Die Scham (eBook, ePUB) - Ernaux, Annie
Zur Bildergalerie
-11%
15,99 €
Statt 18,00 €**
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar
Statt 18,00 €**
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum eBook verschenken
Als Download kaufen
Statt 18,00 €**
-11%
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar
Abo Download
9,90 € / Monat*
*Abopreis beinhaltet vier eBooks, die aus der tolino select Titelauswahl im Abo geladen werden können.

inkl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Einmalig pro Kunde einen Monat kostenlos testen (danach 9,90 € pro Monat), jeden Monat 4 aus 40 Titeln wählen, monatlich kündbar.

Mehr zum tolino select eBook-Abo
Jetzt verschenken
Statt 18,00 €**
-11%
15,99 €
inkl. MwSt.
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Sofort per Download lieferbar

Alle Infos zum eBook verschenken
0 °P sammeln

  • Format: ePub

1 Kundenbewertung


Juni 1952, die kleine Annie ist 12 Jahre alt. Eines Sonntagnachmittags geschieht etwas Entsetzliches - ohnmächtig muss sie miterleben, wie der Vater die Mutter umzubringen versucht. Nach kurzer Zeit beruhigt sich der Vater, und Annie versucht, den Eklat zu vergessen. Bis sie, nahezu ein halbes Jahrhundert später, auf ein altes Foto stößt, das eine Flut von Erinnerungen auslöst. Aber was genau ist damals geschehen? Und wie ist es dazu gekommen?
Je tiefer Annie in dieses entscheidende Jahr eintaucht, umso deutlicher wird ihr die Spannung, in der die Eltern lebten, zwischen dem Wunsch nach
…mehr

  • Geräte: eReader
  • ohne Kopierschutz
  • eBook Hilfe
  • Größe: 1.76MB
Produktbeschreibung
Juni 1952, die kleine Annie ist 12 Jahre alt. Eines Sonntagnachmittags geschieht etwas Entsetzliches - ohnmächtig muss sie miterleben, wie der Vater die Mutter umzubringen versucht. Nach kurzer Zeit beruhigt sich der Vater, und Annie versucht, den Eklat zu vergessen. Bis sie, nahezu ein halbes Jahrhundert später, auf ein altes Foto stößt, das eine Flut von Erinnerungen auslöst. Aber was genau ist damals geschehen? Und wie ist es dazu gekommen?

Je tiefer Annie in dieses entscheidende Jahr eintaucht, umso deutlicher wird ihr die Spannung, in der die Eltern lebten, zwischen dem Wunsch nach sozialem Aufstieg und dem demütigenden Rückfall in die alten Verhältnisse. Und auch Annies Zerrissenheit gewinnt an Kontur, ihr immer wieder schmerzhaftes Bemühen, dem Einfluss einer religiösen Erziehung zu entrinnen und der bohrenden Sehnsucht nach Aufbruch und einem besseren Leben zu folgen.

Scham ist das beharrliche Gefühl der eigenen Unwürdigkeit. Annie Ernaux seziert es an sich selbst, indem sie weit zurückschwingt in eine eigentlich unfassbare Episode ihrer Kindheit und in eine Vergangenheit, die nicht vergehen will.


Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, D ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Suhrkamp Verlag AG
  • Seitenzahl: 140
  • Erscheinungstermin: 17.08.2020
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783518767177
  • Artikelnr.: 59228026
Autorenporträt
Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als »Ethnologin ihrer selbst«. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Bücher sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden.

Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur FAS-Rezension

Für Rezensentin Bettina Hartz steht Annie Ernaux in der Tradition von Balzac und Proust, vor allem aber in der Gattung der "Confessions", nur dass Ernaux die Nachkriegszeit scharf wie mit dem Skalpell seziert. Dass Ernaux nicht "fabuliert", stört Hartz mitnichten. Die soziologischen Erkenntnisse, die Ernaux auch in ihrem neuen Buch mit der Leserin teilt, schätzt die Rezensentin hoch. Ebenso, dass die Autorin nie peinlich oder banal wirkt, wenn sie von frühen Prägungen, der Differenz der Sprache oder dem Preis des sozialen Aufstiegs als Tochter aus einfachem Haus berichtet und schreibend zu begreifen sucht, wie sie wurde, was sie ist.

