Alans Krieg - Guibert, Emmanuel

32,00
versandkostenfrei*
Preis in Euro, inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln

    Broschiertes Buch

Als Achtzehnjähriger wurde Alan Cope 1943 eingezogen, um in den Krieg zu ziehen. Er landete 1945 in Frankreich, überquerte den Rhein und fuhr mit General Patton bis nach Prag, um schliesslich 1946 in Bad Wiessee am bayrischen Tegernsee zu landen.
Fünf Jahre lang hat der einfache amerikanische Soldat Alan Cope dem Autor seine Sicht des II. Weltkrieges erzählt. Herausgekommen ist dabei eine grossartige und detailreiche Geschichte von unten.…mehr

Produktbeschreibung
Als Achtzehnjähriger wurde Alan Cope 1943 eingezogen, um in den Krieg zu ziehen. Er landete 1945 in Frankreich, überquerte den Rhein und fuhr mit General Patton bis nach Prag, um schliesslich 1946 in Bad Wiessee am bayrischen Tegernsee zu landen.

Fünf Jahre lang hat der einfache amerikanische Soldat Alan Cope dem Autor seine Sicht des II. Weltkrieges erzählt. Herausgekommen ist dabei eine grossartige und detailreiche Geschichte von unten.
  • Produktdetails
  • Verlag: Edition Moderne
  • Seitenzahl: 336
  • Erscheinungstermin: Mai 2010
  • Deutsch
  • Abmessung: 245mm x 169mm x 43mm
  • Gewicht: 754g
  • ISBN-13: 9783037310564
  • ISBN-10: 3037310561
  • Artikelnr.: 27983552
Autorenporträt
Emmanuel Guibert, geb. 1964 lebt und arbeitet als Comiczeichner und -autor in Paris.
Emmanuel Guibert gilt heute als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Comiczeichner Frankreichs. Seinen Durchbruch erlebte er 1997 mit dem von Joann Sfar getexteten Band "La fille du professeur".
Rezensionen
Besprechung von 18.05.2010
Ohne Landkarte durch Europa
Erinnerungen eines US-Weltkriegsveteranen: Emanuel Guiberts Comic „Alans Krieg“
Dokumentation und Comic – auf den ersten Blick widerspricht sich das. Jeder Film, jedes Foto liefert ein akkurateres und schnelleres Bild von der Wirklichkeit als eine Zeichnung. Umso erstaunlicher erscheint es daher, dass sich der anhaltende Boom des Comics in den letzten Jahren in erster Linie ausgerechnet dem dokumentarischen Genre verdankt: Ohne den überwältigenden künstlerischen und kommerziellen Erfolg der autobiographischen Werke Art Spiegelmans oder Marjane Satrapis wäre es um die öffentliche Wahrnehmung des Mediums schlecht bestellt. Beide Autoren zeigen dabei exemplarisch, warum gerade Comics sich so gut für die Wiedergabe von Realität eignen. Zum einen werden in „Maus“ und „Persepolis“ Ereignisse sichtbar gemacht, von denen es keine filmische Zeugnisse gibt: das Überleben in Auschwitz und im Iran der achtziger Jahre. Indem die Zeichnungen immer wieder spielerisch auf ihre eigene Unzulänglichkeit verweisen, wird andererseits augenscheinlich, dass das, was wir Geschichte oder Wirklichkeit nennen, immer ein Konstrukt ist.
Als Szenarist und Co-Zeichner hat Emmanuel Guibert in den vergangenen Jahren die bahnbrechende Comic-Reportage „Der Fotograf“ veröffentlicht. Das Besondere an ihr war nicht nur das brisante Thema, eine Reise zu den „Ärzten ohne Grenzen“ im Afghanistan der achtziger Jahre; in den Büchern wurden auf einleuchtende und zugleich elegante Weise Fotostrecken mit Zeichnungen vereint. Nun hat Guibert einen neuen dokumentarischen Comic vorgelegt: die Lebenserinnerungen des US-Weltkriegsveteranen Alan Cope, den er fünf Jahre lang ausführlich interviewte. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor wird Cope achtzehnjährig eingezogen; die folgenden zwei Jahre seiner Ausbildung zum Kanonier eines Jeeps sind geprägt von der Freundschaft zu Kameraden, Schikanen durch seine Vorgesetzte und vor allem von Langeweile. Erst im Februar 1945 wird er endlich nach Frankreich geschickt. Um in Kampfhandlungen zu geraten, ist es da allerdings schon zu spät; stattdessen hetzt Copes Einheit auf einer etwas undurchsichtigen Mission einmal quer durch Europa: zunächst in die Tschechoslowakei, dann nach Regensburg, Bad Wiessee und nach Sonthofen.
