Buch

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"Authentisch, spannend und in einer Unmittelbarkeit, der man sich als Leser nicht entziehen kann." -- Pforzheimer Zeitung, 23.10.2010
"Eine brutale Geschichte: ehrlich, bissig." -- Kleine Zeitung, 03.10.2010
"'Ich war eine Mafia-Chefin' ist eine imposante Erzählung einer 'Ehrenfrau', die als erste Frau in der sizilianischen Cosa Nostra ein Amt mit Befehlsgewalt innehatte." -- dpa-Basisdienst…mehr

Produktbeschreibung
"Authentisch, spannend und in einer Unmittelbarkeit, der man sich als Leser nicht entziehen kann." -- Pforzheimer Zeitung, 23.10.2010

"Eine brutale Geschichte: ehrlich, bissig." -- Kleine Zeitung, 03.10.2010

"'Ich war eine Mafia-Chefin' ist eine imposante Erzählung einer 'Ehrenfrau', die als erste Frau in der sizilianischen Cosa Nostra ein Amt mit Befehlsgewalt innehatte." -- dpa-Basisdienst
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.10.2010

Die erste "Ehrenfrau" der Cosa Nostra

Die Mafia ist keine reine Männersache. Frauen sind von Anfang an Mitwisserinnen, auch Komplizinnen und sogar Täterinnen. Sie unterstützen die Männer, schenken ihnen Kinder, erziehen sie in ihrem Geist, achten das Gebot der "Omertà" und halten, wenn ihre Helden im Gefängnis sitzen, bedingungslos zu ihnen. Eine "unsichtbare Macht" hat Leonardo Sciascia sie genannt: "Viele Unglücke, viele Tragödien des Südens sind von den Frauen gekommen, vor allem wenn sie Mütter werden." Auch dass sie nach italienischem Gesetz nicht gezwungen werden können, gegen ihre Ehemänner auszusagen, macht sie für die Organisation wertvoll.

Aufgenommen werden können sie zwar nicht, aber "ohne die Frauen", so Giuseppina Vitale, "gäbe es auch keine Mafia". Als erste Frau war sie in Partinico, einer Kleinstadt im Hinterland von Palermo, Bezirkschefin der Cosa Nostra. Als verlängerter Arm ihrer drei sehr viel älteren Brüder, die sie aufgezogen, verwöhnt, geschützt, misshandelt und kontrolliert haben: Während Leonardo, Michele und Vito inhaftiert oder untergetaucht waren, hat das Nesthäkchen Nachrichten überbracht, Geschäfte weitergeführt, Vermögen verwaltet, Politiker bestochen und einen Mord in Auftrag gegeben.

Wie die kleine Schwester dazu kam, hat sie einer Journalistin erzählt (Giuseppina Vitale mit Camilla Costanzo: "Ich war eine Mafia-Chefin. Mein Leben für die Cosa Nostra." Aus dem Italienischen von Julia Eisele. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2010. 188 S., geb., 17,99 [Euro]). Es ist die Autobiographie einer jungen Frau, die 1998, mit sechsundzwanzig Jahren, gefasst und zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Spannend ist ihre Geschichte, so lange sie nah an ihrem und dem Leben ihrer Familie bleibt. Die Innenansicht des Partinico-Clans gibt Auskunft über Gewalt- und Herrschaftsverhältnisse, Rituale und Ehrenkodex, Unterordnung und - auch emotionale - Abhängigkeiten. Kenntnisse setzt Giuseppina Vitale voraus, wenn sie den brutalen Aufstieg der Corleonesi oder den Strategiewechsel von Bernardo Provenzano skizziert, der 1993 Totò Riina als Boss der Bosse ablöste. Oberflächlich bleibt ihre Darstellung der blutig-bleiernen achtziger Jahre, die zum Maxi-Prozess von 1986/87 und 1992 zu den Bombenanschlägen auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino führten.

Die erste "Ehrenfrau", wie Giuseppina Vitale genannt wird, wurde 2005 zur "pentita", zur Abtrünnigen, und sagte als Kronzeugin aus. Ihre Mutter verstieß sie daraufhin und, so musste sie in der Zeitung lesen, "versah das ganze Haus mit Trauerflor". Ihr im Bezirksgefängnis von Parma inhaftierter Bruder Leonardo verfluchte sie öffentlich während einer Videokonferenz mit dem Schwurgericht in Palermo: "Ich habe erfahren, dass eine frühere Blutsverwandte von mir mit der Justiz kollaboriert. Wir sagen uns von ihr los, ob lebendig oder tot, was sie hoffentlich bald sein wird." Doch, so Giuseppina Vitale, "trotz allem liebe ich meine Brüder noch immer". Heute lebt sie mit neuer Identität und fern der Heimat im Zeugenschutzprogramm. Den Ausstieg habe sie für ihre beiden Kinder gewagt, erklärt sie am Ende lapidar. Eine selbstkritische Reflexion bleibt sie schuldig.

ANDREAS ROSSMANN

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Auch wenn die Giuseppina Vitale am Ende keine Selbstkritik anbietet, auch wenn ihre Darstellung der bleiernen 80er Jahre in Italien eher oberflächlich bleibt, wie wir aus der Besprechung von Andreas Rossmann lernen, insgesamt scheint das in Kollaboration mit einer Journalistin aus dem Zeugenschutzprogramm heraus entstandene Buch dem Rezensenten doch gefallen zu haben. Rossmann verfolgt die autobiografische Geschichte des Auf- und Ausstiegs der einzigen "Ehrenfrau" der Cosa Nostra durchaus mit Spannung. Am meisten immer dann, wenn Vitale und ihre Mitautorin nah an der Familiengeschichte bleiben, an den drei Brüdern, die die kleine Schwester in die Organisation einführen. Das sind Innenansichten einen Clans, über Herrschaftsverhältnisse, Kodizes und Rituale, wie sie Rossmann lesen möchte.

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