© Perlentaucher Medien GmbH
»... ein schonungsloses Selbstporträt der Frau in der französischen Gesellschaft.«
Barbara Vinken, Die literarische Welt 15.08.2020

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 24.08.2020

Entthronte Götter
Annie Ernaux hat die soziologisch grundierte Selbsterforschung zur
Meisterschaft gebracht. Nun erscheint ihr zentrales Werk „Die Scham“
VON HANNA ENGELMEIER
Mit „Die Scham“ erscheint der fünfte Band von Annie Ernauxs autobiografischer Prosa. Seit 2017 entdeckt der Suhrkamp Verlag die 1940 geborene französische Autorin wieder. Eine frühere Übersetzung eines ihrer Bücher im Fischer Verlag („Das bessere Leben“, 2019 als „Der Platz“) hatte 1986 anscheinend nicht ausreichend Beachtung gefunden, um das Werk der französischen Schriftstellerin zu verfolgen. Im Windschatten des Erfolges von Didier Eribons Essay „Rückkehr nach Reims“ (2016) traute man knapp dreißig Jahre später auch in Deutschland Texten, die autobiografische und soziologische Reflexion verbinden, ein größeres Publikum zu. Tatsächlich gilt Ernaux seitdem als überragende Vertreterin dieses Genres und ihre Bücher sind zum zentralen Bezugspunkt aktueller Diskussionen über Autobiografien geworden.
Der Kern von „Die Scham“ ist die Szene, mit der es schlagartig anfängt: „An einem Junisonntag am frühen Nachmittag wollte mein Vater meine Mutter umbringen.“ Auf diesen ersten Satz folgt die Schilderung eines Wutausbruchs beim Mittagessen, vor dem die zwölfjährige Annie flieht. Durch die Hilferufe ihrer Mutter alarmiert, eilt sie später in eine Kammer ihres Elternhauses, in dem sich auch die Wirtschaft und der Laden befinden, die die Eltern betreiben. Sie findet ihren Vater vor, wie er ihre Mutter zu erwürgen droht. Er lässt von ihr ab. Dann wird über den Vorfall vor Annie nicht mehr gesprochen, die diese Szene jedoch nicht verwinden kann. Den Sommer des Jahres 1952 über nicht, in dem sich dieses Ereignis abspielte, und auch danach quält sie sich weiter mit der Erinnerung. Indem sie „Die Scham“ schreibt, erkämpft sie sich den Ausweg.
Ernaux versucht nicht, die Tat oder ihre Eltern zu psychologisieren, sie weist vielmehr darauf hin, dass ihr jede Form der Psychoanalyse dabei verfehlt erschiene. Bereits in „Der Platz“ und „Eine Frau“ (neu übersetzt 2019) war sie der Biografie ihrer Eltern und damit der Frage nach gegangen, aus welcher Klassenlage sie sich zunächst mit ihrem Brotberuf als Lehrerin, dann als Schriftstellerin entfernte. „Die Scham“ setzt diese Untersuchung fort. Entscheidend an der Auseinandersetzung mit dem Grauen der Szene aus dem Juni 1952 ist für Ernaux, was durch den blitzartigen Einschlag der Gewalt in ein ganz durchschnittliches Mittagessen sichtbar wird: „Zu sagen, ‚es handelt sich um ein Familientrauma‘ oder ‚an jenem Tag wurden die Götter der Kindheit entthront‘, kann die Szene nicht entschärfen, und nur der Ausdruck, der mir damals kam, ins Unglück stürzen, kann sie wiedergeben."
„Die Scham“ beschreibt die Geschichte der großen und nicht rückgängig zu machenden Entfremdung eines Individuums von seiner Herkunft, den Verlust des Gefühls von sozialer Zugehörigkeit. Je nach Geschmack könnte man auch von Entwurzelung reden, verließe dabei aber die Kargheit der Sprache Ernauxs, die Schmerz vor allem spürbar macht, indem sie sich keine Sentimentalität und keine Schnörkel gönnt. Dass dieser frugale Stil auch im Deutschen wirksam werden kann, ist der Übersetzung Sonja Fincks zu verdanken.
Nachdem Ernaux ihren Vater einmal als Täter erlebt hat, erkennt sie seine Schwäche. Die besteht vor allem in einer mangelhaften sozialen Flexibilität, der Unfähigkeit zur Anpassung an jedes Milieu, das nicht das eigene ist. Zum Problem wird das vor allem, wenn er auf Personen trifft, die er als überlegen, weil reicher an allen Kapitalsorten empfindet, für die er sich selbst sein Leben lang krumm gelegt hat: Geld, Bildung, Umgangsformen.