„Ich hatte nie Angst im Krieg“, heißt es einmal lapidar. Tatsächlich wirkt der Ich-Erzähler in diesen aufregenden Zeiten seltsam leidenschaftslos. Und während seine Kameraden ihre Sexualität als bewunderte Befreier hemmungslos ausleben, kommt Alan Cope bei seinen Begegnungen mit Frauen nie über Sympathiebekundungen hinaus. Zurück in den USA erweist er sich als bemerkenswert ziellos. Zunächst verlobt er sich, nur um anschließend die Bindung wieder zu lösen; dann will er Feldprediger werden, bald darauf bricht er das Studium wegen einer Glaubenskrise ab; schließlich kehrt er nach Frankreich zurück und verbringt seine Zeit damit, neben seiner Tätigkeit als ziviler Angestellter fürs US-Militär alte Freunde ausfindig zu machen, die er nach dem Krieg aus den Augen verlor. Der Band endet abrupt mit dem Satz „Okay, das war’s.“
Die Figur des GIs Alan Cope ist nicht ohne Reiz. Nicht die zur Genüge gezeigten Materialschlachten bestimmen seinen Alltag, sondern die unspektakulären Probleme des einfachen Soldaten nach Kriegsende. Wenn Copes Einheit ohne Landkarten durch Europa fahren muss, erinnert das in seiner Absurdität an „Catch 22“. Doch es mag an der Dezenz Guiberts gegenüber seinem Gesprächspartner liegen, den er nicht durch unbequeme Fragen verstimmen wollte, dass Cope selbst bei all dem recht profillos bleibt. Seine seelischen Konflikte sind angesichts des äußeren Zickzackkurses seines Lebens nur erahnbar. Im zerstörten Deutschland hat er vor allem Augen für die Landschaft und erzählt von einem „furchtbaren Erlebnis“: dem Mückenstich in seinen Penis. Dazwischen heißt es einmal völlig überraschend, dass man natürlich bereits„Leichen und andere verstörenden Dinge“ gesehen habe – was allerdings davor und danach keine weitere Erwähnung findet.
Ebenso ambivalent wirkt der Aufbau des Buches. Beginnt es noch als stimmiger Adoleszenzbericht eines GIs, der ungewöhnliche Einblicke in den Alltag der Militärausbildung gewährt, so verläppert die Handlung zunehmend. Spätestens nach der Rückkehr Copes in die USA reiht sich nur mehr lose eine Anekdote an die nächste, ohne dass deren Funktion klar werden würde. Man hätte daraus ein Prinzip machen und dadurch die Unzuverlässigkeit der Erinnerungsarbeit darstellen können; stattdessen steht der Wahrheitsgehalt des Erzählten nie ernsthaft in Frage.
Diese dramaturgischen Defizite sind umso bedauerlicher, als dass Guibert sogar noch Nebensächliches meisterhaft in Szene zu setzen vermag: Seine wohl einzigartige Technik aus mit Wasser aufgetragener Tusche bringt besonders bei den sehr plastischen Landschaftsdarstellungen bestechende Bilder hervor. Zwar enthält der Band auch Fotos; diese sind aber einfach en bloc angehängt, ohne dass sie wie im „Fotograf“ in Widerstreit mit den Zeichnungen treten würden. So krankt „Alans Krieg“ an einem Problem, das viele aktuelle Comics haben: Äußerst gekonnte Zeichnungen illustrieren eine Geschichte mit eklatanten erzählerischen Schwächen.
THOMAS VON STEINAECKER
EMANUEL GUIBERT: Alans Krieg. Edition Moderne, Zürich 2010. 226 Seiten, 26 Euro.
Die Ausbildungsjahre des
jungen Soldaten Cope waren
geprägt durch – Langeweile
Im zerstörten Europa hat GI Cope vor allem Augen für die malerischen Dörfer und Landschaften. Abb. aus d. bespr. Band
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Dass sich der Comic durchaus als dokumentarisches Medium eignet, davon hat sich Thomas von Steinaecker längst durch Arbeiten von Art Spiegelmann oder Marjane Satrapi überzeugen lassen. Als Mitverfasser von "Der Fotograf", ein Fotografien und Zeichnungen vereinendes Album über die Arbeit der 'Ärzte ohne Grenzen' in den 80er Jahren in Afghanistan, hat Emanuel Guibert den Rezensenten ebenfalls begeistert. Sein neuer dokumentarischer Comic, in dem Guibert die Biografie eines amerikanischen Veterans des Zweiten Weltkriegs erzählt, hat in seinen Augen jedoch entscheidende "erzählerische Schwächen", wie er bedauernd feststellt. So bleibe der Protagonist merkwürdig konturlos, von inneren Zweifeln künde bestenfalls der unstete Lebenslauf, der den Veteranen in eine Feldpredigerausbildung und, nachdem er diese abgebrochen hatte, nach Frankreich führt, so Steinaecker unbefriedigt. Im Aufbau des Buches sieht er diese Profillosigkeit fortgeführt, am Ende reihen sich, wie er darlegt, nurmehr Anekdoten aneinander. Diese dramaturgischen Mängel findet der Rezensent umso beklagenswerter, als er in Guibert einen herausragenden Zeichner preist, der in "einzigartiger Technik" Bilder von bestechender Plastizität schaffe.

© Perlentaucher Medien GmbH