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Nach über zehn Jahren der neue Gedichtband von Raoul Schrott: eine Feier der großen Kleinigkeiten des Lebens. Geschrieben in meisterlicher Leichtigkeit, ist "Die Kunst an nichts zu glauben" ein Panorama des Allzumenschlichen. Die Gedichte werden von Sentenzen aus der ersten atheistischen Bibel gerahmt, dem "Manual der transitorischen Existenz" aus dem 17. Jahrhundert. Dazwischen stehen Portraits einzelner Berufstätiger, vom Busfahrer bis zum Richter. Sie alle stellen ihre Fragen nach dem Gelingen des Lebens und finden Schönheit im Scheitern. Gedichte und Sentenzen erzählen so grundverschiedene…mehr

Produktbeschreibung
Nach über zehn Jahren der neue Gedichtband von Raoul Schrott: eine Feier der großen Kleinigkeiten des Lebens. Geschrieben in meisterlicher Leichtigkeit, ist "Die Kunst an nichts zu glauben" ein Panorama des Allzumenschlichen. Die Gedichte werden von Sentenzen aus der ersten atheistischen Bibel gerahmt, dem "Manual der transitorischen Existenz" aus dem 17. Jahrhundert. Dazwischen stehen Portraits einzelner Berufstätiger, vom Busfahrer bis zum Richter. Sie alle stellen ihre Fragen nach dem Gelingen des Lebens und finden Schönheit im Scheitern. Gedichte und Sentenzen erzählen so grundverschiedene und doch gleiche Geschichten: vom Kampf um jeden irdischen Moment. Und wie er manchmal beglücken kann.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Artikelnr. des Verlages: 505/24965
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 168
  • Erscheinungstermin: Oktober 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 149mm x 18mm
  • Gewicht: 341g
  • ISBN-13: 9783446249653
  • ISBN-10: 3446249656
  • Artikelnr.: 42716743
Autorenporträt
Schrott, Raoul
Raoul Schrott, geboren 1964, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Peter-Huchel- und den Joseph-Breitbach-Preis. Bei Hanser erschienen zuletzt u.a. Homers Heimat (2008) und seine Übertragung der Ilias (2008), Gehirn und Gedicht (2011, gemeinsam mit dem Hirnforscher Arthur Jacobs), die Erzählung Das schweigende Kind (2012), die Übersetzung von Hesiods Theogonie (2014), der Gedichtband Die Kunst an nichts zu glauben (2015) sowie Erste Erde (Epos, 2016), Politiken & Ideen (Essays, 2018) und Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal (Roman, 2019). Raoul Schrott arbeitet außerdem mit Unterstützung der Bundeskulturstiftung am Projekt Atlas der Sternenhimmel.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nein, den Atheisten nimmt Rezensent Harald Hartung Raoul Schrott nicht ganz ab. Zu sehr raunt es metaphysisch in den Reflexionen und Gedichten in diesem Buch. Die Momentphilosophien des Autors zur Gottesfrage findet Hartung impressionistisch und zahm und insgesamt wenig überzeugend. Besser gefallen ihm Schrotts lyrische Versuche, wenngleich sie recht prosaisch daherkommen und Reimen als Sahnehäubchen bzw. Pfefferkörner begegnen. Den ganzen Klimbim um eine angeblich authentische obskure Schrift aus Ravennas Biblioteca Classense hätte sich der Autor jedenfalls sparen können, findet der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.11.2015

Jeder macht sich sein eigenes Gotterbarmen

Ein beinah frommer Atheist: Raoul Schrott übt sich dichtend in der "Kunst an nichts zu glauben".

Von Harald Hartung

Der Atheismus hat auch schon bessere Tage gesehen. Wer erinnert sich an die Zeit, da Arno Schmidt die Leser provozierte, als er sein "Atheist?: Allerdings!" heraustrompetete. Heute genügt das schlichte Bekenntnis zum tradierten Katholizismus, um das Schreckensbild des Ultramontanen zu erregen. Könnte es da nicht einen aufgeklärten Kopf verlocken, einen atheistischen Traktat zu schreiben? Raoul Schrott, als Autor, Übersetzer und Komparatist um Einfälle nie verlegen, könnte dieser Kopf sein. Sein neues Buch verspricht uns "Die Kunst an nichts zu glauben", setzt also voraus, dass der Unglaube keine einfache Sache ist. Schrott bietet für sein Unterfangen dreierlei auf: eine philologische Einführung, sodann Reflexionen und Gedichte im Wechsel.

In der Einleitung mutet uns Schrott einiges zu. Wenn er zu Anfang in den Mosaiken von Ravenna eine Bibel der Weltlichkeit sieht, erwartet man den Einstieg in die Atheismus-Frage. Dann traktiert er uns mit einem kuriosen philologischen Krimi. In Ravennas Biblioteca Classense will er auf die Schrift eines obskuren Matteo Cnuzen aus Pomposa gestoßen sein, auf das "Manuale Dell' Essistenza Transitoria (De Arte Nihil Credendi)". Doch ist das der Eintrag auf einer alten Karteikarte, nicht das Folio selbst. Was Schrott nicht hindert, später auf diesen offenkundig fingierten Cnuzen zurückzukommen.

