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"Sie beauftragten mich, Arnes Nachlaß einzupacken." Hans, der Ich-Erzähler, kommt nicht umhin, die kleinen und großen Schätze zu sichten, die Arne Hellmer, mit dem er zwei Jahre lang ein Zimmer teilte, zurückließ. Jener Arne Hellmer, den Hans' Eltern - nach einem schrecklichen Unglück - bei sich aufnahmen. "Wie ein Eindringling in seine Welt, seine Tränen, seine verborgenen Hoffnungen" sieht sich Hans und entfaltet, angeregt durch die Fundstücke des Nachlasses, Arnes Geschichte. So gewinnt sein Leben nach und nach Kontur, in eindringlichen Rückblenden, getragen von einer Erzählhaltung, die das…mehr

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Produktbeschreibung
"Sie beauftragten mich, Arnes Nachlaß einzupacken." Hans, der Ich-Erzähler, kommt nicht umhin, die kleinen und großen Schätze zu sichten, die Arne Hellmer, mit dem er zwei Jahre lang ein Zimmer teilte, zurückließ. Jener Arne Hellmer, den Hans' Eltern - nach einem schrecklichen Unglück - bei sich aufnahmen. "Wie ein Eindringling in seine Welt, seine Tränen, seine verborgenen Hoffnungen" sieht sich Hans und entfaltet, angeregt durch die Fundstücke des Nachlasses, Arnes Geschichte. So gewinnt sein Leben nach und nach Kontur, in eindringlichen Rückblenden, getragen von einer Erzählhaltung, die das Geheimnis des Jungen behutsam ergründen möchte. "Was Lenz in diesem Bändchen erzählt, gehört zum Anrührendsten, das deutsche Autoren in diesem Jahrzehnt geschrieben haben." (Focus) Diese E-Book-Ausgabe von "Arnes Nachlaß" wird durch zusätzliches Material zu Leben und Werk Siegfried Lenz' ergänzt.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GB, GR, HR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Hoffmann u Campe Vlg GmbH
  • Seitenzahl: 206
  • Erscheinungstermin: 04.10.2012
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783455810769
  • Artikelnr.: 37350539
Autorenporträt
Siegfried Lenz, der am 17. März 1926 in Lyck, einer kleinen Stadt im masurischen Ostpreußen geboren wurde, zählt seit langem zu den bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur.Nachdem Lenz aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, ging er nach Hamburg und studierte Philosophie, Anglistik und deutsche Literaturgeschichte, ehe er 1950/51 als Redakteur für die "Welt" arbeitete. Seit 1951 lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg. Bereits mit seinem ersten Roman gelang es ihm, die Kritik und die Leser für sich einzunehmen, und bis heute zeichnet sich Lenz' Werk dadurch aus, daß es menschliche Schicksale und aktuelle gesellschaftliche Fragen auf eine Weise verknüpft, die literarisch ambitioniert die Bedürfnisse breiter Leserschichten nicht vernachlässigt.Weite Teile des Lenzschen Werkes sind geprägt durch die Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (etwa die Romane "Der Mann im Strom", 1957, oder "Brot und Spiele", 1959, einer der wenigen geglückten Sportromane der deutschen Literatur) und mit dem Dritten Reich bzw. seiner Verarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde dabei der 1968 erschienene Roman "Deutschstunde", der auch internationalen bahnbrechend wurde. Wie der junge Siggi Jepsen darin die Geschichte seines Vaters, eines norddeutschen Polizisten, der es im Nationalsozialismus für seine Pflicht hält, das Malverbot seines Freundes Nansen zu überwachen, erzählt, ist eine bis heute bestechende Demaskierung eines pervertierten Pflichtbegriffs und wurde von vielen als befreiende künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema verstanden.Der "Deutschstunde" folgten viele große Romane ("Heimatmuseum", 1978, "Der Verlust", 1981, "Exerzierplatz", 1985 oder "Die Auflehnung", 1994), die Lenz unverrückbar an die Seite der 'großen' deutschen Gegenwartsautoren wie Heinrich Böll, Günter Graß oder Martin Walser stellten. Sein Werk umfaßt alle literarische Gattungen: Lenz arbeitete für das Theater ("Zeit der Schuldlosen", 1961), schrieb Hörspiele ("Haußuchung", 1967) und Essays ("Über den Schmerz", 1997), und für viele Leser ist er nicht zuletzt ein Meister der "kleinen Form". Seine oft humoristisch grundierten Erzählbände wie "So zärtlich war Suleyken" (1955), "Lehmanns Erzählungen" (1964) und "Der Geist der Mirabelle" (1975) belegen dies trefflich.Siegfried Lenz wurde für sein 'uvre mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Gerhart-Hauptmann-Preis, der Bayerische Staatspreis für Literatur, der Thomas-Mann-Preis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und zuletzt, 1999, der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. Seine Auszeichnungen galten dem literarisch unvergleichlichen Werk, und sie rühmten immer auch das unerschrockene Engagement des Autors.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.10.1999

Alle Tassen im Koffer
Siegfried Lenz sucht den bescheidenen Ton für "Arnes Nachlaß" / Von Harald Hartung

Der neue Lenz" - das war doch früher einmal ein wahres Medienereignis, Aufmacher aller großen Literaturblätter. Und wenn auch die Kritik zunehmend ihre Vorbehalte formulierte, am Zuspruch des Publikums war nie zu zweifeln. Dieser Pakt mit dem Publikum, den Siegfried Lenz sich wünschte, hielt über die Jahre. Es war der Autor, der ihn mit seinen letzten Romanen strapaziert hat.

"Die Klangprobe" (1990), die Geschichte eines Kaufhausdetektives, glitt ins allzu Biedere ab, und "Die Auflehnung" von 1994 laborierte an einer verschwommenen Zeitkonstruktion. Rückblickend möchte man sagen: Dem Autor schien das Sensorium für die Stimmigkeit des epischen Klangs abhanden gekommen. Er war wie ein Teekoster, der nach langen Berufsjahren seinen untrüglichen Geschmack verliert.

Nun ist in der Literatur die Zukunft immer offen, und Lenz, der ein erfahrener Autor ist, hat in seinem neuen Buch die Ansprüche klug zurückgenommen. Mit gut zweihundert Seiten ist "Arnes Nachlaß" eher eine längere Geschichte als ein Roman. Ja, man könnte das Buch nach Anspruch, Personal und Handlung durchaus eine Jugenderzählung nennen, die auch für Erwachsene geeignet ist. Es ist ein altmodisches Buch geworden, das trotz einiger aktueller Anspielungen und Details eine Welt zeichnet, die es nicht mehr gibt; was nicht unbedingt gegen Lenz sprechen muss. Und wenn das Buch aufs Ganze gesehen auch unbefriedigend bleibt, hat "Arnes Nachlaß" doch einen überzeugenden Beginn, den Marcel Reich-Ranicki in seiner Goethepreisrede auf Lenz bereits zu Recht gerühmt hat. In der Tat gelingt es Lenz, den Leser in die Gefühle und Gedanken des jungen Mannes hineinzuziehen, der den ramponierten Koffer mit den Dingen öffnet, die Arne, mit dem er zwei Jahre sein Zimmer teilte, hinterließ. Dabei rekapituliert Hans, der Ich-Erzähler, die Geschichte eines Jungen, der sein Lebenstrauma nicht bewältigen konnte: Arne, ein ungewöhnlicher und ungewöhnlich begabter Junge, der als einziger den Suizid seiner Familie überlebte, findet bei Hans' Eltern ein neues Zuhause, wenn auch nicht die völlige Heilung.

