei, Nikolka und Jelena sollen leben. Das hat ihnen die Sterbende auf dem Totenbett aufgetragen. Aber wie leben in Zeiten des Umbruchs? Eine Armee nach der anderen marschiert in die Stadt ein: nach der Roten Armee die deutschen Truppen und schließlich der Nationalist Petljura, dessen Soldaten in der Stadt ein Blutbad anrichten. In den Wirren des Bürgerkrieges müssen sich auch die Geschwister Turbin für eine Seite entscheiden. In seinem autobiografisch gefärbten Roman zeichnet Michail Bulgakow das dramatische Bild seiner Heimatstadt im Jahr 1918 nach.
  • Produktdetails
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • Gesamtlaufzeit: 701 Min.
  • Erscheinungstermin: 08.09.2017
  • ISBN-13: 9783742403087
  • Artikelnr.: 49089459
Autorenporträt
Michail Bulgakow (1891-1940) wurde erst lange nach seinem Tod berühmt. Seine wichtigsten Werke durften zu Lebzeiten nicht erscheinen. Der Weltklassiker Meister und Margarita, an dem er die letzten zwölf Jahre vor seinem Tod geschrieben hatte, erschien, zudem in zensierter Fassung, in der UDSSR erst 1968. Die weiße Garde war Bulgakows erster Roman und diente als Grundlage für sein Theaterstück Die Tage der Geschwister Turbin - zu dessen größten Bewunderern Stalin gehört haben soll, der es sich angeblich 15 Mal ansah.
Rezensionen
Nitzberg hat Bulgakows ersten Roman neu übersetzt und ihm seine wilde, raue, bilderreiche, exaltierte Sprache gelassen.
Besprechung von 31.12.2018
Knallendes
Klangerlebnis
Alexander Nitzberg übersetzt
Michail Bulgakows „weiße Garde“
Die Lage der Ukraine, speziell in Kiew, ist im Jahr 1918 unübersichtlich: Bolschewisten auf der einen Seite, Aristokraten und Großgrundbesitzer auf der anderen. Der Schriftsteller Michail Bulgakow beobachtet in kurzer Zeit vierzehn Machtwechsel. Er selbst arbeitet als Lazarettarzt für die Weißgardisten und beginnt Anfang der Zwanzigerjahre, als wolle er das politisch-militärische Chaos auf dem eigenen Schreibtisch nachbilden, zeitgleich an einem Theaterstück und einem Roman zu arbeiten. Beide haben zwar die drei Geschwister Turbin zu Helden, inhaltlich aber weichen sie stark voneinander ab.
Undurchschaubarer noch als die Machtkämpfe in Kiew und die Bezüge zwischen dem Stück „Tage des Turbin“ und dem Roman „Die weiße Garde“ aber ist die Veröffentlichungsgeschichte des Letzteren: Teilweise in einer Zeitschrift erstveröffentlicht, die vor Ende des Abdrucks eingestellt werden musste, erschien „Die weiße Garde“ in Buchform in nicht autorisierten Fassungen in Berlin und Riga. Schließlich war Bulgakow Ende der Zwanziger zu sehr mit anderen Projekten und mit den politischen Anfeindungen der sowjetischen Presse beschäftigt, um sich weiter mit den Rechtefragen herumzuschlagen oder gar so etwas wie eine Fassung letzter Hand herzustellen.
Zudem war der spätere Autor von „Meister und Margarita“ alles andere als ein Perfektionist. Seinen Mentor Jurij Sljosin kritisierte er, wie Alexander Nitzberg im Nachwort zu seiner Neuübersetzung der „Weißen Garde“ schreibt, für dessen zu schöne Sprache. Mit Bezug auf Puschkin sang Bulgakow das Loblied der Fehlerhaftigkeit. Nur was rau war und uneben, erschien dem durch den Krieg und seinen Arztberuf mit der Mangelhaftigkeit des Daseins Vertrauten, wahrhaftig.
