Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau - Feuchtwanger, Lion
25,00 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
0 °P sammeln
    Gebundenes Buch

1 Kundenbewertung

Der berühmte französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau ist tot. Das ärztliche Gutachten bescheinigt zwar einen Gehirnschlag als Todesursache, aber niemand glaubt daran. Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Geliebte von Rousseaus Frau sei der Mörder. Es beginnt ein Kampf um das Erbe des toten Philosophen, der in seiner Familie als Narr galt, unfähig, aus seinem Werk finanziellen Gewinn zu ziehen. Auch um das Vermächtnis seiner Lehre tobt der Streit, der Freunde und Feinde Rousseaus in die unterschiedlichen Lager der Französischen Revolution führt und in Befürworter und Gegner der Gewalt spaltet.…mehr

Produktbeschreibung
Der berühmte französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau ist tot. Das ärztliche Gutachten bescheinigt zwar einen Gehirnschlag als Todesursache, aber niemand glaubt daran. Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Geliebte von Rousseaus Frau sei der Mörder. Es beginnt ein Kampf um das Erbe des toten Philosophen, der in seiner Familie als Narr galt, unfähig, aus seinem Werk finanziellen Gewinn zu ziehen. Auch um das Vermächtnis seiner Lehre tobt der Streit, der Freunde und Feinde Rousseaus in die unterschiedlichen Lager der Französischen Revolution führt und in Befürworter und Gegner der Gewalt spaltet.
  • Produktdetails
  • Gesammelte Werke in Einzelbänden Bd.14
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • 1995.
  • Seitenzahl: 410
  • Erscheinungstermin: 1. März 1995
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 129mm x 32mm
  • Gewicht: 448g
  • ISBN-13: 9783351022150
  • ISBN-10: 3351022158
  • Artikelnr.: 05723736
Autorenporträt
Feuchtwanger, Lion
Lion Feuchtwanger, 1884-1958, war Romancier und Weltbürger. Seine Romane erreichten Millionenauflagen und sind in über 20 Sprachen erschienen. Als Lion Feuchtwanger mit 74 Jahren starb, galt er als einer der bedeutendsten Schriftsteller deutscher Sprache. Die Lebensstationen von München über Berlin, seine ausgedehnten Reisen bis nach Afrika, das Exil im französischen Sanary-sur-Mer und im kalifornischen Pacific Palisades haben den Schriftsteller, dessen unermüdliche Schaffenskraft selbst von seinem Nachbarn in Kalifornien, Thomas Mann, bestaunt wurde, zu einem ungewöhnlich breiten Wissen und kulturhistorischen Verständnis geführt. 15 Romane sowie Theaterstücke, Kurzgeschichten, Berichte, Skizzen, Kritiken und Rezensionen hatten den Freund und Mitarbeiter Bertold Brechts zum "Meister des historischen und des Zeitromans" (Wilhelm von Sternburg) reifen lassen. Mit seiner "Wartesaal-Trilogie" erwies sich der aufklärerische Humanist als hellsichtiger Chronist Nazi-Deutschlands.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 05.01.2008

Rousseau macht Revolution
Lion Feuchtwanger: „Narrenweisheit . . .”
Eine weite Parabel schlägt dieses Buch, die weit hinausläuft, vom Persönlichen ins Politische, dann in aller Gelassenheit wieder zurückkehrt. Den letzten Wochen im Leben des Jean-Jacques Rousseau folgen wir, er verlässt Paris, wo er verlacht, zum Schweigen verurteilt, verfolgt wird, und wandert nach Ermenonville, wo ein Fan von ihm, der Marquis de Girardin, in seinem Park ihm Zuflucht anbietet. Ein Ruhepunkt, im Wald dort kann er spazieren oder im Wirtshaus im Dorf sitzen bei den einfachen Leuten, die Fische fütternd.
Ein Bibelvers ist in seinem Herzen, als der Freigeist Rousseau diese letzte Reise antritt, „Gott, in deine Hände lass mich fallen, aber in die Hände der Menschen lass mich nicht fallen!” Man kann die Verfolgten aller Zeiten und Länder in dem Stoßseufzer heraushören, vom ewigen Juden bis zu Lion Feuchtwanger selbst, der 1933, nach der Machtergreifung der Nazis, nicht mehr nach Deutschland zurückkehrte, in Frankreich lebte, 1940 fliehen musste in die USA, unter abenteuerlichen Umständen. Nach dem Krieg, Anfang der Fünfziger, lässt er die Erfahrungen von Flucht und Exil noch einmal anklingen in diesem Roman.
Nur kurz kann Rousseau sein Paradies genießen, bald stirbt er, mit 67 Jahren. Man murmelt von Mord, eine böse Wunde klaffte auf der einen Schläfe. Gleich geht das große Gezänk los, zwischen den Möchtegernerben und den Schmarotzern, den Adabeis des Ancien Régime, auch die Lebensgefährtin Therese mischt mit und ihre Mutter, die gierige Madame Levasseur. Man will seine nachgelassenen Schriften herausbringen, aber das Buch, das er hinterließ, verwirrt, stößt ab – die schonungslosen, wahnwitzigen, widerwärtigen Confessions. Rousseau hält Gericht über Rousseau, und man muss beides akzeptieren, die unfehlbare politische Utopie von der Gleichheit und Freiheit und die Fehlbarkeit des Menschen, man darf den Rousseau des Contrat social nicht trennen von dem der Confessions. „Jean-Jacques, da er um seiner Weisheit und Kühnheit willen von der ganzen Welt verfolgt wurde, hatte sich zeitweise in Wahnsinn geflüchtet.” Das ist atemraubend, wie hier souveräne historische Kolportage aufgerissen wird von Momenten großer Leidenschaft fürs Wahre.
Sie nennen ihn Jean-Jacques, reklamieren ihn als einen der Ihren, an der Spitze jener blasse junge Mann, den er kurz vor seinem Tod im Park getroffen hat und der sein bedingungsloser Jünger werden will, Maximilien Robespierre. Die Revolution verwirklicht Rousseaus Utopie, mörderisch, unerbittlich. „Wer die Menschen in Wahrheit liebte, musste viel Hass auf sich nehmen; denn er musste Taten begehen, die ohne diese Liebe undenkbare Verbrechen wären.” Keine Revolution ohne La Terreur. Humanitätsschwärmerei ehrt, aber es hilft nur Gewalt wo Gewalt herrscht. Es sind Erfahrungen mit dem Stalinismus, die Feuchtwanger durchscheinen lässt, von den Dreißigern bis in den Kalten Krieg.
Am Ende der Parabel dann die Verklärung, Jean-Jacques wird von den Revolutionären im Triumphzug ins Panthéon in Paris gebracht. Nun ist er bei den Göttern, wie er es erhoffte, dem Zugriff der Menschen entrückt. FRITZ GÖTTLER
Lion Feuchtwanger Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
…mehr