Nicht fingiert, wenn auch nicht hilfreich, ist der Exkurs über den französischen Deisten Geoffroy Vallée, dessen Existenz - im Gegensatz zu derjenigen Cnuzens - nachweisbar ist. Vallée wurde wegen Gotteslästerung 1574 gehängt und anschließend verbrannt. Von ihm existiert ein Buch, das als "Ars nihil credendi (L'Art de ne croire en rien)" im achtzehnten Jahrhundert kursierte. Vallée ist der Strohmann, der den Fake "unseres Manuals" plausibel machen soll. Will sagen: Der Leser kann sich in der Kunst, an nichts zu glauben, schon ein wenig üben. Am ehesten wird er Schrott selbst als Verfasser in Betracht ziehen.

Ob der Autor seiner atheistischen Sache da einen Gefallen tut? Die Reflexionen stehen wie gedankliches Füllmaterial zwischen den Gedichten. Die Frage, ob die Notate aus antiquarischem Material kompiliert oder ad hoc geschrieben sind, muss den Leser schon nicht mehr plagen.

Manches operiert mit einer Art Momentphilosophie. Man liest Impressionen wie: "wir glauben zeit zu erleben: doch ist dies falsch. ein jeder erlebt nur momente - momente der erfahrung. schnipp mit den fingern: da ist ein bild - ein augenblick. schnipp sie erneut - und da ist wieder nur ein moment." Dann wieder raunt es: "rund um uns ist überall dunkle materie" oder "welt ist das worin keine kreatur zur ruhe findet." Das wirkt eher kontemplativ, man würde es nicht in einem atheistischen Brevier erwarten. Die wenigen Stellen, die von Gott handeln, sind zahm. So: "gäbe es gott müsste man ihn absetzen". Nietzsche lässt grüßen.

Durchaus lesenswert sind die Gedichte. Es macht nichts, dass der Autor den Vorsatz seines Titels vergessen hat. Denn es geht hier nicht um Atheismus, sondern um ein "gemeinschaftliches Gewissen", das sich in den Berufen und Werdegängen der Menschen darbiete. Schrotts Gedichte haben handfeste Titel wie "Die Fotografin", "Ein Straßenbauarbeiter", "Der Reisende", "Der Pizzabäcker", "Der Schlachter" oder "Die Ärztin". Titel, als habe der Autor den Ehrgeiz, an Fotos von August Sander zu erinnern. Schrott interessiert sich weniger für das Soziale als für das Bewusstsein, die Innenwelten seiner Protagonisten. Da differenziert er nach ihren intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten. Der Forstarbeiter kommt zu dem Schluss: "leben ist auch fleiss. jeder macht sich sein eigenes gotterbarmen." Die Ärztin findet: "egal was man sagt - die ganze wahrheit ist keinem zumutbar." Schrott hat sogar Verständnis für die Probleme eines Pfarrers: "es ist ein loch in meinem herzen / durch das dieses sieche des menschlichen abrinnt."

Die Poesie, die Schrott seinen Porträts abgewinnt, ist prosaisch; prosaisch sind auch die Zeilen, die sich als Verse ausgeben. Die paar Reime sind Pfefferkörner. Die schon erwähnte Ärztin schließt mit dem Wunsch an ihren Partner: "nimm mich: nicht wie ich bin sondern wie ich gern wäre / küss mich. herz mich. nimm mir die erdenschwere." Da wird die erotische zur metaphysischen Wallung. Warum also sollte man Raoul Schrott nicht einen metaphysischen Poeten nennen und seine jüngste literarische Bemühung den Versuch, an etwas zu glauben?

Raoul Schrott: "Die Kunst an nichts zu glauben."

Hanser Verlag, München 2015. 168 S., geb., 17,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.12.2015