Das stellt den Übersetzer vor immense Probleme: Wann ist ein Fehler gewollt, wann ist er dem Umstand geschuldet, dass der Text nur in zweifelhaften Aushaben vorliegt? Dass es keine Reinschrift des Manuskripts gibt? Larrisa Robiné entschied sich in ihrer Erstübersetzung des Romans Anfang der Sechziger dafür, der Lesbarkeit den Vorzug zu geben. Sie passte die Grammatik an, kürzte allzu lange Sätze, milderte die Bildsprache ab. Alexander Nitzberg nun interpretiert die sprachliche Unordnung als Ausdruck des politischen Durcheinanders. Er betrachtet diesen frühen Bulgakow als einen Expressionisten, für den der Krieg eben auch die Ästhetik bestimmt. Ein Beispiel: „Myschlajewski lief bei der unverdienten Kränkung rot an, warf sich in die Brust und verließ sporenklirrend das Wohnzimmer. Im Eßzimmer trat er an die hochmütige, goldblonde Jelena heran.“ So heißt es, leicht nachvollziehbar, bei Robiné. Nitzberg nun interpretiert die Stelle wie folgt: „Myschlajewski wurde braun im Gesicht von der unverdienten Kränkung, blähte die Brust und patschte mit den Sporen aus dem Wohnzimmer heraus. Im Speisezimmer näherte er sich der rötlichen würdevollen Jelena.“
Hier sieht man schon, ohne das russische Original heranziehen zu müssen, dass Nitzberg eine viel eigenwilligere Bildsprache gelten lässt. Schon die Farbgebung ist ganz auf Irritation angelegt: Braunes Gesicht statt rotes Gesicht beim Mann, und statt der erwartbar goldblonden Jelena-Helena, die Robiné zu sehen meint, ist die Schwester der Brüder Turbin in der jüngeren Version eher rötlich – ob an Haaren, Antlitz oder gar durch ihre Kleidung, wer weiß.
Häufig aber ist Nitzberg auch knapper und präziser. So ist bei Robiné wenig später von „Kärtchen“ die Rede, auf denen „Madame Anjou, Damenhüte“ steht. Das sind natürlich, wie Nitzberg weiß, keine Kärtchen, sondern Schachteln, Hutschachteln eben. Sie liegen im Zimmer eines Obersts herum, in dem, laut Robiné, ein Chaos herrscht, „wie bei der Erschaffung der Welt“. Für Nitzberg ist es knackig „das Ur-Chaos“.
Gewiss hat die Übersetzung von Larissa Robiné ihre Verdienste, und sie ist in der Tat das, was man „gut lesbar“ nennt. Aber Alexander Nitzbergs Version dürfte nicht nur näher am Original liegen, sie entfaltet einen eigenwilligeren Reiz. Zudem hat Nitzberg den Vorteil, sich auf über fünfzig Jahre Forschung und die eigene Erfahrung als Übersetzer von „Meister und Margarita“, „Das hündische Herz“ und „Die verfluchten Eier“ stützen zu können. Sein Nachwort ist deshalb nicht nur sehr informativ, auch der Anmerkungsapparat liest sich zuweilen wie ein eigener kleiner Roman.
Man muss das Ungeschlachte dieses Romans freilich auch auf der erzählerischen Ebene zu schätzen wissen. Es gibt keine klare Handlung. Wie Blöcke reihen sich die Szenen aneinander. Wild flattern die Dialoge hin und her, zuweilen äußerst lautmalerisch. Wie der Krieg ist auch Bulgakows Prosa ein Klangerlebnis. Donnernd, surrend, knallend, piepend. Und so wirkt „Die weiße Garde“ nach fast hundert Jahren noch sehr frisch, so frisch wie lange nicht.
TOBIAS LEHMKUHL
Michail Bulgakow: Die weiße Garde. Übersetzt von Alexander Nitzberg. Galiani Verlag, Berlin 2018. 544 Seiten, 30 Euro.
Statt Lesbarkeit: Der
eigenwillige Reiz eines großen
Durcheinanders
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr