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Irgendwo im nördlichen England der Fünfzigerjahre: Fetherhoughton ist ein gottverlassenes Nest, eine Enklave der Ignoranz und des Aberglaubens. Father Angwin ist hier der Gemeindepriester, ein Zyniker, der längst seinen Glauben verloren hat und nur noch in Ruhe gelassen werden will; vor allem von dem neuen Bischof, der die Region in moderne Zeiten führen will. Die zweite Heimsuchung des Priesters ist Mutter Perpetua, die ihr Kloster mit eiserner Hand führt und jede Abweichung vom Pfad des Glaubens hart bestraft. Sie hat es vor allem auf die freiheitsliebende junge Nonne Philomena…mehr

Produktbeschreibung
Irgendwo im nördlichen England der Fünfzigerjahre: Fetherhoughton ist ein gottverlassenes Nest, eine Enklave der Ignoranz und des Aberglaubens. Father Angwin ist hier der Gemeindepriester, ein Zyniker, der längst seinen Glauben verloren hat und nur noch in Ruhe gelassen werden will; vor allem von dem neuen Bischof, der die Region in moderne Zeiten führen will. Die zweite Heimsuchung des Priesters ist Mutter Perpetua, die ihr Kloster mit eiserner Hand führt und jede Abweichung vom Pfad des Glaubens hart bestraft. Sie hat es vor allem auf die freiheitsliebende junge Nonne Philomena abgesehen.

Eines Abends taucht ein Fremder an der Tür des Pfarrhauses auf und bietet Father Angwin seine Dienste an. Ist er ein Spion des Bischofs, wie Angwin glaubt? Ist er ein Engel, der den Priester wieder glauben lässt und Philomena die Liebe lehrt? Oder gar der Teufel selbst?

Trockener Humor, hervorragende Charakterzeichnung und ein bissiges Porträt der Kirche im

England der Fünfzigerjahre

"Der Roman ist leicht, geistreich, scharfsinnig und lustig; dabei behandelt er ernsthaft die Frage,

was gut und was böse ist." EVENING STANDARD
  • Produktdetails
  • Verlag: Dumont Buchverlag
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 18. Juli 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 144mm x 22mm
  • Gewicht: 375g
  • ISBN-13: 9783832198725
  • ISBN-10: 3832198725
  • Artikelnr.: 48172670
Autorenporträt
Für den historischen Roman "Wölfe" über das Leben Thomas Cromwells, der 1485 bis 1540 lebte, erhielt Hilary Mantel im Jahr 2009 zum ersten Mal den Booker Prize, den wichtigsten Literaturpreis Großbritanniens. Nur drei Jahre später wurde sie zum zweiten Mal mit dieser Auszeichnung geehrt - für den zweiten Teil der Cromwell Trilogie "Bringing up the bodies" (deutsch: Falken 2013). Mantel ist damit erst der dritte Preisträger überhaupt - nach Peter Carey und J. M. Coetzee -, der den Booker Prize zwei Mal zugesprochen bekam. In ihrem insgesamt zwölften und bis dahin erfolgreichsten Roman erzählt die Autorin von den frühen Jahren des Tudor-Königs Henry VIII. und dem Aufstieg Cromwells, Sohn eines Schmieds, zum königlichen Sekretär und mächtigsten Mann Englands nach dem König. Da Henry VIII. keinen männlichen Thronfolger hatte, suchte er die Ehe mit Katherine von Aragón zu annullieren, um Anne Boleyn zu heiraten - und brachte damit den Papst und Europa gegen sich auf. Cromwell trieb die Scheidung und damit auch die Loslösung Englands von der katholischen Kirche voran.
Zum besonderen Stil Hilary Mantels gehört die Gegenwartsform und eine personale Erzählweise, durch die der Leser nur das erfährt, was auch Cromwell weiß, und die Mantel selbst einmal als "Kamera hinter dem Auge" des Protagonisten beschrieb. Die Vergangenheit wird so für den Leser unmittelbare Gegenwart. Zu schreiben begann Hilary Mantel bereits 1974 nach ihrem Studium der Rechtwissenschaft. Damals arbeitete sie zunächst als Sozialarbeiterin, später lebte sie in Botswana und in Saudi-Arabien. Auf Deutsch erschienen ist der (bereits 1992 in Großbritannien veröffentlichte) historische Roman "Brüder" über das Schicksal von Georges Danton, Camille Desmoulins und Maximilien Robespierre in den Wirren der Französischen Revolution. Der Roman "Falken" nimmt die Geschichte Cromwells auf und erzählt vom Zerfall der zweiten Ehe Henry VIII., der mit der Enthauptung der Königin endet.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 25.09.2017

Truhe in Frieden
Kann man den Glauben modernisieren? In ihrem Roman
„Der Hilfsprediger“ sät die britische Autorin Hilary Mantel Zweifel
VON GUSTAV SEIBT
Unsinn“, sagt der katholische Ortsgeistliche in Hilary Mantels tief lustigem Roman „Der Hilfsprediger“, „Unsinn, die Leute hier sind keine Christen. Hier gibt’s nur Heiden und Katholiken.“ Das ist die spirituelle Lage in einem von Mooren umschlossenen nordenglischen Dorf Mitte der Fünfzigerjahre. Der Pfarrer hat seinerseits längst den Glauben verloren, er lebt weiter wie eine Ehefrau, die eines Morgens aufgewacht ist und feststellen musste, dass sie ihren Mann nicht mehr liebt – die aber weitermacht und sich sogar besonders viel Mühe gibt beim Zusammenleben. Es sind die pedantisch befolgten Äußerlichkeiten, die das Gebäude des Glaubens aufrechterhalten.
Nach bestem Wissen beantwortet der Pfarrer im Beichtstuhl heikle Fragen: Darf man beim Fasten Fisch essen, der in Fleischfett gebraten wurde? Ist Schildkrötensuppe erlaubt? Auch Schulkinder haben scharfsinnige Zweifel: Wie ist das mit den Schutzengeln? Bekommt jeder Mensch einen neuen oder können sie wandern? Im Schulhof hört man den Ruf: „Mein Schutzengel war mal der von Hitler.“ Selbst im örtlichen Frauenkonvent brodelt die Unsicherheit. Denn nicht einmal das Beten hilft mehr gegen das Denken. „Das Denken geht unter den Gebeten weiter“, sagt eine Nonne. „Unterirdischen Kabeln gleich.“
Womit nebenbei auch schon eine Haupteigenschaft von Mantels Stil exemplifiziert ist, die geniale Metaphorik. Auf fast jeder Seite erfindet sie Bilder, die dem empfänglichen Leser die lustvollen Elektroschocks solcher Funkenschläge zwischen den Bildwelten bereiten: „Die Kirchentür öffnete sich mit dem gewohnten Ächzen, ein abgestumpfter Schauspieler, der auf die bewährten Effekte zurückfiel.“ „Aus dem Küchenfenster sah sie, dass die Bäume sich noch wiegten, aber nur noch ein wenig, wie gesittete Tänzer auf einer vollen Tanzfläche.“ Unnötig zu sagen, dass die Tristesse des abgeschiedenen, religiös verwahrlosten Orts mit solchen Sprachmitteln zu einer untergründig glühenden Grisaille wird, behaglich schaurig, abgründig komisch.
Der Plot: Der im Glaubensverlust erstarrte Ortspfarrer wird von seinem Bischof zu abrupter Modernisierung angehalten. Er soll sich einen Fernseher zulegen, um „relevanter“ predigen zu können. Die Heiligenstatuen mit ihren seltsamen Märtyrerattributen (abgeschnittenen Brüsten, Kombizangen) sollen die Kirche verlassen, notdürftig beerdigt man sie im Friedhof. Schließlich kommt ein Abgesandter des Bischofs, der titelgebende Hilfsprediger, namens Fludd. „Fludd“ ist der englische Titel des Romans, so hieß ein Alchemist des 16. Jahrhunderts, was die Autorin selbst mitteilt. Das verweist darauf, dass hinter diesem Fludd etwas ganz anderes stecken könnte, als es zunächst erscheint; außerdem kommt damit schon ganz kurz die Epoche ins Bild, der Mantels großartige historische Romane über die Epoche König Heinrichs VIII. gelten, die sie weltberühmt gemacht haben.