Die Zuneigung, die Arne gegenüber Hans empfindet, seine Liebe zu dessen Schwester Wiebke, sein inständiger Versuch, bei der Clique Aufnahme zu finden - all das reicht letztlich nicht aus: Arne bleibt fremd und gefährdet. Als er sich auf eine dumme und krumme Sache der von ihm bewunderten Clique einlässt und diese auffliegt, verschwindet er mit einem Boot auf der Elbe. Das alles ist bis etwa zur Hälfte des Buches umsichtig und stimmungsvoll erzählt: das tägliche Leben in der Familie, die Vorgänge auf der Abwrackwerft, die der Vater betreibt, und auch die Atmosphäre des Hamburger Hafens. Arne, der Fremde, Verletzliche, der so ganz anders ist als seine Altersgenossen, erhält etwas von der Aura eines verletzten Engels.

Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, umso mehr verliert die Figur an Faszination; vielleicht auch das Interesse des Autors. Man begreift noch, dass Arne sich in die etwas ältere Wiebke verliebt und dass seine Schulleistungen nachlassen, als er ein Jahr überspringt und in Wiebkes Klasse kommt. Aber dann scheint ihm jede weitere Entwicklung versagt. Die fortgesetzte Behauptung seiner enormen Begabung wird nicht glaubwürdiger - es sei denn, man wollte Arnes Don-Quichotte-Lektüre oder das Pauken finnischer Vokabeln für Belege von Genialität nehmen.

Nun mag man es richtig finden, dass Lenz aus Arne kein Wunderkind machte. Der Versuch hätte auch seine Grenze am Ich-Erzähler Hans, dem der Autor nicht mehr Intelligenz und Psychologie mitgab, als einem normalen älteren Jugendlichen zukommt. Doch vielleicht hätte der Autor an der Emphase sparen können, mit der Hans den Verlorenen mit "Du" anredet. Sie steigert durchaus nicht die Teilnahme des Lesers. Eher überzeugt, wie Lenz unser Interesse auf die Familie lenkt, die im Schmerz um den Verlust zusammenrückt. Sogar Lars, der jüngere und etwas windige Bruder, scheint geläutert. Er sucht den über dem Nachlass sinnierenden Hans auf und legt Arnes Dinge an ihren alten Platz zurück. Die beiden rauchen eine Zigarette: "Zeit kam zurück, ohne dass etwas gesagt werden musste."

Dafür gibt Lenz uns den Kommentar an anderer Stelle, in seinem Essay über den Schmerz: "Der Schmerz eröffnet uns nicht nur unsere Ohnmacht und Verletzlichkeit, sondern lässt uns auch eine tröstliche Möglichkeit der Existenz erkennen - die Möglichkeit einer Bruderschaft im Schmerz."

Siegfried Lenz: "Arnes Nachlaß". Roman. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1999. 208 S., geb., 29,90 DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"In einer etwas zähen Kritik nennt Harald Hartung den Roman "ein altmodisches Buch", mit dem Lenz jedoch ein bißchen zu alter Größe zurückfinde. Es gelingt ihm überzeugend, die Gefühle des jungen Mannes darzustellen, der den Koffer öffnet, meint Hartung und zitiert zum Beleg Marcel Reich-Ranicki, der gerade diese Stelle auch sehr gelobt habe. Später verliere der Roman jedoch an Faszination. Vor allem Arnes besondere Intelligenz werde mehr behauptet als ausgemalt. Alles in allem: eine Jugenderzählung.

© Perlentaucher Medien GmbH"
"Das sensible Seelenbild eines einsamen Knaben, das zugleich das Drama des begabten Kindes in sich birgt."
Beatrice Eichmann-Leutenegger, Neue Zürcher Zeitung
"Die nur in zarten Andeutungen sich bewegende Schilderung der unerwiderten Neigung Arnes zu Wiebke, der Schwester des Erzählers, gehört zu den unvergesslichen Momenten dieses bewegenden Romans." Dieter Borchmeyer in der 'Zeit'

"Das sensible Seelenbild eines einsamen Knaben, das zugleich das Drama des begabten Kindes in sich birgt." Beatrice Eichmann-Leutenegger in der 'Neuen Zürcher Zeitung'