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Hass und Hetze, Gerüchte und Falschmeldungen verbreiten sich rasend schnell. Öffentliche Debatten eskalieren zum giftigen Streit. Und in der Breite der Gesellschaft regiert die Angst vor dem Schwinden des gesellschaftlichen Zusammenhalts und dem Ende von Respekt und Vernunft. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun, zwei prominente Vertreter ihres Fachs, analysieren den kommunikativen Klimawandel. Sie zeigen Auswege aus der Polarisierungsfalle in Zeiten der großen Gereiztheit und der populistischen Vereinfachungen und entwerfen…mehr

  • Format: mp3
  • Spieldauer: 337 Min.
Produktbeschreibung
Hass und Hetze, Gerüchte und Falschmeldungen verbreiten sich rasend schnell. Öffentliche Debatten eskalieren zum giftigen Streit. Und in der Breite der Gesellschaft regiert die Angst vor dem Schwinden des gesellschaftlichen Zusammenhalts und dem Ende von Respekt und Vernunft. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun, zwei prominente Vertreter ihres Fachs, analysieren den kommunikativen Klimawandel. Sie zeigen Auswege aus der Polarisierungsfalle in Zeiten der großen Gereiztheit und der populistischen Vereinfachungen und entwerfen eine Ethik des Miteinander-Redens, die Empathie und Wertschätzung mit der Bereitschaft zum Streit und zur klärenden Konfrontation verbindet. Anschaulich und mit vielen Beispielen führen sie vor, wie sich Diskussionen und Debatten verbessern lassen und wie die Kunst des Miteinander-Redens zu einer Schule der Demokratie und des guten Miteinander-Lebens werden könnte. Das gleichnamige Buchausgabe ist bei Hanser erschienen.

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in D, A ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Goyalit
  • Gesamtlaufzeit: 337 Min.
  • Erscheinungstermin: 21.02.2020
  • ISBN-13: 4064066282271
  • Artikelnr.: 58705914
Autorenporträt
Pörksen, Bernhard
Bernhard Pörksen, Jahrgang 1969, ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen und bekannt durch seine Arbeiten zur Skandalforschung (u.a. Der entfesselte Skandal, mit H. Detel) sowie seine Bücher mit dem Kybernetiker Heinz von Foerster und dem Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Bei Hanser erschien 2018 "Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung".

Schulz von Thun, Friedemann
Friedemann Schulz von Thun, Jahrgang 1944, war bis 2009 Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Seine Trilogie "Miteinander-Reden" gilt als Standardwerk. Er leitet das Schulz von Thun-Institut für Kommunikation und ist als Berater und Trainer sowie als Herausgeber der Reihe "Miteinander reden - Praxis" tätig.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.03.2020