Mit den Fingern
geschnippt
Raoul Schrott huldigt der
„Kunst an nichts zu glauben“
Raoul Schrott hat eine aufwendige Rahmenerzählung verwendet, um sein neues Buch einzuführen: Er habe in einer Bibliothek in Ravenna eine dünne Schrift mit dem Titel „De Arte Nihil Credendi“ entdeckt, über „Die Kunst an nichts zu glauben“. Der Autor, der 24-jährige Geoffroy Vallée, sei als Ketzer angeklagt und 1574 in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Aber Auszüge dieser geheimnisumwitterten Schrift eines atheistischen Freigeists habe er, Schrott, sich erlaubt zu kopieren und samt Titel für sein eigenes Werk zu übernehmen. Schrott braucht die romantische Herausgeberfiktion, um die eigentümliche Form seines Buchs zu begründen: Jedem seiner eigenen Gedichte geht eine meist kürzere Passage dieses vorgeblich aus dem Lateinischen übersetzten Traktats voraus. So will er zwei Sicht- und Sprechweisen zusammenführen, die in seinen Augen erst gemeinsam den vollen Umkreis des melancholischen Weltbilds ausschreiten, die lyrische und die philosophische.
  Denn es handelt sich um ein Projekt der Melancholie. Der Atheismus des Traktats ist nicht von der frohgemut aufklärerischen Sorte. Mit Gott sind ihm sämtliche anderen Gewissheiten verloren gegangen. „wir glauben zeit zu erleben“, heißt es gleich im ersten Stück, „doch dies ist falsch; einjeder erlebt nur momente – momente der erfahrung. schnipp mit den fingern: da ist ein bild – ein augenblick. schnipp sie erneut – und da ist wieder nur ein moment. du denkst zwar dass eines auf das andere folgt doch ist dies illusion: du erinnerst dich bloss im zweiten moment noch an den ersten. (. . .) alles was wir erleben – alles was real ist – sind einzelne augenblicke – XI. 2“ Ob die Zahl am Schluss einen Stellennachweis oder ein Datum bedeutet (wie bei den sämtlich datierten Gedichten), bleibt offen, und damit verharrt die Mystifikation des aufgefundenen Buchs in der Schwebe.
  Der Gedanke als solcher (er wird im Lauf des Buchs vielfach variiert) ist nicht neu; er stammt von Augustinus. Doch bei diesem Vater der Theologie war die Fragwürdigkeit der Zeit in der Hand des ewigen Gottes aufgehoben. Davon bleibt bei Schrotts wahrhaft gottverlassener Betrachtungsweise nichts übrig; das Leben zerfällt ihm in Diskontinuität und Isolation. Was er stattdessen vorschlägt, ist eine Art tapferer Trauer, ein Weitermachen trotz alledem. Den Maximen und Reflexionen stehen die Gedichte gegenüber, die gewissermaßen die Nutzanwendung darstellen, in einem merkwürdig ständisch organisierten Kosmos. Mehr als dreißig Gedichte tragen Berufsbezeichnungen im Titel, meist von Berufen, die als wenig attraktiv gelten: Ein Straßenbauarbeiter – Der Dorfpolizist – Der Forstarbeiter – Die Souffleuse – Die Kassiererin. Es birgt ein gewisses Risiko, wenn der Intellektuelle in der „Ich“-Maske des einfachen Menschen auftritt. Aber Schrott findet letztlich überzeugende Lösungen. Die Kassiererin klingt so: „sie würden kaum glauben wer da versucht/eine tafel schokolade strümpfe oder kugelschreiber zu klauen/ein akademiker ist oft der allergrösste lump/und ich muss in jeden wagen schauen/weil man mir den schaden sonst vom konto abbucht“.
  Die Form ist herb, eigenwillig und verdankt sich vor allem Schrotts Umgang mit dem Reim. Der gängigen Reimlosigkeit des modernen Gedichts schließt er sich nicht an, doch ebenso scheiden die eingängigen metrisch-strophischen Muster des 18. und 19. Jahrhunderts aus. Schrott kehrt in eine ältere Zeit zurück, das 16. Jahrhundert oder noch früher, als es den Druckakzent noch nicht gab und der füllungsfreie Knittelvers blühte, den man später zu Unrecht als kunstlos geschmäht hat. Deshalb, und weil das Schema frei gehandhabt ist, merkt man relativ spät, dass hier überhaupt Reime vorliegen – und auch, weil Schrott unbedenklich Wörter mit Doppelhebung reimt, die der populäre Geschmack als unreimbar ansieht, Wörter wie „ábbúcht“, „sélbstláut“, „weíhnácht“. Der Reim wirkt bei Schrott vor allem als gewolltes Hemmnis, das er der Beliebigkeit einerseits des gänzlich Formlosen, andererseits der allzu leicht gelingenden Form entgegenstellt. Hier liegt der unverwechselbare Kern des Werks. Es schadet wenig, wenn sich darum ein Kranz von Liebes-, Reise- und Gelegenheitsgedichten rankt.
BURKHARD MÜLLER
Raoul Schrott: Die Kunst an nichts zu glauben. Carl Hanser Verlag, München 2015. 168 Seiten, 17,90 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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"...dieses so merkwürdige wie brillante Werk..." Claudia Mäder, NZZ am Sonntag, 29.12.15

"Schrott erweist sich abermals als der weltgewandte Philosoph unter den Poeten." Andreas Wirthensohn, Wiener Zeitung, 28.11.15

"Keiner beherrscht die Kunst, an nichts zu glauben. Aber Raoul Schrott beherrscht die Kunst, uns den Glauben an uns, an unser eigenes kleines Leben, zurückzugeben." Alexander Solloch, NDR Kultur "Neue Bücher", 09.10.15