Fludd also soll beim Prozess der Modernisierung helfen, so scheint es zunächst. Aber vor allem hat er die Gabe zuzuhören und den Leuten ihre Geheimnisse abzulauschen. Dabei kommt die Dialektik von Glaubensverlust und Formenstrenge unbarmherzig ans Licht. Mantels Roman kann auch als vorweggenommener Einspruch gegen jüngste Klagen über die Häresie der Formlosigkeit gelesen werden. Man würde hier nun gern weiter nacherzählen, sollte sich aber fairerweise zügeln, bei den allerbesten Büchern darf sich keine Rezension an die Stelle der Lektüre drängeln. Nur so viel: Kühl erläutert Fludd, dass die Welt schon hochstaplerische Chirurgen gesehen hat, die nie studierten, denen aber doch tadellose Operationen gelangen.
Im Frauenkonvent regieren Überdruss und Angst, die Schwestern quälen einander mit miserablem Essen. Dieses gewaltige britische Thema behandelt Mantel mit entwaffnender Expertise. Auch für den Identitäts- und Weltverlust des Nonnendaseins hat sie ein düster-starkes Bild: die Truhe, in der die weltlichen Kleider aufbewahrt werden, welche die Frauen trugen, als sie ins Kloster kamen und Kutte und Schleier anzogen. Das Erste, was der dämonische Fludd bei seinem Antrittsbesuch im Kloster verlangt, ist die Öffnung dieser Truhe, in der die früheren Existenzen der Schwestern eingesargt sind. Natürlich braucht eine solche klassisch-schaurig ausgestaltetes Szenerie ein wenig Grusel und Kolportage. Wunder, aber nicht unbedingt christliche, fallen vor: Eine Warze wandert von einer Person zur nächsten. Wenn Fludd trinkt, wird das Glas nicht leer.
Hilary Mantels kleines Meisterwerk erschien 1989. Es war schon damals ein historischer Roman über eine verschwundene Epoche, die katholische Kirche vor dem zweiten Vatikanischen Konzil. Doch auch die Vergeblichkeiten des „aggiornamento“, der Anpassung zu Lebensnähe und „Relevanz“, kommen unnachsichtig zur Anschauung. Die armen verbuddelten Statuen erleben ihre Ausgrabung und Wiederherstellung im gleichen Handlungsstrang, in dem Fludd zum wahren Befreier wird. Der Leser sollte das Buch andächtig genießen, aber die Drähte des Denkens dabei heiß laufen lassen.
Die Tristesse des religiös
verwahrlosten Ortes ist behaglich
schaurig, abgründig komisch
Kloster, Kutte, Schleier – ein
Roman wie dieser braucht
ein wenig Grusel und Kolportage
Hilary Mantel: Der Hilfsprediger. Roman. Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. DuMont Verlag, Köln 2017.
205 Seiten, 23 Euro.
E-Book 18,99 Euro.
Heikle Fragen werden bei Hilary Mantel im Beichtstuhl gestellt: Ist Schildkrötensuppe beim Fasten erlaubt?
Foto: dpa
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"Die Schwaden aus rußigem Nebel, qualmenden Weihrauch und theologischer Spekulation, hinter denen physische und psychische Barbarei ihr Wesen treiben, zerteilt Hilary Mantel mit nie ermüdendem Witz."
Julia Schröder, SWR 2