Selbstverschuldete Ruhelosigkeit
Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun im Dialog
Ein Zeitdiagnostiker ist dann so richtig erfolgreich, wenn er nicht nur von anderen zitiert wird, sondern sich selbst zitierend seine Diagnose in verschiedenen Formen ausführen kann. Andererseits verhält es sich mit den gesellschaftlichen Diagnosen nicht viel anders als mit denen in der Medizin. Das Reden darüber wird bald zur Belastung für alle Beteiligten, wenn kein Behandlungsplan und keine Genesung erfolgt. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hat 2018 ein klassisches Zeitdiagnosenwerk mit dem Titel „Die gereizte Gesellschaft“ veröffentlicht, ein ziemlich interessantes Buch. Darin konstatierte er im Einklang mit der Wahrnehmung vieler anderer Medienbürger ein aggressives „Kommunikationsklima“. Nun hat er sich mit dem Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun für ein Buch „Über den Dialog in Gesellschaft und Politik“ zusammengetan.
Es gelte, die „Gefährdung von Gespräch und Diskurs“ zu klären, erklärt Pörksen im Einleitungskapitel, das in einem wortreichen Sprachwimmelbild-Stil geschrieben ist: „die Grammatik der Digitalisierung“, die „Architektur der Kommunikation“, „der Aufstieg aus der selbstverschuldeten Ruhelosigkeit“! Über vierzig Seiten geht das so, und auf jeder Seite muss man sich zusätzlich mindestens ein halbaktuelles Beispiel aus dem Silicon Valley, von Donald Trump, einer wo auch immer angesiedelten „Political-Correctness-Bewegung“, Facebookstudien oder Polit-Talkshows der letzten fünf Jahre reinziehen. Das ist Kopfnick-Reflex-Lektüre für Bildungsbürger mit zu vielen offenen Browsertabs. Wenn man Pörksen bereits gelesen hat, bekommt man den Eindruck des intellektuellen Selbst-Recyclings. Aber selbst wenn nicht: Wer sollte ein Buch lesen, das sich mit der „Kunst des Miteinanderredens“ befasst, der nicht ohnehin schon begriffen hat, dass es um diese nicht zum Besten steht? Wozu so wahnsinnig viel Problembeschreibung?
Was die nächste Frage an das Buch eröffnet, nämlich wer hier eigentlich miteinander reden soll. In der allgemeinen Setzung von Dialog, Politik, Gesellschaft liegt ein Schwachpunkt des Schreibens über das Reden. Wie Schulz von Thun selbst an einer Stelle sagt: „Es kommt auf den Kontext an.“ Die Autoren vermischen aber sämtliche Formen der Verständigung, die Vermittlung von Information durch Massenmedien, den öffentlichen Meinungsaustausch, die institutionelle Kommunikation. Alles wird in einen großen Topf geworfen, der „Dialog“ heißt, aber so gut wie nie einer ist. Anders ist das im Buch selbst. Die beiden Experten schreiben im Gespräch über „Polarisierung“, „Grenzen des Dialogs“, „Transparenz und Skandal“ und „Desinformation“. Der ältere Schulz von Thun gibt den Sokrates zu Platon Pörksen, mit der Lebensklugheit des Psychologen und diversen „Wertediagrammen“ ausgestattet (dabei handelt es sich um Begriffsvierecke, deren Hauptfunktion darin besteht, dass Kommunikationstrainer sie an White Boards malen können).
In diesen Dialogen findet sich analytische Schärfe, psychologische Intelligenz und auch Witz. Etwa, wenn Pörksen ganz ungeniert wie ein junger Hund an einem Thesenknochen kaut, den Schulz von Thun als hohl entlarvt: „Für dieses Beispiel mussten Sie aber jetzt ins Südkorea des Jahres 2005 reisen.“ Umgekehrt macht es Spaß, wie der positionierungsfreudige Pörksen seinen dauerbesonnenen und abgeklärten Gesprächspartner aus der Reserve lockt.
Aber diese Stellen muss man suchen. Dazwischen wird viel gelabert, fast immer aus der Perspektive des Coaches oder Wissenschaftlers. Das hat den Beteiligten sicher Vergnügen gemacht, deren Beruf es ist, sich auf der Metaebene mit Kommunikation zu beschäftigen. Es hilft aber nicht denen, die Dialoge aus anderen Gründen führen, um etwas zu erreichen, beispielsweise, oder um etwas zu verhindern. Vor allem aber führt dieser Dialog über den Dialog vor Augen, dass zum Thema „Reden“ vielleicht langsam genug gesagt ist. Und dass an einer Gesellschaft vor allem die Verhältnisse interessant sind, innerhalb derer gesprochen wird, und nicht so sehr die Formen.
MEREDITH HAAF
Bernhard Pörksen, Friedemann Schulz von Thun: Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in
Gesellschaft und Politik.
Carl Hanser Verlag,
München 2020.
223 Seiten, 20 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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'Wer immer schon mal Lust darauf hatte, sich wieder ganz grundsätzlich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie gelungene Kommunikation funktioniert, wird Pörksens und Thuns in vier Kapitel gefasste Dialoge mit Gewinn lesen." Barbara Tóth, Falter, 11.03.20

"Die Lektüre lohnt sich: In perfekt ausgearbeiteten fiktiven Rollenspielen gelingt es den beiden Gesprächspartnern, die Mechanismen eskalierender Gespräche so aufzuzeigen, dass man die Situation spontan auf die eigene Erfahrung überträgt, sei es am Familientisch oder in Talkshows." Sieglinde Geisel, Deutschlandfunk Kultur, 27.02.20

Perlentaucher-Notiz zur Dlf Kultur-Rezension

Rezensentin Sieglinde Geisel hat diesen Gesprächsband des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen und des Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von  Thun mit Gewinn gelesen. Die von den beiden Autoren vorgenommene Unterscheidung zwischen Mensch und Meinung ist der Kritikerin zwar nicht neu, auch "einfache Lösungen" haben die beiden nicht zu bieten, warnt Geisel vor. Die Dilemmata der Kommunikation mit Rechten, Verschwörungstheoretikern etc. können ihr die Autoren allerdings vor Augen führen. Die "Diskursverzerrung" etwa, die entsteht, wenn Fakten nur noch als Meinungen gelten. Auch den Ausführungen zum "Kommunikationsquadrat", das unter anderem aussagt, dass nur noch die Beziehungsbotschaft, nicht aber die Sachaussage gehört wird und Pörksen Kritik an der "therapieerfahrenen" Sensibilität des eigenen Milieus,  folgt Geisel mit Interesse.

© Perlentaucher Medien GmbH