Unübersehbar wird das auf einer Bildungsreise, auf die die Mutter Tochter und Vater noch im Jahr 1952 schickt. Sie fahren mit dem Bus nach Lourdes, Tours und in andere bedeutende französische Städte. Während die Tochter jedem neuen Hotelzimmer entgegenfiebert (fließendes Wasser! Warm! Kalt! Auf einmal!) und bemerkt, dass sie sich an die täglichen Speisen, die man nicht selbst zubereiten muss, gewöhnen könnte, ist der Vater eingeschüchtert. Er hat nicht die richtigen Witzchen parat, als Proviant führt er für sich und die Tochter Zuckerwürfel und Pfefferminzlikör mit (statt Keksen und Schokolade). Das Tagesgeld reicht nicht für die Ausflüge. All das kann die Tochter erst retrospektiv in ihrer Schilderung der Reise erkennen. Währenddessen herrscht zwischen ihr und ihrem Vater Schweigen über die eigene Lage: Nachdem er es geschafft hat, sich vom Fabrikarbeiter zum Ladenbesitzer hochzuarbeiten, muss er sich nun vor den Augen seiner Tochter von bürgerlichen Mitreisenden als Ausflugsdilettant deklassieren lassen.
Die Einsamkeit in diesem Schweigen beschreibt Ernaux ebenso beklemmend wie diejenige, die sie als Schülerin eines katholischen Lycées erlebt, das „die gute Schule“ vor Ort ist, und auf das sie ihre Mutter schickt, um einen Bildungsaufstieg wenigstens für ihre Tochter zu erreichen. Dort herrschen Prüderie und Körperfeindlichkeit. Strenge Nonnen lassen sich durch Märtyrerlegenden zu Tränen rühren, nicht aber durch die Mädchen, die sie unterrichten, und deren Pubertätsnöten sie nicht einen Millimeter Raum geben.
Ernaux bedient sich zur Analyse ihrer Erinnerungen immer wieder der Fotografie: Porträts, die das Mädchen von 1952 zeigen, sind der Ausgangspunkt für die Formatierung ihrer Biografie. Dass allein die Anzahl der vorhandenen Fotografien und biografischer Dokumente einer Person wirksam aufzeigen können, wie diese gesellschaftlich zu verorten ist, braucht bei Ernaux keine soziologische Analyse. Es wird durch ihre Montage literarischer Schnappschüsse eines Lebens augenfällig.
Damit macht Ernaux ein gewagtes Angebot: Sie gibt sich selbst als Repräsentantin ihres Milieus der Analyse preis, Wissen über die Klassenlage kondensiert sie in ihrer eigenen Person. Dadurch, dass sie sich selbst derartig als eine Sozialfigur entwirft, behält sie jedoch immer die Oberhand über ihre Biografie. Die gestaltet sie mittels aller Verdichtungsprozesse, die das Schreiben in dem Genre erfordert, das unter dem Schlagwort Autofiktion seit einigen Jahren ausführlich diskutiert wird.
Damit besetzt Ernaux nicht nur im feministischen Diskurs den Platz einer Standardreferenz für die Frage, wie man in einem literarischen Text am besten Ich sagt. Ihr Verfahren kann auch einige wichtige Neuerscheinungen der aktuellen Saison verstehen helfen, die Autobiografisches nicht allein als individuelle Erinnerung, sondern als Ergebnis sozialer Prägung begreifen. Dazu gehören Christian Barons „Ein Mann seiner Klasse“, Deniz Ohdes „Streulicht“, oder, in einer anderen identitätspolitischen Wendung, Olivia Wenzels „1000 Serpentinen Angst“.
All diese Texte geben Einblick in eine Erfahrung, die Ernaux für das „Mädchen von 1952“ schildert, wie sie sich im Buch nennt. Sie erzählt von ihrer Klassenherkunft, in der es für sie nur eines im Überfluss gibt: „Nichts kann ungeschehen machen, dass ich diese Schwere, diese Erfahrung der Nichtung empfunden habe. Die Scham ist die letzte Wahrheit.“ Als Annie einmal von einer Lehrerin, die sie bewundert, nachts nach einem Schulfest nach Hause gebracht wird, öffnet ihre Mutter verschlafen die Tür, „mit zerzaustem Haar, verschlafen, in einem zerknitterten, fleckigen Nachthemd (wir benutzten unsere Nachthemden, um uns nach dem Urinieren abzuwischen).“ Das fleckige Nachthemd ihrer Mutter verweist nicht vor allem auf die in der Familie gängige Toilettenhygiene, sondern darauf, dass die Anschaffung eines Bademantels als ein zu großer Luxus gilt. In Szenen wie dieser, die Ernaux in diesem Buch gesammelt hat, wird ihre Einübung in Unterscheidungen erkennbar, die nicht allein materielle Verhältnisse und damit Klassen markieren. Die Zugehörigkeit zu der einen oder der anderen Klasse ist mit Wertungen verbunden und die sind mit Gefühlen besetzt. Es gilt, damit einen neuen Umgang zu entwickeln. Die Literatur kann dafür ein Anfang unter anderen sein.
Annie Ernaux, geboren 1940, wuchs in der Normandie auf. Ihre Bücher gelten als Klassiker im Genre der Autofiktion.
Foto: Andrew Eaton/mauritius
Annie Ernaux:
Die Scham. Aus
dem Französischen
von Sonja Finck.
Suhrkamp, Berlin 2020.
110 Seiten, 18 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr