Rendezvous mit Joe Black - Brad Pitt,Sir Anthony Hopkins,Claire Forlani
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Martin Brest mag es opulent. Nach seinem Oscar-prämierten Zweieinhalbstunden-Film "Der Duft der Frauen" legt er bei seinem neuen Werk "Meet Joe Black" sogar noch eine halbe Stunde zu. Und so ist seine auf Hollywood getrimmte Reflexion über Leben und den Tod. Liebe und Loyalität eine hochambitionierte, über weite Strecken theatralische slowburn-Inszenierung, die sich fast behutsam dem Grande Finale annähert. Inspiriert von Mitchell Leisens Film "Death Takes a Holiday" aus dem Jahre 1934, läßt Brest den Tod in Gestalt von Brad Pitt eine Weile auf Erden wandeln, bevor er seinen Todeskandidaten,…mehr

Produktbeschreibung
Martin Brest mag es opulent. Nach seinem Oscar-prämierten Zweieinhalbstunden-Film "Der Duft der Frauen" legt er bei seinem neuen Werk "Meet Joe Black" sogar noch eine halbe Stunde zu. Und so ist seine auf Hollywood getrimmte Reflexion über Leben und den Tod. Liebe und Loyalität eine hochambitionierte, über weite Strecken theatralische slowburn-Inszenierung, die sich fast behutsam dem Grande Finale annähert. Inspiriert von Mitchell Leisens Film "Death Takes a Holiday" aus dem Jahre 1934, läßt Brest den Tod in Gestalt von Brad Pitt eine Weile auf Erden wandeln, bevor er seinen Todeskandidaten, gespielt von Anthony Hopkins, an dessen 65. Geburtstag ins Jenseits mitnimmt. Daß der Tod, alias Joe Black, sich dabei in eine junge Frau (Claire Forlani) verliebt, ist der eigentliche Twist des Films. Man darf gespannt sein, ob die Starpower von Brad Pitt und Anthony Hopkins das 100 Mio. Dollar-Movie in die Gewinnzone bringen wird.

Fast scheint es so, als hätte Martin Brest diesmal sein Opus Magnus abliefern wollen. Seit Anfang der 80er Jahre variierte er - mit diversen Drehbuchautoren - immer wieder den Stoff, "bevor ich schließlich all das herausdestiliert hatte, was mir bei der Thematik von essentieller Bedeutung schien und nichts Geringeres ist als ein Film über den Sinn des Lebens," so Brest. Gleich vier Scriptschreiber haben versucht, diesem philosophischen Anspruch gerecht zu werden, was ihnen vor allem in der Figur des Multimillionärs William Parrish (Hopkins) gelungen ist. Parrish ist in jeder Einstellung die moralische Instanz, die die Parameter setzt, an denen die Menschen um ihn herum ihre eigene Werteskala messen müssen. Seine ältere Tochter Allison (Marcia Gay harden9 und deren softer Ehemann und Aufsichtsratsmitglied im Parrish-Imperium, Quince (Jeffrey Tambor); seineLieblingstochter Susan (Forlani) und ihr Yuppie-Verlobter und "Daddys rechte Hand" Drew (Jake Weber) sowie der Tod Joe Black (Brad Pitt) höchstpersönlich. An exquisiten Luxus-Settings - von New Yorker Park Avenue-Schick bis spektakulären Upper-Class-Country-Style-Ambiente - zelebriert Brest seine sophisticated Fantasy-Fabel mit viel Leibe zum Detail - den Designern Dante Ferretti ("Kundun"), Aude Bronson-Howard ("Looking For Richard") und David C. Robinson ("Carlitos Way") sein Dank - und mit ebenso viel Feingefühl für romantische Atmosphäre und Stimmungen. Kein Wunder also, daß die Liebesgeschichte zwischen Susan und Joe Black breiten Raum einnimmt, und Pitt die Sexszene zwischen den beiden seine beste nennt. Parallel dazu gibt Brest noch einen kleinen Exkurs in Sachen Berufsethik und Lebensführung - eine Art positive Popcorn-Variante des "Jedermann". Wem das "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" gelegentlich zu sehr ausufert, der kann sich - wie fast immer- an der herrlich präzisen Schauspielkunst eines Anthony Hopkins erfreuen, der seine etwas schöngefärbte Rolle mit Tiefgang und unaufdringlicher Melancholie erfüllt. Brad Pitt hat es da in seiner ambivalenten Rolle sehr viel schwerer. Anfangs der strahlende Charmeur mit Fun Appeal, wird er schnell zum zombiehaften, etwas linkischen Joe Black umfunktioniert, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die eigentliche Entdeckung des Films ist freilich Claire Forlani ("The Rock", "Basquiat"), die sich durch ihren äußerst femininen Look und ihre ausdrucksstarke Mimik nachdrücklich für romantische Rollen vom Julia Roberts-Zuschnitt empfiehlt. Reich an metaphysischer Textur und geradezu verschwenderisch mit großen Gefühlen, ist dieses Marathon-Movie zweifellos ein eindrucksvolles Kinoerlebnis - vor allem für ein Publikum, das viel für die gerade so modischen Geister- und Engelmärchen übrig hat. ull.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Audiokommentare, Behind the Scenes, Original Kinotrailer, Produktionsnotizen
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 DVD
  • Hersteller: Universal Pictures Video
  • Gesamtlaufzeit: 173 Min.
  • Erscheinungstermin: 15. Mai 2003
  • FSK: Freigegeben ab 6 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch, Hebräisch, Finnisch, Tschechisch, Polnisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Niederländisch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:1, 85/16:9
  • Tonformat: Dolby Digital 2.0
  • EAN: 3259190352810
  • Artikelnr.: 20098312
Rezensionen
Besprechung von 18.01.1999
Der Tod macht blau
Sensenmann im Maßanzug: Martin Brest verschafft uns ein "Rendezvous mit Joe Black"

Seinen ersten Blick auf den Tod wirft Bill Parrish durch eine Milchglasscheibe in seiner Bibliothek. Eine solche Begegnung verheißt natürlich für das Fortleben keine wunderbaren Aussichten, deshalb würde der Multimillionär den Anblick der Erscheinung gern noch stundenlang weiter betrachten. Denn solange Mensch und Tod noch getrennt sind, und sei es durch eine opake Scheibe, so lange bleibt Hoffnung. Doch das schemenhafte Gesicht, das in der Verzerrung wie ein Totenschädel erscheint, bleibt nicht im Hintergrund; der Tod will in den Mittelpunkt. Und als er hinter der Scheibe hervortritt, hat er die Gestalt eines jungen Mannes: blond, blauäugig, bestgekleidet und seltsam unbeholfen.

Die Idealbesetzung für eine solche Rolle ist Brad Pitt, der blondeste, blauäugigste, bestgekleidete und seltsam unbeholfenste Schauspieler in Hollywood. In "Rendezvous mit Joe Black" spielt er die Hauptrolle: Joe Black, der Tod höchstpersönlich, der einen hübschen Körper aus der Leichenhalle hat mitgehen lassen, um einmal ein paar Tage blau zu machen. Bevor er Bill Parrish mit sich nehmen wird, engagiert er ihn als Reiseführer durch die fremde Welt der Lebenden. Man kann den Tod verstehen: Der Geschmack seines Opfers ist erlesen, an den Wänden hängen Rothkos und Kandinskys, und wer wollte nicht seinen Urlaub in möglichst luxuriöser Umgebung verbringen? Solange Joe Black seinen Spaß hat, wird der Millionär nicht sterben.

Das Überraschende an "Rendezvous mit Joe Black" ist, daß jetzt zwar ein Spiel um Leben und Tod entfesselt wird, aber nicht um Bill Parrish. Der hat sein Leben gelebt, genossen, was es zu genießen gibt, und ist bereit zu sterben. Doch er spielt um ein anderes Leben: das seiner Tochter Susan. Die verliebt sich in den Tod - und er sich in sie. Als erfolgreicher Unternehmer hat Parrish aber gleich zu Beginn des Besuchs von Joe Black mit diesem einen Handel abgeschlossen: Der Millionär wird seine Identität verschweigen, der Tod wird sich als Gegenleistung mit Vater Parrish allein begnügen. Die Liebe zu Susan bringt Joe Black aber hart an den Rand des Vertragsbruchs, und Bill Parrish muß erkennen, daß es Situationen gibt, in denen geschäftliche Absprachen keine Lösung garantieren.

Der Tod treibt ein Doppelspiel, und daraus erklärt sich seine Attraktivität. Das ist ein faszinierendes Thema, interessanter als all die Filme, die im letzten halben Jahr nach Antworten auf die Frage gesucht haben, was nach dem Tod passiert: "Stadt der Engel", "Hinter dem Horizont" und selbst "Harry außer sich". "Rendezvous mit Joe Black" fragt, was unmittelbar vor dem Tod passiert. Darin gleicht er Assi Dayans letztem Film "Die 92 Minuten des Herrn Baum", der Anfang Januar im Fernsehen gezeigt wurde. Doch wo Dayan eine schwarze Komödie schuf, nimmt Regisseur Martin Brest die Sache tierisch ernst, für ironische Seitenblicke bleibt in drei Stunden keine Zeit. Stur wie die Panzer steuern seine Figuren auf die letzten Fragen zu: Um Ehre und Erbe geht es, um Ehrlichkeit und Endlichkeit, um Ethos und Erkenntnis.

"Death takes a holiday", ein Spielfilm von 1934, hat Brest zu seinem Werk inspiriert. Auch dieses Vorbild besaß noch komödiantische Züge. "Rendezvous mit Joe Black" aber kommt mit so schwerem metaphysischen Ballast daher, daß der Film nie abheben kann, nie die Eleganz erreicht, die seine großartigen Dekors verheißen. Und am allerschwersten lastet das Gewicht auf Brad Pitt, der seinen Tod als reinen Toren anlegen soll, welcher erstmals die Wunder des Lebens erfährt. Wie konnte man das von Pitt erwarten? Mit einer einzigen Miene spielt er sich durch den Film, eine einzige Haltung nimmt er ein, ein einziges Klischee stolziert über die Leinwand. Was ist mit Martin Brest passiert, der vor sieben Jahren mit seinem "Duft der Frauen" bewiesen hat, daß er selbst bei einem schwachen Drehbuch fulminante Leistungen aus seinen Akteuren herausholen kann? Warum gelingt ihm das bei einem besseren Drehbuch nicht? Nicht einmal Anthony Hopkins erreicht gewohntes Niveau. Sein Bill Parrish verfügt zwar über eine Ausdrucksfülle, die sämtliche bisherigen Rollen Brad Pitts gemeinsam nicht erreicht haben, aber auch Hopkins kann nur einzelnen Szenen Glanz verleihen. In zu vielen paßt er sich den jungen Mitspielern an, die allein mit ihren Augen agieren wollen. So bestehen etliche Passagen aus stummen, gegengeschnittenen Großaufnahmen; Brest scheint zu glauben, daß tiefe Blicke auch Tiefgang garantieren. Darunter hat insbesondere Claire Forlani zu leiden, die in ihrer ersten großen Rolle Bill Parrishs Tochter verkörpert - und leider nicht mehr.

Sie leiht der Ärztin Susan ihre Schönheit, aber keine Seele. Die Entgeisterung der jungen Frau, als sie beginnt zu erkennen, auf wen sie sich eingelassen hat, hätte mehr Geist nötig gehabt. Susans Mißtrauen gegenüber diesem unbekannten Joe Black, der plötzlich an der Seite ihres Vaters auftaucht und wie ein intimer Freund an allen Familiendiners und jeder Vorstandssitzung in Parrishs Unternehmen teilnimmt, wächst im Gleichschritt mit der Liebe zu ihm, denn sie hat den jungen Mann gekannt, dessen Körper sich der Tod geborgt hat. Aber leider wächst das schauspielerische Potential von Claire Forlani nicht mit. Und ihre Szenen mit Brad Pitt sind lang, sehr lang. Und die Erotik bleibt kühl, sehr kühl.

Bemerkenswert ist, daß "Rendezvous mit Joe Black" trotz solchen mißglückten Darbietungen und seiner Überlänge fesselt. Zu verdanken ist das der ruhigen Inszenierung, die nur sparsame Musikakzente setzt und deshalb den emotionalen Ausbrüchen ihre Überraschung erhält. Auch die Nebendarsteller lösen einiges von dem ein, was die Hauptfiguren eigentlich versprochen hatten. Marcia Gay Harden als ältere, weniger geliebte Tochter und Jeffrey Tambor als braver Schwiegersohn und personifizierte Harmlosigkeit spielen mit Bravour, gerade weil sie keine Musterbilder abgeben müssen. Und das Finale, das Geburtstagsfest von Bill Parrish, das Joe Black als Zeitpunkt dessen Todes benennt, ist ein Feuerwerk in jeder Beziehung, eine Ballszene, deren Arrangement von großer Finesse ist. Da verdrückt sogar der Tod eine Träne ob all der Schönheit dieses Lebens und ringt sich zu einer großzügigen Geste durch. Das ist pathetisch, bisweilen kitschig, aber auch so muß Kino sein dürfen. Der Film gibt uns, was wir uns vielleicht insgeheim wünschen: Martin Brest läßt den Tod einen guten Mann sein. ANDREAS PLATTHAUS

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Lose basierend auf dem Fredric-March-Klassiker "Death Takes a Holiday" inszenierte Regisseur Martin Brest ("Der Duft der Frauen") eine gedanklich ambitionierte Romanze, die durch ein hohes Maß an Schauwerten auch ein optisches Äquivalent findet. Brad Pitt beweist einmal mehr beeindruckende Star-Power und Anthony Hopkins ist ihm als weiser Medien-Tycoon ein ebenbürtiger Partner. Die Entdeckung dieser höchst unterhaltsamen "Jedermann"-Variante ist die schöne, talentierte Claire Forlani, deren romantische Ausstrahlung durchaus mit der von Meg Ryan vergleichbar ist. Ein prächtiges Liebesdrama mit Top-Five-Garantie.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
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