"Ein Schatzkästlein englischen Humors, ohne jeden Staubbefall."
Wolf Ebersberger, NÜRNBERGER NACHRICHTEN

"Eine böse Komödie der Hartherzigkeit. Man liest den Roman mit unheimlichem Vergnügen."
Frank Meyer, DEUTSCHLANDRUNDFUNK KULTUR

"Die Tristesse des abgeschiedenen, religiös verwahrlosten Orts [wird] mit Sprachmitteln zu einer untergründig glühenden Grisaille, behaglich schaurig, abgründig komisch."
Gustav Seibt, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

"Es ist vielleicht der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, der sich darin ankündigt, aber mehr noch eine Krise des Glaubens, die in Hilary Mantels Roman 'Der Hilfsprediger' alle Protagonisten auf je eigene Weise trifft. Die Schriftstellerin selbst hat diese Zweifel schon als Kind verspürt, wie man in ihrer Autobiografie 'Von Geist und Geistern' nachlesen kann."
Michael Schmitt, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

"[Ein] kleines Meisterwerk"
Gustav Seibt, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

"'Der Hilfsprediger' ist die Geschichte einer Befreiung. Hilary Mantel beginnt ihren Roman englischgrau und lässt ihn strahlend hell enden."
Ulrich Fischer, HUFFINGTONPOST.DE

"Geisterhaftes in einer dumpfen Dorfwelt. In Hilary Mantels erfrischend groteskem Roman muss man auch mit dem Teufel rechnen."
Ferdinand Quante, WDR3

"Ein eigenwilliges Buch; süffisant, provozierend wie die Autorin selbst. Ironisch und souverän spielt sie mit den Versatzstücken des magischen Realismus, der dem Fantastischen auch in der modernen Literatur einen Platz einräumt."
Jutta Duhm-Heitzmann, WDR 5 SCALA

"So bissig, lustig, ironisch. Das ist alles so frisch, und das beste Beispiel für eine Literatur, die ohne Haltbarkeitsdatum funktioniert."
Katrin Schumacher, MDR KULTUR

"Mantels Schreiben verfällt man nur zu gern."
Alexander Behrmann, ROLLING STONE

"'Der Hilfsprediger' ist [...] bereits 1989 im Original erschienen. Doch er kommt so frisch und frech daher, dass man gar nicht genug bekommen kann von dieser skurrilen und urkomischen Geschichte."
Petra Pluwatsch, KÖLNER STADT-ANZEIGER

"Mit subtiler Ironie und einer guten Portion Weisheit"
Gaby Mahlberg, DPA

"Zeitlos böse und teilweise sehr komisch ist der Roman 'Der Hilfsprediger' von Hilary Mantel"
Britta Bode, BERLINER MORGENPOST

"Die britische Meisterautorin Hilary Mantel [erzählt] mit dem für sie typischen rasiermesserscharfen Witz von einem ungewöhnlichen Kampf zwischen Gut und Böse. Köstliches Gift."
Ute Baumhackl, KLEINE ZEITUNG

"Die Kapitel sind literarisch so ansprechend gewebt, dass man keine Angst davor hat, in die düsteren Moore und Hirngespinste der Figuren abzutauchen."
Dominik Achtermeier, REZENSÖHNCHEN

"Mit einem Wort: Lesevergnügen mit Tiefgang."
Konrad Holzer, FLANEURIN.AT
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Obwohl Hilary Mantels Roman "Der Hilfsprediger" Ende der achtziger Jahre im Original veröffentlicht wurde und obwohl er in einer noch früheren Zeit spielt, den 50ern, ist nichts daran altbacken oder uninteressant weil unaktuell, beteuert Rezensent Michael Schmitt. Schauplatz ist ein kleiner englischer Ort, dessen Bewohner, jeder auf individuelle Art, mit der allgemeinen Glaubenskrise zu kämpfen haben, lesen wir, was für die einen ein mehr, für die anderen ein weniger überholtes Thema sein mag. Die Zwänge, Ängste und Selbstbetrügereien allerdings, die hier ausgebreitet werden und von denen die interessante titelgebende Figur des Romans seine Gemeindemitglieder zu befreien sucht, sind zeitlos, versichert Schmitt. Dass Mantel dieses zunächst düster wirkende Thema mit einer gehörigen Portion Humor erhellt, macht den Roman für den Rezensenten rund und zu einem wirklichen Lesevergnügen.

© Perlentaucher Medien GmbH